Lehrer sein das ist schon schwer – Lehrer werden nicht so sehr (2)

Aus der Kategorie »just people«

Teil 1 hat uns gestern mit der Frage „warum tut da keiner was?“ zurückgelassen. Die Antwort ist erschreckend einfach:

Schul-TreppenhausDummerweise ist niemand so richtig zuständig. Meiner Beobachtung nach hat sich das gesamte System der Lehrerausbildung erfolgreich dahin manövriert, dass niemals jemand einem zukünftigen Lehrer sagen muss: „Gehen Sie nach Hause, werden Sie nicht Lehrer, gehen Sie nicht über Los, ziehen Sie keine 4000,- ein. Und überleg Dir einen anderen Job.“

Niemand.
Die Lehrerin im gestern erwähnten Praktikum? Die war eine einfache Grundschullehrerin, die sich bereit erklärt hatte einmal die Woche eine Horde von 20 Abiturienten zu Gast zu haben und auf ihre Klasse loszulasssen. Die dachte sich: „Ach, die haben ja gerade erst angefangen, das wird noch“ und gab ein paar vorsichtige Worte mit. Muss ausgerechnet die mehr tun? Wohl kaum.

Die Pofessoren? Die einen lehren Deutsch oder Mathe oder ein Teilgebiet daraus und man wird ihnen als angehender Lehrer vorgeworfen, um etwas über die Fächer, die man unterrichten soll zu lernen.
Die Pädagogik-Veranstaltungen, die man so hat erzählen einem hingegen etwas über die theoretischen Grundlagen: Entwicklung der Lernfähigkeit / Grundlagen über mögliche Entwicklungsverzögerungen, ein bisschen Psychologie oder auch Basics über Montessori oder Herrn Steiner und seine Pädagogik. Alles wichtig, keine Frage.
Kindkontakt hat man im Studium nur während der Praktika – und das erste mal richtig unterrichten muss man im Blockpraktkum. Das ist im Hauptstudium und ein durchschnittlicher Pädgogikstudent hängt zu dem Zeitpunkt schon 12 Jahre an der Uni ab man hat dann schon sein Grundstudium erfolgreich angeschlossen.
Sollen also die Lehrer, denen man dort zugeteilt wird den folgenschwerern Satz sagen? Auch da sind die Zukünftigen noch so unausgebildet, dass man noch Hoffnung haben kann.

Außerdem: Da bekommt ein Lehrer irgendwo in irgendeiner Schule irgendeinen Studenten zugeteilt – eine fundierte Meinung über diesen Menschen und seine Fähigkeiten kann der sich gar nicht erlauben. Höchstens eine fundierte Meinung über ein paar Unterrichtsstunden – und selbst wenn die echt vermurkst sind – hat man dann als Lehrer das Recht die letzten mindestens eineinhalb Jahre Ausbildung zu beenden? Nein.

Der unfähige Student macht halt einfach weiter? Darum geht es morgen in Teil 3.

Teil 1 – Teil 2 – Teil 3Teil 4Teil 5


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7 Reaktionen

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Am 20.03.2008 um 10:56 Uhr sprach kaltmamsell:

Die gestrige Süddeutsche Zeitung stellt eine Studie über Lehrereignung vor:

„Viele der untersuchten Studierenden hätten bei den Praktika gemerkt, dass sie inkompetent seien, ‚das hat sie aber nicht abgeschreckt‘. Die Anforderungen des Berufs würden während des Studiums zu wenig klar gemacht, ‚viele halten das tatsächlich für einen Halbtagsjob, für den man nicht viel machen oder wissen muss‘.“

http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/825/164362

Gut möglich, dass das schiefe Bild des Lehrertums (Faulpelze, lauter Ferien, Versager) verhindert, dass die richtigen Leute sich für diesen Beruf entscheiden.


Am 20.03.2008 um 11:11 Uhr schriebChristian:

Oh :(
Merci für den Link.


