#WMDEDGT Mai 2017

Aus der Kategorie »just people«

#WMDEDGT ist eine Idee von Frau Brüllen zur Förderung der Kultur des Tagebuchbloggens.

0:00.
Der Tag fängt super an. Der komische grippale Dings, der sich letzte Woche überraschend im Hals eingenistet hat ist zwar quasi weg – nach einer Woche wie sich das gehört und nicht nach einem Monat wie Weihnachten – aber wenn ich abends von senkrecht zu waagerecht wechsle, will der Hals noch ein bisschen rumhusten. Ich stecke also seit ca. 22:00 in einem Kreislauf: Einnickern – husten müssen – hochschrecken – irgendwie wieder möglichst aufrecht an die Kissen lehnen – müder werden – einnickern – husten müssen – hochschrecken und so weiter und so weiter und meine Laune ist unterirdisch.
Dafür habe ich von einer amerikanischen TV-Doku gelernt, dass ich noch ’ne Menge aus meinem Studium weiß. Sinn der Doku war zwar, mir zu zeigen, wo mich meine Wahrnehmung so alles täuscht, aber da war nix Neues bei. Und ich zähle auch die korrekte Zahl an „F“ in diesem Text.

1:45
Immer noch wach aber viel genervter. Autofahren macht mich manchmal müde – also fahr ich doch mal ’ne Runde die Ländereien kontrollieren.

2:45
Die Ländereien sind besichtigt, ich bin immer noch wach as hell. Der Husten hingegen beginnt wieder weh zu tun. Netflix, here I come.

3:25
Na super. Ausgerechnet jetzt kommen ein paar schwache Folgen Voyager. Ich guck ja gerade alle Folgen der Reihe nach durch so vie vorher schon alle Folgen TNG.
TNG habe ich damals sehr geliebt und so ab Staffel 5 konnte ich mich auch erinnern, warum. Davor musste ich doch gelegentlich über die Plastikfelsen lachen.
Voyager habe ich damals nie geguckt, auch der Hype um SevenOfNine unter meinen Freunden ging an mir vorbei. Jetzt häng ich gerade irgendwo in der dritten Staffel und hab immer noch das Gefühl, nicht richtig reinzukommen.

6:30
So ab vier hab ich dann geschlafen. (Ein wenig monothematisch hier heute? Sorry. Ich hoffe so sehr wie Ihr: das ändert sich). Die Liebste muss trotzdem pünktlich aufstehen. Da sie übers Wochenende ans Meer fährt will ich trotz allgemeiner Morgenmuffeligkeit schon noch einen Moment mit ihr zusammensitzen, verschwinde aber dann schnellstmöglich nochmal im Bett.

10:00
Regelmäßige Leserinnen dieser kleinen Kolumne wissen: Ich arbeite regelmäßig mit der weltbesten Serotonic zusammen – ich nannte es einmal eine jahrelang erprobte Mischung aus höchster Effizienz und größtmöglichem Spaß. Um zehn sind wir verabredet und dafür steh ich doch dann gerne auf *gähn*

13:20
Hach, war das ein schönes Arbeiten. Ich glaube, es war irgendwo in „weniger schlecht programmieren“ wo stand, dass man manchmal am Ende eines Programmierertages nur eine einzige Zeile da stehen haben kann. Das wirkt, wenn man wirklich nur die einzelne Zeile sieht, extrem uneffizient. Aber die Arbeit eines Programmierers ist eben die, diese eine richtige Zeile zu finden. Irgendwo bei einer der letzten Arbeits-Sessions, bei der Herleitung dieser Zeile quasi, sprachen Serotonic und ich darüber, wie unfassbar lebendig sich dieser Moment anfühlte – weil unsere Köpfe so arg gefordert waren und wir gerade gemeinsam im Flow arbeiteten. Besser gehts kaum.
Heute tippte ich dann übrigens die eine Zeile.

Zwischendurch hübsch war der Reiher, der sich erst auf den Schornstein gegenüber und dann im Garten auf einen Baum setzte. Naja, auf dem Baum war er eher damit beschäftigt das Gleichgewicht zu halten ohne höchst unelegant bei uns im Kompost bruchzulanden. Da war er dann auch schnell wieder weg.

14:30
Hurra, eine neue Folge „Big Bang Theory“. Ja, ich gucke das noch, obwohl ich eigentlich zugene muss, dass sie den Shark schon vor ein paar Staffeln nicht gejumped, sondern irgendwie komplett verloren haben. Aber ich mag die alle einfach so gerne. Gerne genug für Staffelpässe übrigens.

17:20
Wenn man davon absieht, dass der Tag ja irgendwie jetzt rum ist, dann ist jetzt alles ganz prima. Ich bin ziemlich ausgeschlafen und frisch geduscht. Naja, ich glaube insgesamt kann ich diesen fünften fünften wohl einfach abhaken – obwohl ich heute die eine Zeile schrieb. Kommt heute Abend wenigstens was auf Netflix?
Nein, Sense8 geht nicht, weil die Liebste ja nicht da ist.

19:30
Hustensaft gekauft. Honigbonbons gekauft. Katzenfutter gekauft. Das Auto von den Beweisen dafür, dass ich unter einem Schlafbaum geparkt hatte beseitigen lassen.
Vollkommen außer Puste. Jetzt Couch und nie wieder hier weg.
Zum Glück begegnet die Voyager gerade ein paar Borg und schon wirds interessant.

