Warum lernt main kind so aine komische rechtschraibunk?

Aus der Kategorie »just people«

Und überhaupt – warum machen die Schulen heute alles anders? Liest man sich so durch die Feuilletons, stößt man immer mal wieder auf solche oder ähnliche Fragen. Ältere Männer, deren tagtäglicher Job das Schreiben ist, Männer die an einem Tag mehr lesen und schreiben als der durchschnittliche RTL2-Gucker im Monat, erklären den Untergang des Abendlandes. Weil sie gesehen haben, wie heute in vielen Grundschulen den Kindern die Lust am Schreiben und Lesen nahegebracht wird.

Und so sehr alle Herrn Martensteins Polemiken sonst verachten – da sind dann alle mal seiner Meinung. Vor allem Mütter mit Kindern zwischen 5 und 15 springen heftigst da drauf an.
Und das ist ja auch logisch und irgendwie richtig – nichts ist dem Herzen näher als das eigene Kind.
Und: Wir waren ja alle selbst mal in der Schule, haben also persönliche Erfahrung mit dem Thema – also auch genug Ahnung um zu sagen wie’s laufen müsste. Oder? Da kann man doch mal seine Meinung sagen!

Dröseln wir das doch mal auf:
Die Durchschnittsmutter mit 6-jährigem Kind ist zwischen Ende zwanzig und Ende dreißig, der Durchschnittsvater etwas älter. Der Durchschnittsfeuilletonist deutlich älter.

Im besten Falle ist die Grundschulzeit also etwas mehr als zwanzig Jahre her, im schlimmsten auch vierzig oder fünfzig Jahre.
In dieser Zeit hat sich einiges geändert in der Schule. Wie übrigens im restlichen Leben auch. Exemplarisch greife ich mal raus, dass jede und jeder mit dem ich sprach, ziemlich froh darüber war, dass heute niemand mehr in fest aneinander geschraubten Pulten mit 40 anderen den Klassenraum teilen muss, so wie ich das zum Beispiel vor dreißig Jahren noch tat.

Und so hat sich eben auch die Methode geändert, nach der man Schreiben lernt. Kluge Menschen haben sich Gedanken gemacht, haben viele, viele Kinder beobachtet, haben Diktate, Aufsätze und unzählige Schulhefte ausgewertet und haben bemerkt, dass es langweilig ist, wochenlang so gehaltvolle Geschichten wie „Tut Mimi?” – „Mama tut!” zu schreiben – nur weil man blöderweise noch nicht mehr Buchstaben als A,I,M T und U schreiben kann. Oder schreiben darf. Haben entdeckt, dass Kinder mehr Lust am Schreiben bekommen, wenn sie es – wie das Sprechen auch – benutzen können. Auch mit Fehlern.

Wer sehen will, wohin fehlende früh-schulische positive Schreiberfahrung führt, der schaue mal in die Rechtschreibergüsse des durchschnittlichen Hass-Kommentators auf welt.de oder beobachte einen durchschnittlichen Arbeiter, Handwerker oder Büromenschen, wenn man ihm ein weißes Blatt hinlegt und sagt: „Schreiben Sie doch mal kurz auf …”
Dann kann man nämlich in geschätzten 70% aller Fälle eine komplette Schreibhemmung beobachten – teilweise sogar mit echten Schweißausbrüchen! Ehrlich, ich hab da schon Sachen erlebt …
In weiteren 20% liest man dann eine Flucht in diesen unsäglichen Passiv-Nominal-Stil, von dem bei im Büros zum Zeitpunkt des Verfassens in Beschäftigungsverhältnissen befindlichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern angenommen wird, dass er dem Stil, den andere in Büros angestellte Personen, die solchermaßen verfasste Werke zur Kenntnisnahme vorgelegt bekommen werden, entspricht. (Na, verstanden? Das meine ich.)
Auflösung: … -Stil, von dem viele denken, dass man so schreibt.

Was ich sagen will: So wie vieles andere haben sich auch hier die Konzepte geändert – und wenn ich mir meine Lebensrealität ansehe, die sich nicht nur in literarisch beschäftigten Autoren-, Lektoren, Uni- oder Texter-Kreisen abspielt, dann war das auch nötig.

Trotzdem wird gerade das Schreibenlernen von allen aufs Korn genommen. Ob es vielleicht auch in der Mathematik neue Wege gibt (gibt es) interessiert übrigens kaum eine Sau – vermutlich weil es ja bis in die angeblich intelligentesten Kreise hinauf vollkommen en vogue ist, mit seinem Mathe-Unverständnis zu kokettieren. Und einen Aufschrei darüber, dass auf einem Sachkundeblatt der Pluto noch ein Planet war, habe ich auch noch nie gehört. Naja, MINT am Arsch.

Aber ich komme vom Weg ab. Ich fasse mal zusammen, wie ich das so beobachte:

Ein hoher Prozentsatz der heute 40-jährigen kann nicht gut schreiben. (Dazu zähle ich sowohl mangelnde Rechtschreibkenntnisse wie auch die Unlust, Wörter zu Papier oder Bildschirm zu bringen) Das sind also die, die das Schreiben so gelernt haben wie „wir”.

Fachleute haben das ebenso beobachtet und alternative Methoden entwickelt.

Der geringe Prozentsatz derer, die gut schreiben können und sich qua Beruf oder Position als Hüter der Sprache verstehen, finden das Scheiße. Liest man die Diskussionen, dann haben sie sich selten mit dem Konzept beschäftigt, sondern sehen nur den falsch geschriebenen Aufsatz(!), den ihnen ihr stolzes Kind nach acht Wochen(!) Schule mit nach Hause bringt. (Ob es die Lust der Kinder am Schreiben – also an der Auseinandersetzung mit Schriftsprache – fördert, wenn Mama diesen Stolz dann mit „Das ist ja alles falsch!!” kommentiert, das mag sich an dieser Stelle jede selbst überlegen.)

Liebe (beliebigen Beruf einsetzen). Wie fändet Ihr das eigentlich, wenn jede und jeder sich darüber auslassen würde, dass Ihr Eure (beliebiges Produkt des beliebigen Berufs) aber nicht richtig macht, weil das früher aber anders war? Und das obwohl gerade in Eurem Beruf eine Menge Grundlagenforschung betrieben wurde und Ihr echt nach dem neustem Standard arbeitet?

Es gibt sicherlich viel zu diskutieren in der Pädagogik. Forschung hier ist immer auch etwas anderes als Forschung in vielen anderen Gebieten, weil es keine Labore gibt, in denen man erstmal wirklich total gesicherte Erkenntnisse finden kann.

Über eins aber sind sich seit Jahren alle einig: Es tut keinem Kind gut, wenn die eine Seite den einen Weg und die andere Seite den anderen Weg geht. Lese ich also in einem Forum „Mir egal, was für einen Scheiß diese neumodische Lehrerin da macht – bei mir zu Hause lernt das Kind vernünftig schreiben” – dann läufts mir kalt den Rücken runter.

Ach ja, und: Seid doch bitte klug genug zwischen einem Konzept und denen, die es ausführen zu unterscheiden. Nicht jede Grundschullehrerin, die aufgerieben zwischen Curriculum und Elternschaft, zwischen „ham wa schon immer so gemacht”-Kolleginnen und seltsamen Fachleitern auch mal Mist machen ist Beweis dafür, dass es falsch ist, Kinder Fehler machen zu lassen. Oder dass „die da”, bei den Pädagogen eh keine Ahnung haben.

Und – um da noch einmal drauf zurück zu kommen: Ja, es gibt viel zu diskutieren in Schulen und es gibt sicher auch vieles was schief läuft. Wie wärs denn da mal mit Widerstand? Ich kenne zum Beispiel quasi nur noch Grundschulen in denen die Lehrer oder die Eltern selber putzen müssen, weil die selbstständigen Sub-Unternehmerinnen der Reinigungsfirmen (=Putzfrauen) laut der Vorgabe der EU-weit ausgeschriebenen Putzstelle nur 4,5 Minuten Zeit pro Klassenzimmer haben.
Wenn Ihr schon für Eure Kinder meckern müsst (ja bitte: mehr Lobby für Kinder!) – tuts doch da, wo es wirklich nötig ist.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

59 Reaktionen

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Am 17.09.2014 um 17:04 Uhr wusste Steffen:

Hach, es ist immer wieder schön zu lesen, wenn du über Schule schreibst.


Am 17.09.2014 um 17:14 Uhr meinte Die liebe Nessy:

Ich finde das schon okay so, was beim Schreibenlernen heute passiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich damals groß Probleme damit hatte. Hätte ich aber wahrscheinlich mit einer anderen Methode auch nicht gehabt. Wichtig ist doch auch – unabhängig von der Methode -, den Kindern Freude und frühe Erfolgserlebnisse mit dem Erlernten zu vermitteln. Dann läuft das doch eigentlich, oder? Wenn die Eltern gegen die Schule anreden, ist das doof. Das ist dann auch nicht gut für den Lernerfolg.

Außerdem muss ja nicht jeder ein Orthographiepapst und Feuilletonjournalist werden.

Richtig schreiben lernt man (by the way) auch, indem man viel liest. Das könnte sich auch so mancher Erwachsene zu Herzen nehmen.


Am 17.09.2014 um 18:21 Uhr meinte frau bruellen:

Vor allem für den „mint am arsch“ teil: ja. Erlebe bei meinem sohn, dass es in der umsetzung (er hat eine grossartige lehrerin) nicht so dramatisch ist, wie befürchtet. Und da mein sohn liest wie ….. ich, tut er sich auch mit dem schreiben leicht.


Am 17.09.2014 um 18:34 Uhr kommentierte computerfuzzi:

Unter Umständen wäre es halt sinnvoll, wenn die Lehrer sich ab und zu herablassen könnten, ihre Unterrichtsmethoden zu kommunizieren. Und zwar auch den Eltern gegenüber. Eben, damit die Eltern nicht daheim „Das ist ja alles falsch!!!“ brüllen sondern wissen, warum der Lehrer das eben so gemacht hat.

Andererseits, folge ich der Argumentation im Text, sollten wir eigentlich Unterricht machen wie zu Goethes Zeiten ;) . Nebenbei, als ich vor 30 Jahren in der (Grund-) Schule war, waren die Tische mitnichten zusammengeschraubt und wir waren auch nur überschaubare 20 Kinder in der Klasse.


Am 17.09.2014 um 18:35 Uhr sagte Christian:

Andererseits, folge ich der Argumentation im Text, sollten wir eigentlich Unterricht machen wie zu Goethes Zeiten

Äh? Der Argumentation in meinem Text? Nein.


Am 17.09.2014 um 20:31 Uhr kommentierte Mama arbeitet:

Jein. Aber ja zu eventuell auf die Barrikaden gehen.

Ich habe ein Kind mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, und für solche Kinder ist die neumodische Art, das Schreiben zu lernen, viel schwieriger, weil es irgendwann auf einmal Regeln gibt, die nicht logisch sind, so wie Mathe, was wiederum eine Begabung bei solchen Kindern sein kann.

Ich lese deswegen aufmerksam die Artikel zu solchen Themen, und darin steht, dass Kinder, die im Lesen und Schreiben schwach sind, erhebliche Probleme haben durch die komische Rechtschraibunk. Gerade die Schwachen sollte man nicht hintenüber fallenlassen, denke ich.

Trotzdem habe ich mein Kind zuhause nicht korrigiert, damit es nicht vollends durcheinander kommt. Es ist ein Dilemma. Und das Kind hat immer noch Schwierigkeiten, in Klasse 3, obwohl alle Lehrer sagen, es sei extrem schlau. :(


Am 17.09.2014 um 20:37 Uhr sagte Christian:

@Mama arbeitet
Wenn Du Dich hier oder sonstwo, wo ich so schreibe umguckst, dann wirst Du sehen, dass ich ein vehementer Verfechter jeder Form von individuellen Lernen bin. Sprich: Den Unterricht den individuellen Stärken und Schwächen des Kindes anzupassen.


Am 18.09.2014 um 9:23 Uhr kommentierte Anke:

@Mama arbeitet: In der Klasse drei geht es mit korrekter Orthografie erst los. Mit Übergang zur siebenten (!) Klasse sollen Kinder die gesamte Bandbreite beherrschen. Es ist also erst der Beginn. Keine Sorge. Dein Kind braucht einfach noch Zeit.


Am 18.09.2014 um 22:45 Uhr sagte Modeste:

Ich arbeite teilweise mit Berufsanfängern, die inzwischen gut 10 – 15 Jahre jünger sind als ich. Bisweilen fürchte ich, dass die Bemühungen, den Lernprozess an der Schule bis hin zur Uni ausschließlich angenehm auszugestalten und die Motivation vor allem durch positive Bestätigung hochzuhalten, auch sehr negative Folgen hat. Es fehlt nicht selten an Durchhaltevermögen, an der Fähigkeit, Niederlagen und offene Kritik zu verdauen, Aufgaben immer wieder anzugehen. Kurz: Am langen Atem und einer gewissen Leidensfähigkeit. Begeisterung und Spaß allein reichen meiner Erfahrung nach nicht besonders weit.

Ich strebe nun nicht an, dass Lernen unbedingt langweilig und mühsam sein sollte. Ich glaube aber, dass der Schlüssel zu hoher formeller wie inhaltlicher Sprachkompetenz nicht in möglichst spaßigem Unterricht, sondern in möglichst anspruchsvollem Unterricht liegt. Die Anlauttabellen leuchten mir dabei durchaus ein. Ich würde aber von Anfang an auf einen hohen Standard bezüglich Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik setzen, etwa durch Leselisten und wöchentliche Diktate.

(Ich habe selbst im Übrigen auch ähnlich lesen gelernt. Ein Kinderwörterbuch. Zu Hause, anleitungslos. Ich habe fortan Bücher verschlungen und musste zudem wöchentlich meinen Tanten schreiben, natürlich fehlerfrei, also mit Vorschrift, Korrektur und einer abschließenden Schönschriftversion. Mein Großvater ließ bei allen Familienessen zum Kaffee nach dem Essen die Enkel Balladen oder kurze Szenen vortragen oder musizieren. Wir waren sieben Enkel. Fünf davon heute promoviert, niemand gehemmt in Wort oder Schrift.)


Am 18.09.2014 um 22:49 Uhr sprach Christian:

@Modeste: Spaß an etwas wecken und „möglichst spaßig sein” ist aber ein Unterschied, oder? Also – ich sehe einen.


Am 18.09.2014 um 22:58 Uhr meinte Momatka:

Liegt das Problem nicht eher in der mangelnden Kommunikation? In meiner Umgebung sind die Eltern vor allem irritiert. Über das Wie und Warum haben sie auf Elternabenden wenig erfahren und ich (die ich noch 5 Jahre Zeit habe) lese heute zum ersten Mal davon. Nichts gegen eine gelungene Polemik, aber Missverständnisse bleiben nicht aus, wenn es an Informationen mangelt.


Am 18.09.2014 um 23:05 Uhr schriebChristian:

ich weiß nicht, ob DAS Problem da liegt (mir fallen noch zwei, drei andere Problemquellen ein) – aber: Sicher, wenn Eltern nicht einbezogen werden ist das blöd.


Am 18.09.2014 um 23:17 Uhr meinte Little B.:

Bei uns erst nächstes Jahr und ich weiß auch (noch) nicht, wie es die Schule des Kindes handhabt. Es ist mir letztlich auch egal, denn ich werde es nicht ändern können. Sondern so – wie treffend beschrieben – den Weg einfach mitgehen müssen. Ich vermute auch, dass mein Sohn dabei nicht ganz so renitent ist wie ich: Als ich damals statt einer vernünftigen Schreibschrift die vereinfachte Ausgangsschrift lernen sollte, habe ich mich verweigert und um Extra-Unterricht gebeten.

Und zum MINT-Absatz: Applaus. Vor lauter Sprachförderungs-Wahnsinn fallen diese Fächer noch mehr hintenrunter.


Am 19.09.2014 um 11:04 Uhr meinte Modeste:

Aber ist es nicht so, dass erst die Anstrengung kommt, dann die Kompetenz und dann die Freude an der erworbenen Fähigkeit? Als Negativbeispiel für das „softe“ Erlernen steht mir der Lateinunterricht vor Augen. Ich habe an der Uni u. a. Römisches Recht unterrichtet. Diejenigen, die Latein lustorientiert anhand von Asterix und vorportionierten, möglichst „kindgerechten“ Häppchen aus Lateinbüchern gelernt haben, konnten deutlich schlechter Latein als diejenigen, die – wie ich – in kirchlichen Schulen durch viel Auswendiglernen, ständige Tests und teilweise beschämende Kontrollen an der Tafel Latein gelernt haben. Im Ergebnis brachen viele der „weltlichen“ Lateinschüler das Privatissimum im Römischen Recht ab. Die Kloster- und Jesuitenschüler blieben eher bei der Stange und erzielten bessere Ergebnisse.

(Ich weiß nicht, ob es hierüber Erhebungen gibt. Meinem subjektiven Empfinden nach sind die Kloster- und Jesuitenschüler in meinem Umfeld auch langfristig beruflich erfolgreicher.)


