Low Life

Aus der Kategorie »just people«

Gestern musste ich für einen Kunden eine Stellenanzeige austauschen, die er auf seiner Website veröffenlicht hatte. Man hatte ihn darauf hingewiesen, dass seine Formulierung „wir sind ein junges engagiertes Team“ so nicht stehenbleiben dürfe, weil sie diskriminierend sei. Jetzt arbeitet er also nur noch mit einem engagierten Team, obwohl der Altersschnitt in seinem Büro unter 25 liegen dürfte.

Und je mehr ich darüber nachdenke, desto kranker finde ich das.
Vorneweg – bevor mich jetzt hier jemand mißverstehen möchte: Es liegt mir fern, jemanden zu diskriminieren. Und ich verstehe auch, dass es Bestimmungen gibt, die Ansätze unterbinden.

Allein: Mir fehlt so langsam das Maß. In unser aller Versuchen, möglichst integrativ zu sein und uns alle vorgeblich ganz fürchterlich lieb zu haben vergessen wir so langsam eins: Integration ist gar nicht, sich auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen.
Aber da bewegen wir uns hin, wenn sich niemand mehr trauen darf, seine Eigenschaften zu erwähnen, weil das ja jemanden diskrimieren könnte, der diese Eigenschaften nicht hat. Oder – wie oben – Fakten zu beschreiben.
Der Satz „Wir sind ein junges Team“ ist nicht diskrminierend. Die Ergänzung „… und weil wir das aus Prinzip auch bleiben wollen müssen Sie alter Sack sich gar nicht erst bewerben, wenn Sie über 27 sind“ ist es.

Es gibt nun einmal Unterschiede zwischen Menschen. Der eine ist groß, der andere klein. Blond oder braun. Schlau und dumm. Dick oder dünn. Frau und Mann. Laut und leise. Belastungsfähig und ein Nervenbündel. Party-Animal und sozial vereinsamter Nerd. Und so weiter …
Die meisten dieser Unterschiede kann man auch nicht oder nur schlecht wegbekommen.
Und manche dieser unterschiedlichen Eigenschaften führen dazu, dass mancher manche Dinge nicht kann.

Ja und? Ich kann zum Beispiel weder Feuerwehrmann (zu unsportlich) noch chinesischer Taxifahrer (fehlende Sprachkenntnisse) werden. Nachtwächter geht nicht weil ich meinen Schlaf brauche und für Boss-Model fehlt es mir an Schönheit. Na und? Dafür kann ich vermutlich besseres Html schreiben als Herr Schenkenberg und vermutlich auch als unser Mendener Feuerwehrmann. (Und ich sags Euch, als damals Grisu lief, da wollte ich vielleicht gerne Feuerwehrmann werden)

Das ganze wird doch erst diskrminierend, wenn ich mich deshalb über Herrn Schenkenberg stelle – oder der sich mit Blick auf seine Cover-Sammlung über mich.

Wenn wir aber immer alle mit dem was wir können hinter dem Berg halten müssen, weil es ja einen anderen verletzen könnten, dann treffen wir uns irgendwann in grauen Kitteln mit ins Gesicht gezogener Kapuze in den Einheitswohnblocks um von da aus zu unseren Einheits-Jobs zu schleichen.
Willkommen im kleinsten gemeinsamen Nenner. Der wird uns alle sicher nach vorne bringen.
Das Wort „Gleichstellungsgesetz“ suggeriert dummerweise genau das.

Wir sind aber nicht gleich. Ich bin anders. Du auch. Zum Glück. Und: Ich habe da Respekt vor. Vor Leistungen und Fähigkeiten genau so wie vor Einschränkungen.
Nach meinem Verständnis finde ich das ehrlich gesagt wesentlich weniger diskriminierend, als wenn ich all das, was ich bin und kann nicht mehr sein und können darf, weil ich eventuell jemand anders verletzen könnte.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

3 Reaktionen

Am 02.07.2007 um 8:36 Uhr wusste Pepino:

Ich bin inzwischen schon einige Jährchen von den 25 entfernt und ich fühle mich noch immer jung und knackig ;-)
Dennoch bin ich der Meinung, daß da nirgendwo irgendwas diskriminierend ist. Wenn da junge dynamische Menschen (mit nur begrenzter Erfahrung) arbeiten, dann darf man das doch auch sagen, oder?


Am 02.07.2007 um 12:35 Uhr schriebSerrah:

Wie wahr, wie wahr….leider gibt es viel zu wenig Menschen die das ähnlich sehen. Wir sind alle verschieden, und das ist gut so, denn sonst würde das Leben doch auch langweilig werden. Irgendwie finde ich das wieder typisch deutsch…alles und jedes muss gesetzlich vorgeschrieben werden. Was ein Quatsch…


Am 02.07.2007 um 13:39 Uhr schriebChristian:

@Pepino:
Tja, dachte ich auch. Denn – wie Du ja auch so schön angedeutet hast: „jung“ ist ja bei eier Firma auch nicht nur ein Vorteil, sondern einfach eien Eigenschaft mit ihren Vor- und Nachteilen.

@Serrah:
Ich habe „typisch deutsch“ beim Schreiben absichtlich vermieden, weil es so ein Allgemeinplatz ist. Trifft aber wohl vermutlich leider zu :(


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