Digital native? Ja wie?

Aus der Kategorie »just people«

Natürlich habe ich solche Situationen wie die, die Mellcolm da gestern so wunderschön beschreibt, auch schon erlebt.
Natürlich begegnet auch mir regelmäßig eine Mischung aus Unglaube und Mißtrauen gegenüber „diesem Internet“. Und manchmal – so vermute ich – auch ein bisschen Neid, weil der andere das Gefühl hat, etwas zu verpassen.
Und einer meiner Leser wird nicht müde, immer wieder „Weiß ich schon! Hab‘ ich gelesen!“ zu rufen, wenn die Rede auf eine Situation kommt, die auch schon hier im jawl ihren Platz fand.

Letztens las ich irgendwo sinngemäß den Satz „Wenn ich nachts um vier aufwache checke ich meine eMails, das macht mich zum digital native“.
Was natürlich Quatsch ist, das ist höchstens ein Syptom. Noch dazu meiner Meinung nach ein eher ungesundes.

Wie so oft, wenn ein Phänomen unverständlich ist, dann reduziert man es aber erst einmal auf die Symptome, denn sie sind sicht- und greifbar. In diesem Fall sind das eben die benutzten Tools und wer nach facebook oder twitter, nach Forum, Wiki, Blog oder sonstwas, was gerade hip ist fragt, der ist eigentlich schon einen Schritt zu weit.

Denn eigentlich ist es doch ganz einfach: Wer nicht versteht, warum man im Web einen Teil seines Alltags teilt, der sollte einfach den Nachbarn am Gartenzaun zuhören.
Wenn sich ein Tool dafür eignet, dann wird es benutzt. So war das schon immer – Rauchzeichen waren töfte, bis die Telegraphen kamen und die waren ziemlich schnell abgemeldet, als Telefone aufkamen.
Gartenzaun- und Wartzimmerplaudereien waren schon immer hip und genauso ist facebook klasse, Buzz nicht ganz so und Beepworld-Gästebücher irgendwie von gestern.

Weil: Eigentlich ist es noch einfacher: Wir machen gar nichts anders, als „die analogen“. Wir leben nur hier.

Nein, stop, noch simpler: Wir leben nur und nutzen das hier dazu.


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3 Reaktionen

Am 29.03.2010 um 9:25 Uhr ergänzte Tim:

Ich find du hast es gut getroffen. Das ganze Gelaber von „digital native“ oder „digital boheme“ könnte man sich einfach sparen und statt das sagen: „Ich mach mein Ding und das Internet gehört dazu.“ Noch besser wäre wenn man das eigentlich gar nicht mehr erwähnen müsste. Irgendwie sagt ja auch keiner „Hey ich hab einen hammer in der werkzeugkiste“.


Am 29.03.2010 um 16:56 Uhr antwortete Christian:

Tja. Das das Kind einen Namen braucht, um darüber zu sprechen ist andererseits auch wieder verständlich.
Es dann aber immer auf die Tools zu reduzieren ist und bleibt imho aber Unsinn – wie Du ja auch sagst.


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