22:15
Luke die Schule und ich. Mehr bleibt zum Abschluss des Tages nicht zu sagen.

Wenn ich gesunder bin, passiert an meinen Tagen übrigens interessanteres.


Woanders

Aus der Kategorie »just links«

Im Feedreader sind ein paar Artikel liegengeblieben – es scheint, als wollten sie verbloggt werden. Irgendwie alle beschäftigen sich mit der Gesellschaft, in der wir hier so leben und leben wollen. Und da das jawl sich ja auch gern mit der Geellschaft in der wir leben und leben wollen beschäftigt, passt das gut.

Leserinnen, die das jawl lesen, lesen auch gerne XY, kaufen auch gerne bei amazon Bücher von YZ und schauen gerne die folgenden Serien: … Supi-praktisch, keine Frage; man entdeckt so viel Schönes. Denken wir das doch mal zwei Schritte weiter:
Normalerweise lesen Leserinnen, die das jawl lesen auch gerne die Blogs von XY und die Bücher von YZ.
Leserinnen, die das jawl lesen und nicht auch gerne bei XY oder in den Büchern von YZ lesen sind …
… nicht dem Durchschnitt entsprechend.
… nicht normal.
… unnormal.
Naja, hey, Blog-Lesegewohnheiten, wer wird denn da urteilen? Das kann doch jeder vernünftige Menschen schon auseinanderhalten. Was aber ist, wenn Menschen die Entscheidungen nicht mehr treffen? Don Dahlmann denkt noch ein paar Schritte weiter.

Diese digitale Gesellschaft, die wir da aufbauen, die sich da hinter unserem Rücken aufbaut, in die wir da hineingeschlittert sind spült uns also alle weg. Oder wie? Was ist überhaupt diese digitale Gesellschaft? Wann hat die begonnen? Mit facebook? Mit dem iPhone? Mit IBM? Oder schon viel früher? André Spiegel sagt: Viel viel früher. Und deswegen gibt es sie in der Form wie wir alle behaupten auch gar nicht.

Nichtsdestotrotz ändert sich ja nun gerad einiges – und eine der meiner humble opinion nach dringendsten Aufgaben dürfte es sein, Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten. Nicht mit mehr Whiteboards in den Schulen, nicht mit Informatikunterricht für alle, sondern, indem wir mit ihnen zusammen einen selbstverständlichen verantwortungsvollen Umgang mit den sogenannten neuen Medien leben. (Kann man übrigens auch gut mit den alten Medien und eh mit dem ganzen Leben machen, diesen verantwortungsvollen gemeinsamen Umgang, aber ich schweife ab). Schon länger lese ich das Blog „Mein Computerkind“, das eine Mutter und ihre Tochter beim gemeinsamen Entdecken begleitet. Jetzt gibts das ganze als Buch und ich mach mal was, was ich sonst selten tue: Ich empfehle das Buch, bevor ichs gelesen habe.

Und, ach .com, wo ich schon bei den klugen Ratschlägen bin – hier ist noch einer für Lehrerinnen und Lehrer: Sucht Ihr immer noch das Geheimrezept dafür, wie guter Unterricht geht? Hier stehts, in 250 Wörtern, das lässt sich in einer knappen Minute weglesen und danach wisst Ihr, wie’s geht. Bittedankegerngeschehen.

Kommen wir nochmal zurück zu den Normen, die wir in Algorithmen zementieren: Wir tun das ja gar nicht nur da. Wer nicht dünn, schön, erfolgreich und gesund ist, weiß vermutlich ein Liedchen davon zu singen. Wer nicht fröhlich ist auch. bei der Kaltmamsell fand ich einen dokumentierten Twitter-Thread (etwas was mich ja sonst eher etwas anstrengt) zu einem niedlichen, unscheinbaren kleinen Plakat, das ein paar Verhaltensratschläge parat hatte, falls man mal traurig oder wütend ist. “Crying ist litearally a cry for help … our faces get red to tell other humans: I need help.” Nicht wirklich eine Situation, um sich zusammen zu reißen und ein Liedchen im Kopf zu trällern, oder?


Nikka Costa: Nothing Compares 2 U

Aus der Kategorie »just music«

Die älteren unter Euch werden sich erinnern: Es gab mal Fernsehsender, die nichts anderes taten als Musikvideos zu zeigen. Und irgendwann (1990) zeigten sie drei Minuten lang eine blasse junge Frau, die ein trauriges Lied über das Verlassenwerden sang und am Ende weinte.

Das war natürlich Sinead O’Connor und das Lied war „Nothing Compares 2 U”

Ursprünglich (1985) war das mal ein Lied von Prince gewesen, aber das war relativ egal – aber so erklärt sich diese Schreibweise mit der 2 und dem U.

Prince’s Version war deutlich bombastischer und nicht so (sorry) „schnulzig“ wie die von Sinead, aber das war allen egal.

In den siebenundzwanzig Jahren seitdem ist das Lied unzählige Male gecovert worden – alleine die Wikipedia kennt 30 Versionen und nennt das eine „Auswahl weiterer Coverversionen“.

