Ich sag Pop…

Aus der Kategorie »just music«

Liebe Mandy,

Du hast vorhin sehr traurig ausgesehen, als Roger Cicero – meiner Meinung nach übrigens zu Recht – den Grand Prix-Vorentscheid gewonnen hat.
Und ich habe mich gefragt: Warst Du nicht darauf vorbereitet, dass Ihr vielleicht nicht gewinnen könntet? Warst Du Dir zu sicher? Hast Du im vergangenen Jahr zu oft gehört, dass Du die beste bist? Klar, Du hast einen ziemlich guten Run gehabt – Du bist erst in den Recall gekommen, dann in den ReReCall und dann ins Bandhaus. Und da bist Du so lange drin geblieben bis Du auf einmal in einer Band warst, der jemand anders den Namen gegeben hat.
Oder anders gesagt: ich habe ein wenig die Befürchtung, dass das der erste musikalische Misserfolg im letzten halben Jahr für Dich war.

Weisst Du, als Du geboren wurdest, da habe ich auch Musik gemacht (oh mein Gott klingt das alt-klug). Ich habe in diversen Bands gespielt und ich wollte gerne mein ganzes Leben so verbringen.
Ich habe aber auch erlebt, dass die Leute nicht mochten, was wir ihnen vorspielten. Die sind dann einfach nicht gekommen und wir haben vor einem großen leeren Platz gespielt. Oder sie haben nicht aufgehört sich zu unterhalten und wir haben gemerkt, dass wir gestört haben. Oder sie haben uns mit allerlei Gegenständen beworfen.

Und als mich jemand mit einem Plattenvertrag in der Tasche fragte, ob ich in seiner Band spielen wollte, da habe ich lange überlegt, klar, das war ja nun eine Stufe bekannter, berühmter oder weiter oben, wie immer Du es nennen willst. Ich habe das dann nicht gemacht, weil seine Musik nicht aus meinem Herzen kam. Und als eine damals recht bekannte deutsche Band einen Bassisten suchte und mir Freunde rieten, mich dort zu bewerben, da habe ich es aus den gleichen Gründen nicht gemacht.

Dafür wusste ich immer, wann ich gut war und wann nicht, wenn ich von einer Bühne ging. Ich wusste, wenn es an mir lag, dass die Leute es gemocht oder nicht gemocht hatten – und wann es an die falschen Leute waren. Denn es war immer meins. Mein Bass, oft meine Texte, manchmal meine Akkorde, meine Klamotten und Frisur, meine Freunde.

Was ich versuche zu sagen ist: Ich fürchte, dass Du selbst gar nicht wirklich hinter dem steckst, was Du da tust. Dass Du so klar ein Bild, eine Rolle, eine Choreo, eine Emo und was weiss ich nicht was alles ausfüllen musst, dass Du gar nicht mehr vorkommst. Und natürlich sind das alles hochprofessionelle und hehre, gute Werte, die Du da annehmen und ausfüllen kannst und sollst – aber ist es deins?
Ich bin damals unten ein- (und auch wieder aus-)gestiegen – und wusste immer wo ich war – Du bist oben eingestiegen. Und ich wünsche Dir, dass Du da nicht verloren gehst.

Liebe Senna, liebe Bahar – wenn ihr Euch angesprochen fühlt: gerne doch.
Euer Christian aussem jawl


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Wer? Was? Warum?

Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

3 Reaktionen

Am 27.03.2007 um 1:16 Uhr sagte Matthias:

Einen ähnlichen Blick gab es auch bei der ‚Echo‘-Verleihung am Sonntag…


Am 27.03.2007 um 8:04 Uhr sprach Christian:

die hab ich nicht gesehen… – aber stimmt: Shanghai Puff und Silbermond waren die Abräumer, hm?


Am 27.03.2007 um 8:34 Uhr schriebMatthias:

Zumindest bei ersteren äußerte sich das Publikum zweigeteilt – es waren auch deutlich ‚Buhs‘ zu hören (eg)


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