Fame. (1)

Aus der Kategorie »just people«

So mit 15 habe ich angefangen Bass zu spielen. Grund dafür war natürlich, dass ich das Instrument einfach cool fand und der Welt gerne virtuose Kunst präsentieren wollte, dass ich in fleissigen Stunden intensiven Übens die Grenzen des Instrumentes ausloten und die Kunst allgemein ein Stück weiter nach vorne bringen wollte. und dass ich Frauen bekommen wollte. Frauen stehen ja immer auf die Bassisten. Hatte ich mal gehört.

Hat natürlich nicht geklappt, dafür hatte ich einigermassen bald eine Band und lernte eine Menge anderer Musiker kennen.

Was uns alle einte war wohl der Wunsch, „Musiker zu werden“. Die Vorstellung, wie das zu bewerkstelligen sei waren einigermassen diffus. Democassetten die man an Plattenfirmen schickte spielten eine Rolle, oder man wurde in einem Club oder bei Bandwettbewerben „entdeckt“. Und dann berühmt. In der Zeit bis dahin konnte man ja prima im Probenraum rumgammeln und irgendwas studieren.

Einige von uns jedoch verfolgten das etwas straighter. Oder waren zur rechten Zeit am rechten Platz.
Auf jeden Fall habe ich zweimal erlebt, wie gute Freunde von mir auf einmal einen Plattenvertrag hatten. Bei einem Major-Label. Einmal sogar mit einem Videodreh in New York.

Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon zu lange studiert, als dass ich noch für mich an die Karriere glaubte und fand es hochgradig spannend, die Dinge, die dort ans Laufen kamen von außen beobachten zu können.

Lernerfolg eins: Platenlabel reden nicht von Kunst, sie reden nicht von Musik. Sie reden von Geld.

Lernerfolg zwei: Weil es so wichtig ist, das zu begreifen gleich nochmal: Platenlabel reden nicht von Kunst, sie reden nicht von Musik. Sie reden von Geld.

Lernerfolg drei: Wenn man das nicht wirklich ernst meint mit der Musik, sollte man es sein lassen.
Und dazu gehört neben dem Drang, unbedingt auf irgendeiner Bühne sein Zeug ins Publikum bringen zu wollen auch die Bereitschaft, dafür etwas zu tun. Zu arbeiten. Sich was zu trauen und es zu tun. Ob man jetzt wie Johnny als Telefon hängt und wagemutig hoch zehn den Manager der persönlichen Götter anruft oder ob man sich jeden Tag die Finger wundübt, weil man der neue Gitarrengott sein will – man muss es tun.
Wirklich wollen und tun.
Wirklich, wirklich tun.

Karriere eins löste sich auf weil … ja, ok das waren zwar auch sehr unglückliche Umstände, bei denen seltsame Management-Verbindungen eine Rolle spielten, aber es lag garantiert auch daran, dass da nicht vier Leute an einem Strang zogen.

Nummer eins hatte danach die Schauze voll vom Big Business, liebte seine Musik aber immer noch und spielt heute in eine kleine netten Band in Süddeutschland, die gelegentlich CDs macht.

Nummer zwei wollte immer nur den grossen Ruhm, hatte sich die Gedanken, die ich mir hier mache nie gemacht und hängt heute noch hier in der Kleinstadt rum und hält sich für einen Rockstar.

Nummer drei hatte noch eine kurze Solokarriere (mit CD und Heavy Rotation) und wurde von der Plattenfirma fallengelassen, weil er nicht pünktlich war. Keinen Bock auf Marketing und so hatte, weisst Du Alter?

Nummer vier hatte ganz die Schnautze voll und hat mit der Musik aufgehört.

Karriere Nummer zwei löste sich schon vor ihrem Anfang auf, weil sie eigentlich gar nicht gewünscht war. Weil niemand bedacht hatte, dass es dazugehört, Interviews zu geben, und man vielleicht auch mal im Fernsehen landet, wenn man ins Scheinwerferlicht will. Das wollte keiner machen und weil wir hier nicht von den Gorillaz reden wars das dann.

Zwischenfazit: Man sollte schon mal darüber nachdenken, ob man die Öffentlichkeit auch will, wenn man in die Öffentlichkeit will.
Und jetzt lassen wir das mal so stehen und lesen im nächsten Teil, was das mit einem Bürgerbegehren in einer kleinen Stadt zu tun hat.

zu Teil 2


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