Am 19.09.2014 um 11:18 Uhr antwortete Christian:

@Modeste:
Ich war ja auch nur früher selber und bin heute nur noch „Co-Pädagoge”
Aber meine eigenen Erfahrungen sowie die der Liebsten sagen, dass man am besten lernt, wenn man Spaß daran hat.
Wenn Lehrerinnen und Lehrern natürlich nichts anderes einfällt, als bunte Bildchen daneben zu malen (um mal Dein Asterix-Beispiel etwas zu überspitzen) – das ist ja fast auf dem Niveau von „mit bunten Schraubenziehern macht’s am Fließband doppelt so viel Spaß”
Und wenn man Spaß nur duch WischiWaschi-Unterricht und möglichst kurze, kleine, knappe Lerneinheiten erreichen kann, damit sich die Schülerinnen und Schüler nicht anstrengen müssen, hat man vielleicht auch den Beruf verfehlt.
Spaß beim Lernen geht imho anders. Ich kenne eigentlich nur Kinder, die, wenn sie intrinsisch motiviert an etwas herangehen mit sehr viel Energie und auch Anstrengung lernen. Lernen wollen. Schau Dir an, mit wie viel Energie Lego erlernt wird, mit wie viel Geduld Computerspiele, die uns als Erwachsene vollkommen überfordern erarbeitet werden.
Nein, ich sage gerade nicht, dass die regelkonforme Nutzung von LegoTechnik und WorldOfWarcraft für ein Leben ausreichen. Ich sage: Zeigt Kindern wie viel Spaß Physik, Mathe, Sprache usw machen. Dann wollen sie es lernen. So lange allerdings – wie in Deutschland – nicht die besten, sondern die schlechtesten eines Abi-jahrgangs Lehrer werden fehlt vieleicht schon beid er lehrkraft der Spaß.
Aber ich gleite ab.
Also zurück: Gerade dafür ist diese Schreiblern-Methode gut. Schnelle Erfolge zeigen, dass es sinnvoll ist, zu schreiben. Im Gegensatz zu „Mama? Mimi tut?”-Sätzen.

Darüber hinaus missfällt mir ganz persönlich so eine protestantische Einstellung von „erst durchs Jammertal um dann die Belohnung zu bekommen” sehr. Aber das ist natürlich persönliche Meinung und nicht so super-pädagogisch unterfüttert ;)


Am 19.09.2014 um 11:29 Uhr sprach Anke:

@Christian:
„Darüber hinaus missfällt mir ganz persönlich so eine protestantische Einstellung von „erst durchs Jammertal um dann die Belohnung zu bekommen” sehr. Aber das ist natürlich persönliche Meinung und nicht so super-pädagogisch unterfüttert ;)“

Wenn du mal psychologisch-pädagogische Sichtweisen auf Belohnung und Bestrafen erfahren willst, empfehle ich dir Literatur, zum Beispiel „Punishment by Rewards“ von Alfie Kohn. – http://www.alfiekohn.org/teaching/pbracwak.htm Hier ist ein Kurzinterview als Einstieg.


Am 19.09.2014 um 11:34 Uhr sprach Christian:

Oh, merci, Anke!


Am 19.09.2014 um 13:17 Uhr sagte dasnuf:

Sehr gerne gelesen.
Ich bin großer Fan dieser Methode und total fasziniert in welcher Geschwindigkeit Kind 2.0 schreiben gelernt hat. Es kein einfach ALLES schreiben und hat großen Spaß daran.
Jetzt hat es noch 11 Jahre Regeln zu lernen. Das sollte genügen.
Ich finde den Motivationsansatz dahinter viel, viel besser als früher. Es wird ermutigt statt demotiviert.


Am 19.09.2014 um 13:37 Uhr sprach Rebekka.:

Toller Artikel, den ich verbreiten und zitieren werde.

Und danke, Anke, für den tollen Link zum Interview mit Kohn!!


Am 19.09.2014 um 13:42 Uhr schriebCindy:

Dem kann ich mich zum großen Teil anschließen, ich bin von der neuen Methode mit der Laut-Verschriftlichung auch wirklich angetan, wobei ich aber insgesamt auch glaube, am Ende ist der wichtigste Faktor, wie engagiert und fähig die Lehrer sind. Mit einer guten und begeisterten Grundschullehrerin erreicht man da einfach viel bei den Kindern, die ja eigentlich zu dem Zeitpunkt alle noch total lernwillig sind.
Der einzige Punkt, dem ich ein klein wenig widersprechen muss ist der, dass die Mütter aufgrund der Rechtschreibung ihrer Kinder in Panik geraten. Meine Erfahrung unter meinen Miteltern ist es oft, dass die Mütter auch nach anfänglicher Skepsis mit der Zeit doch die Methode akzeptieren und mit ihren Kindern entsprechend arbeiten, aber gerade die Papas, die alle paar Wochen mal oberflächlich in die Hefte der Kinder gucken und sich sonst nie damit beschäftigen, was und wie ihre Kinder so in der Schule lernen, dann die große Panik bekommen.
Und dann tun sie immer alle so, als ob nach der Fibelmethode und mit strengen Noten und Dikaten alle eine einwandfreie Rechtschreibung ab Klasse 1 gehabt hätten. Da wird die Vergangenheit verklärt und so umgemodelt, als wären damals alle durch die Bank weg Einserschüler_innen gewesen. Manchmal beschleicht mich ja das Gefühl, dass die ältere Generation der neueren es einfach nicht gönnt, nicht für die gleichen Fehler durch schlechte Noten und Tadel bestraft zu werden.


Am 19.09.2014 um 13:45 Uhr kommentierte Katharina:

Meiner fängt jetzt, mit knapp 5 an, in Büchern nach Buchstaben zu suchen und dann auf dem Computer die Wörter abzuschreiben. Und wenn er selber eine Geschichte erfindet, dann schreibt er die in dem Hauchtöitsch auf wo Schweizer Kinder halt reden tun wenn sie Hauchtöisch über TV und Radio lernen müssen.
So föking watt?!
Die Freude an der Tätigkeit kommt zuerst – irgendwann wird er dann schon von sich aus wissen wollen, wie „es“ richtig geht.
Bei uns wird es übrigens nach der Vorschule Eltern-Infoabende geben, wo die LPs die Eltern briefen, wie man heutzutage Rechtschreibung, von Hand Addieren und Dividieren und was es da sonst noch so alles gibt, lernt. So können es die Eltern dann den Kindern zuhause auf dieselbe Art zeigen, wenn die fragen.


Am 19.09.2014 um 14:31 Uhr antwortete Maximilian Buddenbohm:

Ich: „Schreibst du mal bitte Bananen und Lachs auf den Einkaufszettel?“ Sohn I, seit drei Wochen Schüler: „Jo.“

Und dann steht da Bananen und Laks. Wobei man Lachs natürlich auf etliche Arten schreiben kann, Lax, Laks, Lags, Lachs – er merkt das und fragt, wie Erwachsenen es schreiben, ich schreibe das daneben. Er guckt sich das beides an. Läuft.


Am 19.09.2014 um 22:11 Uhr kommentierte Modeste:

Die Schreibern-Methode finde ich auch super. Mein Dissens bezieht sich nur auf den Verzicht auf die Korrektur bei Fehlern. Ich glaube nämlich nicht, dass das entmutigt. Ich sehe doch selbst an meinem Zweijährigen, wie groß die kindliche Begeisterung für das Arkanum der Schrift ist. Wenn er engagiert buchstabenähnliche Gebilde auf Postkarten kritzelt und mit dem Finger unter der Zeile wüst erfundene oder gut behaltene Geschichten „vorliest“, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Korrektur daran etwas ändert, wenn er in vier Jahren zur Schule kommt.


Am 19.09.2014 um 22:15 Uhr wusste Christian:

Ich kenne das so, dass die Lehrerinnen danebenschreiben, wie es rechtschriftlich richtig ist.


Am 19.09.2014 um 22:59 Uhr antwortete jacqueline:

Hm. Meine Erfahrung aus der Erwachsenenbildung ist: Bei TN über 30, die keine Schwäche haben, sitzt die alte RS. Die haben Probleme, die neue in den Alltag einzubauen, weil sie nicht mehr dauernd schreiben.

Bei den TN unter 30 und denen, die die neue RS gelernt haben, sitzt nix. Sie kennen kaum die Regeln, hören/erkennen nicht die Worte in den Diktaten, haben wenig Sprachgefühl.

Eine Mutter meinte mal, dass die Kinder in erster Linie Arbeitsblätter bearbeiteten und nicht mehr fortwährend zusammenhängende Texte schrieben. Ihnen fehle die Erfahrung der Wiederholung.

Im Beruf ist diese mangelnde Kompetenz, aber vor allem das oft fehlende Verständnis für das korrekte Schreiben ein Hinderungsgrund bei Einstellungen.

Die TN, die aktuell Kinder haben, verzweifeln mit der neuen Pädagogik. Ein Sohn hat neulich seinen Vater gefragt, warum man ihn erst habe falsch schreiben lassen, um ihn dann auf einmal zu korrektem Schreiben zu zwingen. Das Gefühl für die eigene Schreibweise sitzt so tief, dass sich das Gefühl für die korrekte Schreiben nicht einstellen will.


Am 19.09.2014 um 23:09 Uhr sprach Kirsten:

Leider kommt diese Korrektur durch die Lehrerin bei vielen Kinder wegen viel Lärm und Ablenkung in der Klasse leider oft zu kurz (das stell ich mir zumindest als den Grund dahinter vor) und es gibt viele Kinder mit anderssprachigem Hintergrund, die mit der Anlauttabelle wohl noch andere Probleme haben als meine vorrangig deutsch-sprachig aufgewachsenen Kinder. Und noch mehr Eltern (egal mit welchem Hintergrund), die keine Korrekturen anbringen können, sei es, weil die Zeit fehlt, sei es, weil sie es selber nicht besser können. Plus: dieses „Hey, ich kann was Schreiben“ Hochgefühl fällt durchaus nicht bei jedem Kind gleichgroß aus und es gibt Kinder (eins hab ich selber), das partout keine Lust hat auf Geschichten schreiben (oder malen, aber das ist eine andere Geschichte). Auch am Anfang nicht. Auch als die Rechtschreibung wirklich und ehrlich und auch uns noch egal war.

Ich glaube nach Erfahrung mit zwei eigenen Schulkindern und diversen in der näheren Bekanntschaft, dass es tatsächlich längere Zeit zu lange in die „macht mal wie Ihr denkt“ Richtung ging und freue mich, dass inzwischen die Korrekturen schon früher einsetzen, hoffentlich bald überall und konsequent.


Am 20.09.2014 um 9:07 Uhr sprach Herr Rau:

Wenn’s funktioniert, ist es gut. Die Lernmethode, die für alle Schüler die beste ist, gibt es ohnehin nicht; es wird immer Schüler geben, die mit einer anderen Methode besser gefahren wären. Das kann auch mal das eigene Kind sein. Aber die Methode, die für die größte Zahl der Schüler am meisten bringt, sollte verwendet werden.

>Kluge Menschen haben sich Gedanken gemacht, haben viele, viele Kinder beobachtet, haben Diktate, Aufsätze und unzählige Schulhefte ausgewertet

Das Ausmaß an Klugheit und Auswertung würde ich nicht überschätzen. Pädagogik ist Moden unterworfen wie andere Disziplinen auch, und die Datenbasis für Entscheidungen dünn oder überhaupt schwierig zu bekommen. Aber so oder so, es gibt wesentlich wichtigere Baustellen.


Am 20.09.2014 um 21:33 Uhr kommentierte Silke:

Das klingt alles sehr gut.
Der Haken an der Sache sind die Noten. Denn eine schlechte Rechtschreibung wird auch in der Grundschule schon mit schlechten Noten beurteilt. Und nach meiner Erfahrung (alte Lehrerdynastie, selber Mutter von 4 Kindern) schleift sich eine schlechte Rechtschreibung kaum auslöschbar ein, wenn man nicht recht bald dem Kind vor Augen führt, wie „man“ das Wort bei allem Spaß am Schreiben aber nunmal eigentlich schreibt.
Der Spaß am Schreiben vergeht nämlich leider ziemlich schnell nach den ersten bitteren Erfahrungen mit schlechten Noten durch verhunzte Rechtschreibung…


Am 21.09.2014 um 13:35 Uhr wusste Hilli Knixibix:

Danke für diesen Artikel und den Anstoß, weitergehend über diese Methode nachzudenken.
Fehler machen tut nicht weh und was ein Fehler ist, das kann man korrigieren. So vermittele ich das meinen Schülern und Schülerinnen und zeige bewusst weniger Interesse am Fehler als am Angebot, den Fehler zu beheben. Das wird gerne angenommen und die Angst vorm Falschschreiben oder Falschrechnen weicht der Neugierde auf das Korrigierte.
Viele Grüße auch an Deine Frau!


Am 22.09.2014 um 10:13 Uhr antwortete Patricia:

Das ist ein guter Artikel. Leider gibt es bei diesem Thema zu viele Baustellen gleichzeitig. Zum einen wird den Eltern das System nicht (genug) erklärt, oder Eltern sind (mangels eigener Bildung oder Deutschkenntnisse) nicht in der Lage das System zu verstehen. Ich selbst wurde in den 80ern eingeschult und hatte bis zum Abitur Mitte der 90er Probleme mit der Rechtschreibung. Als Kind mochte ich auch wenig lesen weil es mir zu anstrengend war. Ich habe auch immer langsamer gelesen als alle anderen (das ist heute noch so). Eigentlich muss ich sagen habe ich es erst als Erwachsener gelernt, da ich vieles nachgeguckt habe und auswendig gelernt habe. Neben meinem Ingenieurstudium habe ich als Nachhilfelehrerin viel gelernt, da man als Erwachsener viel schneller dinge erfasst und Zusammenhänge besser versteht als als Schüler. Meine Erfahrungen nun als Mutter von zwei Kindern und aus langjähriger Nachhilfe sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Mein ältester Sohn hat eine Lese-Rechtschreibschwäche. Er hat sich aus Büchern mit Texten noch nie viel gemacht und wenn ich ihn bestrafen will, kann ich ihm sagen lies ein Buch oder schreib mir einen Brief. Selbst die ersten Texte nach der Methode „ich schreibe mit der Anlauttafel das was ich höre. Waren maximal ein-Satz-Geschichten. Wenn an dann entsprechend des Problems nicht gefördert wird, sondern erstmal nur hört „LRS gibt’s nicht er muss nur zusätzlich zu den HA im 2. Schuljahr noch jeden Tag 5 Sätze schreiben“ kommt man als Mutter an seine Grenzen. Die HA dauerten ja schon eine Stunde, da alles langsamer ging und die Motivation die Aufgabenstellung zu lesen schon nicht da war. Nach dem wiederholen der zweiten Klasse wurde es etwas entspannter, als mit der neuen Lehrerin abgesprochen war ihm schon zu sagen wie alles richtig aussieht. Die eingeführten Lernwörter ab der zweiten Klasse haben dies unterstützt. Er liest bis heute nicht wenn es nicht unbedingt sein muss, manchmal nicht mal die Aufgabenstellung, sondern fragt lieber. Wenn er selbst schreibt haben wir ihm beigebracht im Zweifel ins Wörterbuch zu gucken. Wenn er sich anstrengend macht er nur wenig Fehler, wenn es nicht so drauf ankommt (im Unterricht etwas mitschreiben oder HA und privat) kann man die Fehler kaum zählen. Da ist es schon fast hilfreich, dass er unter anderem mit vielen Erwachsenen (Familie, Eltern von Kinder- und Jugendgruppen, anderen Betreuern von diesen Gruppen) in Chatgruppen ist und dort sich zu richtiger Schreibweise zwingt. (Mittlerweile 9. Schuljahr)
Der zweite jetzt 5. Schuljahr (keine LRS) wollte von Anfang an lesen und selber schreiben. Er hat von selbst angefangen zu fragen wie etwas richtig geschrieben wird und hat sich selbst verbessert, weil er das Wort schon mal gelesen hat. Wusste ab den Lernwörtern auch dass es für Manche Sachen Regeln gibt und man manches einfach auswendig lernen muss und setzt es auch im Alltag um. Meine Nichte 4. Schuljahr lernt komplett nach dem System und wie von der Schule gewünscht, mischt sich die Mutter nicht ein. In der Schule wird richtig geschrieben und sie hat gute Noten. In der Freizeit wir ebenfalls viel und gerne geschrieben, aber niemand kann es lesen, da sie immer noch so schreibt wie sie spricht. Davon kenne ich mehrere Fälle die auch mittlerweile schon im Berufsleben sind.
Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass viele Lehrer dieses System ja selbst auch erst lernen mussten und oft sind Klassen heute so kraftraubend, dass einiges auf der Strecke bleibt. Individuelle Förderung ist oft nicht so umsetzbar wie eigentlich gewünscht und gefordert. Wenn Eltern dann aus verschiedenen Gründen (Berufstätigkeit, niedriger eigener Bildungsstand, Nichtbeherrschung der Sprache oder leider auch Desinteresse) den Kindern nicht helfen können, bleiben einige auf der Strecke und im Berufsleben wundern wir uns, dass Bewerbungen voll von Fehlern sind und Berichtshefte nicht richtig geschrieben werden.
Die Schulen können gerne mit solchen Systemen arbeiten, allerdings müssen die äußeren Umstände bekannt sein und berücksichtigt werden. Dazu muss auch den Lehrern die nötige Unterstützung gegeben werden.


