ReadKit als Ersatz für Reeder?

Aus der Kategorie »just tools«

readkit-iconAls im Juli 2013 der GoogleReader seinen Dienst einstellte waren zum einen die Nutzer der Weboberfläche enttäuscht. Zum anderen standen auch Menschen wie ich, die den GoogleReader als Synchronisations-Basis für lokale RSS-Programme genutzt haben vor einem Problem.

Die meisten User und auch die meisten Tools wechselten recht schnell zu feedly, nur mein Lieblings-Reader auf dem Mac „Reeder”, der befindet sich immer noch im Entwicklungsstadium. Schade.

Vor ein paar Tagen stieß ich auf ReadKit, einen lokal installierten RSS-Reader für den Mac, der eine Alternative sein könnte. Ich werfe mal einen Blick auf das Programm:

Oberfläche ReadKit RSS-ReaderProgrammoberfläche:
Die Programmoberfläche sieht sehr ähnlich aus: Drei Spalten mit – von links nach rechts:

  1. Feeds-/Ordner-Liste
  2. der Liste der Artikel
  3. der Einzelanzeige

Die Artikelanzeige kann nach Belieben an die Lieblingsschrift, die -Zeilenlänge und den -Zeilenabstand angepasst werden; die Länge der Vorschau in der Artikelliste kann ebenfalls verändert werden und vier verschiedene Farbschemata sorgen für Abwechslung.
Der reeder war etwas „perfekter” gestaltet, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.

Die Bedienung ist wie gewohnt: Ein Klick auf den Feed oder auf einen Ordner links zeigt die Liste der Artikel in der Mitte an. Der Klick auf eine Vorschau in dieser Artikelliste zeigt den Artikel dann rechts an; ein Doppelklick öffnet ihn im Standardbrowser.
Klick auf die Headline in der Artikelansicht öffnet den internen Browser im rechten Fenster. Alles also so, wie gewohnt.

Abonieren / Sychronisieren
Will man ReadKit nur als stand-alone RSS-Reader nutzen, kann man wie gewohnt Feeds abonnieren, Ordner anlegen oder OPML-Dateien importieren.
Ich möchte gerne auch auf dem iPhone Feeds lesen und brauche daher Feedly als Synchronisations-Dienst. Ich habe daher zuerst meinen Feedly-Account angelegt und so werden immer auf allen Geräten neue und ungelesene Feeds sowie als „starred”- oder „read later”-markierte Feeds synchronisiert.

Überhaupt Accounts: Neben Feedly kann ReadKit auch mit Instapaper, Pocket, Readability, Fever, NewsBlur, Feed Wrangler und Feedbin; außerdem als Bookmark-Tool mit Pinboard and Delicious. Aktiv nutze ich davon bis jetzt nur PinBoard, aber ich glaube, diese reichhaltige Auswahl ist einmalig.

Sharing im ReadKit RSS-ReaderSharing
Um Artikel an die geschätzte Social Web-Gemeinde, die eMail- oder Messenger-Freunde zu verteilen stehen verschiedenste Dienste (siehe Bild) zur Verfügung, da sollte alles dabei sein, was man so braucht. Die Sharing-Dienste erreicht man über einen Drop-Down-Button rechts oben – das finde ich sogar schöner als beim reeder, wo die Button-Reihe doch schnell unübersichtlich wurde.

Zwischenfazit:
Nicht ganz so designt, dafür aber deutlich vielseitiger als reeder. Bisher: Daumen hoch.

Smart Folder:
Sehr hübsch finde ich die Möglichkeit, „Smart Folders”, also „intelligente Ordner” anzulegen. Das sind quasi definierte Suchregeln, deren Ergebnisse dann in einem eigenen Ordner angezeigt werden – unabhängig davon ob, und in welchem Ordner die Feeds ursprünglich liegen. Mit einem einfachen Regelassistenten kann man aus verschiedensten Kriterien auswählen. Auch mehrfach verschachtelte Regeln sind möglich. Wer z.B. im Thunderbird schon einmal einen „virtuellen Ordner” angelegt hat, findet sich schnell zurecht.

SmartFolder im ReadKit RSS-ReaderEin Klick auf das kleine Plus hinten fügt eine neue Regel ein, hält man dabei die ALT-Taste fest, kann man die schicken verschachtelten Order-Regeln anlegen. Die Regeln lassen sich per Drag&Drop sortieren.

Ich habe mir zum Beispiel einen Smart Folder angelegt, der meine Feeds nach dem Wörtchen „jawl” durchsucht – einfach weil ich neugierig bin, ob jemand über mich schreibt. Oder für Tage an denen Ihr mir alle auf den Sack geht an denen ich echt wenig Zeit habe, könnte ich mir eine Liste der absoluten Lieblingsmenschen anlegen und alle andere ignorieren …

Und jetzt ein „Aber”:
Mir fehlen die Maus-/Touchpad-Gesten. Ich begreife nicht, warum ausgerechnet „J” und „K” irgendetwas mit dem Blättern zu tun haben sollen und den Reader konnte ich komplett mit Wischgesten bedienen. Gerade für das lätschig-faule Lesen morgens vor dem ersten klar artikulierten Wort beim Frühstück ist Touchpad-Wischen die einzig angemessene Bewegung.

