Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Neues aus Absurdistan

Am Telefon, Tag 1:

Kunde: Ja, und dann schreiben Sie mir bitte noch das Impressum und dann haben wir doch alles, oder?

Ich: Wenn Sie mir die Impressumsangaben schicken: gern.

K: Das wissen Sie doch sicher. Was da halt so rein muss.

I: Ich kann und darf das nicht für Sie entscheiden, da gibt es klare rechtliche Vorgaben. Ich empfehle Ihnen also dringend, sich da zu erkundigen. Im Zweifelsfall kann ich Ihnen einen guten Anwalt empfehlen. Aber bestimmt ist auch Ihre Innung oder Kammer ein guter Ansprechpartner.

K: Was gehört denn da rein? Meine Adresse und was noch?

I: Das wäre wie gesagt Rechtsberatung, die ich nicht geben darf. Und auch gar nicht kann, das ist von Berufsgruppe zu Berufsgruppe auch mal unterschiedlich. Fragen Sie am besten Ihre Kammer oder Innung oder sonst eine Berufsvertretung. Oder einen Anwalt. Falls Sie keinen wissen …

K: Was soll ich denn jetzt da rein schreiben?

I: Ich weiß nicht.

K: Nicht? Soll ich mich mal erkundigen? Wo denn wohl?

I: Die SIHK wäre vielleicht auch ein guter Ansprechpartner …

K: Die kenne ich. Ja gut, ich meld mich.

Am Telefon, Tag 2:

K: Ich weiß jetzt, was ins Impressum gehört: Mein Name (Pause), meine Anschrift, also die Straße (Pause) und der Ort (Pause). Und die Postleitzahl natürlich. Haben Sie das?

I: Schicken Sie es mir bitte per Mail?

K: Und dann noch dieses „nach Paragraph Dings“, das wissen Sie ja besser, wer verantwortlich ist. Bin ich das?

I: Weiß nicht.

K: Schreiben Sie‘s so.

I: Schicken Sie es mir bitte per Mail?!

K: Muss sonst noch was? Wenn Sie wollen, schreiben Sie sich auch rein.

I: Tue ich eh, das hatten wir im Vertrag vereinbart. Schicken Sie es mir bitte per Mail?!

K: Was schicke ich Ihnen?

I: Das, was ich bei Ihnen ins Impressum schreiben soll.

K: Ach so, ja klar.

Am Telefon, Tag 3:

K: Ich bin gerade bei Ihnen auf der Website im Impressum, das sieht doch alles super aus. Den langen Text mit dem ganzen Rechtskram lassen wir weg, das ist zu viel Text, aber dann machen Sie‘s so, wie auf Ihrer Website.

I: Ich möchte anmerken, dass das ja mein Impressum ist. Ich bin in einem anderen Beruf und mit einer anderen Rechtsform tätig (Gedacht: und ich heiße auch anders und wir wohnen nicht zusammen …) – ich empfehle Ihnen, das nicht zu kopieren.

K: Ach so.

I: Schicken Sie‘s mir dann?

K: Jup.

Per E-Mail, Tag 3:

„Hallo Herr Fischer, hier wie besprochen die Impressumsangaben …“
Es folgen Name und Adresse und der Einleitungstext zu einer Datenschutzerklärung, der inhaltlich exakt das Gegenteil von dem aussagt, was – vom Anwalt abgesegnet – schon auf der Website steht.

Und ein Link zu einer Datenschutzerklärung, die mir zeigt, aus welcher Website der Text rauskopiert ist. Es sind die Webdesigner-Kollegen unten in der Stadt.

8 Antworten zu “Neues aus Absurdistan”

  1. Dentaku sagt:

    Eigentlich ist es ja so, dass es ab dem Wort „Impressum“ sowieso nicht mehr absurder werden kann…

  2. Christian sagt:

    … aber uneigentlich tut‘s das schon doch noch, nicht wahr?

  3. Stoer sagt:

    So ein echter Profi braucht auch kein Impressum. Da geht das so.

  4. […] erinnert Euch? Wir hatten ein paar Tage lang darüber gesprochen, was denn in so ein Impressum einer Website gehört und wo man diese Informationen am besten […]

  5. […] kann. Beides sind schöne Jobs, die auch schön losgehen.Und dann war da noch der eine, der mich mit einem Anwalt verwechselte und sowieso etwas unaufmerksam war. Aber das ist jetzt auch […]

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