Lehrer sein das ist schon schwer – Lehrer werden nicht so sehr (1)

Aus der Kategorie »just people«

Wie ich jetzt auf Lehrer komme? Nun ja, zum einen wohnt hier ja einer mit mir, zweitens haben wir darüber natürlich auch ein paar Exemplare im Bekanntenkreis, drittens wollte ich selbst ja auch mal einer werden und dann hab ich letztens noch thematisch in der Ecke gearbeitet – der Gründe gibt es eigentlich genug.

KreidekastenAls ich damals voller Elan in meinem ersten studiumsbegleitenden Praktikum „Einführung in die Unterrichtsrealität“ in einer Grundschule irgendwo in Dortmund saß, merkte ich schnell einen gewaltigen Unterschied, der die Gruppe der Studenten in zwei Teile spaltete: Die einen konnten mit Kindern umgehen, die anderen nicht. Highlight war ein blondes Exemplar der Gattung, die ich später als Primimäuschen kennen lernen sollte (Primi = Primarstufe (Grundschule); Mäuschen = äh … Mäuschen halt).
Sie versuchte sich an einer Kunststunde, hielt an deren Ende eines der Bilder hoch, machte es so richtig – aber so richtig, richtig – runter und wunderte sich dann, als keines der Kinder freiwillig als Urheber aufzeigte. „Aber einer von Euch muss es doch gemalt haben??“ – Schweigen.
Tja, Kinder nicht verstanden, mach lieber ne Ausbildung zur Nagelfee, dachte ich. (Was mir die neben mir sitzende Klassenlehrerin mühsam ihr Schnauben unterdrückend bestätigte)

Aber: Sie unterdrückte ihr Schnauben. Sie sagte hinterher nicht „Das. War. Schaize.“ oder ähnlich deutliche Worte. Sie kritisierte positiv und konstruktiv, (Komma, Du) wand sich um Formulierungen wie „… es ist besser, wenn Du… „ und liess die Tusse in dem beruhigenden Gefühl, dass das alles zwar vielleicht an der einen oder anderen Stelle verbesserungswürdig aber insgesamt durchaus ok gewesen war.

Das ist Jahre her.

Heute erlebe ich dann eher die Klagen von Lehrern, die gerade einen Referendar durch die letzten zwei Jahre in den Lehrer-Alltag begleiten. Dummerweise hat sich die grundlegende Trennung „Kann mit Kindern umgehen“ vs. „Kann nicht mit Kindern umgehen“ bis dahin gut gehalten. Und vergessen wir nicht: Wer es bis ins Referandariat geschafft hat, der hat ein Grund- und ein Hauptstudium erfolgreich hinter sich und hat diverse Praktika und Prüfungen sowie eine Staatsarbeit erfolgreich hinter sich gebracht. Und so im allerschnellsten Fall ca. 3,5 Jahre Ausbildung erlebt.

Ich habe in den letzten Jahren diverse Male Geschichten von zukünftigen Lehrern gehört, die in mir ein spontanes Glück, keine eigenen Kinder in die Schule schicken zu müssen erzeugten. Und darüber hinaus den dringlichen Wunsch nach einem Telefonat mit irgendwem zuständigen. Keine Einzelfälle, die kann ich als solche abtun. Nein – regelmäßige Geschichten, die bewiesen: Da ist jemand unfähig, ein Lehrer zu sein. Komplett und absolut falsch am Platz.

Warum tut da keiner was? Darum geht es dann morgen in Teil 2.

Teil 1 – Teil 2Teil 3Teil 4Teil 5


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4 Reaktionen

Am 19.03.2008 um 11:48 Uhr schriebkaltmamsell:

Ich als Frau Lehrer (siehe Zahnarztfrau) in Bayern sehe zudem seit ein paar Jahren, dass aus Personalmangel Leute als Lehrer eingesetzt werden, die nicht mal die entsprechende Ausbildung gemacht haben. Es reicht ein abgeschlossenes Studium und die Bereitschaft, den Job auf Angestelltenbasis zu machen – schon ist man Englischlehrerin oder unterrichtet Mathe am Gymnasium. Davor steht nicht mal ein Bewerbungsgespräch. So weit zum Gewicht der Pädagogik und Didaktik in unserem Bildungssystem.
(An dieser Stelle steht klassischerweise „Armes Deutschland“ oder „XY gute Nacht“ – aber das schaffen Sie sicher alleine.)


Am 19.03.2008 um 12:11 Uhr meinte Christian:

Klar, hier in NRW darf auch jeder, der nicht bei drei auf dem Baum ist das Referendariat anfangen. Kenn ich.
(Ach, vor dem Schwarzsehen schreib ich erst noch ein paar Teile. Wenn schon schwarzsehen, dann wenigstens fundiert.)


Am 19.03.2008 um 13:10 Uhr kommentierte Siri:

Na ja, das gab’s damals(tm) in meiner Schulzeit aber auch schon…
Wir hatten einen Diplomlandwirt als Chemie-, Bio- und Physiklehrer – und das auf dem Gym.
Pädagogik? Pustekuchen. Hat nach dem Krieg angefangen, als es Lehrermangel gab, und dann ausgesessen…


Am 20.03.2008 um 7:54 Uhr sagte Christian:

Ja, so Phasen gabs immer wieder mal.
Im ein oder anderen Fall – wenn sich da jemand bewirbt, der das Herz auf dem rechten Fleck hat und dabei auch noch ein bißchen Verstand und einen Sinn für Kinder – dann würde ich sogar soweit gehen, dass Kinder bei dem dann besser aufgehoben sind als bei manchem ausgebildeten Lehrer.
Denn – ich weiss nicht, ob mans merkt – halte nicht so viel von der Lehrer-Ausbildung wie sie im Moment läuft.


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