i heart my car

Aus der Kategorie »just people«

Gelegentlich fragen mich Menschen, wie ich nur gerne Auto fahren kann. Warum ich nicht viel lieber mit Bus oder Zug, das sei doch so viel angenehmer. Und viel vernünftiger. Und so. Ich versuchs mal.

Zum einen spielt da sicherlich mein Jugend auf dem Dorf eine Rolle. Da gab es weder Bus noch Zug und wenn ich raus wollte musste ich entweder mindestens 12km und über drei unangenehme Berge mit dem Fahrrad fahren (klar habe ich das auch gemacht) oder zu 5km Fuß (auch das habe ich gemacht) hinter mich bringen – oder fragen, ob mich wer bringt. Und wieder holt. Und erklären, wohin. Und erklären warum. Und erklären warum jetzt. Und – ach egal, ich bleib hier.

Bedeutet: Auto fahren zu können war echte, gefühlte Freiheit. Auch mal ins Kino, auch mal in die Kneipe, auch mal einfach nur mit Freunden abhängen.

Aber dazu kommt – und das ist vielleicht etwas schwerer zu erklären: Ich mag überschaubere Systeme, Ich mag Systeme, die ich verstehen, begreifen und fühlen kann.
Und so ein Auto ist mit seinen zweieinhalb Quadratmetern erst einmal sehr überschaubar. Dazu kommt, dass ich mich – Junge auf dem Dorf! – schon recht früh mit Technikbüchern und ähnlichem Kram beschäftigt habe, außerdem habe ich – wir hatten ja nichts – Autokataloge gesammelt und so verstehe ich, was auf desen zweieinhalb Quadratmetern passiert. Ich verstehe es vollkommen, ich kann es begreifen, ich kann es fühlen. Ich weiß, wie der Motor funktioniert, ich habe früher meine Autos auch teilweise selbst repariert, ich kenne die Geräusche und – ja: Ich kann wirklich überblicken, was da um mich herum ist. Das ist ein unglaublich beruhigendes Gefühl.

Und abgesehen von meinem ersten Auto – einem alten R4 – haben alle Autos auch immer alles gegeben, dass ich mich in ihnen wohl fühlen konnte. Ich meine – schaut hier: So viele Lampen und alle sagen: Don’t panic!

Audi-Cockpit

Aber zurück zu den überschaubaren Systemen, es gibt da nämlich noch eins, was mich fasziniert: Das System „Verkehr“. Ich mag Autoverkehr halt.
Ich mag beobachten, wie er fließt, mag verstehen, warum er hier oder da stockt und mag es, ein Teil dieses großen Dings zu sein, das durch meine Stadt fließt. Ich kenne die verschiedenen Rhythmen, die eine Straße über den Tag haben kann, wenn erst die Berufspendler alles verstopfen, dann die hektischen Lieferanten kommen, wenn dann ein bisschen Verschnaufspause ist, bis sich wieder die Pendler auf den Rückweg machen und dann abends die Straße denen gehört, die einfach gerne unterwegs sind. Und ich mag mich, wenn ich unterwegs bin, auch diesen verschiedenen Rhythmen anpassen. „Mitschwimmen“ hat mein Fahrlehrer das genannt. Ein kleiner Teil davon zu sein und dafür sorgen zu können, dass das Ganze funktioniert.

Ich weiß, das alles ist unvernünftig und CO2 und saurer Regen und fossile Brennstoffe und jährlich zig Verkehrstote, aber ich kann’s nicht ändern. I heart my car.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

1 Reaktion

Am 12.02.2012 um 13:26 Uhr kommentierte rebhuhn:

schön. geht mir ähnlich, gerade das mit dem ‚mitschwimmen‘. das war nach der führerscheinprüfung tatsächlich unglaublich: das erste mal allein im auto unterwegs und kein unfall passiert!, niemand guckt doof, weil rebhuhn alleine durch die stadt reitet. ;)

geht mir selbst heute, mehr als 1o jahre danach, manchmal noch so.


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