Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Fame. (3)

(Hier gehts zu Teil 2, das ist ja schon ein paar Tage her)

2002 waren Faithless in Deutschland unterwegs. Ich kannte Insomnia und God is a DJ, hatte aber das unbestimmte Gefühl im Bauch, dass es da mehr geben müsste und dass Faithless mir eigentlich gefallen müssten.
Zusammen mit ein paar Freunden kamen wir recht spät, kamen aber dafür direkt vorne rein, standen recht weit vorne und mussten nicht mehr lange warten.
Ich merkte nach den ersten Takten, dass mich mein Bauchgefühl nicht betrogen hatte, aber darum soll es nicht gehen.

Wer von Euch jemals Maxi Jazz auf der Bühne gesehen hat, der wird vielleicht verstehen, was ich zu sagen versuche – allen anderen kann ich jetzt nur mühsam mit ein paar Worthülsen erklären, dass dieser Mann eine der charismatischsten Erscheinungen ist, die ich je erleben durfte.
Was Charisma ist, darüber haben sich ja nun anderen schon genug Gedanken gemacht – aber ich habe dort erlebt, wie eine ganze Halle diesem Mann und seiner Musik verfallen war. Er bot keine Show. Keine Tanzeinlagen, nichts. Er stand einfach nur vorne und bewegte sich kaum. Aber die Halle gehörte ihm. Wow.

Ich musste ein wenig daran denken, wie ich 1997 – wie laut.de es so schön sagt:die Schlagerwelle war auf den Höhepunkt – in der Zeche Bochum miterleben durfte, wie Guildo Horn dem versammelten Saal befahl „Knieet nieder und wartet auf die Nussecken“ (oder so) und wir uns alle hinknieten.
Alle. Wiederspruchslos. Wow.

Wie war noch das letzte Zwischenfazit?
»Man bekommt Verantwortung, wenn man sich in die Öffentlichkeit stellt. Mehr und eine andere als sonst.«

Wenn ich in der Öffentlichkeit stehe und merke, dass 1000 Menschen vor mir niederknieen, wenn ich es ihnen sage – und sei es auch noch so sehr im Spass – dann habe ich Verantwortung. Zum Beispiel die, dass es auch alles Spass bleibt.
Dass es um Nussecken geht und alle hinterher drüber lachen.

Beides waren Abende, wo ich verstanden habe, wie vor gar nicht allzuvielen Jahren Menschen sich hinreissen liessen, begeistert den totalen Krieg zu fordern – weil vorne jemand mit Charisma stand.

Es ist gut, dass ich einmal erlebt habe, wie es sich anfühlt, der Ausstrahlung von jemand erlegen zu sein.
Es ist noch viel besser, dass es dabei einmal um sehr intelligente und einmal um recht primitive Musik ging.

Unser nächstes Zwischenfazit: Menschen sind beeinflussbar. Auch Du. Auch ich.

Lesen wir im nächsten Teil, was das alles mit Dir und mir zu tun hat.

Eine Antwort zu “Fame. (3)”

  1. joerg sagt:

    Ich meine mich zu erinnern, dass der Sänger von Alphaville sich irgendwann mal so ähnlich geäußert hat, dass ihm diese Bühnensituation in der man so totale Kontrolle über die crowd hat Angst mache und ihn Faschismus erinnere. Fand ich damals ganz schön weit hergeholt, aber wenn mans selber mal erlebt hat, ist das gar nicht mehr so abwegig.

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