Ebenso unzählige Male dachte man sich: Hm, vielleicht ist das eines von den Liedern, von denen man die Finger lassen sollte. Auch Kandidaten bei DSDS oder The Voice bewiesen mit dem Song gerne, dass nicht jede Streicherballade ein Garant für den Recall ist.

Schlechte Voraussetzungen also für eine weitere Version?

Nikka Costa kennt die regelmäßige Leserin schon etwas länger. Leider wurde es in Deutschland immer schwerer, an ihre Musik zu kommen und nachdem sie dann 2010 endlich!!! mal in Deutschland auf Tour war und sie noch eine Zeit lang einen wirklich lustigen und sehenswerten YouTube-Kanal machte wurde es still.

Andererseits ist sie eindeutig die Göttin des Funk und auch die des Souls und damit sehr zu Hause in einer Musikrichtung, die sich wie kaum eine zweite eignet, um Traurigkeit ebenso stilvoll wie unschnulzig auszuleben. Und ihre Stimme ist eh über alles erhaben.

Zum Glück dachte sie sich das auch und als sie letztes Jahr auf Pledgemusic ankündigte, wieder Musik veröffentlichen zu wollen kam als erste Single dabei jetzt eine neue Version von „Nothing Compares… “ raus.

Ich machs mal kurz: Meiner bescheidenen Meinung nach ist dabei die Version rausgekommen, die für die nächsten 27 Jahre den Maßstab setzt. Nicht so cheesy wie Sinead aber so traurig. Nicht so überladen wie Prince aber so soulig. Und damit für mich eigentlich das was ich mir immer gewünscht hatte.

Hier könnt Ihrs (noch?) hören, aber kaufen fände ich natürlich besser, damit Nikka weiter Musik machen kann.

Ich freue mich sehr auf den Rest des Albums – und nicht nur, weil ich irgendwo auf dem Cover mein Name stehen wird.

Wem die Single jetzt auch gefällt und wer die Wartezeit zum Album überbrücken möchte: Nikka kann Motown, ist funky wie Hölle, bluesy wie nix gutes und kann losrocken. Und als Bonusist sie auch noch ziemlich lustig und hat Go the Fuck To Sleep („Verdammte Scheiße, schlaf ein!“) ziemlich genial vertont.


Kleinstadtleben (die Dings)

Aus der Kategorie »just people«

(Szene: Ein Sonntagsnachmittagsspaziergang in einer Kleinstadt)

Wollen wir mal hier rein gehen?

Auja, da waren wir lang nicht.
Ach, hat hier nich die Dings gewohnt?

Wer ist denn die Dings?

Die Dings. Die kleine, die alle so heiß fanden. Also alle bis auf die Mädels aus der Öko-WG.



Fanden die überhaupt jemand heiß?



(Gelächter)



Nee, die Dings. Die dann mal mit Dingsda zusammen war.



Dingsda?



Ja, dem, der bei M. gearbeitet hat.



Ach J?

Genau. J.
Und sie hat da auch gearbeitet, da haben die sich kennen gelernt …

Meinst Du die mit der Sextanerblase? Die, die alle Viertelstunde aufs Klo rannte?

Nee, die nicht.

(Pause)

Wie M. das mit J. ausgehalten hat, das versteh ich auch nicht. Die müssen sich doch gehasst haben.

Haben sie auch. Aus Rache hat er auch am letzten Abend auf M.s Schreibtisch mit der Dings gevögelt.

Das erzählt der Dir???

Wusste damals jeder. Nur die M. nich.

Ich wusste das nich.



Naja, sonst jeder. Und danach hatte sie ne Bindehautentzündung.

Die M.?

Nee, die Dings.

Und was hat das mit dem Vögeln zu tu… WARUM ERZÄHT DER DIR DAS????

Wusste damals jeder.

Ich wusste das nicht.

Naja, sonst jeder. Sogar die Öko-WG.



(Gelächter)



Und Du kanntest diese Dings also, aber weisst jetzt ihren Namen nicht mehr?



Genau.

(Pause)

Ich hab die mal aus der Disko nach Hause gefahren, die war eigentlich ganz nett. Aber als ich das mal sagte, fand mich die Öko-WG doof.



(Gelächter)

(Pause)

Sach mal, war das die, die dann was mit U. angefangen hat und ’ne Schwangerschaft vorgetäuscht hat?



Ja! Genau die! Wie hieß die noch?



Weiß nich mehr. Aber das war genau die, die alle Viertelstunde aufs Klo gerannt ist.



Ach guck. Die hatte ’ne Sextanerblase?


Die besten Designer sind unzufrieden!

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Das Telefon und wir. Ein Nachtrag

Aus der Kategorie »just people«

Ich hatte ja letztens etwas ausführlicher übers Telefonieren und Kommunizieren allgemein gesprochen. Heute stiess ich zufällig auf einen Tweet und er machte mich sehr, sehr traurig. Und ist leider der perfekte Nachtrag zu dem Artikel.

Ja wirklich, kaum zu glauben: Was sagt es über die zwischenmenschiche Kommunikation im Großen und Ganzen aus, dass wir uns nicht mehr freuen, wenn jemand Kontakt zu uns aufnimmt.


