Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Ich hab nix zu verstecken.

Meine Idee für den heutigen Tag:
Stell? Dir einfach einen Tag lang vor, jemand würde Dich beobachten. Bei allem was Du tust. Er kann sehen, wohin Du schaust, er kann hören, was Du sagst, er sieht wohin Du gehst und was Du tust.
Er sieht, wenn Du die Seite mit der Dessouswerbung länger aufgeschlagen hast als das Feuilleton.
Er sieht, wenn Du zu schnell fährst.
Er sieht, wenn Du den Kopierer mit Papierstau einfach stehenlässt.
Er hört, wenn Du nach der Besprechung mit dem Chef Deine Frau anrufst und Dich auskotzt.
Er sieht, wenn Du nach der Mittagspause Deinem Kollegen die Stempelkarte gibst und Dir noch einen Kaffee holst.

Würde sich Dein Verhalten ändern, wenn das jeden Tag so wäre?
Sagst Du immer noch, Du hättest doch nichts zu verstecken?

(Wie ich auf die Idee kam steht drüben bei arsch-hoch.org)

8 Antworten zu “Ich hab nix zu verstecken.”

  1. Mitschreiber sagt:

    Ich glaube unter Ökochristen gibt es das auch. Da gibt es diese Armbändchen mit der Aufschrift „What Would Jesus Do?“ Der Effekt ist angeblich ähnlich

  2. Christian sagt:

    überwacht der uns auch???

  3. CountZero sagt:

    sehr gut…
    müßte man JEDEM um die ohren hauen, der die datenschutz-diskussion durch dieses totschlag-argument „ich hab doch nix zu verbergen, du etwa?“ im keim erstickt.

    man kann es nicht oft und laut genug betonen….

  4. joerg sagt:

    Na klar, wenn du z.B. zuviel Wechselgeld rauskriegst, hörst du da nix in dir sagen, dass das jetzt nicht okay wär, wenn du es einsteckst?
    Naja, du als Atheist nennst das wahrscheinlich „Gewissen“, ist aber egal, Effekt ist derselbe.

  5. Christian sagt:

    Ist klar. Ich wollte ja auch nur wieder die Nebendiskussion so kurz wie möglich halten. Es ist klar, dass es ein interessanter Effekt ist, was mit einem passiert, wenn man unter dem Blickwinkel einer Religion (… / Gewissen / Glaube / Philosophie / Ideologie / …) auf sich selbst so achtet.

    Aber diesen Effekt habe ich mal vorausgesetzt, um ihn zu benutzen, damit man sich mal darüber im Klaren wird, dass es das Verhalten beeinflusst, wenn man nicht mehr die eigenen Regeln (Glaube / …) anlegt, sondern die die, die ein Mensch oder eine Behörde hat, der oder die einem beim Leben so zuschaut.
    Und – auch wenn ich an den Gott nicht glaube – ich erinnere mich deutlich, dass es ein vergebender Gott war. Was ein elementarer Unterschied zu einem Überwachungsstaat sein dürfte.

  6. Pepino sagt:

    hmmm, obige Beispiele wären mir schlichtweg egal…. da kann mich jeder bei beobachten… aber dennoch will ich nicht vergläsert werden…

    … und die Lösung wird wohl tatsächlich sein, mit Informationen nicht zu geizen, sondern alle Überwachungsstellen zu überfluten…

  7. Christian sagt:

    Ja, mir wären die obigen Beispiele auch recht egal.
    Ich versuch ja auch nur denjenigen, die das alles als Paranoia abtun ein klein wenig das Gefühl zu vermitteln, dass sich das Verhalten ändert, wenn man weiss, dass man beobachtet wird.

    Und: Informationsüberflutung halte ich für eine gefährliche Sache. Was mir ja nun auch Sorge macht: Da kann mir unser Innennminister tausend mal versichern, dass das alles ganz sicher ist – ich weiss aus Erfahrung, dass schon bei Datenbanken mit 100 Einträgen gelegentlich Inkosistenzen auftreten.
    Und wenn mir eine geflutete Datenbank ein SWAT-Team im Wohnzimmer beschert, weil ein paar Indizes durcheinander gekommen sind, als der 1936454372ste Eintrag in die DB geschrieben wurde – dann find ich das nicht mehr lustig.

  8. Pepino sagt:

    womöglich mittels Stored-Procedure automatisch losgeschickt :-)

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