eine wilde Romanze

Aus der Kategorie »just music«

„Herman Brood. Wie zum Teufel kommt der Typ auf Herman Brood?“ wird sich die geneigte Leserin gestern Morgen vielleicht gefragt haben. Oder auch „Was ist das denn bitte für ein abgefuckter Typ?“

Jep, das ist er. Großartig, nicht wahr?

Ich weiß gar nicht mehr warum, aber der Name Herman Brood sagte mir irgendwie etwas, als eine Freundin mir einen Stapel Platten zeigte, die sie von ihrer großen Schwester geerbt hatte. Mitten in dem Stapel war auch eine seltsame blaue LP bei der ich das Angebot „nimm ruhig mit, ich kenn das alles eh nicht“ gerne annahm. Später kam da noch die Shpritz dazu – viele Platten kannte ich also wirklich nicht, als ich auf dem ersten Konzert landete.

Es wurde trotzdem eines der besten auf dem ich je war. Die Vorzeichen waren zwar erst einmal eher negativ – Herr Brood ließ sich nämlich erst einmal Zeit. Reichlich Zeit. Und meine damalige Freundin – und auch der Rest des Saals – wurde langsam missmutig.
Um acht sollte es losgehen, so gegen halb zehn schlenderten in der allergrößten Arroganz ein paar abgefuckte Rocker-Typen auf die Bühne. Die Stimmung war inzwischen hart vor „die werden hier mit Wurfgeschossen empfangen, falls sie noch auftauchen“, kippte aber innerhalb der ersten drei Minuten wieder komplett.
Rückblickend behaupte ich, der Kerl wollte genau diese Energie haben, um dann dagegen zu halten.
Er hielt. Er spielte fast drei Stunden durch – und wenn ich „durch“ sage, dann heisst das, dass er keine Zeit mit Ansagen vergeudete, sondern jede pfeifende Rückkopplung am Ende eines Stücks direkt zum ersten Akkord des nächsten wurde.
Drei Stunden pure Energie also. Und vermutlich ein relativ kompletter Überblick über sein Schaffen, denn auch live waren seine punkig harten Rocksongs kaum länger als zweieinhalb Minuten.

Im Probenraum 1995

Auf diesem etwas unscharfen Bild (ein Video-Screenshot, I’m sorry) sieht man übrigens neben dem gutausehenden jungen Bassisten, dass ich begeistert genug war, unseren sonst eher HipHop-geprägten Probenraum mit dem geklauten Tourplakat zu schmücken. Und das auch mit Zähnen und Klauen gegen die Sprechgesangs-Jungs durchfocht.

Herman Brood war Musiker, Lyriker, Maler und Rock’n’Roll Junkie. Und ich muss dringend beim nächsten Holland-Besuch endlich mal eine Ausstellung seiner Bilder erwischen.

Nach seinem letzten Entzug befand er, dass das Leben ohne Drogen keinen Sinn machen würde, schrieb „I don’t feel like it anymore. Maybe I’ll see you around.“ in einen Abschiedsbrief und sprang vom Amsterdamer Hilton.

That’s why: Dope sucks.


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2 Reaktionen

Am 26.02.2010 um 14:11 Uhr schriebTheMM:

und Sputum gibt es auch nicht mehr…


Am 26.02.2010 um 23:07 Uhr sprach Christian:

… was auch eher schade ist.


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