Am 22.09.2014 um 13:41 Uhr ergänzte baulie:

„So lange allerdings – wie in Deutschland – nicht die besten, sondern die schlechtesten eines Abi-jahrgangs Lehrer werden fehlt vieleicht schon beid er lehrkraft der Spaß.“

Bisher war ich nur stille Mitleserin, doch diese Aussage ärgert mich wirklich sehr. Ich bin im Moment selbst im Referendariat und hätte mit meinem Abischnitt (drittbester Schnitt meines Jahrgangs) ohne Wartesemester auch problemlos Medizin, Psychologie oder andere NC-Fächer studieren können. In meinem Kurs am Seminar für Didaktik sieht es kaum anders aus. Von 12 Leuten haben 10 einen Abischnitt von 1,8 und besser und die Schnitte im 1. Staatsexamen liegen zwischen 1,1 und 2,3. Und alle werden Lehrer/innen aus Überzeugung, nicht als „Notlösung“ weil es sonst zu nichts gereicht hat.
Solche Verallgemeinerungen sind ähnlich ärgerlich wie das ach so beliebte „Lehrer-bashing“…


Am 22.09.2014 um 19:45 Uhr sprach Christian:

@baulie
Bitte entschuldige wenn sich das (heute? Bei Dir?) geändert hat.
Als ich Lehramt studierte und auch noch viele Jahre danach war das so.
Ich werde mich – ich schreibe eh an einem Nachtrag zu diesem Artikel weil mich die sehr sachliche, fundierte Diskussion an so vielen Stellen wirklich sehr gefreut hat – mal auf die Suche machen, wie da heute so der Schnitt ist. Weil im Endeffekt ist ja weder Deine noch meine persönliche Erfahrung statistisch belastbar :)


Am 25.09.2014 um 6:59 Uhr sprach Christian:

Das passt dann ja zeitlich exakt zu meinen Erfahrungen. Danke!


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Auch anderswo wird darüber gesprochen …

Hach, es ist immer wieder schön zu lesen, wenn du über Schule schreibst.
DANKE!
Ich finde das schon okay so, was beim Schreibenlernen heute passiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich damals groß Probleme damit hatte. Hätte ich aber wahrscheinlich mit einer anderen Methode auch nicht gehabt. Wichtig ist doch auch - unabhängig von der Methode -, den Kindern Freude und frühe Erfolgserlebnisse mit dem Erlernten zu vermitteln. Dann läuft das doch eigentlich, oder? Wenn die Eltern gegen die Schule anreden, ist das doof. Das ist dann auch nicht gut für den Lernerfolg. Außerdem muss ja nicht jeder ein Orthographiepapst und Feuilletonjournalist werden. Richtig schreiben lernt man (by the way) auch, indem man viel liest. Das könnte sich auch so mancher Erwachsene zu Herzen nehmen.
Ja.
Vor allem für den "mint am arsch" teil: ja. Erlebe bei meinem sohn, dass es in der umsetzung (er hat eine grossartige lehrerin) nicht so dramatisch ist, wie befürchtet. Und da mein sohn liest wie ..... ich, tut er sich auch mit dem schreiben leicht.
Unter Umständen wäre es halt sinnvoll, wenn die Lehrer sich ab und zu herablassen könnten, ihre Unterrichtsmethoden zu kommunizieren. Und zwar auch den Eltern gegenüber. Eben, damit die Eltern nicht daheim "Das ist ja alles falsch!!!" brüllen sondern wissen, warum der Lehrer das eben so gemacht hat. Andererseits, folge ich der Argumentation im Text, sollten wir eigentlich Unterricht machen wie zu Goethes Zeiten ;) . Nebenbei, als ich vor 30 Jahren in der (Grund-) Schule war, waren die Tische mitnichten zusammengeschraubt und wir waren auch nur überschaubare 20 Kinder in der Klasse.
Andererseits, folge ich der Argumentation im Text, sollten wir eigentlich Unterricht machen wie zu Goethes Zeiten
Äh? Der Argumentation in meinem Text? Nein.
Jein. Aber ja zu eventuell auf die Barrikaden gehen.Ich habe ein Kind mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, und für solche Kinder ist die neumodische Art, das Schreiben zu lernen, viel schwieriger, weil es irgendwann auf einmal Regeln gibt, die nicht logisch sind, so wie Mathe, was wiederum eine Begabung bei solchen Kindern sein kann.Ich lese deswegen aufmerksam die Artikel zu solchen Themen, und darin steht, dass Kinder, die im Lesen und Schreiben schwach sind, erhebliche Probleme haben durch die komische Rechtschraibunk. Gerade die Schwachen sollte man nicht hintenüber fallenlassen, denke ich. Trotzdem habe ich mein Kind zuhause nicht korrigiert, damit es nicht vollends durcheinander kommt. Es ist ein Dilemma. Und das Kind hat immer noch Schwierigkeiten, in Klasse 3, obwohl alle Lehrer sagen, es sei extrem schlau. :(
@Mama arbeitetWenn Du Dich hier oder sonstwo, wo ich so schreibe umguckst, dann wirst Du sehen, dass ich ein vehementer Verfechter jeder Form von individuellen Lernen bin. Sprich: Den Unterricht den individuellen Stärken und Schwächen des Kindes anzupassen.
@Mama arbeitet: In der Klasse drei geht es mit korrekter Orthografie erst los. Mit Übergang zur siebenten (!) Klasse sollen Kinder die gesamte Bandbreite beherrschen. Es ist also erst der Beginn. Keine Sorge. Dein Kind braucht einfach noch Zeit.
Ich arbeite teilweise mit Berufsanfängern, die inzwischen gut 10 - 15 Jahre jünger sind als ich. Bisweilen fürchte ich, dass die Bemühungen, den Lernprozess an der Schule bis hin zur Uni ausschließlich angenehm auszugestalten und die Motivation vor allem durch positive Bestätigung hochzuhalten, auch sehr negative Folgen hat. Es fehlt nicht selten an Durchhaltevermögen, an der Fähigkeit, Niederlagen und offene Kritik zu verdauen, Aufgaben immer wieder anzugehen. Kurz: Am langen Atem und einer gewissen Leidensfähigkeit. Begeisterung und Spaß allein reichen meiner Erfahrung nach nicht besonders weit.Ich strebe nun nicht an, dass Lernen unbedingt langweilig und mühsam sein sollte. Ich glaube aber, dass der Schlüssel zu hoher formeller wie inhaltlicher Sprachkompetenz nicht in möglichst spaßigem Unterricht, sondern in möglichst anspruchsvollem Unterricht liegt. Die Anlauttabellen leuchten mir dabei durchaus ein. Ich würde aber von Anfang an auf einen hohen Standard bezüglich Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik setzen, etwa durch Leselisten und wöchentliche Diktate. (Ich habe selbst im Übrigen auch ähnlich lesen gelernt. Ein Kinderwörterbuch. Zu Hause, anleitungslos. Ich habe fortan Bücher verschlungen und musste zudem wöchentlich meinen Tanten schreiben, natürlich fehlerfrei, also mit Vorschrift, Korrektur und einer abschließenden Schönschriftversion. Mein Großvater ließ bei allen Familienessen zum Kaffee nach dem Essen die Enkel Balladen oder kurze Szenen vortragen oder musizieren. Wir waren sieben Enkel. Fünf davon heute promoviert, niemand gehemmt in Wort oder Schrift.)
@Modeste: Spaß an etwas wecken und „möglichst spaßig sein” ist aber ein Unterschied, oder? Also - ich sehe einen.
Liegt das Problem nicht eher in der mangelnden Kommunikation? In meiner Umgebung sind die Eltern vor allem irritiert. Über das Wie und Warum haben sie auf Elternabenden wenig erfahren und ich (die ich noch 5 Jahre Zeit habe) lese heute zum ersten Mal davon. Nichts gegen eine gelungene Polemik, aber Missverständnisse bleiben nicht aus, wenn es an Informationen mangelt.
ich weiß nicht, ob DAS Problem da liegt (mir fallen noch zwei, drei andere Problemquellen ein) - aber: Sicher, wenn Eltern nicht einbezogen werden ist das blöd.
Bei uns erst nächstes Jahr und ich weiß auch (noch) nicht, wie es die Schule des Kindes handhabt. Es ist mir letztlich auch egal, denn ich werde es nicht ändern können. Sondern so - wie treffend beschrieben - den Weg einfach mitgehen müssen. Ich vermute auch, dass mein Sohn dabei nicht ganz so renitent ist wie ich: Als ich damals statt einer vernünftigen Schreibschrift die vereinfachte Ausgangsschrift lernen sollte, habe ich mich verweigert und um Extra-Unterricht gebeten.Und zum MINT-Absatz: Applaus. Vor lauter Sprachförderungs-Wahnsinn fallen diese Fächer noch mehr hintenrunter.
Aber ist es nicht so, dass erst die Anstrengung kommt, dann die Kompetenz und dann die Freude an der erworbenen Fähigkeit? Als Negativbeispiel für das "softe" Erlernen steht mir der Lateinunterricht vor Augen. Ich habe an der Uni u. a. Römisches Recht unterrichtet. Diejenigen, die Latein lustorientiert anhand von Asterix und vorportionierten, möglichst "kindgerechten" Häppchen aus Lateinbüchern gelernt haben, konnten deutlich schlechter Latein als diejenigen, die - wie ich - in kirchlichen Schulen durch viel Auswendiglernen, ständige Tests und teilweise beschämende Kontrollen an der Tafel Latein gelernt haben. Im Ergebnis brachen viele der "weltlichen" Lateinschüler das Privatissimum im Römischen Recht ab. Die Kloster- und Jesuitenschüler blieben eher bei der Stange und erzielten bessere Ergebnisse. (Ich weiß nicht, ob es hierüber Erhebungen gibt. Meinem subjektiven Empfinden nach sind die Kloster- und Jesuitenschüler in meinem Umfeld auch langfristig beruflich erfolgreicher.)
@Modeste:Ich war ja auch nur früher selber und bin heute nur noch „Co-Pädagoge”Aber meine eigenen Erfahrungen sowie die der Liebsten sagen, dass man am besten lernt, wenn man Spaß daran hat.Wenn Lehrerinnen und Lehrern natürlich nichts anderes einfällt, als bunte Bildchen daneben zu malen (um mal Dein Asterix-Beispiel etwas zu überspitzen) - das ist ja fast auf dem Niveau von „mit bunten Schraubenziehern macht’s am Fließband doppelt so viel Spaß”Und wenn man Spaß nur duch WischiWaschi-Unterricht und möglichst kurze, kleine, knappe Lerneinheiten erreichen kann, damit sich die Schülerinnen und Schüler nicht anstrengen müssen, hat man vielleicht auch den Beruf verfehlt.Spaß beim Lernen geht imho anders. Ich kenne eigentlich nur Kinder, die, wenn sie intrinsisch motiviert an etwas herangehen mit sehr viel Energie und auch Anstrengung lernen. Lernen wollen. Schau Dir an, mit wie viel Energie Lego erlernt wird, mit wie viel Geduld Computerspiele, die uns als Erwachsene vollkommen überfordern erarbeitet werden.Nein, ich sage gerade nicht, dass die regelkonforme Nutzung von LegoTechnik und WorldOfWarcraft für ein Leben ausreichen. Ich sage: Zeigt Kindern wie viel Spaß Physik, Mathe, Sprache usw machen. Dann wollen sie es lernen. So lange allerdings - wie in Deutschland - nicht die besten, sondern die schlechtesten eines Abi-jahrgangs Lehrer werden fehlt vieleicht schon beid er lehrkraft der Spaß. Aber ich gleite ab.Also zurück: Gerade dafür ist diese Schreiblern-Methode gut. Schnelle Erfolge zeigen, dass es sinnvoll ist, zu schreiben. Im Gegensatz zu „Mama? Mimi tut?”-Sätzen.Darüber hinaus missfällt mir ganz persönlich so eine protestantische Einstellung von „erst durchs Jammertal um dann die Belohnung zu bekommen” sehr. Aber das ist natürlich persönliche Meinung und nicht so super-pädagogisch unterfüttert ;)
@Christian: "Darüber hinaus missfällt mir ganz persönlich so eine protestantische Einstellung von „erst durchs Jammertal um dann die Belohnung zu bekommen” sehr. Aber das ist natürlich persönliche Meinung und nicht so super-pädagogisch unterfüttert ;)"Wenn du mal psychologisch-pädagogische Sichtweisen auf Belohnung und Bestrafen erfahren willst, empfehle ich dir Literatur, zum Beispiel "Punishment by Rewards" von Alfie Kohn. - http://www.alfiekohn.org/teaching/pbracwak.htm Hier ist ein Kurzinterview als Einstieg.
Oh, merci, Anke!
Sehr gerne gelesen.Ich bin großer Fan dieser Methode und total fasziniert in welcher Geschwindigkeit Kind 2.0 schreiben gelernt hat. Es kein einfach ALLES schreiben und hat großen Spaß daran. Jetzt hat es noch 11 Jahre Regeln zu lernen. Das sollte genügen.Ich finde den Motivationsansatz dahinter viel, viel besser als früher. Es wird ermutigt statt demotiviert.
Toller Artikel, den ich verbreiten und zitieren werde.Und danke, Anke, für den tollen Link zum Interview mit Kohn!!
Dem kann ich mich zum großen Teil anschließen, ich bin von der neuen Methode mit der Laut-Verschriftlichung auch wirklich angetan, wobei ich aber insgesamt auch glaube, am Ende ist der wichtigste Faktor, wie engagiert und fähig die Lehrer sind. Mit einer guten und begeisterten Grundschullehrerin erreicht man da einfach viel bei den Kindern, die ja eigentlich zu dem Zeitpunkt alle noch total lernwillig sind.Der einzige Punkt, dem ich ein klein wenig widersprechen muss ist der, dass die Mütter aufgrund der Rechtschreibung ihrer Kinder in Panik geraten. Meine Erfahrung unter meinen Miteltern ist es oft, dass die Mütter auch nach anfänglicher Skepsis mit der Zeit doch die Methode akzeptieren und mit ihren Kindern entsprechend arbeiten, aber gerade die Papas, die alle paar Wochen mal oberflächlich in die Hefte der Kinder gucken und sich sonst nie damit beschäftigen, was und wie ihre Kinder so in der Schule lernen, dann die große Panik bekommen. Und dann tun sie immer alle so, als ob nach der Fibelmethode und mit strengen Noten und Dikaten alle eine einwandfreie Rechtschreibung ab Klasse 1 gehabt hätten. Da wird die Vergangenheit verklärt und so umgemodelt, als wären damals alle durch die Bank weg Einserschüler_innen gewesen. Manchmal beschleicht mich ja das Gefühl, dass die ältere Generation der neueren es einfach nicht gönnt, nicht für die gleichen Fehler durch schlechte Noten und Tadel bestraft zu werden.
Meiner fängt jetzt, mit knapp 5 an, in Büchern nach Buchstaben zu suchen und dann auf dem Computer die Wörter abzuschreiben. Und wenn er selber eine Geschichte erfindet, dann schreibt er die in dem Hauchtöitsch auf wo Schweizer Kinder halt reden tun wenn sie Hauchtöisch über TV und Radio lernen müssen.So föking watt?!Die Freude an der Tätigkeit kommt zuerst - irgendwann wird er dann schon von sich aus wissen wollen, wie "es" richtig geht.Bei uns wird es übrigens nach der Vorschule Eltern-Infoabende geben, wo die LPs die Eltern briefen, wie man heutzutage Rechtschreibung, von Hand Addieren und Dividieren und was es da sonst noch so alles gibt, lernt. So können es die Eltern dann den Kindern zuhause auf dieselbe Art zeigen, wenn die fragen.
Ich: "Schreibst du mal bitte Bananen und Lachs auf den Einkaufszettel?" Sohn I, seit drei Wochen Schüler: "Jo."Und dann steht da Bananen und Laks. Wobei man Lachs natürlich auf etliche Arten schreiben kann, Lax, Laks, Lags, Lachs - er merkt das und fragt, wie Erwachsenen es schreiben, ich schreibe das daneben. Er guckt sich das beides an. Läuft.
Die Schreibern-Methode finde ich auch super. Mein Dissens bezieht sich nur auf den Verzicht auf die Korrektur bei Fehlern. Ich glaube nämlich nicht, dass das entmutigt. Ich sehe doch selbst an meinem Zweijährigen, wie groß die kindliche Begeisterung für das Arkanum der Schrift ist. Wenn er engagiert buchstabenähnliche Gebilde auf Postkarten kritzelt und mit dem Finger unter der Zeile wüst erfundene oder gut behaltene Geschichten "vorliest", kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Korrektur daran etwas ändert, wenn er in vier Jahren zur Schule kommt.
Ich kenne das so, dass die Lehrerinnen danebenschreiben, wie es rechtschriftlich richtig ist.
Hm. Meine Erfahrung aus der Erwachsenenbildung ist: Bei TN über 30, die keine Schwäche haben, sitzt die alte RS. Die haben Probleme, die neue in den Alltag einzubauen, weil sie nicht mehr dauernd schreiben. Bei den TN unter 30 und denen, die die neue RS gelernt haben, sitzt nix. Sie kennen kaum die Regeln, hören/erkennen nicht die Worte in den Diktaten, haben wenig Sprachgefühl.Eine Mutter meinte mal, dass die Kinder in erster Linie Arbeitsblätter bearbeiteten und nicht mehr fortwährend zusammenhängende Texte schrieben. Ihnen fehle die Erfahrung der Wiederholung.Im Beruf ist diese mangelnde Kompetenz, aber vor allem das oft fehlende Verständnis für das korrekte Schreiben ein Hinderungsgrund bei Einstellungen.Die TN, die aktuell Kinder haben, verzweifeln mit der neuen Pädagogik. Ein Sohn hat neulich seinen Vater gefragt, warum man ihn erst habe falsch schreiben lassen, um ihn dann auf einmal zu korrektem Schreiben zu zwingen. Das Gefühl für die eigene Schreibweise sitzt so tief, dass sich das Gefühl für die korrekte Schreiben nicht einstellen will.
Leider kommt diese Korrektur durch die Lehrerin bei vielen Kinder wegen viel Lärm und Ablenkung in der Klasse leider oft zu kurz (das stell ich mir zumindest als den Grund dahinter vor) und es gibt viele Kinder mit anderssprachigem Hintergrund, die mit der Anlauttabelle wohl noch andere Probleme haben als meine vorrangig deutsch-sprachig aufgewachsenen Kinder. Und noch mehr Eltern (egal mit welchem Hintergrund), die keine Korrekturen anbringen können, sei es, weil die Zeit fehlt, sei es, weil sie es selber nicht besser können. Plus: dieses "Hey, ich kann was Schreiben" Hochgefühl fällt durchaus nicht bei jedem Kind gleichgroß aus und es gibt Kinder (eins hab ich selber), das partout keine Lust hat auf Geschichten schreiben (oder malen, aber das ist eine andere Geschichte). Auch am Anfang nicht. Auch als die Rechtschreibung wirklich und ehrlich und auch uns noch egal war.Ich glaube nach Erfahrung mit zwei eigenen Schulkindern und diversen in der näheren Bekanntschaft, dass es tatsächlich längere Zeit zu lange in die "macht mal wie Ihr denkt" Richtung ging und freue mich, dass inzwischen die Korrekturen schon früher einsetzen, hoffentlich bald überall und konsequent.
Wenn's funktioniert, ist es gut. Die Lernmethode, die für alle Schüler die beste ist, gibt es ohnehin nicht; es wird immer Schüler geben, die mit einer anderen Methode besser gefahren wären. Das kann auch mal das eigene Kind sein. Aber die Methode, die für die größte Zahl der Schüler am meisten bringt, sollte verwendet werden. >Kluge Menschen haben sich Gedanken gemacht, haben viele, viele Kinder beobachtet, haben Diktate, Aufsätze und unzählige Schulhefte ausgewertet Das Ausmaß an Klugheit und Auswertung würde ich nicht überschätzen. Pädagogik ist Moden unterworfen wie andere Disziplinen auch, und die Datenbasis für Entscheidungen dünn oder überhaupt schwierig zu bekommen. Aber so oder so, es gibt wesentlich wichtigere Baustellen.
Das klingt alles sehr gut.Der Haken an der Sache sind die Noten. Denn eine schlechte Rechtschreibung wird auch in der Grundschule schon mit schlechten Noten beurteilt. Und nach meiner Erfahrung (alte Lehrerdynastie, selber Mutter von 4 Kindern) schleift sich eine schlechte Rechtschreibung kaum auslöschbar ein, wenn man nicht recht bald dem Kind vor Augen führt, wie "man" das Wort bei allem Spaß am Schreiben aber nunmal eigentlich schreibt.Der Spaß am Schreiben vergeht nämlich leider ziemlich schnell nach den ersten bitteren Erfahrungen mit schlechten Noten durch verhunzte Rechtschreibung...
Danke für diesen Artikel und den Anstoß, weitergehend über diese Methode nachzudenken. Fehler machen tut nicht weh und was ein Fehler ist, das kann man korrigieren. So vermittele ich das meinen Schülern und Schülerinnen und zeige bewusst weniger Interesse am Fehler als am Angebot, den Fehler zu beheben. Das wird gerne angenommen und die Angst vorm Falschschreiben oder Falschrechnen weicht der Neugierde auf das Korrigierte. Viele Grüße auch an Deine Frau!
Das ist ein guter Artikel. Leider gibt es bei diesem Thema zu viele Baustellen gleichzeitig. Zum einen wird den Eltern das System nicht (genug) erklärt, oder Eltern sind (mangels eigener Bildung oder Deutschkenntnisse) nicht in der Lage das System zu verstehen. Ich selbst wurde in den 80ern eingeschult und hatte bis zum Abitur Mitte der 90er Probleme mit der Rechtschreibung. Als Kind mochte ich auch wenig lesen weil es mir zu anstrengend war. Ich habe auch immer langsamer gelesen als alle anderen (das ist heute noch so). Eigentlich muss ich sagen habe ich es erst als Erwachsener gelernt, da ich vieles nachgeguckt habe und auswendig gelernt habe. Neben meinem Ingenieurstudium habe ich als Nachhilfelehrerin viel gelernt, da man als Erwachsener viel schneller dinge erfasst und Zusammenhänge besser versteht als als Schüler. Meine Erfahrungen nun als Mutter von zwei Kindern und aus langjähriger Nachhilfe sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Mein ältester Sohn hat eine Lese-Rechtschreibschwäche. Er hat sich aus Büchern mit Texten noch nie viel gemacht und wenn ich ihn bestrafen will, kann ich ihm sagen lies ein Buch oder schreib mir einen Brief. Selbst die ersten Texte nach der Methode "ich schreibe mit der Anlauttafel das was ich höre. Waren maximal ein-Satz-Geschichten. Wenn an dann entsprechend des Problems nicht gefördert wird, sondern erstmal nur hört "LRS gibt's nicht er muss nur zusätzlich zu den HA im 2. Schuljahr noch jeden Tag 5 Sätze schreiben" kommt man als Mutter an seine Grenzen. Die HA dauerten ja schon eine Stunde, da alles langsamer ging und die Motivation die Aufgabenstellung zu lesen schon nicht da war. Nach dem wiederholen der zweiten Klasse wurde es etwas entspannter, als mit der neuen Lehrerin abgesprochen war ihm schon zu sagen wie alles richtig aussieht. Die eingeführten Lernwörter ab der zweiten Klasse haben dies unterstützt. Er liest bis heute nicht wenn es nicht unbedingt sein muss, manchmal nicht mal die Aufgabenstellung, sondern fragt lieber. Wenn er selbst schreibt haben wir ihm beigebracht im Zweifel ins Wörterbuch zu gucken. Wenn er sich anstrengend macht er nur wenig Fehler, wenn es nicht so drauf ankommt (im Unterricht etwas mitschreiben oder HA und privat) kann man die Fehler kaum zählen. Da ist es schon fast hilfreich, dass er unter anderem mit vielen Erwachsenen (Familie, Eltern von Kinder- und Jugendgruppen, anderen Betreuern von diesen Gruppen) in Chatgruppen ist und dort sich zu richtiger Schreibweise zwingt. (Mittlerweile 9. Schuljahr)Der zweite jetzt 5. Schuljahr (keine LRS) wollte von Anfang an lesen und selber schreiben. Er hat von selbst angefangen zu fragen wie etwas richtig geschrieben wird und hat sich selbst verbessert, weil er das Wort schon mal gelesen hat. Wusste ab den Lernwörtern auch dass es für Manche Sachen Regeln gibt und man manches einfach auswendig lernen muss und setzt es auch im Alltag um. Meine Nichte 4. Schuljahr lernt komplett nach dem System und wie von der Schule gewünscht, mischt sich die Mutter nicht ein. In der Schule wird richtig geschrieben und sie hat gute Noten. In der Freizeit wir ebenfalls viel und gerne geschrieben, aber niemand kann es lesen, da sie immer noch so schreibt wie sie spricht. Davon kenne ich mehrere Fälle die auch mittlerweile schon im Berufsleben sind.Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass viele Lehrer dieses System ja selbst auch erst lernen mussten und oft sind Klassen heute so kraftraubend, dass einiges auf der Strecke bleibt. Individuelle Förderung ist oft nicht so umsetzbar wie eigentlich gewünscht und gefordert. Wenn Eltern dann aus verschiedenen Gründen (Berufstätigkeit, niedriger eigener Bildungsstand, Nichtbeherrschung der Sprache oder leider auch Desinteresse) den Kindern nicht helfen können, bleiben einige auf der Strecke und im Berufsleben wundern wir uns, dass Bewerbungen voll von Fehlern sind und Berichtshefte nicht richtig geschrieben werden.Die Schulen können gerne mit solchen Systemen arbeiten, allerdings müssen die äußeren Umstände bekannt sein und berücksichtigt werden. Dazu muss auch den Lehrern die nötige Unterstützung gegeben werden.
"So lange allerdings – wie in Deutschland – nicht die besten, sondern die schlechtesten eines Abi-jahrgangs Lehrer werden fehlt vieleicht schon beid er lehrkraft der Spaß."Bisher war ich nur stille Mitleserin, doch diese Aussage ärgert mich wirklich sehr. Ich bin im Moment selbst im Referendariat und hätte mit meinem Abischnitt (drittbester Schnitt meines Jahrgangs) ohne Wartesemester auch problemlos Medizin, Psychologie oder andere NC-Fächer studieren können. In meinem Kurs am Seminar für Didaktik sieht es kaum anders aus. Von 12 Leuten haben 10 einen Abischnitt von 1,8 und besser und die Schnitte im 1. Staatsexamen liegen zwischen 1,1 und 2,3. Und alle werden Lehrer/innen aus Überzeugung, nicht als "Notlösung" weil es sonst zu nichts gereicht hat. Solche Verallgemeinerungen sind ähnlich ärgerlich wie das ach so beliebte "Lehrer-bashing"...
@baulieBitte entschuldige wenn sich das (heute? Bei Dir?) geändert hat.Als ich Lehramt studierte und auch noch viele Jahre danach war das so.Ich werde mich - ich schreibe eh an einem Nachtrag zu diesem Artikel weil mich die sehr sachliche, fundierte Diskussion an so vielen Stellen wirklich sehr gefreut hat - mal auf die Suche machen, wie da heute so der Schnitt ist. Weil im Endeffekt ist ja weder Deine noch meine persönliche Erfahrung statistisch belastbar :)
Oh bitte, da kann ich helfen: http://www.sueddeutsche.de/karriere/bildung-von-paedagogen-gute-schueler-werden-keine-lehrer-1.472379
Das passt dann ja zeitlich exakt zu meinen Erfahrungen. Danke!
Steffen

