Mockingjay im Sauerland

Aus der Kategorie »just people«

Wir schreiben das jahr 2015. Die ganze Welt befindet sich im Mockinjay-Fieber. Die ganze Welt? Nein, eine kleine Stadt im Sauerland wehrt sich standhaft gegen den Hype. Und das Leben ist nicht leicht für Christian …

Nachdem wir für das Double-Feature in unserem Lieblingskino leider schon zu spät waren, war ich gestern im Mendener Kino um zu fragen, ob sie Mockingjay II auch in der Preview zeigen. Das wäre dann nämlich genau der Liebsten ihr Geburtstag und eine schöne Möglichkeit, diesen zu verbringen – so hatte sie gesagt.

Ich betrete den kleinen Eingangsbereich. Hinter der Theke eine Frau, telefonierend und ein Kind das so aussieht, als dürfte es noch nicht arbeiten eine junge Frau, die sich sehr, sehr gut gehalten hat.

Ich: Guten Abend. Ich wollte fragen, ob Sie Mockingjay auch in der Vorpremiere zeigen?

Frau 2: Was?

Ich: Mockingjay. Hat ja am 19. Bundesstart und viele Kinos haben schon eine Vorstellung am 18.?

Frau 2: Mockingwas?

Ich (etwas erstaunt, wie man als Kinofachverkäuferin dem Hype entkommen konnte): Tribute von Panem?

Sie: Was?

Ich: Jennifer Lawrence? Der vierte Teil?

Sie (rettet sich in …): Weiß nicht. Das weiß die Kollegin (und zeigt auf die telefonierende Kollegin).

Wir gucken beide die Kollegin an, die die ganze Zeit laut sehr offensichtlich privat direkt neben uns telefoniert.

Kollegin erschrickt, zeigt auf den Hörer und geht ein paar Schritte weg.

Ich seufze, lehne mich an die Theke und warte. Schaue hoch und sehe an der gegenüberliegenden Wand in zwei Meter Größe Frau Lawrence mit einem Pfeil auf mich zielen. Ein schöner Anblick. Darunter ein Schild: „In Vorbereitung“. Aha.

Hinter mir wird verabschiedet und aufgelegt. Ich drehe mich wieder rum: Guten Abend. Ich wollte fragen, ob Sie Mockingjay auch in der Vorpremiere zeigen?

Frau 1: Panem?

Ich: Jup.

Sie (lässt die Augen hektisch durch den Raum gleiten und entdeckt einen Flyer auf der Theke): Ja, der hat ja am (blättern … ah! gefunden! stolzer Tonfall) 19. Bundestart.

Ich: Ja, ich weiß. Ich frage ja nach einer Vorpremiere, das gibts ja oft. Das wäre dann der 18.

Sie: Hm. (Schaut auf einen Computerausdruck an der Wand, auf dem das Programm der laufenden Woche steht.) Also diese Woche läuft er nicht. Hier steht, was diese Woche läuft.

Ich: Ja, aber das wäre ja übernächste Woche …

Sie: … und das steht hier nicht.

Frau 2: Wo issen der Mart…

Frau 1 (unterbricht sie): Weiß nich.

Ich: Kann ich den Martin vielleicht mal anrufen, wenn der Bescheid weiß?

Sie: Ja genau, am besten Sie rufen dann mal an. Am 18. oder 19. Dann wissen wir ja, ob der läuft.

Ich: Am 18. oder 19. frage ich dann, ob Sie die Vorpremiere zeigen und bestelle Karten vor?

Sie (stolz) Ja genau, so gehts am besten.

Ich fürchte, sie hat den sarkastischen Tonfall nicht bemerkt, mit dem ich mich bedankt und verabschiedet habe.
Aber vielleicht war die Geschichte ja immerhin dafür gut, dass Ihr jetzt wisst, warum ich nicht mein local cinema supporte und 35 Minuten Fahrt auf mich nehme, wenn ich mal ins Kino will.

Mein Lieblingskino 35 Minuten Fahrt entfernt ist übrigens eher kleiner als das in Menden. Und Altena ist – verzeiht, liebe Altenaer – noch mehr am Arsch der Welt. Trotzdem ist das Kino dort um Klassen besser, quatsch: Um Ligen … nee, das ist ein anderer Sport. Die wissen da Bescheid, es gibt gemütliche Sitze, Höckerchen zum Füße hochlegen, Kissen auf den Sitzen, einen Schrank mit Kuscheldecken, eine reichhaltige Essens- und Getränkearte und zwei volldigitale Surroundsound-Hyper-Dingsbums-4K-Säle. Man dankt es ihnen damit dass die Besitzerin nur lachen konnte, als wir vorgestern noch Mockingjay-Karten haben wollte. Aber für die StarWars-Premiere am 17.12. wären noch ein paar Karten da.
Eine Frage der Größe ist es also wohl nicht.


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9 Reaktionen

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Am 08.11.2015 um 11:04 Uhr meinte Magnus aka MJKW:

Einer der besseren Gründe für den Umzug.


Am 08.11.2015 um 11:50 Uhr sagte Christian:

Wegziehen kann ja jeder …


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