Eure Dummheit kotzt mich an

Aus der Kategorie »just music«

Vor ein paar Jahren begann auch in diesem unserem Lande das Phänomen der Casting-Shows um sich zu greifen. Schon vorher hatten es in anderen Ländern ein paar Bands, Sängerinnen und Sänger geschafft, abseits des „wir sind alles beste Freunde und machen nur deswegen zusammen Musik“-Mythos kleine und mittlere Achtungserfolge zu haben.

Trotzdem war den wahren Musikkennern …
Moment. Kleiner Exkurs.
Ist einer der Anwesenden hier kein echter Musikkenner? Handheben, bitte! Aha. Alles echte Kenner, wir sind also unter uns. Ist ja wie beim Autofahren, wir fahren ja auch alle, alle, alle besser als die anderen Idioten da draußen. (Mathematiker anwesend, die dieses Pardoxon erklären möchten? Danke.)
Exkurs Ende und weiter im Text:

Trotzdem war den echten Musikkennern natürlich klar, dass dieser amerikanische Quatsch Abschaum aus den Abwasserröhren der hinterletzen Hölle war, denn: Es war ja eben keine Musik, sondern Casting-Band-Müll. Und es war Casting-Band-Müll, weil es eben keine Musik war. Logisch.

Als die Deutschen dann aber auch begannen, nach diversen farianesken Vertuschungsversuchen etwas offener mit dem Phänomen umzugehen war die Meinung der Kenner klar: Schrott für 13-jährige, die es nicht besser wissen.

Wir machen jetzt einen kurzen Schlenker in das Phänomen der Selffullfilling Prophecy. Was in diesem Fall sagt, dass die Qualität der deutschen Casting-Show-Gewinner immer übler wurde, weil niemand Qualität erwartete, weil schon vorher feststand, dass es keine sein würde.
Als das auch die Macher mitkriegten und schnell viel mehr Kohle aus den Entgleisungen cholerischer Tanzbären und näselnder Verbal-Fäkalisten zogen als aus den ausgesuchten Künstlern war das Ende besiegelt, bevor es richtig losgehen konnte.
Menschen mit einem wirklichen künstlerischen Anspruch fanden sich schnell nicht einmal mehr unter den Kandidaten – und wenn wir ehrlich sind wissen wir auch warum: Ohne das Auto-Absolution-erteilende Umfeld der Kameraüberwachung bis in die Toilette würden sowohl Herr Soost als auch Herr Bohlen in the wild vermutlich für jeden zweiten ihrer Sprüche einfach eins aufs Maul bekommen. Und es würde vermutlich nicht einmal sie selbst überraschen.

Szenenwechsel.
Interessanterweise gibt es ja im deutschen Privatfernsehen noch jemanden, der zwar auch meisterlich die Provokationstastatur bedienen kann, der aber ganz nebenbei hinter seiner großen Klappe eine Menge Substanz bietet. Musikalische Substanz zum Beispiel. Der veranstaltet seit Jahren immer mal wieder etwas, was man eigentlich als „echte“ Castingshow bezeichnen müsste, wenn das Wort von all den anderen Formaten nicht so zerdellt wäre.

Trotzdem halten sich Max Mutzke und Stefanie Heinzmann jetzt schon länger sowohl im allgemeinen Bewusstsein als auch immer mal wieder auf nachhaltigen mittleren Chartplatzierungen als die letzten 5 DSDS-Gewinner zusammen.
Beides sind übrigens Persönlichkeiten, die von BohlenSoost schon in der ersten Sendung niedergemacht worden wären – wenn sie es denn an den sicher sehr fachkundigen Praktikanten Mitarbeitern, die die Vorauswahlen treffen vorbei geschafft hätten.

Und so freute sich das ganze Land vor ein paar Wochen über eine bezaubernde 18-jährige, die in den #usfo-Castings alle anderen mit ihrem Charme an die Wand sang. Das ganze Land? Nein. Natürlich nicht. Eine bezaubernde 18-jährige mit der Bürde, 28 Jahre nach Nicole den GrandPrix endlich wieder einmal heim ins Reich zu holen zu gewinnen reicht da doch nicht aus.
Für so etwas wie ein positives Gefühl über das ganze Land, da brauchen wir schon eine Fußball-WM im eigenen Land. Und ein paar anheizende Humpta-Lieder von den Sportfreunden. Sportfreunde übrigens, die so sehr an die ganze Sache glaubten, dass sie die Single für den wir-sind-doch-nicht-Weltmeister-Fall schon fertig gepresst da liegen hatten. Wenn das mal nicht echte, rückhaltlose Euphorie ist. Aber ich schweife ab.

Charme, Talent, Ausstrahlung und Präsenz – das waren Werte, für die Lena gelobt wurde. Alles doch sehr wackelige Gesellen, die mit ein bisschen desinteresiertem Gottschalk-Geblubber und paar Bildchen und Artikeln in Deutschlands größter Boulevard-Zeitung sowie mit einer kleinen Ochsentour durch die Beliebigkeits-Sendungen zwischen FrühstücksTV und Exklusiv doch sicher zu zerstören sein müsten.

Charme und Ausstrahlung sind eben keine deutschen Werte – jedenfalls nicht, wenn man erst einmal die fehlende Rückung und die minderwertige Komposition kritisieren darf.

Als ich Lena die Tage bei TV Total gesehen habe war ich erschrocken, wie müde sie aussah. Ich gönne ihr jeden Erfolg, ich drücke ihr alle Daumen und ich liebe ihre Platte. Aber ich fürchte, ihre Chancen auf Erfolg in Oslo sinken.
Aber ich weiß, wer dann – neben den üblichen Verdächtigen wie Raab, der fehlenden Rückung und der Ostblock-Grand-Prix-Mafia – wirklich schuld daran ist.


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2 Reaktionen

Am 16.05.2010 um 3:21 Uhr sagte Chikatze:

Hach. Ach. Du sprichst mir aus der Seele!
Danke!
Ich hatte das Gefühl, daß sie Lena kaputtmachen ja seit sie gewonnen hat. Leider.
Sie macht immer weniger ihr Ding und sie ist einfach zu unerfahren um in dem Business alleine durchzuhalten. Hat sie eigentlich inzwischen einen Manager?
O_O


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Hach. Ach. Du sprichst mir aus der Seele!Danke!Ich hatte das Gefühl, daß sie Lena kaputtmachen ja seit sie gewonnen hat. Leider.Sie macht immer weniger ihr Ding und sie ist einfach zu unerfahren um in dem Business alleine durchzuhalten. Hat sie eigentlich inzwischen einen Manager?O_O