Hach, es ist immer wieder schön zu lesen, wenn du über Schule schreibst.

Frische Brise

DANKE!

Die liebe Nessy

Ich finde das schon okay so, was beim Schreibenlernen heute passiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich damals groß Probleme damit hatte. Hätte ich aber wahrscheinlich mit einer anderen Methode auch nicht gehabt. Wichtig ist doch auch – unabhängig von der Methode -, den Kindern Freude und frühe Erfolgserlebnisse mit dem Erlernten zu vermitteln. Dann läuft das doch eigentlich, oder? Wenn die Eltern gegen die Schule anreden, ist das doof. Das ist dann auch nicht gut für den Lernerfolg.

Außerdem muss ja nicht jeder ein Orthographiepapst und Feuilletonjournalist werden.

Richtig schreiben lernt man (by the way) auch, indem man viel liest. Das könnte sich auch so mancher Erwachsene zu Herzen nehmen.

Sven Scholz

Ja.

frau bruellen

Vor allem für den „mint am arsch“ teil: ja. Erlebe bei meinem sohn, dass es in der umsetzung (er hat eine grossartige lehrerin) nicht so dramatisch ist, wie befürchtet. Und da mein sohn liest wie ….. ich, tut er sich auch mit dem schreiben leicht.

computerfuzzi

Unter Umständen wäre es halt sinnvoll, wenn die Lehrer sich ab und zu herablassen könnten, ihre Unterrichtsmethoden zu kommunizieren. Und zwar auch den Eltern gegenüber. Eben, damit die Eltern nicht daheim „Das ist ja alles falsch!!!“ brüllen sondern wissen, warum der Lehrer das eben so gemacht hat.

Andererseits, folge ich der Argumentation im Text, sollten wir eigentlich Unterricht machen wie zu Goethes Zeiten ;) . Nebenbei, als ich vor 30 Jahren in der (Grund-) Schule war, waren die Tische mitnichten zusammengeschraubt und wir waren auch nur überschaubare 20 Kinder in der Klasse.

Christian

Andererseits, folge ich der Argumentation im Text, sollten wir eigentlich Unterricht machen wie zu Goethes Zeiten

Äh? Der Argumentation in meinem Text? Nein.

Mama arbeitet

Jein. Aber ja zu eventuell auf die Barrikaden gehen.

Ich habe ein Kind mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, und für solche Kinder ist die neumodische Art, das Schreiben zu lernen, viel schwieriger, weil es irgendwann auf einmal Regeln gibt, die nicht logisch sind, so wie Mathe, was wiederum eine Begabung bei solchen Kindern sein kann.

Ich lese deswegen aufmerksam die Artikel zu solchen Themen, und darin steht, dass Kinder, die im Lesen und Schreiben schwach sind, erhebliche Probleme haben durch die komische Rechtschraibunk. Gerade die Schwachen sollte man nicht hintenüber fallenlassen, denke ich.

Trotzdem habe ich mein Kind zuhause nicht korrigiert, damit es nicht vollends durcheinander kommt. Es ist ein Dilemma. Und das Kind hat immer noch Schwierigkeiten, in Klasse 3, obwohl alle Lehrer sagen, es sei extrem schlau. :(

Christian

@Mama arbeitet
Wenn Du Dich hier oder sonstwo, wo ich so schreibe umguckst, dann wirst Du sehen, dass ich ein vehementer Verfechter jeder Form von individuellen Lernen bin. Sprich: Den Unterricht den individuellen Stärken und Schwächen des Kindes anzupassen.

Anke

@Mama arbeitet: In der Klasse drei geht es mit korrekter Orthografie erst los. Mit Übergang zur siebenten (!) Klasse sollen Kinder die gesamte Bandbreite beherrschen. Es ist also erst der Beginn. Keine Sorge. Dein Kind braucht einfach noch Zeit.

Modeste

Ich arbeite teilweise mit Berufsanfängern, die inzwischen gut 10 – 15 Jahre jünger sind als ich. Bisweilen fürchte ich, dass die Bemühungen, den Lernprozess an der Schule bis hin zur Uni ausschließlich angenehm auszugestalten und die Motivation vor allem durch positive Bestätigung hochzuhalten, auch sehr negative Folgen hat. Es fehlt nicht selten an Durchhaltevermögen, an der Fähigkeit, Niederlagen und offene Kritik zu verdauen, Aufgaben immer wieder anzugehen. Kurz: Am langen Atem und einer gewissen Leidensfähigkeit. Begeisterung und Spaß allein reichen meiner Erfahrung nach nicht besonders weit.

Ich strebe nun nicht an, dass Lernen unbedingt langweilig und mühsam sein sollte. Ich glaube aber, dass der Schlüssel zu hoher formeller wie inhaltlicher Sprachkompetenz nicht in möglichst spaßigem Unterricht, sondern in möglichst anspruchsvollem Unterricht liegt. Die Anlauttabellen leuchten mir dabei durchaus ein. Ich würde aber von Anfang an auf einen hohen Standard bezüglich Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik setzen, etwa durch Leselisten und wöchentliche Diktate.

(Ich habe selbst im Übrigen auch ähnlich lesen gelernt. Ein Kinderwörterbuch. Zu Hause, anleitungslos. Ich habe fortan Bücher verschlungen und musste zudem wöchentlich meinen Tanten schreiben, natürlich fehlerfrei, also mit Vorschrift, Korrektur und einer abschließenden Schönschriftversion. Mein Großvater ließ bei allen Familienessen zum Kaffee nach dem Essen die Enkel Balladen oder kurze Szenen vortragen oder musizieren. Wir waren sieben Enkel. Fünf davon heute promoviert, niemand gehemmt in Wort oder Schrift.)

Christian

@Modeste: Spaß an etwas wecken und „möglichst spaßig sein” ist aber ein Unterschied, oder? Also – ich sehe einen.

Momatka

Liegt das Problem nicht eher in der mangelnden Kommunikation? In meiner Umgebung sind die Eltern vor allem irritiert. Über das Wie und Warum haben sie auf Elternabenden wenig erfahren und ich (die ich noch 5 Jahre Zeit habe) lese heute zum ersten Mal davon. Nichts gegen eine gelungene Polemik, aber Missverständnisse bleiben nicht aus, wenn es an Informationen mangelt.

Christian

ich weiß nicht, ob DAS Problem da liegt (mir fallen noch zwei, drei andere Problemquellen ein) – aber: Sicher, wenn Eltern nicht einbezogen werden ist das blöd.

Little B.

Bei uns erst nächstes Jahr und ich weiß auch (noch) nicht, wie es die Schule des Kindes handhabt. Es ist mir letztlich auch egal, denn ich werde es nicht ändern können. Sondern so – wie treffend beschrieben – den Weg einfach mitgehen müssen. Ich vermute auch, dass mein Sohn dabei nicht ganz so renitent ist wie ich: Als ich damals statt einer vernünftigen Schreibschrift die vereinfachte Ausgangsschrift lernen sollte, habe ich mich verweigert und um Extra-Unterricht gebeten.

Und zum MINT-Absatz: Applaus. Vor lauter Sprachförderungs-Wahnsinn fallen diese Fächer noch mehr hintenrunter.

Modeste

Aber ist es nicht so, dass erst die Anstrengung kommt, dann die Kompetenz und dann die Freude an der erworbenen Fähigkeit? Als Negativbeispiel für das „softe“ Erlernen steht mir der Lateinunterricht vor Augen. Ich habe an der Uni u. a. Römisches Recht unterrichtet. Diejenigen, die Latein lustorientiert anhand von Asterix und vorportionierten, möglichst „kindgerechten“ Häppchen aus Lateinbüchern gelernt haben, konnten deutlich schlechter Latein als diejenigen, die – wie ich – in kirchlichen Schulen durch viel Auswendiglernen, ständige Tests und teilweise beschämende Kontrollen an der Tafel Latein gelernt haben. Im Ergebnis brachen viele der „weltlichen“ Lateinschüler das Privatissimum im Römischen Recht ab. Die Kloster- und Jesuitenschüler blieben eher bei der Stange und erzielten bessere Ergebnisse.

(Ich weiß nicht, ob es hierüber Erhebungen gibt. Meinem subjektiven Empfinden nach sind die Kloster- und Jesuitenschüler in meinem Umfeld auch langfristig beruflich erfolgreicher.)