WordPress: Nichts für „schnell mal eben“

Aus der Kategorie »just work«

Letztens ließ ich mich auf Twitter dazu hinreissen, einen Artikel über WordPress anzukündigen, bzw genauer:

Den Gedanken hatte ich schon länger, unter anderem, weil ich einen Großteil des bisherigen Jahres damit verbracht habe, gehackte WordPress-Installationen zu reparieren. Einmal war ich sogar gleichzeitig mit dem Hacker auf dem FTP-Server unterwegs, das war schon eine ganz eigene Erfahrung.

Vorwort
Dieser Artikel ist nicht für Entwickler / Programmiererinnen geschrieben. Ich hoffe eher, dass er von Bloggern oder Bloggerinnen oder welchen, die es werden wollen, gelesen wird. Und von Menschen, denen jemand gesagt hat, man können mit WordPress „mal eben“ eine Website aufsetzen. Auch wenn das Fazit vielleicht lautet: „Alles nicht ganz so einfach wie gedacht“. Oder gerade deswegen.
 Ach ja, das Thema ist komplex und ich habe mich bemüht, nicht zu technisch zu schreiben. Dafür dauert das Lesen etwa zehn Minuten. Aber mach ruhig mal.

Rückblick
Ich fang ja gerne vorne an, daher erst mal ein kurzer Rückblick. WordPress erschien vor ca. 13 Jahren als Blogsystem und hat sich in meiner Erinnerung so ca. ab 2006 in der damals noch überschaubaren deutschen Blogosphäre als quasi-Standard durchgesetzt.
Da es aber bereits sehr früh neben Blog-Postings auch statische Seiten verwalten konnte, haben Webdesigner das System auch schon recht fix als CMS für Websites benutzt, die kaum oder gar keinen Blog-Charakter hatten. Klar, ich auch.
Zu Beginn gab es da noch eine Menge zu basteln, aber nach und nach gab es Erweiterungen, die diese Nutzung einfacher machen und heute ist WordPress das meist genutzte CMS der Welt. Auch wenn man immer noch sehr merkt, dass es eigentlich ein Blog-System ist.

Technik
Ich will jetzt technisch nicht zu tief einsteigen, aber ein paar Basics brauchen wir, damit später verständlich ist, warum und was ich hier schreibe.

WordPress
WordPress besteht erst einmal aus dem sogenannten „Core“, also dem, was man sich bei worpress.org herunterladen kann. Das kann man sich – wenn man die Zugangsdaten für seine Datenbank zur Hand hat – in den beworbenen 5 Minuten installieren. Dann hat man ein stabiles, solides, jahrelang erprobtes Blog-System und man kann loslegen. Das System kümmert sich z.B. darum, dass neue Artikel vorne stehen, in Kategorien sortierbar sind, dass alles in den Archiven oder über die interne Suche auffindbar ist und dass es einen RSS-Feed gibt.

Themes
Als nächstes kommen meist die sogenannten „Themes“ ins Spiel. Oberflächlich betrachtet geben sie dem frisch installierten Blog sein Aussehen. In Wirklichkeit können sie meist noch mehr, aber darauf kommen wir später zurück.

PlugIns
Hat man sein frisch installiertes und herausgeputztes Blog vor sich, sieht man meist in einem anderen Blog irgendeine Funktion, die man selbst nicht hat aber haben möchte. Nehmen wir als Beispiel mal die letzten Tweets des Autors in der Seitenleiste oder die hübschen Buttons zum Teilen des Artikels unter jedem Beitrag. Man erkundigt sich und erfährt: Das sind meist die sogenannten Erweiterungen oder „PlugIns“; die heißen Erweiterungen, weil sie die Funktionspalette eines Blogs erweitern. Es gibt sie wie Sand am Meer und was auf den ersten Blick ja sehr schön klingt, das behalten wir auch für später im Kopf.
Manchmal bringen aber auch die Themes Funktionen mit, die WordPress selbst nicht hat.

Manche PlugIns sind auf genau eine Funktion spezialisiert, manche bringen ein ganzes Bündel an Funktionserweiterungen mit. Ebenso gibt es Themes, die den Administrationsbereich um eine ganze Reihe von Funktionen erweitern.

Wir fassen zusammen: Wir haben die Dreieinigkeit aus Core, Theme und PlugIns vor uns, wenn wir auf ein Blog schauen. Den Core gibt es genau einmal in der jeweils aktuellsten Version, Themes gibt es nahezu unendlich viele und PlugIns unendlich viele. Oft auch sehr, sehr ähnliche Themes oder viele PlugIns, die eigentlich genau das gleiche tun.

Sowohl der Core als auch Themes und PlugIns bestehen prinzipiell aus einer gewissen Menge von Dateien – wobei die Menge natürlich schwankt. WordPress selbst besteht aus ca 1.400 Dateien, Themes sind meist recht überschaubar und bei PlugIns ist zwischen einer einzelnen Datei und sehr, sehr vielen alles möglich.

(Fast) unendlich viele Themes und PlugIns? Wo kommen die denn alle her?
Aus dem Netz. Und das ist großartig. Wer mag, kann sich an WordPress beteiligen, in dem er selbst Themes oder PlugIns schreibt und auf seiner eigenen Website zum Download anbietet. Oder sich darum bemüht, dass das frisch Programmierte in die offiziellen Verzeichnisse aufgenommen wird.
Äh … stop:
Aus dem Netz. Und exakt das ist das Problem. Wer mag, kann sich an WordPress beteiligen, in dem er selbst Themes oder PlugIns schreibt und auf seiner eigenen Website zum Download anbietet. Oder sich darum bemüht, dass das frisch Programmierte in die offiziellen Verzeichnisse aufgenommen wird.

