Menschen 2008 – mein Jahresrückblick.

Aus der Kategorie »just jawl«

Eigentlich könte man sagen, dass 2008 das Jahr war, wo ich krank war. Und das, was scheiße war. Eigentlich.
Erst war da die Kieferentzündung, dann hab ich auf die OP warten müssen, habe zuviel Schmerzmittel in zu kurzer Zeit genommen. Habe mich kaum noch bewegt und bin dann lange operiert worden.
In Folge des wenig-Bewegens und der OP hatte ich dann bei der ersten ernsthaften Bewegung dann drei Rippen und zwei Wirbel geblockt (oder wars andersherum?), vermutlich in Folge des angeschlagenen Allgemeinzustandes begrüßte mich mein Frisör mit einem „Na, das ist aber wenig geworden“.
Arbeiten konnte ich in der Zeit zwar so einigermaßen, aber halt auch nicht mehr. Als sich meine persönliche Wirtschaftskrise Dank lustiger 70-Stunden-Wochen in Sommer und Herbst dann zu lichten begann, da begann sich irgendwo in der großen Wirtschaft die Einsicht durchzusetzen, dass auch Wachstum endlich ist und wir alle lernten die Lehman Brothers und ein paar neue offensichtlich ganz normal absurde Vorgänge aus der „großen Wirtschaft“ kennen.
Ach ja: Zwischendurch gabs Streit mit dem einen Teil der Familie während der andere krank wurde.

Und auch sonst war dieses Jahr natürlich gefüllt von blöden Callcenter-Anrufen, unfähigen Dienstleistern oder Kunden, die zwar zufrieden aber nicht zahlungsfreudig waren. Es gab viel zu viel Kleinscheiß, hinter dem man hinterher laufen musste, weil andere nicht weiter als bis zu ihrer Nasenspitze gucken konnten. mein Lieblings-Hash-Tag bei Twitter ist und bleibt: #Deppen. Deppen. Alles Deppen.
Und lasst Euch sagen: Auch Ärzte sind oft näher am Vollhonk in weiß als am vielbeschworenen Halbgott.

Früher hätte ich mich wahrscheinlich zurückgezogen. Hätte über die böse Welt geschimpft, die mich mit Krankheit und Dummheit straft. Hätte das alles persönlich genommen. Vielleicht hätte ich auch eine „Jetzt aber trotzdem“-Haltung angenommen. Denen zeig ichs. Aber: Das Wörtchen „trotzdem“ enthält ja den „Trotz“.
Und Trotz ist eine verkrampfte, negative Haltung.

Verkrampfte Haltungen hindern einen an der Bewegung und Bewegung hält uns am Leben.
Ich mag mich nicht verkramfen. Ich mag mich bewegen.

Und – obwohl es Situationen gab wo das alles zu viel war, wo ich nicht mehr ein oder aus geschweige denn weiter wusste, blicke ich also zuversichtlich in Richtung 2009. Und auch nicht verbittert auf 2008. Das war so wie es eben war, das Jahr. Klingt reichlich pseudo-zen-esotherisch-abgedreht, aber so isses nun mal.

Und die besten Momente hatte dieses Jahr, wenn ich nicht krampfhaft versucht habe, es besser zu machen.
Wenn ich mich ohne Nachzudenken, was denn jetzt alles passieren kann oder passieren muss an einen Hafen oder in ein Starbucks gesetzt habe und Menschen kennen lernen durfte, die ich biher nur aus ihren regelmäßigen 140 Zeichen bei twitter kannte.
Wenn ich vor der eMail nicht eine halbe Stunde über die beste Formulierung nachgedacht habe.

Also ist die Devise für 2009: Loslassen. Bewegen lassen und bewegen. Ich hab da im Moment als Bild die A40 quer durchs Ruhrgebiet an einem Morgen so um 10:00 Uhr vor mir: Ich kann versuchen, jede Lücke zu kriegen, ich kann auf jeden schimpfen, der nicht schnell genug mitbeschleunigt, wenn es irgendwo einen Meter schneller geht, kann Gas geben, hupen, bremsen, Spuren-Hoppen, fluchen, … oder ich kann mit dem Verkehr fließen. Wir alle kommen hinten an. Aber die einen mit Magengeschwür und einem tiefen Menschenhass und die anderen ohne. Bis die einen das Rennie aus dem Blister gedrückt haben, um die Magensäure wieder runter zu bekommen bin ich auch da und ihre zwei Minuten Vorsprung sind weggeschmolzen.

Rückblickend also: Gut wars nicht. Aber es war so.
Vorausschauend also: Es wird.

Die anderen, die klassischen Jahresrückblicke, die mit den Filmen, CDs und Konzerten, die kommen auch noch, keine Sorge. Merci fürs bis hierhin durchhalten.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

6 Reaktionen

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Am 30.12.2008 um 11:04 Uhr kommentierte Dentaku:

Dann drücken wir dem 2009 mal die Daumen…


Am 31.12.2008 um 8:59 Uhr sprach Thomas:

Wie wäre es denn mit „Jetzt erst recht!“ – da steckt Recht drin. ;-)

Recht so, weiter so, alles Gute!


Am 31.12.2008 um 9:44 Uhr antwortete Christian:

Nee, auch das klingt noch zu trotzig. ich will keine Energie mehr daraus ziehen wollen, dass ich GEGEN etwas bin. Es ist doch eh alles in Bewegung, wenn man die Energie einfach mit-nimmt, ist das doch viel weniger anstrengend.


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