Eine für alle! (Nee, besser nicht)

Aus der Kategorie »just people«

Letzte Woche war ich ja im Radio; genauer: bei Radio Eins. Wir sprachen dort über das Thema „Christian Fischer ist Feminist“ und wer mag, kann sich die (geschätzt) fünf Minuten hier auch nachträglich noch anhören.

Das Interview war vollkommen unvorbereitet. Neben einigen doofen „Ääähms“ bedeutete das hauptsächlich, dass ich mir alleine doch recht gründlich Gedanken gemacht hatte. Das Thema ist ja doch eher breit und man weiß ja nicht, was so kommt.

Und im Rahmen dieser Vorbereitung ging mir auf: Wenn ich sage „Ich bin Feminist“, meine ich eigentlich nur folgendes: Ich habe die Wahl, für die Diskriminierung von Frauen zu sein oder ein Feminist zu sein. Und da habe ich mich entschieden. Für gleichberechtigtes Miteinander.
So simpel? Schon. Der Einfachheit halber lasse ich mal kurz die Wikipedia sprechen:

Feminismus ist sowohl ein intellektuelles Bekenntnis als auch eine politische Bewegung und tritt für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung von Frauen ein sowie das Ende aller Formen von Sexismus. Der Begriff bezeichnet heterogene Denkansätze und Theorien, deren gemeinsamer Ausgangspunkt das Aufbegehren gegen die Identifizierung von Frauen als einer Männern nachgeordneten Gruppe ist. Ziel ist die Veränderung der Lebenssituation von Frauen als auch der Strukturen, die eine Nachrangigkeit von Frauen hervorbringen.

Ja. Das ist, was ich möchte. Manchmal ist es so einfach.

Oder anders: Gerade bei Themen, die in der öffentlichen Wahrnehmung etwas zerfasern – oder wie es die Wikipedia ja ausdrückt: die mit „heterogenen Denkansätze und Theorien“ wahrgenommen werden, hilft es mir manchmal, sich auf die Basics zu konzentrieren.

In diesem Fall also: Feminismus = gegen Diskriminierung = gut.

In der öffentlichen Wahrnehmung sieht das im Moment oft anders aus.
Warum? Ich habe da eine Idee: Leider neigen wir alle gerne dazu, unsere eigenen kleinen Erfahrungen für das Ganze zu nehmen; oder vornehmer ausgedrückt: Pars pro toto zu argumentieren.
Was dazu führen kann, dass man mal eine feministische Demo gesehen hat und beschließt, dass alle Feministinnen (ganz entgegen dem eigenen unwichtigen Geschmack) lila Hosen und kurze Henna-Haare und ein Plakat in der Hand tragen. Immer. Was natürlich ungefähr so sinnvoll ist wie die Behauptung, alle Franzosen hätten ein Baguette unter dem Arm.

Albern? Nein, leider gar nicht. Guckt man sich nämlich mal um, dann wird quasi nirgends über Feminismus gesprochen. Es gibt aber eine Menge Diskussionen darüber …
… dass Männer aber auch belästigt werden. (Stimmt, aber das eine ist ein strukturelles Problem, das andere statistisch beweisbare Ausnahmen) …
… dass Feministinnen ja gar nicht mit Männern reden wollen (Mag vorkommen, ist aber nur einer von vielen Ansätzen) …
… dass Frau MüllerMerkelSchmidt es doch schließlich auch geschafft hat (Statistiken lesen hilft, um Strukturen zu sehen und Ausnahmen zu erkennen) …
… dass der Schreiber/Sprecher aber noch nie eine Frau benachteiligt hat (Toll! Schoki? Und dann open your fuckin‘ mind und denk an andere, statt auf Basis Deines Handelns die Erfahrungen von Millionen von Frauen zu negieren) …
… die Sprache aber total verhunzt wirkt, wenn auf einmal gegendert werden soll (Dein Sprachgefühl ist also wichtiger als die Ungleichbehandlung der Hälfte der Gesellschaft?)
… dass die Schreiberin/Sprecherin aber noch nie benachteiligt wurde (Toll! Schoki? Und dann open your fuckin‘ mind und denk an andere, statt auf Basis Deines Lebens die Erfahrungen von Millionen von Frauen zu negieren) …

Und so weiter. Und im Endeffekt habe ich oft das Gefühl, dass die Feminismus-Gegner da – ob bewusst oder unbewusst – nach dem guten alten Grundsatz agieren: Teile und herrsche.
In diesem Fall: Breche das große Thema einfach in Teile auf, am besten in welche, die Du doof findest. dann must Du Dich mit dem Rest erst gar nicht beschäftigen.
Selbst die, denen ich gar keinen Willen zum Frauen-Niedermachen unterstelle, reiben sich auf einmal an Details und verkünden fröhlich, dass sie aber keine Feministinnen oder Feministen sind, weil ja im Namen des Feminismus am 17.1.2013 um 13:42 etwas blödes passiert ist. Oder so.

Sicher kann jede und jeder von uns sich irgendeinen Aspekt aus dem großen Feminismus-Gemisch herauspicken, der irgendwie nicht so gelungen ist. Aber dann daraus auf das große ganze zu schließen ist entweder dumm oder ganz arg geschickt – je nach Intention.
Und in ungefähr so zielführend, wie grundsätzlich Demokratie in Frage zu stellen, weil einem der frisch gewählte Klassensprecher nicht passt.

Also, Leute (das ist jetzt der Teil mit dem Aufforderungscharakter): Back to Basics.
Und ich werde mich – glaube ich – in Zukunft einfach weigern, diese Nebenschauplatzdiskussionen zu führen. Jedenfalls die, die auf einmal um ein grundsätzliches „Ob“ gehen. Um das „wie“ mag ich mich ja gerne unterhalten – aber irgendwie lieber, wenn wir uns über das „Ob“ einig sind.


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9 Reaktionen

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Am 13.03.2013 um 13:20 Uhr kommentierte Anne:

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