jawl-Masters: Meine Neunziger

Aus der Kategorie »just music«

Drüben bei Spreeblick ist ja im Moment das Rückblick-Fieber ausgebrochen. Allerdings sucht man dort – leider wie ich finde – nur nach dem abschreckenden Beispielen. Das ist zwar immer ganz unterhaltsam aber irgendwie auch so lustig wie eine Herbert Grönemeyer-Parodie: Kann jeder, ist aber irgendwie auch mal abgelutscht.

Deswegen habe ich beschlossen, hier mal die positiv-Beispiele zu sammeln – und ich beginne in den Neunzigern. Wobei „Neunziger“ bedeutet, dass ich den Kram in den Neunzigern entdeckt habe – das ist also alles höchst subjektiv hier. Ist ja auch schließlich kein journalistisches Angebot hier.

Pearl Jam – Black
Als erste ernstzunehmende Musikentwicklung kam zu Beginn der Neunziger der Grunge bei mir an. Ob es sich jetzt bei Grunge um eine wirkliche Musikbewegung oder doch nur um den zum Hype hochgepushten Zusammenschluß aller Seattler Schülerbands gehandelt hat sei dahingestellt – mir hats gefallen.
Pearl Jam wurden damals als die intelligentere Alternative zum rohen Krach von Nirvana gehandelt. Auf ihrem ersten Album „10“ fanden sich einige phantastische Songs aus denen ich hier einmal nicht das allseits bekannte „Alive“, sondern das ruhigere „Jeremy“ herauspicke.
Ein verstörendes Video zu einem verstörenden Lied.

 

Nirvana: Smells like teen spirit
Nirvana hatte ich schon erwähnt. Ich erinnere mich noch ziemlich genau, wie ich damals im berühmt-berüchtigten Rock-Point in Unna stand und das erste Mal das Anfangs-Riff hörte. Ich weiß, der Satz ist abgegriffen, aber: Es hat mich umgehauen.
Schön fand ich später mal den Vergleich zweier Interview-Ausschnitte mit Michal Stipe von REM und Kurt Cobain. Stipe, der seine Verehrung für Nirvana aussprach und sich wünschte, einmal so wunderbar rohe, dynamische Songs schreiben zu können. Kurt Cobain hingegen zog seinen Hut vor REM und ihrer Fähigkeit so fein abgestufte Kompositionen mit so wunderbar vielen Zwischentönen zu schreiben.
Ich hoffe, die beiden haben das gegenseitig mal gehört.
Das Video hat mal jemand als „das einzig mögliche zu diesem Song“ bezeichnet. Ich schließe mich an:

 

Red Hot Chilli Peppers – Suck my kiss
Ziemlich zeitgleich und vor allem in der gleichen Disko hörte ich das erste mal die Red Hot Chilli Peppers. Ich nehme an, das ich Glück hatte und sie vor dem „Macht doch auch mal eine Ballade“-Hit „Under the bridge“ kennen und schätzen lernen durfte.
Ich erinnere mich auch noch, wie ein Freund, mit dem ich damals immer da war beim ersten Ton völlig ausflippte und dann die Tanzfläche für sich alleine hatte. Eine Woche später hatte ich mir die BloodSugarSexMagik gekauft, geliebt und wir waren immerhin schon zu zweit.

 

Paul Weller – Wild Wood
Die ganze Britpop-Welle Anfang des Jahrzehnts ging ziemlich an mir vorbei. Dafür zeigte mir irgendwann dann ein Freund den Mann, den die meisten Britpopper – also zumindest die ehrlichen – noch heute als ihren Übervater bezeichnen: Paul Weller.
Ich bekam zeitgleich die „Paul Weller“ und die „Wild Wood“, von der ein Freund einmal sagte: „Wenn Du die hast, dann hast Du doch alles, was man über Paul Weller wissen muss – etwas genialeres kann es nicht mehr geben“.
Nachdem ich noch ein paar weitere Weller-CDs mein eigen nenne und immer wieder zur „Wild Wood“ zurückkehre mag ich ihm da durchaus Recht geben.

 

Joe Jackson – You can’t get what you want
Während meines Zivildienstes 1991 – 1993 war ich oft darauf angewiesen, mir Autos zu leihen – und fand das vor allem wegen der verschiedenen Musik-Geschmäcker immer hochinteressant. In einem der Autos lernte ich dann zum Beispiel Joe Jackson kennen. Einen Mann, den ich hinterher als ziemlichen Freak kennen lernen durfte – er hat zum Beispiel mal ein Album komplett ohne Mehrspur-Geräte vor Publikum aufgenommen. Die durften dann nicht klatschen, bevor er nicht ein Zeichen gab, weil der Ablaus ja nicht aufs Band sollte. Und weil es – Dank der fehlenden Mehrspuraufnahme – ja keinerlei Korrekturmöglichkeiten gab. Hinterher hat der gute sein Spektrum soweit ich weiß noch weit in Richtung Jazz und Klassik ausgedehnt – so ein wenig kann man die ersten Anklänge davon in dem Video schon wahrnehmen.

(Einbetten nicht erlaubt)

 

Peter Gabriel – Diggin‘ in the dirt
Auch der hier schon mehrfach von mir abgefeierte Peter Gabriel meldete sich in den 90ern zu Wort. Er hatte seinen Millionenseller „So“ mit den gefeierten Videos zu „Sledgehammer“ und „Big Time“ im Rücken und es damit bestimmt nicht ganz einfach. Das Album hatte dann auch keine so großen Single-Erfolge aber einige Songs, die auch Jahre später auf Konzerten oder auch auf Tanzböden zuverlässigen Erfolg verheißen. Einer davon ist Peters Psychotherapie-Aufarbeitung Diggin in the dirt“ mit einem durchaus den Vorgängern würdigen Video, das ich leider nicht einbetten darf.
Aber eine Live-Versionkann man mitnehmen – da sieht man im Vergleich dann auch Peters Live-Qualitäten:

So much for now – stay tuned, ich mach demnächst weiter.


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2 Reaktionen

Am 16.11.2008 um 18:58 Uhr meinte bekki:

Hallo

schon interessant, daß wir in den 90er das gleiche gehört haben. Meist hörst Du immer noch das selbe wie ich, abgesehen von Jazz, das ist etwas, bei dem es mir schwer fällt mich mit anzufreunden.

Dennoch, danke für den Flashback! Vor allem für den PG-Flashback! Er hat mich in den 90er viel begleitet und hat mir immer wieder Mut gemacht mit seinen Songs!

LG
bekki


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