Moment mal, habe ich gerade den gleichen Sachverhalt einmal positiv und einmal negativ bewertet? Jup.

So großartig ich es finde, wenn Menschen Software – egal ob CMS oder Betriebssystem oder was auch immer – zusammen entwickeln und weiter schreiben, so kann das doch auch zum Problem werden.

Als Beispiel mal eine erdachte neue Kundin:
Nehmen wir also an, mich ruft jemand an und möchte gern ein Blog haben. Mach ich ja gerne. Wir sprechen und Neukunde X erzählt seine oder ihre Vorstellungen, sowohl was die Optik als auch was die Funktionen angeht. Zweiteres ist meist schon etwas schwieriger, weil man ja bei anderen Blogs nicht sieht, was automatisch dabei ist und was per PlugIn nachträglich dran geschraubt wurde. Und Sharing-Buttons z.B. hat doch nun wirklich jeder, oder?
Aber zum Glück mach ich den Job ja schon länger und kann gezielt fragen.

Außerdem hat meine neue Kundin sich schon ein wenig umgesehen, kennt den Slogan der berühmten „5-Minuten-Installation“ und weiß, dass quasi alle und sogar sogar ihr technisch vollkommen unbegabter Nachbar ein WordPress-Blog haben. Das kann also nicht so schwer sein.

Schlage ich dem neuen dann Kunden vor, sein Blog-Theme von Grund auf neu zu programmieren, dann staunt er, wie viel Geld das kostet. Ob sie sich denn nicht ein vorhandenes Theme aussuchen könne? Klar, kann er gern tun.
Ich installiere also WordPress – es dauert wirklich nicht lange – und lade das gewählte Theme hoch.

Nur noch ein paar Kleinigkeiten
Kundin oder Kunde schaut drauf und freut sich: Oh wie schön. Das ging ja wirklich schnell. Hmm … Können wir die Kommentare bitte noch etwas einrücken? Und die Anzahl der Kommentare hätte ich gern nach dem Artikel und nicht drüber. Mein Logo ist auch etwas klein und auf dem Handy ist recht und links so viel Platz neben den Artikeln. Geht vielleicht auch eine andere Schrift, auf meinen Visitenkarten hab ich ja die Dingsbums Sans? Und diese ganzen Infos da im Footer, die brauche ich wirklich nicht. Wieso steht da oben „just another wordpress blog“? Hm, wenn das weg ist, dann ist da oben aber wirklich viel Platz. Kann des schmaler? Und die Schatten unter den Artikeln weg? Irgendwie kann das alles noch etwas schlichter.

Das sind erstens nicht viele und zweitens alles auch vollkommen verständliche Wünsche. Aber, dann beginnen die Probleme. Nicht die Probleme, dass ich etwas davon nicht könnte; ich kann WordPress-Themes from the scratch aufbauen und spreche verhandlungssicher Html und CSS und PHP. Eher die Probleme, dass meine Neukundin nicht versteht, warum es doch jetzt plötzlich kompliziert wird.

Denn ich, ich habe jetzt folgendes zu tun: Ich muss erst schauen, was das Theme selbst für Funktionen mitbringt, mit denen man Anpassungen am Theme vornehmen kann. Es gibt Themes, die bringen quasi einen kompletten Baukasten mit und es gibt welche, da kann man gerade mal sein eigenes Logo hochladen. Ich hangele mich also erst durch n Menupunkte auf der Suche nach Einstellungen. n kann dabei zwischen „1“ und „sehr viele“ liegen. Ist es ein mir unbekanntes Theme muss ich sie auch alle lesen, sind sie schlecht benannt (es gibt da keine Standards) manchmal auch per try & error rumprobieren.
Bringt das Theme nichts mit um einen speziellen Kundenwunsch zu erfüllen, dann bleibt mir noch, ein sogenanntes Child-Theme zu schreiben. Nicht schwer und eine feine Sache, denn damit kann ich ein bestehendes Theme nutzen und nur sehr gezielt die eine Datei ändern, in der zB die Infos im Footer stehen. Und die andere, in der die Anzahl der Kommentare vor den Artikel geklebt werden.
Um die eine Datei zu finden muss ich – das habt Ihr Euch schon gedacht – natürlich erst einmal in alle reinschauen, wo die Funktion sich versteckt. Dabei kann ich darauf hoffen, dass es fix geht weil die Dateien vernünftig benannt sind – aber bereits hier fangen verschiedene Entwickler an, jeweils ihr eigenes Süppchen zu kochen.*

Manche Wünsche unseres neuen Kunden beziehen sich aber vielleicht gar nicht auf etwas, was das Theme tut, sondern auf etwas, was ein PlugIn tut. Habe ich Glück, dann gibt es Optionen und Einstellungsmöglichkeiten im PlugIn. Habe ich Pech, suche ich ein anderes PlugIn.
Habe ich ganz großes Pech, dann beginnt jetzt der ganz große Spaß und ich schreibe auch die gewünschten Funktionen ins Child-Theme. Oder (noch) ein eigenes PlugIn.

