Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Lehrer sein das ist schon schwer – Lehrer werden nicht so sehr (3)

Gestern ließ uns der Cliffhanger mit der bangen Frage zurück, ob so ein unfähiger Student denn dann wohl einfach unbeirrt seinen Weg weitergehen wird. Ja, er wird.

Also studiert unser kleiner Student eifrig weiter. Macht seine Abschlussprüfungen und schreibt eine – vielleicht auch richtig gute – Staatsarbeit. Denn tragischerweise haben gute theroretische Kenntnisse und die Unfähigkeit, mit Kindern umzugehen ja nichts miteinander zu tun. Der kleine Student ist jetzt schon richtig groß, er hat eine gut benotete Staatsarbeit in der Tasche und hat sich vor dem Einstieg in den Berufsalltag noch einmal Urlaub gegönnt. Und ist so mindestens seit guten vier Jahren dabei sich ausbilden zu lassen. Wenn Mami und Papi ihm allerdings nicht die Ausbildung komplett bezahlen konnten und er nebenbei kellnern / taxifahren / coldcallen musste eher auch ein Jährchen länger.

Garderobenhaken in der SchuleDann beginnt das Referendariat. Quasi der praktische Teil der Ausbildung. Kindkontakt galore.
Soweit ich weiss gibt es irgendwo in dem großen goldenen Buch der Regeln den Satz „Alle Referendare kommen mit den neuesten pädagogischen Flausen im Kopf von der Uni und müssen sich ja erst einmal eingewöhnen. Alle.“ Ist ja auch logisch.
Und so bekommt der Referendar noch einmal mindestens ein halbes Jahr Zeit, bevor er sich so richtig, richtig im Berufsalltag bewähren muss. Bevor der Unterricht klappen muss und es um Feinheiten geht, die man beim nächsten Unterrichtsbesuch präsentieren kann.

Wenn das dann nicht klappt, wenn sich unser zukünftiger Lehrer dann als kompletter Vollhonk im Umgang mit Kindern herausstellt – was dann? Dann hat der arme Ausbildungslehrer einen 26-jährigen Junglehrer vor sich, der jetzt sechs Jahre in seine Ausbildung gesteckt hat und dem er mitteilen müsste: „Stop. Bis hierhin und nicht weiter!“
Genau. Das macht man nicht einfach so. Wo sich doch auch sofort die Frage stellt: Was soll der arme denn dann machen – der hat doch nichts vernüftiges gelernt?

Zumal – ich erwähnte ja, dass sich ein perfektes System von nicht-Verantwortlichkeit gebildet hat – das ein Ausbildungslehrer gar nicht einfach so sagen kann.
Da gibt es nämlich – immerhin befinden wir uns in einem Beamtensystem – strenge Hierachien. Und aufgeteilte Verantwortlichkeiten. Da gibt es an der Schule zwei Ausbildungslehrer, einen Schulleiter und einen Ausbildungskoordinator. Und am Seminar (quasi die Berufsschule für Lehrer) noch einmal zwei Fachleiter und einen Seminarleiter. Bis auf den letzgenannten haben alle ein Wörtchen mitzureden.
Wenn also nicht einer aus der ganzen Truppe irgendwann einmal die Verantwortung übernimmt und mit hohem persönlichen Einsatz alle zusammentrommelt dann kann es sein, dass der Referendar erst nach zwei Jahren an der Schule (kurz im Kopf gerechnet: guten 7 Jahren Brutto-Ausbildungszeit) ein Zeugnis bekommt in dem steht, dass er es leider nicht geschafft hat.
Naja, und das macht man dann ja auch nur ungern.

Morgen werfen wir dann noch einen zweiten Blick darauf, wie so ein Lehramtsstudium aussieht.

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