Ich weiß nicht weiter, ich weiß nicht wo wir sind, ich weiß nich …

Aus der Kategorie »just politics«

Gestern also.
Gestern haben die Politiker in Berlin bewiesen, dass sie entweder nichts vom Netz verstehen oder nichts vom Netz verstehen wollen.
Gestern hat Spreeblick uns allen eine Plattform geboten, um sich dagegen zu positionieren.
Gestern fingen wir an anderer Stelle an zu überlegen, wie man den Protest aus dem Netz heraustragen kann. Und ob man das shouldawouldacoulda. (Die schnelleren haben schon mal Nägel mit Köpfen gemacht – die anderen hängen noch in anderen Parteibüchern)

Und ich überlege so vor mich hin.
Ich habe vor ein paar Jahren mal ein Bürgerbegehren organisiert. Bürgerbegehren sind gesetzlich vorgesehene Mittel der Bürgerbeteiligung, die sehr klaren rechtlichen Regeln folgen. Sie sind deutlich etwas anderes als eine Unterschriftensammlung oder eine Leserbriefwelle oder eine Demonstration. Sie sind – wenn erfolgreich – deutlich mehr.

Das deutlichste Gefühl, an das ich mich erinnere war die Haltung der „bei uns“ damals regierenden Politiker. Eine Haltung, die uns in etwa vermittelte: Niedlich. Ein wenig lästig, aber niedlich. Wahrscheinlich hätten sie gerne noch sowas wie „geh erstmal zum Frisör“ oder so gesagt, wenn nicht meist die Presse dabei gewesen wäre.

Wenn ich dann so ein gesetzlich anerkanntes Mittel mit dem platzieren von niedlichen schwarzen Kreuzchen auf einer Internet(!)-Karte vergleiche bekomme ich ein Problem.
Können Menschen, die vor dem Internet Angst haben, Menschen, die mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – und dabei auch welchen, die von manchen Fachleuten als verfassungsfeindlich angesehen werden – versuchen, dieses Internet zu regulieren, zu kontrollieren und in ihre kleine nicht vernetzte Welt zu pressen – können solche Menschen verstehen, dass die 5000 schwarzen Kreuzchen eine Bedeutung haben?

Ich fürchte nein.

Die Frage, ob solche Menschen eine „Piratenpartei“ ernst nehmen können erspare ich mir lieber.

Und so fürchte auch ich, wir müssen raus aus dem Netz. Aber dringend. Und uns auf den marsch durch die Institutionen begeben.

Wer kommt mit? Und – verdammt nochmal – wie und wo?


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3 Reaktionen

Am 23.04.2009 um 21:56 Uhr kommentierteKonstantin Klein :

Bin dabei – nicht sonderlich überraschend, ich weiß.

Mit meinem Eintritt in die Partei mit dem lustigen Namen ist die Sache für mich längst nicht abgegessen. Dass ich den Namen, wenn auch lustig, nicht unproblematisch finde, dürfte auch klar sein.

Allerdings bin ich übers Wochenende nochmal weg aus diesem unserem Lande (Resturlaub). Vielleicht fällt mir bis zur Rückkehr ja was ein. Oder jemand anderem…

Und vielleicht fällt uns ja beim PolitCamp am Wochenende drauf was ein.

Venceremos. Auf die eine oder andere Art.


Am 24.04.2009 um 7:34 Uhr schriebThomas :

Ich weiß nicht genau wieso, aber mir fällt im direkt Rio Reiser ein.Die Themen an der Oberfläche ändern sich vielleicht entsprechend der Zeit (oder dem Zeitgeist), darunter befinden sich nach wie vor verkrustete Systeme, die den ständig geforderten „mündigen Bürger“ nur solange ernst nehmen und mit Versprechen locken, bis er sein turnusmäßiges Ankreuzritual vollzogen hat.


Am 24.04.2009 um 10:09 Uhr schriebChristian :

Ich glaube schon, dass sich Dinge ändern.
Wir haben heute absolut keine Ahnung mehr, was vor 30, 40 Jahre noch als undenkbarer Protest galt und wissen dementsprechend auch oft nicht, wie gut es uns geht.

Vor nicht allzu langer Zeit gab es ja schon einmal eine Bewegung, die sich auf dem „Marsch durch die Institutionen“ machte. Die waren dann inzwischen auch ein paar Jahre in einer Regierungskoalition und sind länsgt nicht mehr so revolutionär wie sie damals sein wollten.

Vielleicht ist das das Schicksal einer neuen, kraftvollen Bewegung: dass sie ihre Kraft und ihre Andersartigkeit verliert, wenn sie sich in das bestehende System eingliedert. Dass sie an den Wellenbrechern der bestehenden Strukturen die Kraft verliert und nur langsam etwas ändern kann.
Aber – siehe Sylt: Auch stetes Wellenbrecher-anlaufen höhlt die Insel :)


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