Huddel Huddeldidit Duddelidu

Aus der Kategorie »just music«

Nachdem ich ja schon kurz angerissen hatte, dass ich am Montag ein sehr großartiges Konzert gesehen habe wollte ich doch noch ein paar Worte mehr verlieren – gestern Abend hab ich nämlich schon wieder Live-Musik gesehen und die war so absolut nicht erwähnenswert, dass ich mich erinnerte, dass ich ja mehr qualitativen Musik-Content liefern wollte.

Chick Corea also.
Für die, die ihn nicht kennen eine kurze Zusammenfassung: Chick Corea wurde von Miles Davis Ende der 60er in seine Band geholt und dort – vermutlich in der bekannt charmanten Art und Weise des Prince of Darkness – dazu genötigt das Klavier gegen das E-Piano auszutauschen. Miles wollte nämlich gerne elektrische Musik spielen, nach dem er Hendrix gesehen hatte. Soweit ich mich erinnere hat er dort die drei Alben »Filles de Kilimanjaro« , »In a Silent Way« und »Bitches Brew« mitgespielt und danach wieder alleine Musik gemacht.
»Alleine« bedeutet in diesem Zusammenhang, dass er sich immer wieder phantastische Musiker ins Boot holte, um mit ihnen unter anderem die »Chick Corea Electric Band« (deren Kenntnis mir mal die Muskiknote rettete) oder die »Chick Corea Akoustic Band« zu gründen.

Oder aber »Return to Forever«.
Die lieferten zwischen 1972 und 1979 ein paar der Platten ab, die bei den Jazz-Hassern von heute den Grundstock für ihre Antipathie ausmachen: Hudeliges Zeug, vom Arrangement her eher an Rockmusik-Strukturen angelehnt als an klassische Jazz-Standards, den Jazzern zu rockig, den Rockern zu jazzig. Und musikalisch aber eher nach dem Motto „zuviel als zuwenig“ gespielt. Man muss ja zeigen, was man kann.
Richtig geiler Scheiss also.

Anfang des Jahres sah ich zufällig (facebook sei Dank), dass Return to Forever beim Piano Festival Ruhr spielen würden. Habe also schnell den Herrn TheMM kontaktiert, der wiederum rief noch meinen alten Jugendfreund und Gitarristen A. an und wir drei machten uns am Montag Abend auf den Weg nach Duisburg.

Die Mercatorhalle
Ganz hübsch, diese Mercatorhalle

Fun Fact am Rande: Kaum hängt man mal 15 Jahre im Web rum kann man das Logo der Gruppe nicht mehr lesen, ohne »Read the fuckin‘ WAS DENN NUN?« zu denken.

Herr Corea stellte dann auch fest, er freue sich sehr hier zu sein, denn dies sei ja wohl sowohl eine Klassik-Halle als auch ein Klassik-Festival und er können uns versichern: Sie würden heute Abend ganz und gar keine Klassik spielen.
Und das taten sie auch nicht.

Im Vorfeld hatte ich zwei ziemlich begeisterte Kritiken gelesen, die beide übereinstimmend meinten: Es sei so angenehm, dass die alten Männer gar nicht mehr so sehr das Bedürfnis hätten, sich zu produzieren und zu beweisen, was sie draufhätten. Und obwohl sie alle unglaubliches drauf haben und das natürlich auch irgendwie zeigten stimmte das schon. Nach den ersten paar Stücken, die noch so wirkten, als müssten sich die Herren erst noch ein bisschen warmspielen, haben wir danach einfach sowohl kompositorisch wie auch technisch und vom Zusammenspiel her einfach unglaubliches Zeug gehört. Und Spaß!, Spaß hatte sie auch ’ne Menge.

Return to Forever
Die Herren Corea, Ponty, Clarke, Gambale und White

Die fünf haben nicht nur Return To Forever-Zeugs gespielt, sondern sich quer durch die Kompositionen aller Beteiligten gehangelt, Musik übrigens, die sich von dem was sonst aus den USA käme doch sehr unterscheiden würde, wie Herr White uns erklärte:

You know, for sure we are proud of our country, but when you see what kind of bands there are? Uuuuh. They are called ‚Boy Bands‘ – bands where nonbody’s playin‘ an instrument. Don’t understand that. We are different: We are a man-band. And these are very man-ly compositions.

Und zum Schluss, als Zugabe, als das Klassik-Publikum ohne Kenntnis der Rituale eines Rockkonzerts schon in den Ausgängen stand, da haben sie auch noch Stanley Clarkes »School days« gespielt, ich hatte es ja schon erwähnt. Was ’ne Rampensau, dieser Herr Clarke. Hach.

Im nachhinein fiel mir auf: Der Dreier-Trupp Muckerpolizei (also wir) hat sich nach dem Konzert eigentlich über jeden der fünf ausgelassen. Mir war Frank Gambale an der Gitarre etwas zu technisch* und un-emotional (was den anwesenden Gitarristen A. doch nachhaltig beschäftigte), TheMM mag ja eigentlich überhaupt keine Geigen und so weiter und so weiter.
*) Der konzentriert sich immer so viel darauf, die rechte Hand so wenig wie möglich zu bewegen. Sonst würde er doch keine Videos darüber machen. Ich bleibe dabei.

Nur über Chick Corea selbst haben wir kein Wort verloren. Scheint quasi unantastbar zu sein, der Gute. Oder, um es frei nach einem Filmzitat zu sagen: Keine andere Liga, ein anderer Sport.

War ganz gut.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

3 Reaktionen

Am 25.07.2011 um 2:25 Uhr ergänzte Wolkenfrau:

Oh, toll. Da wäre ich auch gern dabei gewesen… :)


Am 25.07.2011 um 9:18 Uhr sagte Christian:

Wir haben da eh noch einen Konzertbesuch offen..?


Am 25.07.2011 um 14:59 Uhr ergänzte Wolkenfrau:

Das stimmt! :) Die klassische Meute hat ja jetzt leider überall fette Sommerpause… aber im Herbst dann! :)


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