Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

mein erstes mal

Ich erlebe grade mit, wie jemand zum erste mal im Leben einen Browser öffnet, „www“ eintippt und dann einen ersten Blick ins Internetz wirft. Krass. Kann mich noch genau erinnern, wann und wo ich das gemacht hab und wie sich das angefühlt hat.

.. erzählt Jörg drüben.

Mein erstes mal…

… war 1997. Ich war gerade übergangsweise bei einem Freund eingezogen und hatte bis dahin nicht einmal einen eigenen Computer. Und die, an denen ich zur Freude der Freunde meine Zeit verbrachte und mir aus Spass an der Freude so lustiges Zeug wie Word-Basic beibrachte hatten keinen Internetanschluss.

Der neue Mitbewohner aber, der hatte einen. Außerdem war er immer mal wieder ein paar Tage unterwegs, weil wir alle damals Seminare in der örtlichen Jugendbildungsstätte gaben.

Gefragt, erlaubt, auf das nächste Seminar gewartet und dann voller Spannung vor den Rechner gesetzt.
Also, erst AOL starten. Gespannt den drei sich aufbauenden Bildchen zugucken, während das Modem verzweifelt versuchte den gleichen Ton wie das gegenüber zu pfeifen.

Das Pfeifen wurde stabil – ich war das erste mal „drin“.

„Sie haben Post!“ Nee, ich nicht, das konnte ich also ignorieren.
AOL minimieren und Netscape starten hatte er mir erklärt.
Die Startseite war altavista. Aha, das ist also so eine Suchmaschine.

Und jetzt?

Was tut ein verwirrter junger Mann? Er tut, was ein Mann eben tun muss – und mein erster Suchbegriff war glaube ich – ich gestehe – „Claudia Schiffer“.
Und bevor ich auf einer der 156874 Suchergebnisse klicken konnte folgte auch gleich meine erste Erfahrung mit dem wahren online-Leben: ein AIM-Telegramm, in dem mich ein unbekannter fragte, was ich denn „suche“.
Bevor ich verwirrt nachfragen konnte, was er denn meine, hatte er schon mal fix erklärt, was er denn so anzubieten hätte: einfühlsame Lippen, einen sonnengebräunten SixPack und natürlich mindestens 28x6cm purer Leidenschaft in der Hose.
Mein Mitbewohner war nämlich schwul und tat dies in seinem AOL-Profil auch kund. Da bleibt man nicht lang alleine.

Es war schwer zu erklären, dass ich gar nicht er war, warum ich an seinem Rechner und in seiner Wohnung sass, und das ich ziemlich sicher nicht auch schwul wäre.
Viele Schwule sind da uns Heten gegenüber etwas intolerant – wer beim Schwulen wohnt, der ist auch schwul. Oder ne Klemmschwester; die kann man dann ja bekehren
Ein paar nette Chats habe ich aber auch da erlebt.

Ja, so war das damals, 1997.

Kurz danach hatte ich einen eigenen Computer und mein eigenes Modem. Sogar mit 56k – da war er neidisch, der Mitbewohner.

8 Antworten zu “mein erstes mal”

  1. joerg sagt:

    Bei mir wars ’96 ein überfüllter Rechnerpool an der Uni, aber dafür halt Standleitung. Man stelle sich meine Enttäuschung vor, als ich rausgefunden hab, das das alles zu Hause mit einem 28k-Modem ein bißchen weniger flott geht.
    In dem Pool musste man an normalen Tagen eine halbe Stunde Wartezeit einplanen. Aber wenn man nur e-mailen wollte, konnte man auch den DOS-Rechner nehmen, der war schneller frei. (Ein AIM-Telegramm hab ich bis heute keins bekommen, glaub ich)

  2. Christian sagt:

    ich sach ja immer: ich kann wenigstens fundiert über AOL schimpfen :-)

  3. CountZero sagt:

    puh, das ist dann wohl eine dieser grenzerfahrungen, die ich nicht bewußt wahrgenomen habe – ich bin schon länger im inetrnet unterwegs als es das www unter dieser bezeichnung einschließlich NCSA Mosaic gab, und daher war meine erste www-„experience“ irgendwann anfang der 90er des vergangenen jahrhunderts eher wenig spektakulär, da ich mich mehr darauf konzentrierte „das zeug“ „ans laufen“ zu bringen als auf das, was sich mit sagenhaften 14.400 bit/sec da vor mir auf dem schirm aufbaute. ;)

  4. joerg sagt:

    Ja ich hatte ja auch eine von diesen AOL-CDs ausm Briefkasten als meinen ersten eigenen Internet-Zugang. Habt ihr eigentlich in der Halbzeit vomm Endspiel mal auf RTL gezappt, da kam „You’ve got mail“ (dieser AOL-Werbespot in Spielfilmlänge mit Tom Hanks und Meg Ryan). Tolles Zeitzeugnis mit Modempfiepen und eben mit „Sie haben Post“.
    Gibts AOL eigentlich noch, sach mal? ;-)

  5. joerg sagt:

    ich wusste übrigens, wir hatten das thema schon mal ;-)

  6. Christian sagt:

    … wow, und da sag noch mal einer, Blogger würden nicht recherchieren :-)

    Nee, jetzt hab ich you’ve got mail nicht geguckt, aber ich hab ja letztens einen Vortrag über Computer im Film gehalten und hab dafür genau solche Zeitzeugnisse gesucht.
    Und natürlich Meg „niedlich“ Ryan im Schlafanzug vor ihrem alten Laptop dabeigehabt :-)
    Außerdem hab ich War Games, ein paar Star Trek-Filme, 2001 und so endlich mal wieder geguckt – die Vorbereitungen haben ziemlich Spass gemacht.

    Ach ja: AOL als solches weiss ich gar nicht, aber den AIM-Service nutze ich täglich, den muss es wohl noch geben.

  7. TheMM sagt:

    ach was waren das noch für zeiten, als sich die schmuddelbildchen per 14.4er modem noch gaaanz langsam und pixelig aufbauten. ;-)

  8. Hach ja, bei mir wars auch etwa 1997. Die ältere Schwester eines Freundes hatte Internet in ihrer Studentenbude.
    Die erste Seite war ehrlich „www.playboy.de“. Interessant wars.
    Und ganz anders als Heute.

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