put the social in the »social web«?

Aus der Kategorie »just people«

Wie die meisten von Euch wissen dürften, war und bin ich drüben bei der Hilfsaktion abgebrannt-wir-helfen.de beteiligt. Wir haben viel erreicht und viel erlebt in diesen letzten 10 Tagen seit die Seite online war.
Die Menschen da draußen, Ihr, wir, wer auch immer haben gute 20.000 Euro gespendet und gesammelt. Eine Summe, die mich ziemlich umhaut.

Viele haben gespendet, viele haben darüber hinaus im Gästebuch Grüße hinterlassen oder in ihren Blogs, Tweets und whatevers auf die Aktion hingewiesen und so – wie jemand, den ich gerade nicht wiederfinde so schön sagte das »social« ins »social web geputtet«.

Andererseits habe ich lange nicht mehr so fassungslos und voller Unverständnis vor mancher Reaktion gestanden.
Einer der meistgehörten Sätze in den letzten 10 Tagen war zum Beispiel: »Waren die denn nicht versichert?«
Und ich verstehe ihn nicht. Ich denke, ich verstehe schon eine Menge auch komischer Reaktionen zwischen »Oh Gott« und hemmungslosen Heulkrämpfen. Ich verstehe, wenn jemand zuerst daran denkt, ob er selbst den Herd ausgemacht hat als er heute Morgen das Haus verlassen hat. Und auch die, die zuerst an die Katze oder Küchenschrank denken.
Aber ich verstehe einfach nicht, was die Frage nach der Versicherung soll. Was soll sie bewirken, worauf zielt sie ab? Ist die Familie an dem Brand selbst schuld, wenn sie (nicht) versichert ist? Hat sie keine Hilfe, keinen Zuspruch verdient, wenn sie (nicht) versichert ist? Ist der Verlust eines über Jahre aufgebauten Lebensumfeldes weniger schlimm, wenn man (nicht) versichert ist? Was zum Teufel ändert eine Versicherung, eine Unterversicherung, eine fehlende Versicherung, eine Versicherung, die nicht so gut ist wie die eigene in dem Moment, wo man auf der Straße steht, weils in der Wohnung gerade brennt?

Aber auch sonst gab es viel, was ich nicht verstanden habe.
Es gab die, die uns betrügerische Absichten vorwarfen. Schade, aber fast noch am ehesten nachzuvollziehen, schließlich lügt und betrügt im Internet jeder.
Es gab die, die »stolz darauf waren, gespendet zu haben«. Worauf? Wieso stolz? Ist es eine Leistung, aus dem bequemen Bürostuhl heraus einen PayPal-Button zu klicken?
Es gab die, die gespendet haben aber – nachdem sie gelesen haben, was drumherum passierte – ihre Spende bereuten. Und wieder: Warum? Weil jemand Drittes stänkert, hat die Familie keine Hilfe mehr verdient?
Es gab die, die helfen wollten und nicht damit klarkamen, wenn ihre Form der Hilfe nicht gewünscht war.

Und immer läuft mein Unverständnis auf eine Frage hinaus: Geht es bei Hilfe um die, die gerade Hilfe brauchen oder um den, der hilft? Das scheinen manche doch arg falsch verstanden zu haben.

Versteht mich nicht falsch: Ich spreche von einem verschwindend geringen Prozentsatz aller, denen ich begegnet bin. Und es ist immer so, dass die Stänkerer mehr auffallen, dass die Nörgler eher im Gedächtnis bleiben.

Das ist unfair all denen gegenüber, die einfach nur gespendet, weitererzählt, gebloggt, getwittert, telefoniert, gestrichen, geräumt, geholfen haben. Und es ist toll, dass es all die gegeben hat. Absolfuckinlutely unglaublich toll.

Aber über die anderen denke ich auch noch länger nach, fürchte ich.


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