Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Pop! Pop! Pop! Populär!

Ich hatte es ja schon erwähnt, gestern Abend unterhielten wir uns über die neue CD der Helden.
Und stiessen dabei auf eine Kritik in der Süddeutschen; eine Kritik, die mich recht nachdenklich gemacht hat.

Mein erster Impuls war: Stimmt. Die Helden sind recht nett, aber so insgesamt gesehen nicht überragend.

Dann: Aber so im Moment, so zwischen deutschen Linkin Park – Kopien und Julimond stechen sie schon heraus.

Dann: Ja und?

Als ich so darüber nachdachte, was denn bitte „so insgesamt gesehen“ herausragende Pop-Musik sein könnte, was also an Bewegungen in der Musik so richtig epochemachend groß war fiel mir aus der letzten Zeit noch exakt


… gar nichts ein.

Grunge (ca 1990) und Techno (auch damals) fielen mir dann ein, davor noch Punk und dann die Beatles. Vielleicht noch der erste HipHop? Warum war Grunge gut und Techno schlecht? Wussten wir das damals auch? Fallen uns jetzt so Wörter ein wie … Underground? Street Credibility? Kommerzkacke? War Techno schlecht? Ok, Techno hat uns im Gefolge auch Eurodance und DJ Bobo gebracht, aber auch Prodigy oder Faithless. Und Grunge hat uns neben Nirvana auch ein kurzes Gitarrenrevival und damit Layla in der Opel-Werbung beschert. Hat ja alles immer zwei Seiten.

Ist „With the lights out its less dangerous“ besser als „Endlich ein Grund zur Panik, endlich ein Grund! Los!„? Warum? Kann man das überhaupt vergleichen?

Und: Muss man?

jetzt ist das leben und ich muss es tun
mit meinem willen zu villen und einer buddel voller ruhm
denn hier oben wär kein andrer wenn ich nicht bekannter wär
doch ich hass es ich brauch es ich hol es und ich rauch es populär

… sagte Smudo schon sehr passend vor ein paar Jahren.

Poulär ist der, der gerade populär ist. Der gerade einen Nerv trifft. Der berührt, vielleicht polarisiert, der beschäftigt.

Natürlich kann man darüber jammern, dass die Musik heute nicht die „Qualität“ von der von irgendwann hat – früher war ja eh alles besser. Was auch immer Qualität in diesem Zusammenhang ist. Wir erinnern uns ja alle an die Qualität der vertrackten Kompositionen der frühen Genesis und an die Qualität der geraden Einfachheit der frühen Sex Pistols.
Dann kann man doch ehrlicherweise lieber gleich darüber jammern, dass sich in Prenzlberg heute das grünkonservative Pack mittwochs um die ungespritzten Bio-Salatköpfe prügelt – aber daran ist keine Popmusik schuld.

Wenn die provokativsten Töne, die unsere Gesellschaft verträgt ein paar New-Wave-Gitarren von Frau Holofernes sind und nicht mehr die zerhackten von Rage against the Machine, dann ist das wohl so.
Und wen das wütend macht, der kann ja mal über die Gesellschaft nachdenken. Und nicht über die Musik, die ihr und damit auch ihm ja schließlich nur den Spiegel vorhält.

Irgendwo da draußen, in irgendeinem schimmeligen Probenkeller schreit sich der nächste Zack De La Rocha warm, keine Sorge.
Ihr wolltet ihn nur noch nicht hören.

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