Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

G?schichten vom Dorf (2)

Wir schreiben das Jahr 1978.
Christian wird von seinen Erziehungsberechtigten dazu gezwungen, ihnen aufs Dorf zu folgen. Da er noch lange nicht volljährig ist, bleibt ihm nichts anderes übrig.
Ebenfalls 1978: Ganz Deutschland ist von Menschen besetzt. Ganz Deutschland? Nein. Ein kleines, von unbeugsamen sauerländer Bauern besetztes Kaff wehrt sich standhaft gegen die zivilisatorischen Einflüsse, die Neuankömmlinge so mitbringen.
Aber das Leben ist hart für die neuzugezogenen …

Ich zog genau auf meinem 6. Geburtstag in dieses Dorf. Neben einer ausgefallenen Geburtstagsfeier bedeutete das, dass ich im Sommer mit den Dorfkindern zusammen in die Schule kommen würde.
Früher – also in der guten alten Zeit vor der Gemeindereform – hatte das Dorf eine eigene Schule gehabt.
Jetzt musste man mit dem Schulbus in die verhasste Stadt fahren. Eigentlich war der Schulbus ein Linienbus, aber da der Dörfler keinen Grund sah, in die Stadt zu fahren, waren eben nur Schüler an Bord.

Aus heutiger Sicht muss ich sagen, ich habe es ihnen aber auch nicht leicht gemacht:
Ich kam gerade frisch aus Belgien, wo mein Vater ein paar Jahre gearbeitet hatte.

Ich war dort im Kindergarten einer sogenanten europäischen Schule gewesen, der sich aber dort »Vorschule« nannte.

Ich war leider leider nicht ganz blöd und hatte mir irgendwann beim Scrabblespiel meiner Eltern das Lesen und Schreiben beigebracht.

Ich konnte nicht Fußball spielen und hatte noch nie geraucht.

Ach, hätte ich doch blinkende Antennen auf dem Kopf und einen geschuppten Schwanz gehabt – ich wäre nicht so aufgefallen.

Lesen wir im nächsten Teil: jetzt will er wohl was besseres sein.

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