Freiheit? (Teil 4)

Aus der Kategorie »just people«

Im letzten Teil hatte ich eine erschreckende Verwandtschaft zwischen Kirche und Anarchisten entdeckt. Naja, aber was hat das alles mit mir zu tun?

Nach gängigen Maßstäben war ich in den letzten vier Monaten alles andere als frei. Durch die ziemlich durchgängigen Schmerzen im Kiefer (die sich dank des verschobenen OP-Termins so lange hinzogen) und meiner ständigen Suche nach direkter Nähe zu Schmerzmittel, Eisbeutel und Couch war ich ziemlich ans Haus gefesselt. Ein paar Versuche, das zu durchbrechen musste ich dann kurzfristig wieder absagen (dummerweise wissen einige Leser zu genau, was ich meine) und irgendwann hab ich?s einfach ziemlich aufgegeben.
Das war zwar prima für den Kilometerstand meines Autos und auch für den Inhalt meines Taschengeldbeutels aber auf den ersten Blick sehr traurig.

Der zweite Blick ? sowohl der zwischendurch mal als auch jetzt der Blick zurück – offenbart aber ein paar interessante Details:
Ich ? also ich, der ich oft aus Langweile oder Frust mal fix was gegessen habe ? habe (Zwischenstand) 15 Kilo abgenommen. Die Unfähigkeit richtig zu beißen hat sicherlich geholfen, aber ich habe wirklich mein Essverhalten geändert. (Glaube ich, cross your fingers)

Nach diversen Rückmeldungen habe ich in dieser Zeit sowohl im Gespräch als auch im jawl einen absoluten Höhepunkt meiner Ausdrucksfähigkeit gewonnen. Oder anderes: „Boah, Du bist so was von auf den Punkt im Moment, das ist beängstigend“, wie es meine kleine Schwester im Geiste zwischendurch sagte.
Ich kann das natürlich selbst nicht wirklich beurteilen, habe aber schon manchmal das Gefühl, endlich mal genauer sagen zu können, was ich meine. Außerdem haben sich meine Besucherzahlen nahezu verdoppelt. Muss ja auch irgendwoher kommen.

Obwohl man denken sollte, dass ich mich hätte totlangweilen können verbringe ich meine Zeit außerhalb des Büros durchaus erfüllter als Jahre zuvor. Die Stimmung mit meinen beiden Mädels hier im Haus ist so gut wie lange nicht mehr.

Alles in allem ? und dieser Satz klingt jetzt fürchterlich esoterisch ? bin ich wohl ziemlich bei mir.
„Kein Wunder, ich hab ja sonst im Moment nix“, könnte ich jetzt spöttisch sagen, um dann zu merken, wie wahr das eigentlich ist. Und wie gut: Ich. Habe. Mich. Die Abhängigkeiten von allerlei Ablenkung da draußen wurde abgeschnitten und übrig blieb nur ich.

Gibt es ein Fazit aus diesen doch sehr verschiedenen Gedankensträngen?
Nicht wirklich. Vielleicht zum einen der Gedanke, dass man sich schon ganz schön verzetteln kann, wenn man all dem, was da draußen so geboten wird immer nachrennt. Und wer anderem nachrennt kann ja nicht bei sich selbst sein. Und da man das selten merkt, ist es gelegentlich sehr gut, sich auf sich selbst zurückzuziehen.

Weiter, dass ich im Moment denke, ich habe – indem ich nicht ganz freiwillig in diese eingeschränkte Situation geworfen wurde – neue Qualitäten entdeckt.

Und dann auch der Gedanke, dass auch das eine Form von Freiheit ist. Die Freiheit, nicht auf jeder Party, Konferenz, Lesung, nicht bei jedem Vortrag und jedem Konzert zu sein, das gerade wichtig ist. Nicht jeden Job auf Teufel komm raus mitzunehmen.
Die Freiheit, bei sich selbst zu sein und nach der ersten Phase der Irritation („Huch! Ich?“) da auch zu bleiben.

Kein wirkliches Fazit also. Höchstens noch das: Man kann ziemlich prima vier Monate von Smoothies, Suppen, Pudding und weichem Kuchen mit Kakao leben. Ehrlich.
Auch ’ne Form von Freiheit.

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