Hirn. Nur ein kleines bisschen Hirn. Bitte …

Aus der Kategorie »just people«

Ich wollte etwas kaufen. Logischerweise suchte ich dazu nicht die nächstgelegene Innenstadt sondern den nächstgelegenen Online-Shop auf, klickte ein paar mal, hatte das gesuchte, bestätigte brav die AGBs und kam zum Punkt „Bezahlen“. Nachnahme? Nö. Kreditkarte? Jep.

Ich wurde zu einem externen Bezahldienstleister weitergeleitet, der mir – nach der Eingabe meiner Kreditkartendaten anbot: „Sie können jetzt auch noch dem „Master Card Secure Code“-Verfahren beitreten.
Dummerweise hatten die Jungs ein anderes Verhältnis zum Wort „können“, denn ich konnte nicht, sondern ich hätte gemusst, um den Bezahlvorgang abzuschliessen. Ich fand das komisch, rief bei meiner Bank an und bekam zwar bestätigt, dass es dieses Verfahren gäbe, aber dass man sich im Rahmen eines laufenden Bezahlens anmelden müsse fänden sie auch komisch. Es gäbe aber auch auf ihrer Homepage eine Möglichkeit, die könne ich ja dann benutzen.

Wollte ich dann auch gerne tun, ich musste dazu nur meine Kreditkartennummer und mein Geburtstdatum eingeben. Das tat ich, aber die Automatik sagte „falsche Eingabe“. Ich war mir sicher, meinen Geburtstag zu kennen und erklärte ihn der Kiste noch einmal.
Die Automatik konterte mit „Anmeldung gesperrt legen Sie sich auf den Boden, die SWAT-Jungs sind gleich da rufen sie 0180 blablabla an

Ich also ans Telefon und dem Callcentermännchen alles erklärt. Der tippt, klickt, guckt in meine Daten und erklärt mir, bei ihnen wäre ein Geburtsdatum von mir gespeichert, was definitiv nicht sein könne – und wenn ich dann meinen richtigen Geburtstag eingegeben habe, dann läge es wohl daran. Ich müsse dann zu meinem Kundenberater vor Ort und das korrigieren lassen. Ich twitterte etwas böses und fuhr los.

In der Bank:

  • Guten Tag, mir ist folgendes passiert: Bla bla erklär …
  • Aber zum Bezahlen brauchen Sie ihr Geburtsdatum doch gar nicht?
  • Nein, aber für die Secure Code-Registrierung
  • Hm, der Geburtstag wird vom Konto übernommen – ach schauen wir doch da mal rein
  • (erleichtert) Ja, genau.
  • Da steht [mein Geburtsdatum]?
  • Jep, richtig
  • Und jetzt?
  • (geduldig): Der Mann hat gesagt, es gäbe bei Ihnen ein Änderungsformular, da sollten wir das korrekte Geburtsdatum eintragen und dann an ihn schicken. Oder faxen.
  • Ja, sowas haben wir. (und geht)

Nach vielen, vielen Minuten kam sie wieder, hatte alles geklärt und erklärte mir, es gäbe da ein Formular. Und da würden wir dann draufschreiben, dass ich nicht hätte bezahlen können …
Ich unterbrach sie und erklärte dass es NICHT das Bezahlen, sondern die Registrierung zum „Master Card Secure Code“-Verfahren gewesen wäre. Währendessen war eine Kollegin dazugekommen.

  • Wie? Nicht beim Bezahlen? Ach nee, da braucht man den Geburtstag ja gar nicht.
  • Nein, nicht beim Bezahlen. Bei der Registrierung für Ihr „Master Card Secure Code“-Verfahren. Auf Ihrer Homepage.

Die Kollegin schaltete sich ein: „Du kannst Dich jetzt eh abmelden, Frau Dings ist ja jetzt da und Du kannst Schluß machen“
„Ah prima“, meinte meine Beraterin, „pass auf: Der Kunde will etwas mit der Kreditkarte bezahlen und muss dazu sein Geburtsdatum eigeben, hat das aber falsch gemacht …“

Mein Kopf schaffte es gerade noch, nicht KLICK zu machen, obwohl die gute mich dann mit ihrer Nachfolgerin alleine ließ.

Ich unterbrach sie und um es kurz zu machen, wir beide haben das dann zusammen geschafft.
Der Anmeldevorgang am Rechner der Bank dauert zwar gute fünf Minuten, sie fand das Formular lange nicht, weil es genau da gespeichert war wo Kollegin 1 es notiert hatte, sie konnte zwar keine PDF-Formulare ausfüllen und vertippte sich – genau: beim Geburtsdatum … Aber als das Ding ausgedruckt war notierte sie handschriftlich alles wichtige noch einmal auf dem Zettel und vergaß auch ihren Namen und ihre Durchwahl nicht – ich bin also fast guter Dinge.

Um der ganzen Geschichte eine fast tarantinoeske Wendung zu geben sprang mir auf dem Weg aus der Bank dann noch jemand in den Weg, der mich „aus dem Internet“ kannte, genauer: Aus dem Mendener Magazin. Es gibt ja immer angenehme und eher unangenehme Leser. Er war eher … naja, Ihr könnt es Euch denken.
Er erklärte mir dann, wie er das Magazin retten könne und ich habe mehrfach recht unhöflich eine Essenseinladung überhört.

Ich erwischte mich später dabei, wie ich laut den Satz „Ich möchte, dass das alles nicht passiert ist. Du möchtest, dass das …“ vor mich hin konjugierte und mich alle anderen Besucher deswegen blöd anguckten.

Jetzt mal im Ernst: Man kann doch nicht mehr da rausgehen, oder?


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