Gewalt(ät)ig

Aus der Kategorie »just politics«

Natürlich habe ich damals verweigert. Machte man so.
Aber nicht deswegen – ich wollte es. Ich wollte nicht lernen, einen Menschen zu töten, ich wollte nicht ausgebildet werden, andere zu verletzen.

Damals gab es die Geschichte, dass man in der mündlichen Verhandlung gefragt würde, was man tun würde, wenn man zufällig nachts mit einer Waffe durch den Park käme, in dem Russen gerade die Freundin vergewaltigen würden.
Ich kam in keine mündliche Verhandlung, halte die Frage aber für eine urban legend.

Trotzdem habe ich ein mehr als nur einmal mehr als nur ein wenig nachgedacht und mir wurde irgendwann klar, dass jeder von uns bereit ist, Gewalt anzuwenden, zu verletzen und auch zu töten.
In meinem oft sehr ökig angehauchten Freundeskreis war ich mit dieser Meinung der Außenseiter. Wo wir doch alle so pazifistisch waren und uns so liebhatten, Du.
Ganz besonders verachtet wurde ich von einer Freundin, die mir später in einem Streit eine scheuerte.
Ich hab sehr gelacht, dass gerade sie es war. Das half weder der Situation noch ihr, aber ich fand es unglaublich lustig.

Wenn ich miterlebe, wie gleichzeitig peinlich hilflos und trotzdem professionell schnell gerade die Welt von allen Spuren Sebastian B.s gereinigt wird – nur die CounterStrike-Cds dürfen bleiben – dann denke ich, das ist gar kein Problem der Ökos.

Alle haben Angst vor der Gewalt, die in ihnen steckt.

Und noch viel mehr davor, dass die anderen sie auch spüren, dass sie bei irgendwem mal ausbricht. Besser schnell alle Spuren löschen. Weil nicht sein kann was nicht sein darf. Im Parteibuch kann man den Abschiedsbrief lesen – mal sehen wie lange noch. Da steht viel, was dringend gelöscht gehört, wenn diese Gesellschaft so weiterfunktionieren soll, wie sie es schon lange nicht mehr tut.
Also weg damit und uns den wichtigen Dingen zuwenden: Böse Computerspiele verbieten, wichtige Neuerungen am Steuergesetz durchsetzen, Plattenfirmen unterstützen und vielleicht bald mal wieder über die Diäten nachdenken.
Vielleicht irgendwen über die Klinge springen lassen – den Rektor? einen armen Jugendamtsheini? und dann ganz schnell zurück zum Tagesgeschäft. Sonst kann man ja nicht überrascht sein, wenn wieder mal irgendwer so groß aus dem Raster fällt, dass es das ganze Land sieht.

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen will.


Ähnliche Artikel lesen?

Außerdem schrieb ich zum gleichen oder ähnlichen Themen auch noch …

Ich finde den Artikel super!

Das freut mich natürlich sehr.

Du kannst den Artikel weiter verbreiten
Du meinst, der Artikel könnte auch anderen gefallen? Dann findest Du etwas weiter oben auf dieser Seite, direkt rechts unten am Artikel ein paar Buttons. Damit kannst Du den Artikel per eMail, Twitter, facebook oder google+ weiter verteilen. Ich würde mich darüber freuen.

Mir ein Geschenk machen? Uiuiuiui.
Gefallen Dir meine Artikel immer wieder, schöder Mammon ist Dir aber zu doof? Dann mach mir doch eine Überraschung: Hier findet Du meine amazon-Wishlist mit ausgesuchten und garantiert Freude spendenden Präsenten zwischen fünf und zweitausenfünfhundert Euro – da ist bestimmt was passendes dabei.

Geld? Wow.
Ist Dir mein Artikel darüber hinaus sogar noch etwas wert, dann findest Du bei den Icons zum Verbreiten des Artikels einen flattr-Button. Jeder Euro, der darüber reinkommt geht direkt weiter an netzpolitik.org.

Wer? Was? Warum?

Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

8 Reaktionen

Auch kommentieren? Zum Formular

Am 22.11.2006 um 7:26 Uhr sagte Christian:

Stoiber. War klar.
Nach dem verheerenden Amoklauf von Emsdetten darf es keine Ausreden und Ausflüchte mehr geben: Killerspiele gehören in Deutschland verboten. Sie animieren Jugendliche, andere Menschen zu töten.


