jawl-Masters: Meine Neunziger (Teil 2)

Aus der Kategorie »just music«

Wie im ersten Teil angekündigt geht es weiter mit meinem kleinen musikalischen Rückblick auf meine höchstpersönlichen 90er.

Wer sich den ersten Teil angesehen hat, der wird viel Rockmusik entdeckt haben. Und sich vielleicht fragen: „Was faselt der Typ denn da immer vom Jazz, wenn er dann nur Mainstream-Kacke hört?“

Richtig. Da war ja auch zum Beispiel der Jazz. Und noch einiges mehr – und dafür gibt es diesen zweiten Teil.

Meine erste Jazz-Platte war – die aufmerksame Leserin wird es sich schon gedacht haben – eine von Miles Davis.

Miles Davis – Time after time
Miles hatte sich in den 80ern der Pop- und Funk-Musik zugewandt. Abgesehen, dass er dafür von der Jazzpolizei kräftig auf die 12 bekam sind dabei einige ganz wunderbare Platten entstanden. Und für jemanden, der sich dem Phänomen „Jazz“ erstmal vorsichtig nähern möchte ist so etwas natürlich ein leichterer Einstieg als hudeliger HardBop oder frickeliger FreeJazz.
Auf dieser meiner erste Platte – der „You’re under arrest“ hatte Miles sich unter anderem den Cindy Lauper-Song „Time after time“ vorgenommen und bewiesen, wie gut das Stück eigentlich war.
Später mal sagte jemand aus der Band „When we were good playing that song we left no eye without a tear.“
Wer das Ding laut hört und sich ein wenig auf Musik einlassen kann wird vielleicht verstehen, was er meinte.

 

Weather Report – Birdland
Als nächstes sucht man sich als Musiker dann ja immer Künstler, die das eigene Instrument spielen. (Das ist so eine Art masochistische Inspirationssuche: Such Dir die besten, sei frustriert, aber probier es trotzdem)
Ich landete dann recht fix bei Jaco Pastorius – ich habe an anderer Stelle schon einmal über ihn und mich geschrieben.
Eines der Paradestücke ist sicher „Birdland“ zusammen mit Joe Zawinuls „Weather Report“.
Ja, ich habe mich auch erschrocken, als ich diesen halbnackten Hippie das erste mal gesehen habe.

 

Stanley Clarke – School days / Animal Logic – As soon as the sun goes down
Auch Stanley Clarke stellt sich einem schnell dann als einer wichtigen Bassisten vor, wenn man danach sucht. Als erstes hatte ich sein berühmtes „School Days“ auf irgend einem Trödel in der Plattenkiste gefunden – hier habe ich einen Auftritt in der Letterman Show gefunden, den ich Euch nicht vorenthalten möchte.
Später dann tauchte Herr Clarke dann in einer sehr interessanten und ziemlich unerfolgreichen Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Police-Drummer Stewart Copeland in der Öffentlichkeit abseits der Jazz-Ghettos auf.
Schaut man sich die ungeheure „Ausstrahlung und Bühnenpräsenz“ der Sängerin an, die sich die beiden da gesucht hatten kann man den mäßigen Erfolg vielleicht verstehen. Dafür kann man wieder auch ohne die abgenudelten Police-Songs dabei dem phantastischen Herrn Copeland bei der Arbeit zusehen.

 

Interessanterweise kümmerte sich auch der von mir erst mit Argwohn beobachtete HipHop um den Jazz und wurde mir auf diesem Weg langsam immer sympathischer. Hier jetzt drei Beispiele, wie in unterschiedlichen Ländern verschiedene Stile zusammengemischt wurden.

Jazzkantine – Respekt
In Deutschland entstand in einer Gruppe mit hervorragenden Studio-Musikern und ein paar erbärmlichen Rappern aus der Rap-AG des örtlichen Friedrich-Schiller-Gymnasiums die Jazzkantine. Zum Glück verließ man sich nicht auf die Rapkünste der Jungs, sondern suchte sich für die erste Platte zum Beispiel noch den Smudo von den phantastischen Vieren dazu und schaffte so ein recht beachtliches Debut, auf dessen Erfolgswelle die Truppe dann ein paar Jahre ganz gut getourt ist. Soweit ich weiss sind die Jungs immer noch zusammen unterwegs – aber da sie vom heute modernen Aggro soweit entfernt sind wie ich von der Volksmusik der Inuit ist der große Erfolg wohl vorbei.

 

Urban Species – Spiritual Love
In England entstand rund um das Label „Talking Loud“ derweil etwas, was den Stempel „Acid Jazz“ aufgedrückt bekam, das eine kleine Disko ausgerechnet in Wuppertal ganz nach vorne brachte und dessen berühmtester Abkömmling wohl der Herr Jamiroquai sein dürfte. Ganz wunderbares Zeug in einer wilden Mischung aus HipHop, Jazz, Soul und Funk. Gut tanzbar, auch prima zum kopulieren geeignet und leider nach wenigen Jahren irgendwie wieder weg.

 

Guru’s Jazzmatazz feat. Chaka Khan – Watch What You Say
Und in Amerika sammelte der eine Teil von Gangstarr – Guru einfach alle Musiker um sich, mit denen er schon immer mal Musik machen wollte und brachte unter dem Namen „Jazzmatazz“ diverse Platten an die Öffentlichkeit, die den aktuellen Stand dieser Zusammenarbeiten jeweils festhielten. Tolles Zeug.
Hier ein Stück zusammen mit der wunderbaren Chaka Khan.

 

Arme Ritter – Disco 95
Ach und dann war ja noch was.
Denn außerdem mussten wir bei unseren Bandproben ertragen, wie nebenan der geschätzte Vermieter Quadratschulz die Beats für die eigene HipHop-Karriere zusammenmixte. Kein Wunder, dass aus der Rockmusiker-Karriere nichts geworden ist.
Nein, war nur Spaß. Die Zeit war klasse, ich hab den Kram der Armen Ritter immer ziemlich gemocht und hätte den dreien durchaus mehr Erfolg gewünscht.

Ach ja, richtig erkannt: Der eine Abiturient in HipHop-Klamotten ist der junge Dendemann.

Ja, so war das damals. Sing und schwing das Knie!


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