Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Ich verstehs ja, aber … aka. Bestandsaufnahme

Und dann sehe ich um mich immer mehr den Rückzug ins Private. Gut kochen, die richtigen Serien auf Netflix schauen und man arbeitet ja auch genug und der Ton im Internet ist ja nun wirklich unaushaltbar geworden.

Versteh’ ich.

Und dann sehe ich auf der nicht-mittig / nicht-rechten Seite (oder wie auch immer frau und man sich da gerade positionieren), wie sich um Kleinigkeiten gegenseitig zerfetzt wird. Man ist sich uneins, zefrisst sich in Grabenkriegen und Logikknoten und wird dabei immer extremer, so dass nur noch die ganz extremen Positionen an die Öffentlichkeit dringen.
Bitte googeln Sie an dieser Stelle den Konflikt zwischen der judäischen Volksfront und der Volksfront Judäa, Du Spalter!

Nicht gut.

Und dann sehe ich wie die breite Masse, bis hin zu Freunden von mir langsam aber sicher immer mehr Positionen von ganz rechts übernehmen. Weil die sich vertraueter anfühlen als das kranke Gekeife aus dem uneinen „linken“ Haufen. Und weil es dummerweise keine Mitte mehr gibt. Die guckt nämlich gerade Netflix und der Ton im Internet ist ja nun auch wirklich unaushaltbar geworden.

Und das ist alles zu groß für mich und ich will hier weg – oder wenigstens was gutes kochen und ’ne schöne Serie auf Netflix dazu.

6 Antworten zu “Ich verstehs ja, aber … aka. Bestandsaufnahme”

  1. vera sagt:

    Wenn man sich auch nur ein bisschen für Politik interessiert , ist Rückzug wohl die einzige Möglichkeit, die Ruhe zu behalten. Sich ständig Ohnmacht und Wut aussetzen – das kann niemand auf Dauer, ohne in irgendeiner Form extremer zu werden.

    Natürlich zögern Rückzüge weitere Verhärtungen nur ein bisschen hinaus. Dass wir die Debattenmöglichkeit Mainstream-Medien nicht mehr haben und auch keinen Ersatz, bekümmert mich sehr. Dadurch wird es immer unwahrscheinlicher, dass sich Kontrahenten im öffentlichen Raum argumentativ treffen und auseinandersetzen; sie werden sich stattdessen in ihren jeweiligen Blasen gegenseitig bestätigen und im Besitz des einzigen Rechts fühlen. Für eine Demokratie ist das Gift. Nein, ich weiß auch keine Lösung, aber ich denke weiter nach.

  2. Anke sagt:

    Treffend.

  3. In hohen Bäumen weht ein starker Wind, pflegte mein Herr Papa zu sagen.

  4. rt sagt:

    ich finde das sehr treffend beschrieben. ih bin die mitte. ich fühle mein soll an gesellschaftlicher veränderung in meiner arbeit erfüllt, und mit abschliessen der bürotür bin ich raus aus der beschäftigung mit irgendwelchen weiteren konflikthaften themen. ich habe es satt. ich bin müde. und nach jahren der diskussionen ziehe icv mich zurück in mein privates, wo ich den eindruck habe gestalten zu können. manchmal hadere ich damit. aber sehr oft geht es mir mit dieser sehr bewussten entscheidung sehr gut. und vielleicht entsteht aus dieser ruhe und gelassenheit eine neue kraft für mehr.

  5. Christian sagt:

    ja, manchmal hadern, genau.
    ich denke viel darüber nach, wie wir eine gesamte generation gefragt haben, warum sie nichts getan haben. vielleicht verstehe ich sie jetzt besser

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