I live by the river! (Katzenjammer – The Gearbox Sessions)

Aus der Kategorie »just music«

Ich habe schon mal erzählt, wie ich Katzenjammer kennen lernte: Sehr zufällig, als wir eigentlich bei Zaz waren. (Zaz? Wer war nochmal Zaz? Entschuldigung.)

Ich habe die vier danach sehr aufmerksam und voller Liebe beobachtet und wann immer möglich live gesehen, denn nahezu nichts geht so sehr ab, wie ein Katzenjammer-Konzert.
Und die nebenbei solo fleißige Marianne Sveen hat es zu einer eigenen Dandylion-Woche hier im jawl gebracht – mit Rezensionen ihrer drei EPs und einem kleinen Interview am Ende. Igjen mange takk for det!

Und dann geschah Ende letzten Jahres auf einmal alles auf einmal. Zum einen kamen die vier noch einmal auf Tour und wir bekamen noch eine Entschädigung dafür, dass wir sie im Sommer irgendwie verpasst hatten. Zum ersten mal sahen wir ein Hallenkonzert mit Lightshow und allem und das hat auch wieder sehr gerockt. Außerdem hörte ich dort zum ersten mal, wie Turid (in die ich mich sowieso ein wenig verliebt hatte) „London Calling“ sang und das hat meine alte Punkseele sehr berührt.
Dann warfen die vier ein unfassbares Projekt in pledgemusic.com rein und ich kaufte mir für eine nicht genannte Summe Geldes eine Vinyl-Platte. Gut, es ist eine Vinyl-Patte, auf der ich in den Special Thanx erwähnt werde – da gibt man schon mal mehr aus, als für einen iTunes-Download.
Und dann erklärte uns Marianne auf facebook, sie würde die Band verlassen.

Ich und tausend andere erklärten ihr in den Comments, sie sei mutig wie nichts gutes und dass wir ihr alles Glück der Welt wünschen würden. Und natürlich jeden Ton kaufen würden, den sie irgendwann und irgendwo veröffentlicht.
Trotzdem: Uff.

katzenjammerAber zurück zum Pledge-Dings.
Sorry, ich muss jetzt etwas technisch werden, aber lest es Euch bitte durch, um zu verstehen, wie geil dieses neue Album ist. Wenn Ihr normalerweise im Radio irgendwo Musik hört, dann ist die folgendermaßen aufgenommen worden: Die Musiker haben ihre Songs geschrieben, (hoffentlich) geprobt und sind dann ins Studio gegangen. Dort haben sie nacheinander ihre Parts eingespielt. Haben sie dabei einen Fehler gemacht, konnten sie von vorne anfangen. Als Aufnahmemedium dient normalerweise (Überraschung!) ein Computer.
Sind alle Parts eingespielt, kann man mit dem Computer noch hier was schneiden, da aus mehreren Parts einen zusammensetzen, hier ein bisschen Bass mehr reindrehen, dort ein wenig Hall hinzufügen, dort den leichten Kiekser in der Stimme wegmachen, vielleicht noch ein paar Instrumente hinzufügen und überhaupt alles machen, was das Herz begehrt. Ihr könnt Euch vorstellen was alles, wenn Ihr mal irgendeinen DSDS-Gewinner live habt singen hören. Oder Madonna. Sorry.

In den Gearbox-Studios macht man das anders. Dort stellt man sich in einen Raum und spielt. Aufgenommen wird zwar auch mit modernsten Mikros aber der Ton aller zusammen geht nicht auf einen Computer, sondern auf den Rohling einer Vinyl-Platte. Keine Möglichkeit zur Korrektur; absolut gar keinen. Hat die Bassistin bei der Aufnahme lauter gespielt als beim proben, kann man nicht mal den Bass leiser drehen.

Und exakt das hat Katzenjammer uns zum Ende der Dekade in dieser Besetzung geschenkt. Acht Titel direkt aus dem Aufnahmeraum in den Wachs.

Heute kam der Download und ich sitze hier und verdrücke mir das ein oder andere Tränchen. So eine direkte Aufnahmemethode hat nämlich nicht nur die für uns volldigitale Menschen auf den ersten Blick offensichtliche Nachteile, sondern – im Gegenteil – sie macht etwas mit den Musikern. Live zu spielen ist etwas anderes, hat eine andere Energie und wenn man sich gut kennt auch eine andere Magie als die eher technischen Aufnahmen im Studio. Und so habe ich zwar jetzt schon den ein oder anderen kleinen Fehler gehört, musste ich schon grinsen, als Sol sich mal räuspert, aber dafür klingt das alles, als ständen die vier hier im Zimmer.

Außerdem ist „London Calling“ drauf und – wie gesagt: Mein altes Punkherz bumpert dolle.

Tusen takk. Jeg elsker dere alle.


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