Nochmal kurz Technik: Abhängigkeiten wohin man schaut
Wie gesagt, es gibt sehr viele Themes und sehr viele PlugIns, die jeweils von sehr vielen Entwicklern geschrieben werden.
Hinter manchen stecken große Agenturen, die etwas, was sie mal benötigten der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, hinter manchen der viel beschworene Nerd im Keller, der Langeweile hatte.
Manche halten sich an gewisse Standards, manche nur an ihre eigenen. Manche schreiben ihre PlugIns eigentlich nur für die von Ihnen favorisierten Themes und verlassen sich auf Funktionen und auf Code, der dort vorzufinden ist. Oder auf andere PlugIns, die ihrer Meinung nach ja nun wirklich jeder braucht.

Oder anders:

  • Themes und PlugIns sind vom Core abhängig; das ist kein Problem, der Core ist ja auf jeden Fall da. Manchmal wird er nur aktualisiert.
  • Manche PlugIns sind von bestimmten Themes abhängig. Das kann schnell ein Problem werden.
  • Manche PlugIns sind von anderen PlugIns abhängig. Na gut, Zähne zusammen und halt nochmal auf „Installieren“ klicken.
  • Manche Themes sind von PlugIns abhängig.
  • Manche Themes und/oder PlugIns sind abhängig von Scripts, die auf den ersten Blick gar nichts mit WordPress zu tun haben.

Na? Wer mag ausrechnen, wie viele Kombinationsmöglichkeiten es gibt?
Ach ja: Manche PlugIns funktionieren nicht, wenn andere installiert sind. (Z.B. können der quasi-Standard für Kommentar-Abos und der deutsche quasi-Standard für Spam-Schutz nicht gut miteinander)
Und nochmal ach ja: Wenn WordPress aktualisiert wird, dann müssen oft auch PlugIns und Themes auf Änderungen abgestimmt werden. Noch eine Fehlerquelle.

Ich habe eine Zeit lang wirklich viel mit WordPress gearbeitet aber ich unterstelle, dass selbst die Cracks in reinen WordPress-Agenturen da unmöglich einen vollständigen Überblick haben können. Und vermutlich wurde bei den meisten laufenden WordPress-Installationen nicht jedes PlugIn und jede Theme-Datei geprüft, sondern es läuft nach dem Prinzip: Wenn’s einmal lüppt, fassen wir’s nicht mehr an, dann wird’s schon gut gehen.

Nochmal: Auch ich kann das alles schon (fast) immer (mindestens irgendwie) hinbiegen. Aber dass vorfreudige Blog-Autoren, die eigentlich schon an der Tastatur kratzen und ja „wissen“, dass WordPress in 5 Minuten installiert ist da komisch gucken, finde ich arg verständlich. Die ganzen Probleme muss niemand wissen, der eigentlich los bloggen oder schnell eine Website für sein StartUp haben möchte, aber Ruf und Wirklichkeit können da – je nach eigenen Ansprüchen – blitzschnell weit auseinander gehen.
Zwischenfazit: Den Ruf, dass WordPress die ideale Lösung für „mal eben“ ist finde ich schon bis jetzt etwas problematisch.

Und dann noch: Der Datenschutz
Ja, das Thema nervt viele einfach, deswegen möchte ich nur kurz sagen, dass manche PlugIns spätestens im geschäftlichen Bereich in Deutschland nicht benutzt werden dürfen. Ob man’s trotzdem tut und ob man evtl. irgendwann abgemahnt wird … – tja.

Und dann noch: Die Sicherheit
Das nächste Problem: Wie gesagt habe ich dieses Jahr schon einige Zeit damit verbracht, gehackte Blogs wiederherzustellen.
Warum wird WordPress gern gehackt?
Naja, zum einen ist WordPress’ Beliebtheit das erste Problem. Nehmen wir mal Hacker Y und den worst case (für uns) bzw. super-Glücksfall (für ihn) an und es gibt eine Sicherheitslücke in WordPress selbst. Bei ein paar Millionen Installationen gibt es also gleich ein paar Millionen möglicher Angriffssziele. Eine viel lohnendere Geschichte, als sich um ein Nischen-CMS zu kümmern, was vielleicht ein paar zehntausend Installationen hat.
WordPress selbst ist allerdings ziemlich hinterher, bekannte Lecks so schnell wie möglich zu schließen. Ob allerdings jeder PlugIn- oder Theme-Entwickler da ähnlich aufmerksam ist, weiß man einfach nicht, man kann nur hoffen.
Ein beliebtes Einfalltor für Hacker war z.B. lange Zeit das quasi-Standard-PlugIn für Bildergalerien, denn das war abhängig von einem Script, das Bilder verkleinern kann und das eben nicht sicher war. Muss man drauf kommen.

