Komma, Du

Aus der Kategorie »just people«

Die aufmerksame Leserin hat es sicherlich im Laufe der letzten Jahre schon das ein oder andere mal zwischen den Zeilen lesen können: Ich war ja nicht immer so eine coole Sau – so mit coolem Blog, coolem Szeneberuf und coolem Golf Kombi. Ganz im Gegenteil – ich hatte lange Haare, trug Batikhosen, fuhr einen alten rostigen Kombi mit „Sendung mit der Maus“-Aufkleber hintendrauf und studierte Diplompädagogik.
Und mitten in diesem – aus heutiger Sicht – entsetzlich klischeehaftem Leben habe ich natürlich auch Jonglieren gelernt. Erst mit einem Diabolo, dann mit Bällen, Ringen, Keulen, Devilstick oder Fackeln. Wie man es damals so tat. Komma Du.

Dann hat sich mein Leben irgendwann quasi einmal gedreht und mit dem neuen Leben verschwand auch der Bundeswehrrucksack mit den Jongliersachen, den ich immer mit mir trug in einer Ecke. Ich brauchte da wohl ein wenig Abstand.

Schade eigentlich, den schon eine einfache Dreiball-Kaskade hat ja nicht nur den Effekt einen bekifften Freundeskreis zu beeindrucken, sondern braucht eine gute Auge-Hand- und auch rechts-links-Koordination und verbindet so beide Gehirnhälften auf das vortrefflichste. Außerdem muß man sich konzentrieren und das ist so mitten zwischen der angestrengten Gestaltungs- oder Programmierarbeit sehr entspannend. Insgesamt also der ideale Ausgleich für einen Schreibtisch-Kreativ-Job. Da bin ich aber jahrelang nicht drauf gekommen.

Dummerweise fielen meine Jonglierbälle einfach nur auseinander, als ich vor ein paar Wochen in einem Blog in einer Diskussion über den idealen Arbeitsplatz von jemand anderem auf genau diese Idee gebracht wurde – also mussten neue Bälle her.
Das geht ja heute leicht: Das Internet angeworfen, festgestellt wo der nächste Laden ist und heute hingefahren. Und einen kleinen Flashback erlebt.

Denn ein Jonglierladen, der sich in einem kommunenhaft basisdemokratisch geführten Fahrradladen angesiedelt hat – der wird natürlich hauptsächlich von langhaarigen Ökos besucht, die dann da rumhängen und die langhaarigen Ökos, die den Laden führen besuchen, Du. Hätte ich früher bestimmt auch gemacht, Du.
Wir sind also nur recht fix durch den Laden durch, ich habe mir vier neue Velour-Bälle ausgesucht, habe sie probehalber ein paar mal geworfen und wir sind zur Kasse gehuscht, Du.
Aber dann hat uns der Mann an der Kasse noch ganz lieb gefragt, ob ich denn auch schon jonglieren könne, oder ob er mir – sie hätten da mal was vorbereitet, Du – noch einen kleinen Zettel mitgeben solle, Du.
Wir haben dankend abgelehnt, Du und haben den Laden fluchtartig verlassen – aber leider nur um im Eingang noch mit einem Wolfgang Thierse-Gedächtnisbart tragenden Oberstudienrat im roten Jack Wolfskin Anorak zusammen zu stoßen.
Der erklärte gerade dem Angestellten Mitarbeiter basisdemokratisch dafür ausgewählten Ladenmitinhaber, dass er aber bei der (also seiner) Vermessung extra Wert darauf gelegt hatte, dass sein Rad hinterher ein wenig sportlicher ausfallen solle. Und jetzt die Pedale gar nicht sportlich zum Sattel ständen.
Um das jetzt gelesen genau so lustig zu finden wie wir in dem Moment, visualisiert dazu bitte neben Eurem alten Physiklehrer mit Fusselbart in etwa so ein Fahrrad: *Klick*
Mit extra großen Satteltaschen. Damit bei der Radtour durch die Toskana auch der Campingkocher Platz findet. Komma Du.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

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Auch anderswo wird darüber gesprochen …

[...] Das habe ich ja schon immer gewusst, manchmal ein bisschen angefangen neben dem Schreiben zu jonglieren, aber es nie wirklich konsequent durchgehalten. Der Beitrag hat mich dazu animiert, auch mal wieder danach zu suchen: [...]
[...] Vor einem knappen Monat hab ich mich ja eh geoutet: Ich war nicht immer so eine coole Sau. (Sorry, ich MUSSTE diesen überheblichen Satz einfach noch einmal schreiben) Ich studierte Diplompädgogik, vorher auch auf Lehramt und bewegte mich naturellement auch eher in Pädagogen- und Lehrerkreisen. Damals ging es – ebenso naturellement viel um Chancengleichheit. Ein wichtiges Wort für Sonderpädagogen und ich komme gleich drauf zurück. Mein Freundeskreis war außerdem sowas von p.c., das könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen  – zur Veranschaulichung empfehle ich Euch, das wunderbare Lied „Afroamerikanerküsse” von Judith Holofernes (hier in einer bezaubernden Schrankwand-Version auf YouTube) zu hören und Euch vorzustellen, dass damals keiner darüber hätte lachen können. [...]