First kiss

Aus der Kategorie »just people«

Das Problem ist, dass wir zwischen »Ihnen« und »uns« unterschieden. Je kleiner das »Uns« wird, desto mehr gibt es, was uns fremd ist. Und umso größer wird das Problem.
(Halbwegs frei nach Peter Gabriel übersetzt)

Das war Anfang der neunziger, als er gerade mitten in dem wilden Musik-Festival steckte, was viele Jahre später zu »Big Blue Ball« wurde. Und er meinte die vielen verschiedenen Kulturen die dort aufeinander trafen. Hört man sich Big Blue Ball an, sieht man übrigens sehr schön, dass es lohnt, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten. Großartiges Album, aber das nur am Rande.

Und so wie er immer gerne auf anderes, fremdes, neues zuging, so ist es auch im kleinen; so ist es auch, wenn wir auf einen einzelnen fremden Menschen zugehen. Klar muss man vielleicht mal kurz über den eigenen Schatten springen, aber es lohnt eigentlich immer. Gerade gestern war ich zum Beispiel am Bahnhof, wollte ein paar Fotos machen und war wieder mal erschrocken, wie abweisend und jeder-für-sich da alle rumliefen. (Ja, lacht ruhig, ihr coolen Großstädter, aber ich geh ja nicht so oft unter Menschen.)

Ich komme drauf, weil ich gerade vollkommen verliebt vor dem Rechner sitze und dieses Video anschaue. Die Macher baten fremde Menschen, sich zu küssen. Ja zugegeben, das ist ein etwas größerer Schatten, über den man da springen muss, aber …
Aber abgesehen davon, wie süß alle rumgibbeln und -kichern finde ich es am unfassbar beindruckendsten, was nach dem Kuss passiert. Wie viel Nähe, wie viel Zuneigung da ist.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

9 Reaktionen

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Am 11.03.2014 um 10:15 Uhr kommentierte Anke:

Ich habe es auch gesehen und war völlig gebannt :)

Meine Gedanken kreisten um „Wow wie schön!“ und „Im Ernst, die küssen sich gleich“ bin hin zu „Mit so viel Lippenstift drauf KANN das gar nicht schön sein, weil es nur schmiert!“ bis hin zu „Wo ist mein Mann, ich möchte ihn jetzt küssen. Jetzt.“

Hach.


Am 11.03.2014 um 21:34 Uhr ergänzte Ina:

hm…war mir alles zu intensiv für Fremde, die sich gerade erst getroffen haben. Und ehrlich gesagt waren mir die Leute auch alle zu schön – da ist das ja einfach ;)


Am 11.03.2014 um 22:47 Uhr sagte Christian:

Das ist die interessante Frage, Ina. Ich merke, ich würde das gern mal ausprobieren. (Irgendwie. Und irgendwie würd ich mich wohl auch nicht trauen)

Und die schönen Menschen sind vermutlich dann doch der Massentauglichkeit und der Vermarktungsfähigkeit geschuldet, fürchte ich.


Am 12.03.2014 um 15:54 Uhr kommentierte Herr Paul:

Ich fand das Video anfangs auch wunderschön, bin aber gestern Abend drauf gestoßen dass es Werbung ist und die beteiligten Menschen Models sind. Das macht das VIdeo natürlich nicht weniger schön, aber mit diesem Wissen im Hinterkopf fühle ich mich etwas betrogen- es sind eben keine normalen Menschen, sondern Leute die dafür bezahlt werden vor der Kamera eine Rolle einzunehmen.


Am 12.03.2014 um 23:09 Uhr meinte MJKW:

Meike Lobo hat dazu bei FB ein gute Diskussion losgetreten. Und die Frage: wäre es genauso vital geworden, wenn die Menschen weniger mainstreamschön gewesen wären oder sich geohrfeigt hätten? Wäre ein spannendes Experiment und dann v.a. ein echtes.


Am 13.03.2014 um 6:20 Uhr kommentierte Christian:

Ich glaube ja nicht, dass Ohrfeigen Nähe herstellen können.


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