Exkurs: Was macht denn so ein Hacker dann?
Machen wir – dieser Text ist eh schon viel zu lang, da kommts auch nicht mehr drauf an – doch einen kleinen Exkurs.
Dieses Jahr habe ich erlebt:

  • Das Blog sah aus wie immer und liess sich bedienen wie immer. Nur im Hintergrund lief auf dem Server auch noch eine Seite, die verdächtig wie PayPal aussah und unbedingt PayPal-Nutzername und -passwort haben wollte.
 Das macht jetzt meinem Blog wenig, aber wenn Google das rausfindet, fliegt man schnell aus dem Index und ist somit für Kunden unsichtbar. Und wenn der Webhoster das rausfindet, schmeisst er einen im Zweifelsfall auch mal fristlos raus. Darf er. Steht im Vertrag.
  • Das Blog sah so aus wie immer, nur das erste Posting beschimpfte in wüsten Worten den IS. Bei aller Antipathie für den IS, man möchte das nicht auf seiner (Business?-)Startseite
  • Das Blog sah nicht so aus wie immer und war einfach weg. Man möchte das nicht.
  • Das Blog sah so aus wie immer. Jedenfalls für menschliche Besucher mit Firefox oder Safari oder so. Google hingegen sah fleißig Werbung für Online-Poker und so fliegt man auch ganz fix aus dem Google-Index.

Fassen wir zusammen
Von WordPress wird sehr oft behauptet, es sei ein ideales CMS, um mal eben eine Website aufzusetzen.
Gibt man sich mit einem Standardblog im Standardlayout mit den Standard-Funktionen zufrieden, dann ist das auch so.
Möchte man aber etwas individuelleres, dann potenzieren sich mit jeder neuen Funktion sowohl der Arbeitsaufwand beim Anlegen als auch bei der Pflege.
Wenn Dein Business von der Website abhängt, dann vergiss bitte das „mal eben“. Und am besten zeig Dich auch etwas flexibel bei der pixelgenauen Ausgabe aller Funktionen, die Dein Grafiker sich vielleicht so wünscht, die aber vielleicht das (gute, sichere) PlugIn einfach nicht kann.

Alternativen
Und überhaupt: Wenn es darum geht, eine kleine Website aufzusetzen, die eine Startseite, ein paar statische Seiten und vielleicht ein Portfolio haben soll, dann gibts auch andere Möglichkeiten. Sogar wenn Deine Site auch ein kleines Blog dabei haben soll. Ich z.B. arbeite sehr, sehr gern mit ProcessWire. Das hat den schöneren, einfacheren Administrationsbereich** und kann lustige Fanpages, Foto-Portfolios mit Blog, klassische Firmenseiten und noch vieles, vieles mehr.
Es gibt keine fertigen Themes, aber weil die Programmierung so unendlich genial einfach ist, ist es nicht viel teurer, sich dort etwas vollkommen individuelles programmieren zu lassen. Aber das ist nur meine persönliche Vorliebe. Aber vielleicht ja auch ein Anstoß, mal über den Tellerrand hinauszublicken, auch wenn Millionen von diesem Tellerchen essen.

 

Nachtrag:
Das allerschönste beim Veröffentlichen dieses kleinen Artikels war, dass (vermutlich) das Autoupdate von WordPress das vor ein paar Tagen lief exakt so ein Problem erschaffen hatte, vor dem ich in diesem Artikel warnte. Man konnte leider nicht mehr kommentieren. Tja, schade, vor allem weil das ja ein Fehler ist, den man selbst nur mitbekommt, wenn ein aufmerksamer Besucher sich zurückmeldet.
AntispamBee war der Übeltäter. Läuft scheinbar mit dem Update (vorerst?) nicht mehr.
Das Drama spielte sich auf Twitter ab und wer mag, kann es hier nachlesen.


*) Nur der Vollständigkeit halber: Ich könnte natürlich auch direkt am Theme etwas ändern, aber da Themes gelegentlich Updates bekommen, wären meine Änderungen bei jedem Update weg. Also lässt man das.
**) Übrigens: Das WordPress-Backend ist nicht einfach oder übersichtlich. Das glaubt man nur, wenn man schon lange damit arbeitet und die meisten Optionen einfach gedanklich oder mit einem weiteren(!) PlugIn ausblendet.


Erst asynchron dann sprachlos?

Aus der Kategorie »just people«

„Telefonieren will ja sonst nur noch meine Mutter“, sagt er halb belustigt und halb empört als ich vorschlage, mal wieder ein paar Worte zu schnacken – weil wir uns ja schon ewig schon nur über facebook und twitter „gesehen“ haben.

„Da guck ich eine Woche auf meinen Homescreen und hab irgendwie das Gefühl, da fehlt ’ne App. Dann gemerkt: Es ist das Telefon“, twittert sie und sammelt Fav-Herzchen und Retweets.

„Warum ich kein Telefon mehr habe“, bloggt der Business-Blogger und erklärt, er nähme keine dieser unfassbar unhöflichen Kunden mehr an, die sich nicht mit Mail und Messenger begnügen.

Und ich? Ich finds schade. Schon Telefonieren ist für mich nur ein Ersatz fürs Gespräch von Angesicht zu Angesicht – aber immerhin eins, wo man die Stimme des anderen hört. Aber ein Ersatz. Und einer, der selbst immer mehr ersetzt wird.
Wir kommunizieren mit mehr als unseren Worten. Tonfall, Betonungen, Pausen und dann Mimik, Gestik und der ganze Körper sprechen mit – ich glaube kaum, dass das jemand anzweifelt.
Aber wenn ich mir meine Filterbubble anschaue, dann stehe ich auf verlorenem Posten. Synchrone Kommunikation abseits von echtem Aufeinandertreffen ist out, asynchron ist in. Wer das nicht findet, ist ein Anachronismus.

