Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Offener Brief an einen Toiletten-Konstrukteur

Sehr gehrter Herr Unbekannt, der Sie diese neuen Autobahntoiletten konstruiert haben.

Sie haben ja Recht. So prinzipiell. Diese offenen und deswegen immer zugigen Voll-Stahl-Dinger waren ekelhaft. Immer. Alle anderen Lösungen, die nicht darauf beruhten, dass jemand vor ihrer Tür 50-Cent-Stücke in einer Untertasse sammelte ebenfalls.

Sich also eine vollautomatische und vor allem sich selbst reinigende Toilette auszudenken war nicht dumm. Vor die Tür eine weithin sichtbare Ampel zu bauen, an der jeder Depp sehen kann, ob besetzt ist oder nicht auch nicht.
Sich zu überlegen, dass das erste Öffnen und Schließen der Tür von außen die Ampel auf „rot“ setzt und das zweite Öffnen und Schließen der Tür dementsprechend das Verlassen des Raums bedeutet und das Spülen und Desinfizieren der Schüssel auslösen darf – auch das: Echt töfte.

Meine Kritik ist daher jetzt auch mehr theoretischer Natur. Nehmen wir an, jemand kommt, muss ganz nötig mal und kennt das alles noch nicht. Vor allem ist er damit, dass man von innen die Tür immer aufkriegt und nur von außern der Griff blockiert ist (und die Ampel ja eh den Raum sichert) noch nicht vertraut. Nehmen wir also einfach an, er stürmt die erste Kabine, schließt hinter sich die Tür und möchte aus reiner Gewohnheit kontrollieren, ob die Tür auch zu ist – er würde sie doch wieder öffnen und so den Spülprozess in Gang setzen.

Das wäre blöd, ja genau.

Naja, Autobahntoiletten treten ja meist in Gruppen auf, unser junger Mann könnte ja einfach die Nachbarkabine nehmen. Stellen wir uns an dieser Stelle – und jetzt wird meine Kritik ein wenig konkreter – vor, der Schließmechanismus würde jetzt nicht richtig funktionieren. „Ja“, höre ich Sie sagen, „da gibts ja noch die Ampel“.
„Ja“, kontere ich, „aber die Menschen sind dümmer als man sich vorstellen kann.“

Unser junger – rein imaginärer – Mann setzt sich also auf die wunderbar frisch desinfizierte Schüssel und will gerade den Dingen ihren Lauf lassen, als die Tür von außen aufgezogen wird, eine ältere Frau quieckt und wieder geht.

Sehen Sie, hier beginnt das Problem. Es sitzt nämlich jemand – und zwar jemand der eh gerade gedemütigt wurde – auf der Schüssel. Ihr toller Mechanismus geht aber davon aus, dass dort exakt niemand ist und beginnt zu spülen. Von unten.

Sehen Sie?

Die ganze Geschichte ist natürlich vollkommen hypothetisch. Von vorne bis hinten. Das wär ja auch völlig daneben, wenn sich jemand frisch gedemütigt und ebenso frisch komplett unterbodengereinigt dann wieder in mein… äh seinen Wagen hätte setzen und zum Kunden hätte fahren müssen.
Und ich komme natürlich auch nur völlig hypothetisch auf die Idee, dass so eine Kette von Fehlbehandlungen und Missfunktionen überhaupt aufeinander treffen könnten. Und einen offenen Brief an die Herren Konstrukteure rechtfertigen könnten.

Abe wenn ich den Typen jemals treffe, den setze ich ihn erst in meinen Teich und lass ihn ohne Hose durch die Stadt aufen, so einen …
Ähm. Völlig hypothetisch natürlich.

6 Antworten zu “Offener Brief an einen Toiletten-Konstrukteur”

  1. Thomas sagt:

    Was ist Dir bloß Schreckliches passiert?

    Selbst in jeder Waschanlage für PKW funktionieren diese einfachen Dinge – und das seit mehreren Jahrzehnten. Da wird kein Auto von einer Riesenbüste zerquetscht, bloß weil die meinte runterzugehen, wo sie besser hätte oben bleiben sollen. Heutzutage werden Flugzeuge vom Computer gelandet, nicht vom Piloten – das täglich und tausendfach ohne nennenswerte Probleme. Container werden in modernen Häfen wie von Geisterhand von einem Stellplatz zum anderen befördert – ohne zusammenzustossen.

    Dann sollte es Ingenieurskunst doch wohl hinkriegen, einen Ort der Abgeschiedenheit und Stille auch als solchen zu konstruieren – ohne Gefährdung für Leib, Leben und Würde. Ich meine so rein hypothetisch … ;-)

  2. Siri sagt:

    Wie bescheuert ist das denn, die „Besetzt“-Kennung am Öffnen und Schliessen der Tür fest zu machen?
    Es gibt doch auch sowas wie Bewegungsmelder. Habe ich schon in öffentlichen Toiletten gesehen. Die haben dann, wenn man das Örtchen verlassen hat, die Reinigung ausgelöst.

  3. Aus der Reihe „Mißgeschicke für Fortgeschrittene“ ist dieses Szenario sicherlich eines der spannenderen. Und eigentlich war ich immer der Meinung, daß da ein Sensor innen angebracht ist, der überprüft ob auch wirklich niemand drin ist bevor der Reinigungsprozess ausgelöst wird.

    Ich hätte jedenfalls eingebaut, wenn ich denn der unbekannte Konstrukteur gewesen wäre.

  4. Johannes sagt:

    Bepisst vor Lachen, bepisst!

  5. Lydia sagt:

    Viel schlimmer noch, Herr Jawl: Sich selbst reinigende, schon schwer in die Jahre gekommene, selten gewartete Klobrillen, die nach jedem Gang einmal eine Runde drehen. (Die verteilen nicht nur Dreck und Bakterien, die zuvor automatisch „entfernt“ wurden, fein säuberlich auf der _gesamten_ Fläche, nein, die machen auch noch jeden User TAUB!)

  6. TheMM sagt:

    hm, ich denke das das problem weniger im schließmechanismus der tolilettentür, als vielmehr im schließmechanismus des benutzers zu suchen ist: wenn der länger einhalten könnte, gäbe es keine autobahntoiletten – ehrlich!

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