digitale Medien im Unterricht im Jahr 2016

Aus der Kategorie »just people«

Es ist zweitausendsechzehn und dass unsere Kanzlerin dieses Internet „Neuland“ genannt hat ist jetzt auch schon wieder ein paar Jahre her. Auch die Einsicht, dass Kinder die Zukunft unseres Landes sind und wir sie durch eine gute Bildung auf das Leben vorbereiten müssen, hat sich in der breiten Masse durchgesetzt. (Na gut, an der Umsetzung haperts manchmal noch aber … )

Heute hatte die Liebste, die ja bekanntlich Lehrerin ist, einen Schulbuchkatalog in der Post.
„Na, mal schauen, was die da so anbieten“, dachte ich mir.

Der Katalog hat in etwa 250 Seiten; ich scanne das Inhaltsverzeichnis. Deutsch … Mathe … Sprachen … ah: Sachkunde/Internet/Medien: Seite 204-208. Vier Seiten? Oha …

Ich schlage Seite 204 auf und sehe: Arbeitsblätter. Keine Screenshots, keine CDs (das hätte ich mir ja noch gefallen lassen), sondern Arbeitsblätter.
Ich beginne zu lesen.

„Biologie als Vorbild für Technik! Hier geht es darum zu erforschen, was die Wissenschaft von der Natur lernen kann“

Häh? Was hat das mit Computer oder Medienkompetenz zu tun? Ich lese weiter.

„Jedes Heft der Reihe bietet 20 Arbeitsblätter als Kopiervorlagen“

Arbeitsblätter. Cool, es könnten ja auch Matrizen sein.

„Eine jeweils vorgegebene Internetadresse führt zu kindgerechten Webseiten, die die Antworten auf die gestellten Fragen enthalten. Durch Nachforschen auf diesen Internetseiten können die Kinder die Arbeitsblätter selbstständig bearbeiten“

Es gibt 35 Hefte und exakt eines der Themen hat etwas mit Computer, Web oder Medien allgemein zu tun.

Mit anderen Worten: Für einen Schulbuchverlag ist „Lernen im Netz“ (so der Titel der Reihe), wenn Kinder eine Adresse abtippen und ihre Antworten dann von einer Website abschreiben statt vom Arbeitsblatt, Tafelbild oder der Overheadprojektor-Folie.

Nicht unterschlagen will ich, dass es außerdem noch „Lernen am PC“ (Arbeitshefte mit jeweils 20 Arbeitsblättern zu Themen wie „Rechtschreibung mit Word“, „Kunst und Mathe mit Paint“, „Gestalten mit Word“ usw) sowie „Lernen mit Software“ gibt. Zitat: „Entsprechend dem schmalen Geldbeutel der meisten Schulen handelt es sich bei der ausgewählten Software nicht um teure, im Handel erhältliche Spiele, sondern um Freeware [anderer Hersteller, die wir gesammelt haben (Anmerkung des Autors)].“

Ach ja, und: Vier Bücher zu facebook, Smartphone, Computer und Internet sowie einen PC-Führerschein. Der abgebildete Computer hat Tower, Monitor, Scanner und Drucker und damit mit der Lebensrealität von Schülerinnen oder Schülern vermutlich ebensoviel zu tun, wie das Post-zugelassene Telefon-Sondermodell Dallas von 1983.

Ich bin einigermaßen fassungslos.


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