Christian

@Modeste:
Ich war ja auch nur früher selber und bin heute nur noch „Co-Pädagoge”
Aber meine eigenen Erfahrungen sowie die der Liebsten sagen, dass man am besten lernt, wenn man Spaß daran hat.
Wenn Lehrerinnen und Lehrern natürlich nichts anderes einfällt, als bunte Bildchen daneben zu malen (um mal Dein Asterix-Beispiel etwas zu überspitzen) – das ist ja fast auf dem Niveau von „mit bunten Schraubenziehern macht’s am Fließband doppelt so viel Spaß”
Und wenn man Spaß nur duch WischiWaschi-Unterricht und möglichst kurze, kleine, knappe Lerneinheiten erreichen kann, damit sich die Schülerinnen und Schüler nicht anstrengen müssen, hat man vielleicht auch den Beruf verfehlt.
Spaß beim Lernen geht imho anders. Ich kenne eigentlich nur Kinder, die, wenn sie intrinsisch motiviert an etwas herangehen mit sehr viel Energie und auch Anstrengung lernen. Lernen wollen. Schau Dir an, mit wie viel Energie Lego erlernt wird, mit wie viel Geduld Computerspiele, die uns als Erwachsene vollkommen überfordern erarbeitet werden.
Nein, ich sage gerade nicht, dass die regelkonforme Nutzung von LegoTechnik und WorldOfWarcraft für ein Leben ausreichen. Ich sage: Zeigt Kindern wie viel Spaß Physik, Mathe, Sprache usw machen. Dann wollen sie es lernen. So lange allerdings – wie in Deutschland – nicht die besten, sondern die schlechtesten eines Abi-jahrgangs Lehrer werden fehlt vieleicht schon beid er lehrkraft der Spaß.
Aber ich gleite ab.
Also zurück: Gerade dafür ist diese Schreiblern-Methode gut. Schnelle Erfolge zeigen, dass es sinnvoll ist, zu schreiben. Im Gegensatz zu „Mama? Mimi tut?”-Sätzen.

Darüber hinaus missfällt mir ganz persönlich so eine protestantische Einstellung von „erst durchs Jammertal um dann die Belohnung zu bekommen” sehr. Aber das ist natürlich persönliche Meinung und nicht so super-pädagogisch unterfüttert ;)

Anke

@Christian:
„Darüber hinaus missfällt mir ganz persönlich so eine protestantische Einstellung von „erst durchs Jammertal um dann die Belohnung zu bekommen” sehr. Aber das ist natürlich persönliche Meinung und nicht so super-pädagogisch unterfüttert ;)“

Wenn du mal psychologisch-pädagogische Sichtweisen auf Belohnung und Bestrafen erfahren willst, empfehle ich dir Literatur, zum Beispiel „Punishment by Rewards“ von Alfie Kohn. – http://www.alfiekohn.org/teaching/pbracwak.htm Hier ist ein Kurzinterview als Einstieg.

Christian

Oh, merci, Anke!

dasnuf

Sehr gerne gelesen.
Ich bin großer Fan dieser Methode und total fasziniert in welcher Geschwindigkeit Kind 2.0 schreiben gelernt hat. Es kein einfach ALLES schreiben und hat großen Spaß daran.
Jetzt hat es noch 11 Jahre Regeln zu lernen. Das sollte genügen.
Ich finde den Motivationsansatz dahinter viel, viel besser als früher. Es wird ermutigt statt demotiviert.

Rebekka.

Toller Artikel, den ich verbreiten und zitieren werde.

Und danke, Anke, für den tollen Link zum Interview mit Kohn!!

Cindy

Dem kann ich mich zum großen Teil anschließen, ich bin von der neuen Methode mit der Laut-Verschriftlichung auch wirklich angetan, wobei ich aber insgesamt auch glaube, am Ende ist der wichtigste Faktor, wie engagiert und fähig die Lehrer sind. Mit einer guten und begeisterten Grundschullehrerin erreicht man da einfach viel bei den Kindern, die ja eigentlich zu dem Zeitpunkt alle noch total lernwillig sind.
Der einzige Punkt, dem ich ein klein wenig widersprechen muss ist der, dass die Mütter aufgrund der Rechtschreibung ihrer Kinder in Panik geraten. Meine Erfahrung unter meinen Miteltern ist es oft, dass die Mütter auch nach anfänglicher Skepsis mit der Zeit doch die Methode akzeptieren und mit ihren Kindern entsprechend arbeiten, aber gerade die Papas, die alle paar Wochen mal oberflächlich in die Hefte der Kinder gucken und sich sonst nie damit beschäftigen, was und wie ihre Kinder so in der Schule lernen, dann die große Panik bekommen.
Und dann tun sie immer alle so, als ob nach der Fibelmethode und mit strengen Noten und Dikaten alle eine einwandfreie Rechtschreibung ab Klasse 1 gehabt hätten. Da wird die Vergangenheit verklärt und so umgemodelt, als wären damals alle durch die Bank weg Einserschüler_innen gewesen. Manchmal beschleicht mich ja das Gefühl, dass die ältere Generation der neueren es einfach nicht gönnt, nicht für die gleichen Fehler durch schlechte Noten und Tadel bestraft zu werden.

Katharina

Meiner fängt jetzt, mit knapp 5 an, in Büchern nach Buchstaben zu suchen und dann auf dem Computer die Wörter abzuschreiben. Und wenn er selber eine Geschichte erfindet, dann schreibt er die in dem Hauchtöitsch auf wo Schweizer Kinder halt reden tun wenn sie Hauchtöisch über TV und Radio lernen müssen.
So föking watt?!
Die Freude an der Tätigkeit kommt zuerst – irgendwann wird er dann schon von sich aus wissen wollen, wie „es“ richtig geht.
Bei uns wird es übrigens nach der Vorschule Eltern-Infoabende geben, wo die LPs die Eltern briefen, wie man heutzutage Rechtschreibung, von Hand Addieren und Dividieren und was es da sonst noch so alles gibt, lernt. So können es die Eltern dann den Kindern zuhause auf dieselbe Art zeigen, wenn die fragen.

Maximilian Buddenbohm

Ich: „Schreibst du mal bitte Bananen und Lachs auf den Einkaufszettel?“ Sohn I, seit drei Wochen Schüler: „Jo.“

Und dann steht da Bananen und Laks. Wobei man Lachs natürlich auf etliche Arten schreiben kann, Lax, Laks, Lags, Lachs – er merkt das und fragt, wie Erwachsenen es schreiben, ich schreibe das daneben. Er guckt sich das beides an. Läuft.

Modeste

Die Schreibern-Methode finde ich auch super. Mein Dissens bezieht sich nur auf den Verzicht auf die Korrektur bei Fehlern. Ich glaube nämlich nicht, dass das entmutigt. Ich sehe doch selbst an meinem Zweijährigen, wie groß die kindliche Begeisterung für das Arkanum der Schrift ist. Wenn er engagiert buchstabenähnliche Gebilde auf Postkarten kritzelt und mit dem Finger unter der Zeile wüst erfundene oder gut behaltene Geschichten „vorliest“, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Korrektur daran etwas ändert, wenn er in vier Jahren zur Schule kommt.

Christian

Ich kenne das so, dass die Lehrerinnen danebenschreiben, wie es rechtschriftlich richtig ist.

jacqueline

Hm. Meine Erfahrung aus der Erwachsenenbildung ist: Bei TN über 30, die keine Schwäche haben, sitzt die alte RS. Die haben Probleme, die neue in den Alltag einzubauen, weil sie nicht mehr dauernd schreiben.

Bei den TN unter 30 und denen, die die neue RS gelernt haben, sitzt nix. Sie kennen kaum die Regeln, hören/erkennen nicht die Worte in den Diktaten, haben wenig Sprachgefühl.

Eine Mutter meinte mal, dass die Kinder in erster Linie Arbeitsblätter bearbeiteten und nicht mehr fortwährend zusammenhängende Texte schrieben. Ihnen fehle die Erfahrung der Wiederholung.

Im Beruf ist diese mangelnde Kompetenz, aber vor allem das oft fehlende Verständnis für das korrekte Schreiben ein Hinderungsgrund bei Einstellungen.

Die TN, die aktuell Kinder haben, verzweifeln mit der neuen Pädagogik. Ein Sohn hat neulich seinen Vater gefragt, warum man ihn erst habe falsch schreiben lassen, um ihn dann auf einmal zu korrektem Schreiben zu zwingen. Das Gefühl für die eigene Schreibweise sitzt so tief, dass sich das Gefühl für die korrekte Schreiben nicht einstellen will.

Kirsten

Leider kommt diese Korrektur durch die Lehrerin bei vielen Kinder wegen viel Lärm und Ablenkung in der Klasse leider oft zu kurz (das stell ich mir zumindest als den Grund dahinter vor) und es gibt viele Kinder mit anderssprachigem Hintergrund, die mit der Anlauttabelle wohl noch andere Probleme haben als meine vorrangig deutsch-sprachig aufgewachsenen Kinder. Und noch mehr Eltern (egal mit welchem Hintergrund), die keine Korrekturen anbringen können, sei es, weil die Zeit fehlt, sei es, weil sie es selber nicht besser können. Plus: dieses „Hey, ich kann was Schreiben“ Hochgefühl fällt durchaus nicht bei jedem Kind gleichgroß aus und es gibt Kinder (eins hab ich selber), das partout keine Lust hat auf Geschichten schreiben (oder malen, aber das ist eine andere Geschichte). Auch am Anfang nicht. Auch als die Rechtschreibung wirklich und ehrlich und auch uns noch egal war.

Ich glaube nach Erfahrung mit zwei eigenen Schulkindern und diversen in der näheren Bekanntschaft, dass es tatsächlich längere Zeit zu lange in die „macht mal wie Ihr denkt“ Richtung ging und freue mich, dass inzwischen die Korrekturen schon früher einsetzen, hoffentlich bald überall und konsequent.

Herr Rau

Wenn’s funktioniert, ist es gut. Die Lernmethode, die für alle Schüler die beste ist, gibt es ohnehin nicht; es wird immer Schüler geben, die mit einer anderen Methode besser gefahren wären. Das kann auch mal das eigene Kind sein. Aber die Methode, die für die größte Zahl der Schüler am meisten bringt, sollte verwendet werden.

>Kluge Menschen haben sich Gedanken gemacht, haben viele, viele Kinder beobachtet, haben Diktate, Aufsätze und unzählige Schulhefte ausgewertet

Das Ausmaß an Klugheit und Auswertung würde ich nicht überschätzen. Pädagogik ist Moden unterworfen wie andere Disziplinen auch, und die Datenbasis für Entscheidungen dünn oder überhaupt schwierig zu bekommen. Aber so oder so, es gibt wesentlich wichtigere Baustellen.

Silke

Das klingt alles sehr gut.
Der Haken an der Sache sind die Noten. Denn eine schlechte Rechtschreibung wird auch in der Grundschule schon mit schlechten Noten beurteilt. Und nach meiner Erfahrung (alte Lehrerdynastie, selber Mutter von 4 Kindern) schleift sich eine schlechte Rechtschreibung kaum auslöschbar ein, wenn man nicht recht bald dem Kind vor Augen führt, wie „man“ das Wort bei allem Spaß am Schreiben aber nunmal eigentlich schreibt.
Der Spaß am Schreiben vergeht nämlich leider ziemlich schnell nach den ersten bitteren Erfahrungen mit schlechten Noten durch verhunzte Rechtschreibung…

Hilli Knixibix

Danke für diesen Artikel und den Anstoß, weitergehend über diese Methode nachzudenken.
Fehler machen tut nicht weh und was ein Fehler ist, das kann man korrigieren. So vermittele ich das meinen Schülern und Schülerinnen und zeige bewusst weniger Interesse am Fehler als am Angebot, den Fehler zu beheben. Das wird gerne angenommen und die Angst vorm Falschschreiben oder Falschrechnen weicht der Neugierde auf das Korrigierte.
Viele Grüße auch an Deine Frau!

Patricia

Das ist ein guter Artikel. Leider gibt es bei diesem Thema zu viele Baustellen gleichzeitig. Zum einen wird den Eltern das System nicht (genug) erklärt, oder Eltern sind (mangels eigener Bildung oder Deutschkenntnisse) nicht in der Lage das System zu verstehen. Ich selbst wurde in den 80ern eingeschult und hatte bis zum Abitur Mitte der 90er Probleme mit der Rechtschreibung. Als Kind mochte ich auch wenig lesen weil es mir zu anstrengend war. Ich habe auch immer langsamer gelesen als alle anderen (das ist heute noch so). Eigentlich muss ich sagen habe ich es erst als Erwachsener gelernt, da ich vieles nachgeguckt habe und auswendig gelernt habe. Neben meinem Ingenieurstudium habe ich als Nachhilfelehrerin viel gelernt, da man als Erwachsener viel schneller dinge erfasst und Zusammenhänge besser versteht als als Schüler. Meine Erfahrungen nun als Mutter von zwei Kindern und aus langjähriger Nachhilfe sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Mein ältester Sohn hat eine Lese-Rechtschreibschwäche. Er hat sich aus Büchern mit Texten noch nie viel gemacht und wenn ich ihn bestrafen will, kann ich ihm sagen lies ein Buch oder schreib mir einen Brief. Selbst die ersten Texte nach der Methode „ich schreibe mit der Anlauttafel das was ich höre. Waren maximal ein-Satz-Geschichten. Wenn an dann entsprechend des Problems nicht gefördert wird, sondern erstmal nur hört „LRS gibt’s nicht er muss nur zusätzlich zu den HA im 2. Schuljahr noch jeden Tag 5 Sätze schreiben“ kommt man als Mutter an seine Grenzen. Die HA dauerten ja schon eine Stunde, da alles langsamer ging und die Motivation die Aufgabenstellung zu lesen schon nicht da war. Nach dem wiederholen der zweiten Klasse wurde es etwas entspannter, als mit der neuen Lehrerin abgesprochen war ihm schon zu sagen wie alles richtig aussieht. Die eingeführten Lernwörter ab der zweiten Klasse haben dies unterstützt. Er liest bis heute nicht wenn es nicht unbedingt sein muss, manchmal nicht mal die Aufgabenstellung, sondern fragt lieber. Wenn er selbst schreibt haben wir ihm beigebracht im Zweifel ins Wörterbuch zu gucken. Wenn er sich anstrengend macht er nur wenig Fehler, wenn es nicht so drauf ankommt (im Unterricht etwas mitschreiben oder HA und privat) kann man die Fehler kaum zählen. Da ist es schon fast hilfreich, dass er unter anderem mit vielen Erwachsenen (Familie, Eltern von Kinder- und Jugendgruppen, anderen Betreuern von diesen Gruppen) in Chatgruppen ist und dort sich zu richtiger Schreibweise zwingt. (Mittlerweile 9. Schuljahr)
Der zweite jetzt 5. Schuljahr (keine LRS) wollte von Anfang an lesen und selber schreiben. Er hat von selbst angefangen zu fragen wie etwas richtig geschrieben wird und hat sich selbst verbessert, weil er das Wort schon mal gelesen hat. Wusste ab den Lernwörtern auch dass es für Manche Sachen Regeln gibt und man manches einfach auswendig lernen muss und setzt es auch im Alltag um. Meine Nichte 4. Schuljahr lernt komplett nach dem System und wie von der Schule gewünscht, mischt sich die Mutter nicht ein. In der Schule wird richtig geschrieben und sie hat gute Noten. In der Freizeit wir ebenfalls viel und gerne geschrieben, aber niemand kann es lesen, da sie immer noch so schreibt wie sie spricht. Davon kenne ich mehrere Fälle die auch mittlerweile schon im Berufsleben sind.
Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass viele Lehrer dieses System ja selbst auch erst lernen mussten und oft sind Klassen heute so kraftraubend, dass einiges auf der Strecke bleibt. Individuelle Förderung ist oft nicht so umsetzbar wie eigentlich gewünscht und gefordert. Wenn Eltern dann aus verschiedenen Gründen (Berufstätigkeit, niedriger eigener Bildungsstand, Nichtbeherrschung der Sprache oder leider auch Desinteresse) den Kindern nicht helfen können, bleiben einige auf der Strecke und im Berufsleben wundern wir uns, dass Bewerbungen voll von Fehlern sind und Berichtshefte nicht richtig geschrieben werden.
Die Schulen können gerne mit solchen Systemen arbeiten, allerdings müssen die äußeren Umstände bekannt sein und berücksichtigt werden. Dazu muss auch den Lehrern die nötige Unterstützung gegeben werden.

baulie

„So lange allerdings – wie in Deutschland – nicht die besten, sondern die schlechtesten eines Abi-jahrgangs Lehrer werden fehlt vieleicht schon beid er lehrkraft der Spaß.“

Bisher war ich nur stille Mitleserin, doch diese Aussage ärgert mich wirklich sehr. Ich bin im Moment selbst im Referendariat und hätte mit meinem Abischnitt (drittbester Schnitt meines Jahrgangs) ohne Wartesemester auch problemlos Medizin, Psychologie oder andere NC-Fächer studieren können. In meinem Kurs am Seminar für Didaktik sieht es kaum anders aus. Von 12 Leuten haben 10 einen Abischnitt von 1,8 und besser und die Schnitte im 1. Staatsexamen liegen zwischen 1,1 und 2,3. Und alle werden Lehrer/innen aus Überzeugung, nicht als „Notlösung“ weil es sonst zu nichts gereicht hat.
Solche Verallgemeinerungen sind ähnlich ärgerlich wie das ach so beliebte „Lehrer-bashing“…

Christian

@baulie
Bitte entschuldige wenn sich das (heute? Bei Dir?) geändert hat.
Als ich Lehramt studierte und auch noch viele Jahre danach war das so.
Ich werde mich – ich schreibe eh an einem Nachtrag zu diesem Artikel weil mich die sehr sachliche, fundierte Diskussion an so vielen Stellen wirklich sehr gefreut hat – mal auf die Suche machen, wie da heute so der Schnitt ist. Weil im Endeffekt ist ja weder Deine noch meine persönliche Erfahrung statistisch belastbar :)

Herr Rau

Oh bitte, da kann ich helfen: http://www.sueddeutsche.de/karriere/bildung-von-paedagogen-gute-schueler-werden-keine-lehrer-1.472379

Christian

Das passt dann ja zeitlich exakt zu meinen Erfahrungen. Danke!