Warum ich da jetzt drüber schreibe? In den letzten Wochen und Monaten kam zum persönlichen Bedauern darüber noch eine weitere Überlegung:

Seit vielen Monaten, bald auch schon seit wenigen Jahren beobachten „wir“ Menschen auf facebook, bei twitter, aber auf der Straße und seit neustem auch in präsidialen Ehren, die nicht (mehr?) kommunizieren können. Also: Sie können zwar (meist) Buchstaben aneinander reihen und auch sprechen, benutzen das aber hauptsächlich, um lauthals in Textfelder, Mikrofone oder die frische Luft zu brüllen. Wirklich kommunizieren, sich austauschen, können sie nicht mehr.
Erst vor ein paar Tagen sah z.B. ich den Dresdner Bürgermeister vor einer wütenden Bürgerin stehen, die ihn anbrüllte, sie wolle diese Busse da nicht stehen haben, aber er höre ihr ja nicht zu. Und als er ihr zuhörte, drehte sie sich weg. Kam zurück, brüllte ihn an, er und die anderen „da oben“ machten ja eh, was sie wollten und hörten nicht zu und würden ohne Rücksicht auf Verluste einfach machen. Was der Scheiss den solle? Und als er da dann den Mund zur Antwort öffnete, brüllte sie, sie wolle jetzt gar nichts von ihm hören, er höre ihr ja eh nicht zu. Und ging endgültig.
Ja. Irgendwie vollkommen absurd.

Man könnte aber auch sagen: Einfach nur konsequent asynchron kommuniziert.

Jetzt war und ist diese asynchrone Kommunikation ja an einigen Stellen ein wahrer Segen. Bei der Arbeit wird man vom Klingeln des Telefons oder der Haustür nicht aus dem aktuellen Gedankengang gerissen. Man kann antworten, wenn man Zeit und Ruhe hat.
Man muss einem Streit oder einer Diskussion nicht dem spontanen, vielleicht verletzten Gefühl folgen, sondern kann eine Antwort auch mal eine Nacht liegen lassen. Und wenn es Konflikte geben sollte, kann man sogar mit STRG-F nachschauen, was der oder die andere gesagt hat.
Das bedeutet, negativ formuliert aber auch: Man man übt seine Impulskontrolle nicht mehr und verliert allmählich die Übung, sich auf jemand anderen einzulassen. Der Respekt gegenüber dem Gegenüber ist im Gespräch nicht mehr grundsätzlich vorhanden, sondern schleicht sich im besten Fall noch einmal ein, während das Geschriebene über Nacht „reift“, wie wir es so schön nennen.
Im Vordergrund steht dabei das Ich und das aktuelle Handeln. Mitmenschen werden zu (Stör?)-Faktoren und beliebig plan- und terminlich schiebbaren Ressourcen.

Hat man gerade keine Zeit zu antworten oder benötigt im Positiven oder Negativen die berühmte Nacht zum drüber-Schlafen, bricht die Kommunikation auch einfach mal mitten drin ab.
Und so wird leicht aus jedem Posting, aus jedem Tweet und aus jedem Chat-Fetzen ein geschlossener Beitrag, einer der für sich auch als letztes Wort stehen kann, einer, der so angelegt ist, dass er eben vielleicht keine Antwort bekommt. Eine Form zu formulieren, die man sonst nur aus Einbahnstraßen-Medien wie Zeitung oder Fernsehen; im persönlichen Aufeinandertreffen nur aus einer Rede oder einem Vortrag kannte.

Kaum etwas bringt das so schön auf den Punkt wie der in Marketingkreise so oft gehörte Satz „Wie kommunizieren wir das denn unseren Kunden?“

Man kann das natürlich benutzen und ich müsste lügen, wenn ich nicht schon eMails oder Kommentare geschrieben hätte, die so formuliert waren, dass sie nur den einzigen Grund gehabt hätten: Das Gespräch zu beenden – oder erst gar keins aufkommen zu lassen. Man kann das zum Beispiel durch die schiere Masse an Text tun; so viel Argumente präsentieren, dass der andere sich darin verheddert. (Funktioniert leider meist nicht mehr, weil wir ja alle noch die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs haben und uns dann an irgendeinem willkürlichen Nebensatz aufhängen und antworten.)

Den gleichen Zweck kann man aber auch erreichen, in dem man die Kommunikation institutionalisiert: Vorstandsvorsitzende und Politiker nutzen nicht ohne Grund so gerne Pressekonferenzen. Dort haben Sie die Kontrolle über das Geschehen und im Zweifelsfall springt ein Scherge ein und sagt: Herr X beantwortet jetzt keine Fragen mehr.
Für Methode zwei braucht man erst einmal einen Machtposten oder mindestens einen Statusunterschied, für die erste zumindest eine gewisse Übung in schriftlicher Kommunikation.

Die dritte Möglichkeit hingegen ist simpel: Lautstärke. Egal ob über Großbuchstaben mit vielen Satzzeichen oder wirkliches Gebrüll – auch so hindere ich den anderen an der Kommunikation. Vielleicht ein durchaus verständlicher Weg, wenn man vorher zu lange durch die anderen Methoden mundtot gemacht worden ist.

Und nun weiß ich auch nicht.