Ich geh nich zum Arzt

Aus der Kategorie »just music«

Ich lebe ja – ich weiss gar nicht, ob ichs schon mal erwähnte – in einer Kleinstadt. Eine Kleinstadt aber, die zumindest in einer Hinsicht eingermassen was zu bieten hat: es gibt hier eine recht aktive HipHop-Szene.
Vorein paar Jahren kriegte ich noch direkt und quasi aus erster Hand eine Menge davon mit, denn – obwohl HipHop nie wirklich meine Szene war – sass und jobbte ich in dem Tonstudio, in dem sich das meiste abspielte.

Damals gab es in vielen Köpfen eine relativ klare Trennung – es gab die „echten Musiker“ und die Jungs mit den Samplern, die dann auf den geklauten Beats rappten, weil sie nicht singen konnten.
In meinem nicht so. Ich hab die Armen Ritter (über die man erschreckend wenig im Internet findet) bei ihren frühen Auftritten als Mischer begleitet (der schöne Name „Fischer Mischer“ stammt aus dieser Zeit und der Neigung der HipHop-Jungs, allem und jedem lustige akas zu geben).
Habe auf irgenwelchen obskuren Jams zum Glück mehr über diese Musik gelernt, als die echten und wahren Rocker (nur echt mit den echten Scheuklappen) im Fernsehen jemals sehen werden.
Und habe mit Spannung den ersten Major-Deal aus dem Fax flattern sehen und habe auch später mit großem Interesse immer eingeschaltet, wenn auf einmal welche von den Jungs, denen ich nur kurz vorher die Mikros gerichtet hatte bei MTV auftauchten.
Man könnte einfach zusammenfassen: ich hab mir das alles mit großem Interessen angeguckt und vieles richtig gerne gemocht.

Inzwischen hat sich die HipHop-Szene gewandelt. Mit Aggro Berlin und der sorgsam gepflegten Kultur des gegenseitigen Dissens kann ich wenig anfangen und die Namen, die ich damals kennengelernt habe sind oft wieder verschwunden.
Umso mehr hat es mich letzten Sommer gefreut, Dendemann im Vorprogramm der Helden wiederzusehen, umso mehr freut es mich, wenn der MCWinkel ihn als den derbsten unserer Zeit bezeichnet und umso mehr freut es mich, wenn ich gerade beim Referrer absurfen einen dezenten Hinweis auf Nico Suave finde.
Ich gönne ja eh jedem arbeitenden Musiker seinen Erfolg – aber den Jungs irgendwie noch ein bisschen mehr.


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Auch anderswo wird darüber gesprochen …

[...] Gestern Abend traf ich nach längerer Zeit einen der armen Ritter – der Mendener HipHop-Truppe, die ich damals mischenderweise ein kleines Stückchen ihres Weges begleitet habe – wieder. Und wir fanden endlich einmal die Zeit, uns ein wenig zu unterhalten. War interessant – er war ja damals quasi einer derjenigen, die mir zeigten, dass HipHop mehr ist, als mit tiefhängenden Hosen möglichst laut einen auf dicke ebensolche machen. Dass es HipHop gab, der sich auf eine Kultur und auf musikalische Wurzeln bezog. Dass es es mal um ein Leben mit DJing, Rappen, Breaken und Sprühen ging. Der mich mit zu Jams nahm, wo Menschen sich auf einmal auf den Jazz bezogen, den ich auch hörte. Und mir damals meinen Horizont ein Stück weiter öffnete. Und ich vielleicht ja auch seinen; die Jungs hingen immer hoch interessiert bei uns im Probenraum rum, wenn wir jammten und losimprovisierten und so aus dem nichts neue Musik schufen. Ich habe es geliebt damals, dieses kreative Aufeinandertreffen zweier Welten. [...]
[...] Ich hatte es vor knap einem Jahr schon mal erzählt – ich habe mal eine Zeit meines Lebens im näheren Umfeld einer damals ziemlich losgehenden Hip Hop – Szene verbracht. Und – die geneigte Leserin weiß es – die letzten Jahre habe ich im Umfeld der lustigen early-adaptors verbracht, die später die Blogosphäre bildeten. [...]