Steffen

Hach, es ist immer wieder schön zu lesen, wenn du über Schule schreibst.

Frische Brise

DANKE!

Die liebe Nessy

Ich finde das schon okay so, was beim Schreibenlernen heute passiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich damals groß Probleme damit hatte. Hätte ich aber wahrscheinlich mit einer anderen Methode auch nicht gehabt. Wichtig ist doch auch – unabhängig von der Methode -, den Kindern Freude und frühe Erfolgserlebnisse mit dem Erlernten zu vermitteln. Dann läuft das doch eigentlich, oder? Wenn die Eltern gegen die Schule anreden, ist das doof. Das ist dann auch nicht gut für den Lernerfolg.

Außerdem muss ja nicht jeder ein Orthographiepapst und Feuilletonjournalist werden.

Richtig schreiben lernt man (by the way) auch, indem man viel liest. Das könnte sich auch so mancher Erwachsene zu Herzen nehmen.

Sven Scholz

Ja.

frau bruellen

Vor allem für den „mint am arsch“ teil: ja. Erlebe bei meinem sohn, dass es in der umsetzung (er hat eine grossartige lehrerin) nicht so dramatisch ist, wie befürchtet. Und da mein sohn liest wie ….. ich, tut er sich auch mit dem schreiben leicht.

computerfuzzi

Unter Umständen wäre es halt sinnvoll, wenn die Lehrer sich ab und zu herablassen könnten, ihre Unterrichtsmethoden zu kommunizieren. Und zwar auch den Eltern gegenüber. Eben, damit die Eltern nicht daheim „Das ist ja alles falsch!!!“ brüllen sondern wissen, warum der Lehrer das eben so gemacht hat.

Andererseits, folge ich der Argumentation im Text, sollten wir eigentlich Unterricht machen wie zu Goethes Zeiten ;) . Nebenbei, als ich vor 30 Jahren in der (Grund-) Schule war, waren die Tische mitnichten zusammengeschraubt und wir waren auch nur überschaubare 20 Kinder in der Klasse.

Christian

Andererseits, folge ich der Argumentation im Text, sollten wir eigentlich Unterricht machen wie zu Goethes Zeiten

Äh? Der Argumentation in meinem Text? Nein.

Mama arbeitet

Jein. Aber ja zu eventuell auf die Barrikaden gehen.

Ich habe ein Kind mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, und für solche Kinder ist die neumodische Art, das Schreiben zu lernen, viel schwieriger, weil es irgendwann auf einmal Regeln gibt, die nicht logisch sind, so wie Mathe, was wiederum eine Begabung bei solchen Kindern sein kann.

Ich lese deswegen aufmerksam die Artikel zu solchen Themen, und darin steht, dass Kinder, die im Lesen und Schreiben schwach sind, erhebliche Probleme haben durch die komische Rechtschraibunk. Gerade die Schwachen sollte man nicht hintenüber fallenlassen, denke ich.

Trotzdem habe ich mein Kind zuhause nicht korrigiert, damit es nicht vollends durcheinander kommt. Es ist ein Dilemma. Und das Kind hat immer noch Schwierigkeiten, in Klasse 3, obwohl alle Lehrer sagen, es sei extrem schlau. :(

Christian

@Mama arbeitet
Wenn Du Dich hier oder sonstwo, wo ich so schreibe umguckst, dann wirst Du sehen, dass ich ein vehementer Verfechter jeder Form von individuellen Lernen bin. Sprich: Den Unterricht den individuellen Stärken und Schwächen des Kindes anzupassen.

Anke

@Mama arbeitet: In der Klasse drei geht es mit korrekter Orthografie erst los. Mit Übergang zur siebenten (!) Klasse sollen Kinder die gesamte Bandbreite beherrschen. Es ist also erst der Beginn. Keine Sorge. Dein Kind braucht einfach noch Zeit.

Modeste

Ich arbeite teilweise mit Berufsanfängern, die inzwischen gut 10 – 15 Jahre jünger sind als ich. Bisweilen fürchte ich, dass die Bemühungen, den Lernprozess an der Schule bis hin zur Uni ausschließlich angenehm auszugestalten und die Motivation vor allem durch positive Bestätigung hochzuhalten, auch sehr negative Folgen hat. Es fehlt nicht selten an Durchhaltevermögen, an der Fähigkeit, Niederlagen und offene Kritik zu verdauen, Aufgaben immer wieder anzugehen. Kurz: Am langen Atem und einer gewissen Leidensfähigkeit. Begeisterung und Spaß allein reichen meiner Erfahrung nach nicht besonders weit.

Ich strebe nun nicht an, dass Lernen unbedingt langweilig und mühsam sein sollte. Ich glaube aber, dass der Schlüssel zu hoher formeller wie inhaltlicher Sprachkompetenz nicht in möglichst spaßigem Unterricht, sondern in möglichst anspruchsvollem Unterricht liegt. Die Anlauttabellen leuchten mir dabei durchaus ein. Ich würde aber von Anfang an auf einen hohen Standard bezüglich Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik setzen, etwa durch Leselisten und wöchentliche Diktate.

(Ich habe selbst im Übrigen auch ähnlich lesen gelernt. Ein Kinderwörterbuch. Zu Hause, anleitungslos. Ich habe fortan Bücher verschlungen und musste zudem wöchentlich meinen Tanten schreiben, natürlich fehlerfrei, also mit Vorschrift, Korrektur und einer abschließenden Schönschriftversion. Mein Großvater ließ bei allen Familienessen zum Kaffee nach dem Essen die Enkel Balladen oder kurze Szenen vortragen oder musizieren. Wir waren sieben Enkel. Fünf davon heute promoviert, niemand gehemmt in Wort oder Schrift.)

Christian

@Modeste: Spaß an etwas wecken und „möglichst spaßig sein” ist aber ein Unterschied, oder? Also – ich sehe einen.

Momatka

Liegt das Problem nicht eher in der mangelnden Kommunikation? In meiner Umgebung sind die Eltern vor allem irritiert. Über das Wie und Warum haben sie auf Elternabenden wenig erfahren und ich (die ich noch 5 Jahre Zeit habe) lese heute zum ersten Mal davon. Nichts gegen eine gelungene Polemik, aber Missverständnisse bleiben nicht aus, wenn es an Informationen mangelt.

Christian

ich weiß nicht, ob DAS Problem da liegt (mir fallen noch zwei, drei andere Problemquellen ein) – aber: Sicher, wenn Eltern nicht einbezogen werden ist das blöd.

Little B.

Bei uns erst nächstes Jahr und ich weiß auch (noch) nicht, wie es die Schule des Kindes handhabt. Es ist mir letztlich auch egal, denn ich werde es nicht ändern können. Sondern so – wie treffend beschrieben – den Weg einfach mitgehen müssen. Ich vermute auch, dass mein Sohn dabei nicht ganz so renitent ist wie ich: Als ich damals statt einer vernünftigen Schreibschrift die vereinfachte Ausgangsschrift lernen sollte, habe ich mich verweigert und um Extra-Unterricht gebeten.

Und zum MINT-Absatz: Applaus. Vor lauter Sprachförderungs-Wahnsinn fallen diese Fächer noch mehr hintenrunter.

Modeste

Aber ist es nicht so, dass erst die Anstrengung kommt, dann die Kompetenz und dann die Freude an der erworbenen Fähigkeit? Als Negativbeispiel für das „softe“ Erlernen steht mir der Lateinunterricht vor Augen. Ich habe an der Uni u. a. Römisches Recht unterrichtet. Diejenigen, die Latein lustorientiert anhand von Asterix und vorportionierten, möglichst „kindgerechten“ Häppchen aus Lateinbüchern gelernt haben, konnten deutlich schlechter Latein als diejenigen, die – wie ich – in kirchlichen Schulen durch viel Auswendiglernen, ständige Tests und teilweise beschämende Kontrollen an der Tafel Latein gelernt haben. Im Ergebnis brachen viele der „weltlichen“ Lateinschüler das Privatissimum im Römischen Recht ab. Die Kloster- und Jesuitenschüler blieben eher bei der Stange und erzielten bessere Ergebnisse.

(Ich weiß nicht, ob es hierüber Erhebungen gibt. Meinem subjektiven Empfinden nach sind die Kloster- und Jesuitenschüler in meinem Umfeld auch langfristig beruflich erfolgreicher.)

Christian

@Modeste:
Ich war ja auch nur früher selber und bin heute nur noch „Co-Pädagoge”
Aber meine eigenen Erfahrungen sowie die der Liebsten sagen, dass man am besten lernt, wenn man Spaß daran hat.
Wenn Lehrerinnen und Lehrern natürlich nichts anderes einfällt, als bunte Bildchen daneben zu malen (um mal Dein Asterix-Beispiel etwas zu überspitzen) – das ist ja fast auf dem Niveau von „mit bunten Schraubenziehern macht’s am Fließband doppelt so viel Spaß”
Und wenn man Spaß nur duch WischiWaschi-Unterricht und möglichst kurze, kleine, knappe Lerneinheiten erreichen kann, damit sich die Schülerinnen und Schüler nicht anstrengen müssen, hat man vielleicht auch den Beruf verfehlt.
Spaß beim Lernen geht imho anders. Ich kenne eigentlich nur Kinder, die, wenn sie intrinsisch motiviert an etwas herangehen mit sehr viel Energie und auch Anstrengung lernen. Lernen wollen. Schau Dir an, mit wie viel Energie Lego erlernt wird, mit wie viel Geduld Computerspiele, die uns als Erwachsene vollkommen überfordern erarbeitet werden.
Nein, ich sage gerade nicht, dass die regelkonforme Nutzung von LegoTechnik und WorldOfWarcraft für ein Leben ausreichen. Ich sage: Zeigt Kindern wie viel Spaß Physik, Mathe, Sprache usw machen. Dann wollen sie es lernen. So lange allerdings – wie in Deutschland – nicht die besten, sondern die schlechtesten eines Abi-jahrgangs Lehrer werden fehlt vieleicht schon beid er lehrkraft der Spaß.
Aber ich gleite ab.
Also zurück: Gerade dafür ist diese Schreiblern-Methode gut. Schnelle Erfolge zeigen, dass es sinnvoll ist, zu schreiben. Im Gegensatz zu „Mama? Mimi tut?”-Sätzen.

Darüber hinaus missfällt mir ganz persönlich so eine protestantische Einstellung von „erst durchs Jammertal um dann die Belohnung zu bekommen” sehr. Aber das ist natürlich persönliche Meinung und nicht so super-pädagogisch unterfüttert ;)

Anke

@Christian:
„Darüber hinaus missfällt mir ganz persönlich so eine protestantische Einstellung von „erst durchs Jammertal um dann die Belohnung zu bekommen” sehr. Aber das ist natürlich persönliche Meinung und nicht so super-pädagogisch unterfüttert ;)“

Wenn du mal psychologisch-pädagogische Sichtweisen auf Belohnung und Bestrafen erfahren willst, empfehle ich dir Literatur, zum Beispiel „Punishment by Rewards“ von Alfie Kohn. – http://www.alfiekohn.org/teaching/pbracwak.htm Hier ist ein Kurzinterview als Einstieg.

Christian

Oh, merci, Anke!

dasnuf

Sehr gerne gelesen.
Ich bin großer Fan dieser Methode und total fasziniert in welcher Geschwindigkeit Kind 2.0 schreiben gelernt hat. Es kein einfach ALLES schreiben und hat großen Spaß daran.
Jetzt hat es noch 11 Jahre Regeln zu lernen. Das sollte genügen.
Ich finde den Motivationsansatz dahinter viel, viel besser als früher. Es wird ermutigt statt demotiviert.

Rebekka.

Toller Artikel, den ich verbreiten und zitieren werde.

Und danke, Anke, für den tollen Link zum Interview mit Kohn!!

Cindy

Dem kann ich mich zum großen Teil anschließen, ich bin von der neuen Methode mit der Laut-Verschriftlichung auch wirklich angetan, wobei ich aber insgesamt auch glaube, am Ende ist der wichtigste Faktor, wie engagiert und fähig die Lehrer sind. Mit einer guten und begeisterten Grundschullehrerin erreicht man da einfach viel bei den Kindern, die ja eigentlich zu dem Zeitpunkt alle noch total lernwillig sind.
Der einzige Punkt, dem ich ein klein wenig widersprechen muss ist der, dass die Mütter aufgrund der Rechtschreibung ihrer Kinder in Panik geraten. Meine Erfahrung unter meinen Miteltern ist es oft, dass die Mütter auch nach anfänglicher Skepsis mit der Zeit doch die Methode akzeptieren und mit ihren Kindern entsprechend arbeiten, aber gerade die Papas, die alle paar Wochen mal oberflächlich in die Hefte der Kinder gucken und sich sonst nie damit beschäftigen, was und wie ihre Kinder so in der Schule lernen, dann die große Panik bekommen.
Und dann tun sie immer alle so, als ob nach der Fibelmethode und mit strengen Noten und Dikaten alle eine einwandfreie Rechtschreibung ab Klasse 1 gehabt hätten. Da wird die Vergangenheit verklärt und so umgemodelt, als wären damals alle durch die Bank weg Einserschüler_innen gewesen. Manchmal beschleicht mich ja das Gefühl, dass die ältere Generation der neueren es einfach nicht gönnt, nicht für die gleichen Fehler durch schlechte Noten und Tadel bestraft zu werden.

Katharina

Meiner fängt jetzt, mit knapp 5 an, in Büchern nach Buchstaben zu suchen und dann auf dem Computer die Wörter abzuschreiben. Und wenn er selber eine Geschichte erfindet, dann schreibt er die in dem Hauchtöitsch auf wo Schweizer Kinder halt reden tun wenn sie Hauchtöisch über TV und Radio lernen müssen.
So föking watt?!
Die Freude an der Tätigkeit kommt zuerst – irgendwann wird er dann schon von sich aus wissen wollen, wie „es“ richtig geht.
Bei uns wird es übrigens nach der Vorschule Eltern-Infoabende geben, wo die LPs die Eltern briefen, wie man heutzutage Rechtschreibung, von Hand Addieren und Dividieren und was es da sonst noch so alles gibt, lernt. So können es die Eltern dann den Kindern zuhause auf dieselbe Art zeigen, wenn die fragen.

Maximilian Buddenbohm

Ich: „Schreibst du mal bitte Bananen und Lachs auf den Einkaufszettel?“ Sohn I, seit drei Wochen Schüler: „Jo.“

Und dann steht da Bananen und Laks. Wobei man Lachs natürlich auf etliche Arten schreiben kann, Lax, Laks, Lags, Lachs – er merkt das und fragt, wie Erwachsenen es schreiben, ich schreibe das daneben. Er guckt sich das beides an. Läuft.

Modeste

Die Schreibern-Methode finde ich auch super. Mein Dissens bezieht sich nur auf den Verzicht auf die Korrektur bei Fehlern. Ich glaube nämlich nicht, dass das entmutigt. Ich sehe doch selbst an meinem Zweijährigen, wie groß die kindliche Begeisterung für das Arkanum der Schrift ist. Wenn er engagiert buchstabenähnliche Gebilde auf Postkarten kritzelt und mit dem Finger unter der Zeile wüst erfundene oder gut behaltene Geschichten „vorliest“, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Korrektur daran etwas ändert, wenn er in vier Jahren zur Schule kommt.

Christian

Ich kenne das so, dass die Lehrerinnen danebenschreiben, wie es rechtschriftlich richtig ist.

jacqueline

Hm. Meine Erfahrung aus der Erwachsenenbildung ist: Bei TN über 30, die keine Schwäche haben, sitzt die alte RS. Die haben Probleme, die neue in den Alltag einzubauen, weil sie nicht mehr dauernd schreiben.

Bei den TN unter 30 und denen, die die neue RS gelernt haben, sitzt nix. Sie kennen kaum die Regeln, hören/erkennen nicht die Worte in den Diktaten, haben wenig Sprachgefühl.

Eine Mutter meinte mal, dass die Kinder in erster Linie Arbeitsblätter bearbeiteten und nicht mehr fortwährend zusammenhängende Texte schrieben. Ihnen fehle die Erfahrung der Wiederholung.

Im Beruf ist diese mangelnde Kompetenz, aber vor allem das oft fehlende Verständnis für das korrekte Schreiben ein Hinderungsgrund bei Einstellungen.

Die TN, die aktuell Kinder haben, verzweifeln mit der neuen Pädagogik. Ein Sohn hat neulich seinen Vater gefragt, warum man ihn erst habe falsch schreiben lassen, um ihn dann auf einmal zu korrektem Schreiben zu zwingen. Das Gefühl für die eigene Schreibweise sitzt so tief, dass sich das Gefühl für die korrekte Schreiben nicht einstellen will.

Kirsten

Leider kommt diese Korrektur durch die Lehrerin bei vielen Kinder wegen viel Lärm und Ablenkung in der Klasse leider oft zu kurz (das stell ich mir zumindest als den Grund dahinter vor) und es gibt viele Kinder mit anderssprachigem Hintergrund, die mit der Anlauttabelle wohl noch andere Probleme haben als meine vorrangig deutsch-sprachig aufgewachsenen Kinder. Und noch mehr Eltern (egal mit welchem Hintergrund), die keine Korrekturen anbringen können, sei es, weil die Zeit fehlt, sei es, weil sie es selber nicht besser können. Plus: dieses „Hey, ich kann was Schreiben“ Hochgefühl fällt durchaus nicht bei jedem Kind gleichgroß aus und es gibt Kinder (eins hab ich selber), das partout keine Lust hat auf Geschichten schreiben (oder malen, aber das ist eine andere Geschichte). Auch am Anfang nicht. Auch als die Rechtschreibung wirklich und ehrlich und auch uns noch egal war.