Am 22.11.2006 um 10:30 Uhr schriebSven Müller:

So, da ich selbst momentan wenig aktiv blogge lade ich hier mal meine Gedanken ab:
Killerspiele vierbieten ist mal wieder eine vollkommen falsche, aber auch vollkommen nutzlose Aktion der Politik.

Natürlich, manche Leute, denen die Zusammenhänge nicht klar sind, werden laut „Bravo“ rufen, aber so etwas lässt sich nicht verbieten.
Alleine durch das www kann sich jeder besorgen was er haben will.

Nein, das Problem sitzt tiefer, wie verzweifelt muss man sein so etwas zu tun.
In dieser Gesellschaft interessiert sich doch keiner mehr für den Anderen, Kinder lernen früh das sie alleine dastehen und sich keiner um sie kümmert. Mit 3 Jahren im Ganztagskindergarten abgegeben, die Eltern Arbeitslos mit genug Zeit sich um das Kind zu kümmern. Aber so ist es ja bequemer.
Werte vermitteln? Wozu? Verantwortung übernehmen? Anstrengend! Andere achten? Aber die haben ja mehr als ich..

Nein, das Problem liegt nicht an den Computerspielen. Das Problem liegt tiefer. Und ist nicht durch ein Verbot zu lösen. Sondern nur duch Verständnis und Achtung des Anderen.


Am 23.11.2006 um 11:39 Uhr ergänzte Tobias K.:

Mein bester Westfalenfreund erzählte gestern von dem Sohn einer Bekannten – begeisterter Ego-Shooter-Spieler, der gerade seinen Zivildienst in einem Altersheim macht und gerne Sozialarbeiter werden möchte… war ein schönes Beispiel für Vorurteile…

Und was die Gewalt angeht: Du hast wahrscheinlich recht. Vielleicht sogar ein biologisches Konzept? – Ich habe jedenfalls über lange Zeiträume immer wieder davon geträumt, wie ich in Situationen der aktiven Bedrohung wortwörtlich anderen den Schädel eingeschlagen habe. Um die Diskrepanz wirklich wahrzunehmen muß man mich wahrscheinlich kennen. Aber es ist jedenfalls definitiv das Letzte was ich in der Realität tun möchte. Und darum bin ich ganz froh, dass ich um den Wehrdienst herumgekommen bin…

Danke für den Eintrag. Für mich die dritte wichtige Perspektive zu dem Problem…


Am 25.11.2006 um 18:13 Uhr meinte Jott:

Nach den schlimmen Exzessen, die sich Nacht für Nacht in deutschen Schlafzimmern ereignen, ist es nur eine Frage der Zeit, wann Pornographie verboten wird…
Nach der „Killerspiel-Logik“ steigt ja der Sexualtrieb nach … sagen wir mal 10 Minuten Pornokucken, enorm. oder hab ich da was falsch verstanden?


Am 27.11.2006 um 0:57 Uhr kommentierte Matthias:

@Sven:

Sehr schön kommentiert!

Aber eines fehlt mir noch:

Für manche Eltern ist es ein selbstverständlicher Luxus, ihre Kinder in Ganztagskindergärten und -Schulen abzustellen. Da kommt für beide Teile das Anhäufen von Geld für den gelebten Luxus lange vor der Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder!


Am 30.11.2006 um 14:15 Uhr meinte Edwinek:

Ich könnte mir eher vorstellen dass Killerspiele für nicht wenige potentielle Gewalttäter ein Mittel sind zum Dampf abblasen. Vor kurzem habe ich irgendwo gelesen über eine Studie die zeigt dass Porno auch diesen Effekt hat, statt Sexualgewalt aus zu locken.


Am 01.12.2006 um 7:28 Uhr antwortete Christian:

Oh, ich fürchte das ist aber eher Hobby-Freud-Alltags-Psychologie.
Das wird ja seit Jahrzehnten gerne mal pro-Porno aus der Schublade geholt, aber das sind doch meist eher Stammtisch-Sprüche.
Wenn Du mir die Studie zeigst mag ich da ja noch mal drüber nachdenken, aber erstmal klingt mir das etwas einfach.
Genauso zu einfach wie „Ego-Shooter-Spieler werden zu Killern“
Das ist mir beides viel zu pauschal.


Am 04.12.2006 um 7:53 Uhr meinte Edwinek:

Leider keine Ahnung wo ich das gesehen habe. Ist auch schon ein par Wochen her.


Dein Kommentar:

Du möchtest auch so ein hübsches Bild am Kommentar haben? Die Bilder gibts bei gravatar.com
Die Bedingungen für das Buchen eines kommerziellen Kommentars findest Du hier.