Fame. (2)

Aus der Kategorie »just people«

Wie war noch das Zwischenfazit?
»Man sollte schon mal darüber nachdenken, ob man die Öffentlichkeit auch will, wenn man in die Öffentlichkeit will.«

Im Jahr 2000 war ich hier in Menden politisch noch wesentlich wacher, interessierter und auch involvierter als heute.
Die Stadt Menden ist – das reicht an Hintergrundwissen – erstens chronisch pleite und war zweitens damals noch von einer absoluten CDU-Mehrheit regiert.
Dann gab es einen Plan, eine ganze Menge an sozialen Einrichtungen soweit zu kürzen, dass das faktisch ihr Aus bedeutet hätte. Aus der Jugendgruppe, die ich zu dem Zeitpunkt betreute kam soviel Protest und auch Energie, dass uns allen spontan klar war, dass da nur ein Bürgerbegehren helfen konnte. Was soll man auch sonst gegen Ratsbeschlüsse einer absoluten Mehrheit tun?
Jugendgruppen heissen ja hauptsächlich deswegen Jugendgruppen, weil in ihnen weniger Erwachsene zu finden sind – also dürft Ihr raten, wer mit seinen Namen verantwortlich unter dem Begehren stand?
Genau. Ich war dabei.

Wir alle waren voll der guten Absicht und voll der Zuversicht, dass allen Mendenern die Jugendbildungsstätte, die kirchlichen Jugendtreffs und noch ein paar andere Geschichten genauso wichtig waren wie uns. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir als Unterstützerkreis eine breite Basis vom Stadtjugendring, den Kirchen, KJG, den Pfadfindern und ein paar anderen Gruppen – eine Gruppe, die es so und in ihrer Einigkeit vorher und nachher nicht gegeben hat. Es lag eine unglaubliche Energie in der Luft.

Man hat für ein Bürgerbegehren – wenn ich mich recht erinnere – 3 Monate Zeit; wir mussten in der Zeit ca 5000 Unterschriften sammeln. Das war nicht so schwer – das passierte viel über die breite Unterstützerbasis. Anstrengender war es, so lange Zeit permanent die Öffentlichkeit informiert zu halten. Am anstrengendsten war es, die unglaubliche Energie drei Monate lang zu halten.

Vor allem, da im Laufe der Zeit von Menschen, die schon länger als wir in der Lokalpolitik beschäftigt waren so manche Spitze oder auch Breitseite bei uns ankam. Klar, wenn man ein Bürgernegehren gegen den Ratsbeschluss einer absoluten Mehrheit macht, macht man sich nicht nur Freunde.

»Man sollte schon mal darüber nachdenken, ob man die Öffentlichkeit auch will, wenn man in die Öffentlichkeit will.«

Haben wir nicht. Kein Stück. Wir waren doch die guten.
Seit dem Bürgerbegehren grüßen mich der Bürgermeister, viele Rathaus-Leute, ein paar Pastoren und andere Funktionsträger der Stadt und die meisten Lokalzeitungsredakteure auf der Strasse mit Namen, ein paar Mitglieder zweier Ratsfraktionen hingegen demostrativ nicht mehr.
Für ersteres kann ich mir auch keinen Keks backen, zweiteres ist Kindergarten galore und findet bei mir allerhöchstens als amüsante Anekdote statt, hat aber sonst keine Bedeutung.

Wenn Menschen zufällig mit mir zusammen „aufs Amt“ gehen und ich dort gegrüßt werde bedeutet das manchen etwas. Bei manchen Menschen gibt mir das eine Bedeutung. Eine gute.
Bei anderen hingegen brandmarken mich die Aktionen von damals. Disqualifizeiern mich – und da ich ja nun selbstständig in dieser Stadt arbeite muß ich damit umgehen und es kann mir nicht egal sein.

Das ist eine Öffentlichkeit, mit der ich nicht gerechnet, die ich nicht eingeplant hatte.
Das ist eine Öffentlichkeit, die ein anderes Verhältnis zu gut und schlecht hat, als wir es hatten. Ein anderes Verhältnis als wir, die wir uns doch im Dienst der guten Sache wussten.

Ein Projekt – im Vorlauf zur letzten Kommunlawahl – ist defintiv daran gescheitert. Man arbeitet nicht mit diesen Grünen. Denen ich zwar nicht angehörte, aber wer hält sich denn mit Kleinigkeiten auf? Der Stempel war drauf.

Ob außerdem noch weitere Angebote im Papierkorb landeten, weil die potentiellen Kunden bei dem Namen auf einmal schalteten weiß ich nicht – man bekommt ja keine Absagen mehr. Vor allem keine mit Begründung.

Wenn ich der Alleinverdiener in unserem Haus wäre, hätte ich uns mit dieser Aktion ganz schön in die Scheisse reiten können.

Lernen wir also – als Zwischenfazit zwei: Man bekommt Verantwortung, wenn man sich in die Öffentlichkeit stellt. Mehr und eine andere als sonst.
Und jetzt lassen wir das mal so stehen und besuchen im nächsten Teil Faithless in der Düsseldorfer Philipshalle und Guildo Horn in der Zeche Bochum.


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