Ich glaube nach Erfahrung mit zwei eigenen Schulkindern und diversen in der näheren Bekanntschaft, dass es tatsächlich längere Zeit zu lange in die „macht mal wie Ihr denkt“ Richtung ging und freue mich, dass inzwischen die Korrekturen schon früher einsetzen, hoffentlich bald überall und konsequent.

Herr Rau

Wenn’s funktioniert, ist es gut. Die Lernmethode, die für alle Schüler die beste ist, gibt es ohnehin nicht; es wird immer Schüler geben, die mit einer anderen Methode besser gefahren wären. Das kann auch mal das eigene Kind sein. Aber die Methode, die für die größte Zahl der Schüler am meisten bringt, sollte verwendet werden.

>Kluge Menschen haben sich Gedanken gemacht, haben viele, viele Kinder beobachtet, haben Diktate, Aufsätze und unzählige Schulhefte ausgewertet

Das Ausmaß an Klugheit und Auswertung würde ich nicht überschätzen. Pädagogik ist Moden unterworfen wie andere Disziplinen auch, und die Datenbasis für Entscheidungen dünn oder überhaupt schwierig zu bekommen. Aber so oder so, es gibt wesentlich wichtigere Baustellen.

Silke

Das klingt alles sehr gut.
Der Haken an der Sache sind die Noten. Denn eine schlechte Rechtschreibung wird auch in der Grundschule schon mit schlechten Noten beurteilt. Und nach meiner Erfahrung (alte Lehrerdynastie, selber Mutter von 4 Kindern) schleift sich eine schlechte Rechtschreibung kaum auslöschbar ein, wenn man nicht recht bald dem Kind vor Augen führt, wie „man“ das Wort bei allem Spaß am Schreiben aber nunmal eigentlich schreibt.
Der Spaß am Schreiben vergeht nämlich leider ziemlich schnell nach den ersten bitteren Erfahrungen mit schlechten Noten durch verhunzte Rechtschreibung…

Hilli Knixibix

Danke für diesen Artikel und den Anstoß, weitergehend über diese Methode nachzudenken.
Fehler machen tut nicht weh und was ein Fehler ist, das kann man korrigieren. So vermittele ich das meinen Schülern und Schülerinnen und zeige bewusst weniger Interesse am Fehler als am Angebot, den Fehler zu beheben. Das wird gerne angenommen und die Angst vorm Falschschreiben oder Falschrechnen weicht der Neugierde auf das Korrigierte.
Viele Grüße auch an Deine Frau!

Patricia

Das ist ein guter Artikel. Leider gibt es bei diesem Thema zu viele Baustellen gleichzeitig. Zum einen wird den Eltern das System nicht (genug) erklärt, oder Eltern sind (mangels eigener Bildung oder Deutschkenntnisse) nicht in der Lage das System zu verstehen. Ich selbst wurde in den 80ern eingeschult und hatte bis zum Abitur Mitte der 90er Probleme mit der Rechtschreibung. Als Kind mochte ich auch wenig lesen weil es mir zu anstrengend war. Ich habe auch immer langsamer gelesen als alle anderen (das ist heute noch so). Eigentlich muss ich sagen habe ich es erst als Erwachsener gelernt, da ich vieles nachgeguckt habe und auswendig gelernt habe. Neben meinem Ingenieurstudium habe ich als Nachhilfelehrerin viel gelernt, da man als Erwachsener viel schneller dinge erfasst und Zusammenhänge besser versteht als als Schüler. Meine Erfahrungen nun als Mutter von zwei Kindern und aus langjähriger Nachhilfe sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Mein ältester Sohn hat eine Lese-Rechtschreibschwäche. Er hat sich aus Büchern mit Texten noch nie viel gemacht und wenn ich ihn bestrafen will, kann ich ihm sagen lies ein Buch oder schreib mir einen Brief. Selbst die ersten Texte nach der Methode „ich schreibe mit der Anlauttafel das was ich höre. Waren maximal ein-Satz-Geschichten. Wenn an dann entsprechend des Problems nicht gefördert wird, sondern erstmal nur hört „LRS gibt’s nicht er muss nur zusätzlich zu den HA im 2. Schuljahr noch jeden Tag 5 Sätze schreiben“ kommt man als Mutter an seine Grenzen. Die HA dauerten ja schon eine Stunde, da alles langsamer ging und die Motivation die Aufgabenstellung zu lesen schon nicht da war. Nach dem wiederholen der zweiten Klasse wurde es etwas entspannter, als mit der neuen Lehrerin abgesprochen war ihm schon zu sagen wie alles richtig aussieht. Die eingeführten Lernwörter ab der zweiten Klasse haben dies unterstützt. Er liest bis heute nicht wenn es nicht unbedingt sein muss, manchmal nicht mal die Aufgabenstellung, sondern fragt lieber. Wenn er selbst schreibt haben wir ihm beigebracht im Zweifel ins Wörterbuch zu gucken. Wenn er sich anstrengend macht er nur wenig Fehler, wenn es nicht so drauf ankommt (im Unterricht etwas mitschreiben oder HA und privat) kann man die Fehler kaum zählen. Da ist es schon fast hilfreich, dass er unter anderem mit vielen Erwachsenen (Familie, Eltern von Kinder- und Jugendgruppen, anderen Betreuern von diesen Gruppen) in Chatgruppen ist und dort sich zu richtiger Schreibweise zwingt. (Mittlerweile 9. Schuljahr)
Der zweite jetzt 5. Schuljahr (keine LRS) wollte von Anfang an lesen und selber schreiben. Er hat von selbst angefangen zu fragen wie etwas richtig geschrieben wird und hat sich selbst verbessert, weil er das Wort schon mal gelesen hat. Wusste ab den Lernwörtern auch dass es für Manche Sachen Regeln gibt und man manches einfach auswendig lernen muss und setzt es auch im Alltag um. Meine Nichte 4. Schuljahr lernt komplett nach dem System und wie von der Schule gewünscht, mischt sich die Mutter nicht ein. In der Schule wird richtig geschrieben und sie hat gute Noten. In der Freizeit wir ebenfalls viel und gerne geschrieben, aber niemand kann es lesen, da sie immer noch so schreibt wie sie spricht. Davon kenne ich mehrere Fälle die auch mittlerweile schon im Berufsleben sind.
Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass viele Lehrer dieses System ja selbst auch erst lernen mussten und oft sind Klassen heute so kraftraubend, dass einiges auf der Strecke bleibt. Individuelle Förderung ist oft nicht so umsetzbar wie eigentlich gewünscht und gefordert. Wenn Eltern dann aus verschiedenen Gründen (Berufstätigkeit, niedriger eigener Bildungsstand, Nichtbeherrschung der Sprache oder leider auch Desinteresse) den Kindern nicht helfen können, bleiben einige auf der Strecke und im Berufsleben wundern wir uns, dass Bewerbungen voll von Fehlern sind und Berichtshefte nicht richtig geschrieben werden.
Die Schulen können gerne mit solchen Systemen arbeiten, allerdings müssen die äußeren Umstände bekannt sein und berücksichtigt werden. Dazu muss auch den Lehrern die nötige Unterstützung gegeben werden.

baulie

„So lange allerdings – wie in Deutschland – nicht die besten, sondern die schlechtesten eines Abi-jahrgangs Lehrer werden fehlt vieleicht schon beid er lehrkraft der Spaß.“

Bisher war ich nur stille Mitleserin, doch diese Aussage ärgert mich wirklich sehr. Ich bin im Moment selbst im Referendariat und hätte mit meinem Abischnitt (drittbester Schnitt meines Jahrgangs) ohne Wartesemester auch problemlos Medizin, Psychologie oder andere NC-Fächer studieren können. In meinem Kurs am Seminar für Didaktik sieht es kaum anders aus. Von 12 Leuten haben 10 einen Abischnitt von 1,8 und besser und die Schnitte im 1. Staatsexamen liegen zwischen 1,1 und 2,3. Und alle werden Lehrer/innen aus Überzeugung, nicht als „Notlösung“ weil es sonst zu nichts gereicht hat.
Solche Verallgemeinerungen sind ähnlich ärgerlich wie das ach so beliebte „Lehrer-bashing“…

Christian

@baulie
Bitte entschuldige wenn sich das (heute? Bei Dir?) geändert hat.
Als ich Lehramt studierte und auch noch viele Jahre danach war das so.
Ich werde mich – ich schreibe eh an einem Nachtrag zu diesem Artikel weil mich die sehr sachliche, fundierte Diskussion an so vielen Stellen wirklich sehr gefreut hat – mal auf die Suche machen, wie da heute so der Schnitt ist. Weil im Endeffekt ist ja weder Deine noch meine persönliche Erfahrung statistisch belastbar :)

Herr Rau

Oh bitte, da kann ich helfen: http://www.sueddeutsche.de/karriere/bildung-von-paedagogen-gute-schueler-werden-keine-lehrer-1.472379

Christian

Das passt dann ja zeitlich exakt zu meinen Erfahrungen. Danke!

Bei facebook gabs den „Daumen hoch” von:

  • • Hach, es ist immer wieder schön zu lesen, wenn du über Schule schreibst.
  • • DANKE!
  • • Ich finde das schon okay so, was beim Schreibenlernen heute passiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich damals groß Probleme damit hatte. Hätte ich aber wahrscheinlich mit einer anderen Methode auch nicht gehabt. Wichtig ist doch auch - unabhängig von der Methode -, den Kindern Freude und frühe Erfolgserlebnisse mit dem Erlernten zu vermitteln. Dann läuft das doch eigentlich, oder? Wenn die Eltern gegen die Schule anreden, ist das doof. Das ist dann auch nicht gut für den Lernerfolg. Außerdem muss ja nicht jeder ein Orthographiepapst und Feuilletonjournalist werden. Richtig schreiben lernt man (by the way) auch, indem man viel liest. Das könnte sich auch so mancher Erwachsene zu Herzen nehmen.
  • • Ja.
  • • Vor allem für den "mint am arsch" teil: ja. Erlebe bei meinem sohn, dass es in der umsetzung (er hat eine grossartige lehrerin) nicht so dramatisch ist, wie befürchtet. Und da mein sohn liest wie ..... ich, tut er sich auch mit dem schreiben leicht.
  • • Unter Umständen wäre es halt sinnvoll, wenn die Lehrer sich ab und zu herablassen könnten, ihre Unterrichtsmethoden zu kommunizieren. Und zwar auch den Eltern gegenüber. Eben, damit die Eltern nicht daheim "Das ist ja alles falsch!!!" brüllen sondern wissen, warum der Lehrer das eben so gemacht hat. Andererseits, folge ich der Argumentation im Text, sollten wir eigentlich Unterricht machen wie zu Goethes Zeiten ;) . Nebenbei, als ich vor 30 Jahren in der (Grund-) Schule war, waren die Tische mitnichten zusammengeschraubt und wir waren auch nur überschaubare 20 Kinder in der Klasse.
  • • 
    Andererseits, folge ich der Argumentation im Text, sollten wir eigentlich Unterricht machen wie zu Goethes Zeiten
    Äh? Der Argumentation in meinem Text? Nein.
  • • Jein. Aber ja zu eventuell auf die Barrikaden gehen.Ich habe ein Kind mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, und für solche Kinder ist die neumodische Art, das Schreiben zu lernen, viel schwieriger, weil es irgendwann auf einmal Regeln gibt, die nicht logisch sind, so wie Mathe, was wiederum eine Begabung bei solchen Kindern sein kann.Ich lese deswegen aufmerksam die Artikel zu solchen Themen, und darin steht, dass Kinder, die im Lesen und Schreiben schwach sind, erhebliche Probleme haben durch die komische Rechtschraibunk. Gerade die Schwachen sollte man nicht hintenüber fallenlassen, denke ich. Trotzdem habe ich mein Kind zuhause nicht korrigiert, damit es nicht vollends durcheinander kommt. Es ist ein Dilemma. Und das Kind hat immer noch Schwierigkeiten, in Klasse 3, obwohl alle Lehrer sagen, es sei extrem schlau. :(
  • • @Mama arbeitetWenn Du Dich hier oder sonstwo, wo ich so schreibe umguckst, dann wirst Du sehen, dass ich ein vehementer Verfechter jeder Form von individuellen Lernen bin. Sprich: Den Unterricht den individuellen Stärken und Schwächen des Kindes anzupassen.
  • • @Mama arbeitet: In der Klasse drei geht es mit korrekter Orthografie erst los. Mit Übergang zur siebenten (!) Klasse sollen Kinder die gesamte Bandbreite beherrschen. Es ist also erst der Beginn. Keine Sorge. Dein Kind braucht einfach noch Zeit.
  • • Ich arbeite teilweise mit Berufsanfängern, die inzwischen gut 10 - 15 Jahre jünger sind als ich. Bisweilen fürchte ich, dass die Bemühungen, den Lernprozess an der Schule bis hin zur Uni ausschließlich angenehm auszugestalten und die Motivation vor allem durch positive Bestätigung hochzuhalten, auch sehr negative Folgen hat. Es fehlt nicht selten an Durchhaltevermögen, an der Fähigkeit, Niederlagen und offene Kritik zu verdauen, Aufgaben immer wieder anzugehen. Kurz: Am langen Atem und einer gewissen Leidensfähigkeit. Begeisterung und Spaß allein reichen meiner Erfahrung nach nicht besonders weit.Ich strebe nun nicht an, dass Lernen unbedingt langweilig und mühsam sein sollte. Ich glaube aber, dass der Schlüssel zu hoher formeller wie inhaltlicher Sprachkompetenz nicht in möglichst spaßigem Unterricht, sondern in möglichst anspruchsvollem Unterricht liegt. Die Anlauttabellen leuchten mir dabei durchaus ein. Ich würde aber von Anfang an auf einen hohen Standard bezüglich Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik setzen, etwa durch Leselisten und wöchentliche Diktate. (Ich habe selbst im Übrigen auch ähnlich lesen gelernt. Ein Kinderwörterbuch. Zu Hause, anleitungslos. Ich habe fortan Bücher verschlungen und musste zudem wöchentlich meinen Tanten schreiben, natürlich fehlerfrei, also mit Vorschrift, Korrektur und einer abschließenden Schönschriftversion. Mein Großvater ließ bei allen Familienessen zum Kaffee nach dem Essen die Enkel Balladen oder kurze Szenen vortragen oder musizieren. Wir waren sieben Enkel. Fünf davon heute promoviert, niemand gehemmt in Wort oder Schrift.)
  • • @Modeste: Spaß an etwas wecken und „möglichst spaßig sein” ist aber ein Unterschied, oder? Also - ich sehe einen.
  • • Liegt das Problem nicht eher in der mangelnden Kommunikation? In meiner Umgebung sind die Eltern vor allem irritiert. Über das Wie und Warum haben sie auf Elternabenden wenig erfahren und ich (die ich noch 5 Jahre Zeit habe) lese heute zum ersten Mal davon. Nichts gegen eine gelungene Polemik, aber Missverständnisse bleiben nicht aus, wenn es an Informationen mangelt.
  • • ich weiß nicht, ob DAS Problem da liegt (mir fallen noch zwei, drei andere Problemquellen ein) - aber: Sicher, wenn Eltern nicht einbezogen werden ist das blöd.
  • • Bei uns erst nächstes Jahr und ich weiß auch (noch) nicht, wie es die Schule des Kindes handhabt. Es ist mir letztlich auch egal, denn ich werde es nicht ändern können. Sondern so - wie treffend beschrieben - den Weg einfach mitgehen müssen. Ich vermute auch, dass mein Sohn dabei nicht ganz so renitent ist wie ich: Als ich damals statt einer vernünftigen Schreibschrift die vereinfachte Ausgangsschrift lernen sollte, habe ich mich verweigert und um Extra-Unterricht gebeten.Und zum MINT-Absatz: Applaus. Vor lauter Sprachförderungs-Wahnsinn fallen diese Fächer noch mehr hintenrunter.
  • • Aber ist es nicht so, dass erst die Anstrengung kommt, dann die Kompetenz und dann die Freude an der erworbenen Fähigkeit? Als Negativbeispiel für das "softe" Erlernen steht mir der Lateinunterricht vor Augen. Ich habe an der Uni u. a. Römisches Recht unterrichtet. Diejenigen, die Latein lustorientiert anhand von Asterix und vorportionierten, möglichst "kindgerechten" Häppchen aus Lateinbüchern gelernt haben, konnten deutlich schlechter Latein als diejenigen, die - wie ich - in kirchlichen Schulen durch viel Auswendiglernen, ständige Tests und teilweise beschämende Kontrollen an der Tafel Latein gelernt haben. Im Ergebnis brachen viele der "weltlichen" Lateinschüler das Privatissimum im Römischen Recht ab. Die Kloster- und Jesuitenschüler blieben eher bei der Stange und erzielten bessere Ergebnisse. (Ich weiß nicht, ob es hierüber Erhebungen gibt. Meinem subjektiven Empfinden nach sind die Kloster- und Jesuitenschüler in meinem Umfeld auch langfristig beruflich erfolgreicher.)
  • • @Modeste:Ich war ja auch nur früher selber und bin heute nur noch „Co-Pädagoge”Aber meine eigenen Erfahrungen sowie die der Liebsten sagen, dass man am besten lernt, wenn man Spaß daran hat.Wenn Lehrerinnen und Lehrern natürlich nichts anderes einfällt, als bunte Bildchen daneben zu malen (um mal Dein Asterix-Beispiel etwas zu überspitzen) - das ist ja fast auf dem Niveau von „mit bunten Schraubenziehern macht’s am Fließband doppelt so viel Spaß”Und wenn man Spaß nur duch WischiWaschi-Unterricht und möglichst kurze, kleine, knappe Lerneinheiten erreichen kann, damit sich die Schülerinnen und Schüler nicht anstrengen müssen, hat man vielleicht auch den Beruf verfehlt.Spaß beim Lernen geht imho anders. Ich kenne eigentlich nur Kinder, die, wenn sie intrinsisch motiviert an etwas herangehen mit sehr viel Energie und auch Anstrengung lernen. Lernen wollen. Schau Dir an, mit wie viel Energie Lego erlernt wird, mit wie viel Geduld Computerspiele, die uns als Erwachsene vollkommen überfordern erarbeitet werden.Nein, ich sage gerade nicht, dass die regelkonforme Nutzung von LegoTechnik und WorldOfWarcraft für ein Leben ausreichen. Ich sage: Zeigt Kindern wie viel Spaß Physik, Mathe, Sprache usw machen. Dann wollen sie es lernen. So lange allerdings - wie in Deutschland - nicht die besten, sondern die schlechtesten eines Abi-jahrgangs Lehrer werden fehlt vieleicht schon beid er lehrkraft der Spaß. Aber ich gleite ab.Also zurück: Gerade dafür ist diese Schreiblern-Methode gut. Schnelle Erfolge zeigen, dass es sinnvoll ist, zu schreiben. Im Gegensatz zu „Mama? Mimi tut?”-Sätzen.Darüber hinaus missfällt mir ganz persönlich so eine protestantische Einstellung von „erst durchs Jammertal um dann die Belohnung zu bekommen” sehr. Aber das ist natürlich persönliche Meinung und nicht so super-pädagogisch unterfüttert ;)
  • • @Christian: "Darüber hinaus missfällt mir ganz persönlich so eine protestantische Einstellung von „erst durchs Jammertal um dann die Belohnung zu bekommen” sehr. Aber das ist natürlich persönliche Meinung und nicht so super-pädagogisch unterfüttert ;)"Wenn du mal psychologisch-pädagogische Sichtweisen auf Belohnung und Bestrafen erfahren willst, empfehle ich dir Literatur, zum Beispiel "Punishment by Rewards" von Alfie Kohn. - http://www.alfiekohn.org/teaching/pbracwak.htm Hier ist ein Kurzinterview als Einstieg.
  • • Oh, merci, Anke!
  • • Sehr gerne gelesen.Ich bin großer Fan dieser Methode und total fasziniert in welcher Geschwindigkeit Kind 2.0 schreiben gelernt hat. Es kein einfach ALLES schreiben und hat großen Spaß daran. Jetzt hat es noch 11 Jahre Regeln zu lernen. Das sollte genügen.Ich finde den Motivationsansatz dahinter viel, viel besser als früher. Es wird ermutigt statt demotiviert.
  • • Toller Artikel, den ich verbreiten und zitieren werde.Und danke, Anke, für den tollen Link zum Interview mit Kohn!!
  • • Dem kann ich mich zum großen Teil anschließen, ich bin von der neuen Methode mit der Laut-Verschriftlichung auch wirklich angetan, wobei ich aber insgesamt auch glaube, am Ende ist der wichtigste Faktor, wie engagiert und fähig die Lehrer sind. Mit einer guten und begeisterten Grundschullehrerin erreicht man da einfach viel bei den Kindern, die ja eigentlich zu dem Zeitpunkt alle noch total lernwillig sind.Der einzige Punkt, dem ich ein klein wenig widersprechen muss ist der, dass die Mütter aufgrund der Rechtschreibung ihrer Kinder in Panik geraten. Meine Erfahrung unter meinen Miteltern ist es oft, dass die Mütter auch nach anfänglicher Skepsis mit der Zeit doch die Methode akzeptieren und mit ihren Kindern entsprechend arbeiten, aber gerade die Papas, die alle paar Wochen mal oberflächlich in die Hefte der Kinder gucken und sich sonst nie damit beschäftigen, was und wie ihre Kinder so in der Schule lernen, dann die große Panik bekommen. Und dann tun sie immer alle so, als ob nach der Fibelmethode und mit strengen Noten und Dikaten alle eine einwandfreie Rechtschreibung ab Klasse 1 gehabt hätten. Da wird die Vergangenheit verklärt und so umgemodelt, als wären damals alle durch die Bank weg Einserschüler_innen gewesen. Manchmal beschleicht mich ja das Gefühl, dass die ältere Generation der neueren es einfach nicht gönnt, nicht für die gleichen Fehler durch schlechte Noten und Tadel bestraft zu werden.
  • • Meiner fängt jetzt, mit knapp 5 an, in Büchern nach Buchstaben zu suchen und dann auf dem Computer die Wörter abzuschreiben. Und wenn er selber eine Geschichte erfindet, dann schreibt er die in dem Hauchtöitsch auf wo Schweizer Kinder halt reden tun wenn sie Hauchtöisch über TV und Radio lernen müssen.So föking watt?!Die Freude an der Tätigkeit kommt zuerst - irgendwann wird er dann schon von sich aus wissen wollen, wie "es" richtig geht.Bei uns wird es übrigens nach der Vorschule Eltern-Infoabende geben, wo die LPs die Eltern briefen, wie man heutzutage Rechtschreibung, von Hand Addieren und Dividieren und was es da sonst noch so alles gibt, lernt. So können es die Eltern dann den Kindern zuhause auf dieselbe Art zeigen, wenn die fragen.
  • • Ich: "Schreibst du mal bitte Bananen und Lachs auf den Einkaufszettel?" Sohn I, seit drei Wochen Schüler: "Jo."Und dann steht da Bananen und Laks. Wobei man Lachs natürlich auf etliche Arten schreiben kann, Lax, Laks, Lags, Lachs - er merkt das und fragt, wie Erwachsenen es schreiben, ich schreibe das daneben. Er guckt sich das beides an. Läuft.
  • • Die Schreibern-Methode finde ich auch super. Mein Dissens bezieht sich nur auf den Verzicht auf die Korrektur bei Fehlern. Ich glaube nämlich nicht, dass das entmutigt. Ich sehe doch selbst an meinem Zweijährigen, wie groß die kindliche Begeisterung für das Arkanum der Schrift ist. Wenn er engagiert buchstabenähnliche Gebilde auf Postkarten kritzelt und mit dem Finger unter der Zeile wüst erfundene oder gut behaltene Geschichten "vorliest", kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Korrektur daran etwas ändert, wenn er in vier Jahren zur Schule kommt.
  • • Ich kenne das so, dass die Lehrerinnen danebenschreiben, wie es rechtschriftlich richtig ist.
  • • Hm. Meine Erfahrung aus der Erwachsenenbildung ist: Bei TN über 30, die keine Schwäche haben, sitzt die alte RS. Die haben Probleme, die neue in den Alltag einzubauen, weil sie nicht mehr dauernd schreiben. Bei den TN unter 30 und denen, die die neue RS gelernt haben, sitzt nix. Sie kennen kaum die Regeln, hören/erkennen nicht die Worte in den Diktaten, haben wenig Sprachgefühl.Eine Mutter meinte mal, dass die Kinder in erster Linie Arbeitsblätter bearbeiteten und nicht mehr fortwährend zusammenhängende Texte schrieben. Ihnen fehle die Erfahrung der Wiederholung.Im Beruf ist diese mangelnde Kompetenz, aber vor allem das oft fehlende Verständnis für das korrekte Schreiben ein Hinderungsgrund bei Einstellungen.Die TN, die aktuell Kinder haben, verzweifeln mit der neuen Pädagogik. Ein Sohn hat neulich seinen Vater gefragt, warum man ihn erst habe falsch schreiben lassen, um ihn dann auf einmal zu korrektem Schreiben zu zwingen. Das Gefühl für die eigene Schreibweise sitzt so tief, dass sich das Gefühl für die korrekte Schreiben nicht einstellen will.
  • • Leider kommt diese Korrektur durch die Lehrerin bei vielen Kinder wegen viel Lärm und Ablenkung in der Klasse leider oft zu kurz (das stell ich mir zumindest als den Grund dahinter vor) und es gibt viele Kinder mit anderssprachigem Hintergrund, die mit der Anlauttabelle wohl noch andere Probleme haben als meine vorrangig deutsch-sprachig aufgewachsenen Kinder. Und noch mehr Eltern (egal mit welchem Hintergrund), die keine Korrekturen anbringen können, sei es, weil die Zeit fehlt, sei es, weil sie es selber nicht besser können. Plus: dieses "Hey, ich kann was Schreiben" Hochgefühl fällt durchaus nicht bei jedem Kind gleichgroß aus und es gibt Kinder (eins hab ich selber), das partout keine Lust hat auf Geschichten schreiben (oder malen, aber das ist eine andere Geschichte). Auch am Anfang nicht. Auch als die Rechtschreibung wirklich und ehrlich und auch uns noch egal war.Ich glaube nach Erfahrung mit zwei eigenen Schulkindern und diversen in der näheren Bekanntschaft, dass es tatsächlich längere Zeit zu lange in die "macht mal wie Ihr denkt" Richtung ging und freue mich, dass inzwischen die Korrekturen schon früher einsetzen, hoffentlich bald überall und konsequent.
  • • Wenn's funktioniert, ist es gut. Die Lernmethode, die für alle Schüler die beste ist, gibt es ohnehin nicht; es wird immer Schüler geben, die mit einer anderen Methode besser gefahren wären. Das kann auch mal das eigene Kind sein. Aber die Methode, die für die größte Zahl der Schüler am meisten bringt, sollte verwendet werden. >Kluge Menschen haben sich Gedanken gemacht, haben viele, viele Kinder beobachtet, haben Diktate, Aufsätze und unzählige Schulhefte ausgewertet Das Ausmaß an Klugheit und Auswertung würde ich nicht überschätzen. Pädagogik ist Moden unterworfen wie andere Disziplinen auch, und die Datenbasis für Entscheidungen dünn oder überhaupt schwierig zu bekommen. Aber so oder so, es gibt wesentlich wichtigere Baustellen.
  • • Das klingt alles sehr gut.Der Haken an der Sache sind die Noten. Denn eine schlechte Rechtschreibung wird auch in der Grundschule schon mit schlechten Noten beurteilt. Und nach meiner Erfahrung (alte Lehrerdynastie, selber Mutter von 4 Kindern) schleift sich eine schlechte Rechtschreibung kaum auslöschbar ein, wenn man nicht recht bald dem Kind vor Augen führt, wie "man" das Wort bei allem Spaß am Schreiben aber nunmal eigentlich schreibt.Der Spaß am Schreiben vergeht nämlich leider ziemlich schnell nach den ersten bitteren Erfahrungen mit schlechten Noten durch verhunzte Rechtschreibung...
  • • Danke für diesen Artikel und den Anstoß, weitergehend über diese Methode nachzudenken. Fehler machen tut nicht weh und was ein Fehler ist, das kann man korrigieren. So vermittele ich das meinen Schülern und Schülerinnen und zeige bewusst weniger Interesse am Fehler als am Angebot, den Fehler zu beheben. Das wird gerne angenommen und die Angst vorm Falschschreiben oder Falschrechnen weicht der Neugierde auf das Korrigierte. Viele Grüße auch an Deine Frau!
  • • Das ist ein guter Artikel. Leider gibt es bei diesem Thema zu viele Baustellen gleichzeitig. Zum einen wird den Eltern das System nicht (genug) erklärt, oder Eltern sind (mangels eigener Bildung oder Deutschkenntnisse) nicht in der Lage das System zu verstehen. Ich selbst wurde in den 80ern eingeschult und hatte bis zum Abitur Mitte der 90er Probleme mit der Rechtschreibung. Als Kind mochte ich auch wenig lesen weil es mir zu anstrengend war. Ich habe auch immer langsamer gelesen als alle anderen (das ist heute noch so). Eigentlich muss ich sagen habe ich es erst als Erwachsener gelernt, da ich vieles nachgeguckt habe und auswendig gelernt habe. Neben meinem Ingenieurstudium habe ich als Nachhilfelehrerin viel gelernt, da man als Erwachsener viel schneller dinge erfasst und Zusammenhänge besser versteht als als Schüler. Meine Erfahrungen nun als Mutter von zwei Kindern und aus langjähriger Nachhilfe sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Mein ältester Sohn hat eine Lese-Rechtschreibschwäche. Er hat sich aus Büchern mit Texten noch nie viel gemacht und wenn ich ihn bestrafen will, kann ich ihm sagen lies ein Buch oder schreib mir einen Brief. Selbst die ersten Texte nach der Methode "ich schreibe mit der Anlauttafel das was ich höre. Waren maximal ein-Satz-Geschichten. Wenn an dann entsprechend des Problems nicht gefördert wird, sondern erstmal nur hört "LRS gibt's nicht er muss nur zusätzlich zu den HA im 2. Schuljahr noch jeden Tag 5 Sätze schreiben" kommt man als Mutter an seine Grenzen. Die HA dauerten ja schon eine Stunde, da alles langsamer ging und die Motivation die Aufgabenstellung zu lesen schon nicht da war. Nach dem wiederholen der zweiten Klasse wurde es etwas entspannter, als mit der neuen Lehrerin abgesprochen war ihm schon zu sagen wie alles richtig aussieht. Die eingeführten Lernwörter ab der zweiten Klasse haben dies unterstützt. Er liest bis heute nicht wenn es nicht unbedingt sein muss, manchmal nicht mal die Aufgabenstellung, sondern fragt lieber. Wenn er selbst schreibt haben wir ihm beigebracht im Zweifel ins Wörterbuch zu gucken. Wenn er sich anstrengend macht er nur wenig Fehler, wenn es nicht so drauf ankommt (im Unterricht etwas mitschreiben oder HA und privat) kann man die Fehler kaum zählen. Da ist es schon fast hilfreich, dass er unter anderem mit vielen Erwachsenen (Familie, Eltern von Kinder- und Jugendgruppen, anderen Betreuern von diesen Gruppen) in Chatgruppen ist und dort sich zu richtiger Schreibweise zwingt. (Mittlerweile 9. Schuljahr)Der zweite jetzt 5. Schuljahr (keine LRS) wollte von Anfang an lesen und selber schreiben. Er hat von selbst angefangen zu fragen wie etwas richtig geschrieben wird und hat sich selbst verbessert, weil er das Wort schon mal gelesen hat. Wusste ab den Lernwörtern auch dass es für Manche Sachen Regeln gibt und man manches einfach auswendig lernen muss und setzt es auch im Alltag um. Meine Nichte 4. Schuljahr lernt komplett nach dem System und wie von der Schule gewünscht, mischt sich die Mutter nicht ein. In der Schule wird richtig geschrieben und sie hat gute Noten. In der Freizeit wir ebenfalls viel und gerne geschrieben, aber niemand kann es lesen, da sie immer noch so schreibt wie sie spricht. Davon kenne ich mehrere Fälle die auch mittlerweile schon im Berufsleben sind.Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass viele Lehrer dieses System ja selbst auch erst lernen mussten und oft sind Klassen heute so kraftraubend, dass einiges auf der Strecke bleibt. Individuelle Förderung ist oft nicht so umsetzbar wie eigentlich gewünscht und gefordert. Wenn Eltern dann aus verschiedenen Gründen (Berufstätigkeit, niedriger eigener Bildungsstand, Nichtbeherrschung der Sprache oder leider auch Desinteresse) den Kindern nicht helfen können, bleiben einige auf der Strecke und im Berufsleben wundern wir uns, dass Bewerbungen voll von Fehlern sind und Berichtshefte nicht richtig geschrieben werden.Die Schulen können gerne mit solchen Systemen arbeiten, allerdings müssen die äußeren Umstände bekannt sein und berücksichtigt werden. Dazu muss auch den Lehrern die nötige Unterstützung gegeben werden.
  • • "So lange allerdings – wie in Deutschland – nicht die besten, sondern die schlechtesten eines Abi-jahrgangs Lehrer werden fehlt vieleicht schon beid er lehrkraft der Spaß."Bisher war ich nur stille Mitleserin, doch diese Aussage ärgert mich wirklich sehr. Ich bin im Moment selbst im Referendariat und hätte mit meinem Abischnitt (drittbester Schnitt meines Jahrgangs) ohne Wartesemester auch problemlos Medizin, Psychologie oder andere NC-Fächer studieren können. In meinem Kurs am Seminar für Didaktik sieht es kaum anders aus. Von 12 Leuten haben 10 einen Abischnitt von 1,8 und besser und die Schnitte im 1. Staatsexamen liegen zwischen 1,1 und 2,3. Und alle werden Lehrer/innen aus Überzeugung, nicht als "Notlösung" weil es sonst zu nichts gereicht hat. Solche Verallgemeinerungen sind ähnlich ärgerlich wie das ach so beliebte "Lehrer-bashing"...
  • • @baulieBitte entschuldige wenn sich das (heute? Bei Dir?) geändert hat.Als ich Lehramt studierte und auch noch viele Jahre danach war das so.Ich werde mich - ich schreibe eh an einem Nachtrag zu diesem Artikel weil mich die sehr sachliche, fundierte Diskussion an so vielen Stellen wirklich sehr gefreut hat - mal auf die Suche machen, wie da heute so der Schnitt ist. Weil im Endeffekt ist ja weder Deine noch meine persönliche Erfahrung statistisch belastbar :)
  • • Oh bitte, da kann ich helfen: http://www.sueddeutsche.de/karriere/bildung-von-paedagogen-gute-schueler-werden-keine-lehrer-1.472379
  • • Das passt dann ja zeitlich exakt zu meinen Erfahrungen. Danke!