Am 20.03.2008 um 18:52 Uhr sagte H.:

Grundschullehrerin war auch mein Traumberuf!
Im Gegensatz zu dem `Primarmäuschen’kann ich mit Kindern umgehen. Ich habe in den schulpraktischen Studien immer die ’schwierigen’Schüler, um die sich die anderen gedrückt haben, mit in meine Gruppe genommen.
Und was soll ich sagen; die , die früher immer gesagt haben:“Den will ich nicht in meiner Gruppe haben, der schmeißt mir die Stunde.“, die sind nun tatsächlich GS Lehrerin.
Ich bin letztlich an der Ausbildung zur Fachidiotin in Biologie(Zoologie) gescheitert. (und wer damals auch an der U-GH-Essen war, weiß warum).
Inzwischen arbeite ich als Erzieherin, bin also der Pädagogik treu geblieben. Nach wie vor sind mir die `schwierigeren`Kinder die Liebsten, denn „Schönwetter-Pädagogik“ kann fast jeder.


Am 20.03.2008 um 19:00 Uhr kommentierte Christian:

Glückwunsch, wenn Du da Deine Stelle gefunden hast!
Leider kommen viele durch bei denen es genau anders herum ist – sie schaffen die Fach-Prüfungen problemlos, haben aber eben keine Ahnung von Kindern.


Am 20.03.2008 um 19:03 Uhr wusste Christian:

@kaltmamsell: Ja, die Theorie klingt gut möglich. Dass das Bild des Lehrers in der Öffentlichkeit wahrlich schiefliegt, das wirst Du dann ja auch gut wissen.
Über die Rückwirkung, die das auf Schüler in der Berufsfindung haben kann habe ich noch gar nicht nachgedacht.


Am 21.03.2008 um 13:37 Uhr ergänzte Robert:

Die Entscheidung für ein Lehramtsstudium fällt doch spätestens kurz nach dem Abitur. Oder irre ich mich?

So heftig kann doch kein Nach-Abi-Urlaub ausfallen, dass man so schnell vergißt, wie es an der Schule war und ist.

Mit dem „Bild des Lehrers in der Öffentlichkeit“ kann das nicht viel zu tun haben. Was interessiert mich (vor allem mit 19) die Meinung der Öffentlichkeit, wenn ich gerade 13 Jahre Schule in allen denkbaren positiven und negativen Facetten erlebt habe?

Da scheint mir eher das „Bild des Lehrers“ problematisch, das sich den Schülern vermittelt. Wenn ich nur an die vergilbten Folien denke, die Jahr für Jahr unverändert über den Overhead gezogen wurden…

Meine Meinung über Lehrer ist aber besser, als das jetzt klingt. Von den ca. 70 von der ersten bis zur letzten Klasse waren fünf, die es wert waren, zur Schule zu gehen. Richtig wert. Höher ist die Quote im weiteren Leben auch nicht.


Am 21.03.2008 um 15:35 Uhr meinte Christian:

: Die Entscheidung für ein Lehramtsstudium fällt
: doch spätestens kurz nach dem Abitur. Oder
: irre ich mich?

Vielleicht zumindest teilweise. In den Lehramts-Studiengängen läuft auch eine Menge Volk herum, dass „etwas“ studiert, womit man so „nichts anfangen kann“.
Also Leute, die zu schlecht / feige / vorsichtig / vernünftig für eine Karriere als freier Maler / Musiker sind und deswegen Kunst oder Musik auf Lehramt studieren. Ähnliches mit Religion, Philosophie, Sprachen.
Da fällt die Entscheidung fürs Lehramt auch oft erst nach ein paar Semestern und dem Abklingen der ersten großen Euphorie.

: Da scheint mir eher das “Bild des Lehrers”
: problematisch, das sich den Schülern vermittelt.

Aber schlechte Lehrer sollten da doch eher abschreckend wirken? Oder meinst Du, da greift eine „das kann ich besser“-Motivation?


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