Aber nun denn: Der Reeder scheint ja noch nicht fertig zu sein und so freue ich mich, einen fast perfekten Ersatz gefunden zu haben.

ReadKit gibts im AppStore (affiliate-Link) und ich finde, er ist seine 6.99 wert.

Nachtrag: Tim hat in einem Kommentar erklärt, wie die von mir als unfassbar blöd empfundene Tastenbelegung zu Stande gekommen ist. Exakt so etwas liebe ich ja am Internet – Danke dafür!
Außerdem wollte jemand per eMail wissen, wie ich denn jetzt Feeds auf dem iPhone lese. Dazu benutze ich immer noch froh und glücklich den Reeder, die iOs-Variante ist nämlich zum Glück irgendwann fertig geworden und synchronisiert auch mit Feedly.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

7 Reaktionen

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Am 16.02.2014 um 18:29 Uhr antwortete Matthias Mees:

Ich benutze ReadKit schon geraume Zeit als Reeder-Ersatz – der Reeder-Entwickler hatte mal als mögliches Datum für eine OSX-Beta „im Herbst“ verkündet, es muss also mindestens ein halbes Jahr sein. Ich merke da kaum einen Unterschied, das liegt aber natürlich auch am Nutzerverhalten; Touchpad-Gesten vermisse ich z.B. gar nicht, weil ich sie schon in Reeder nicht benutzt habe.

Was bleibt ist ein zartes „Hach“ für Reeder und das ungute Gefühl (so albern das ist) auf OSX und iOS nicht mehr denselben Feedreader zu nutzen. (Reeder für iOS finde ich nach wie vor toll.) Das wird aber auch immer leiser, weil ReadKit regelmäßig aktualisiert wird und man von Reeder für OSX so gar nichts mehr hört.

Was mich wirklich wundert, ist nur, dass es noch kein ReadKit für iOS gibt. Ich nehme an, dann wäre Reeder quasi erledigt.


Am 16.02.2014 um 18:50 Uhr sagte Christian:

Genau – das zarte „Hach” habe ich auch. Das Gefühl von „falsche” App ebenso.
Der reeder ist einfach im Detail noch einmal schöner. Und *stammel* die Gestensteurung! Die Gestensteuerung!
(Ich vermisse sie sehr, ich merke im ReadKit, wie ich ständig loswische)


Am 16.02.2014 um 19:22 Uhr sagte Tim Tepaße:

Als ebenso Reeder-Vertrieber bin ich zurück in der Zeit von vor zehn Jahren, sprich NetNewsWire, schon weil ich meist keine Sync brauche. Allerdings ist es auch ein Krampf zwischen dem leicht veraltetem NNW3, der nicht mehr weiterentwickelt wird und dem neuem, sich seit einem Jahr in permanenter Beta befindenem NNW4, der so neu ist, dass vieles, was NNW3 noch hatte, nicht mehr will. Mit ReadKit werde ich nicht ganz warm, weil der beim Vom-Eintrag-zu-Eintrag-Springen leider Ordner nicht ignoriert und sonst in vielen kleinen Dingen anders ist. Es ist ein Jammer.

Historischer Exkurs: Die Tasten HJKL für ←↑↓→ stammen daher, dass der Kommandozeilentexteditor vim die dafür im Befehlsmodus nutzt. Da der als Minimalstandard auf jeder Unix-Distribution dabei ist wird er auch immer noch benutzt. Von der schleicht sich die Konvention manchmal in andere Programme oder gar Webapps. GMail oder Facebook können das auch. Sozusagen der Konami-Code für Extremnerds.
(Vim hat es von seinem Vorgänger vi. Vi hat es, weil dieser vor über 30 Jahren mittels einem Terminal [dem ADM-3A] auf Großrechnern programmiert wurde, dieses keine Pfeiltasten hatte. Aber dafür Pfeile zusätzlich auf den jeweiligen Buchstabentasten aufgedruckt. Tatsächlich hatten viele andere Keyboards dieser Ära keine Pfeiltasten. Der originale Mac auch nicht. Und selbst das space cadet keyboard, das Tasten für alles hat hatte keine.
Warum werden solchen Fragen eigentlich nie im Quizduell gestellt?)

Du kannst übrigens unter Systemeinstellungen → Tastatur → Kurzbefehle → App Shortcuts für einzelne Apps die Kurzbefehle für einzelne Programme ändern. Zwar durch doofes Abtippen, aber immerhin. Und nicht dokumentiert, aber die alte NNW-Konvention von Space als bessere Alternative zu K existier in ReadKit auch.


Am 16.02.2014 um 19:25 Uhr sagte Christian:

Falls mich mal wieder jemand fragt, warum ich das Web liebe, muss ich mir diese Antwort merken.


Am 16.02.2014 um 19:44 Uhr schriebTim Tepaße:

Übrigens: Gerade war die neue Version von ReadKit im App Store, die nun Pfeiltasten unterstützt und Shortcuts auch so editieren lässt:
http://webinhq.com/blog/announcing-readkit-2.4/

Und ich glaube, ich switche doch zu ReadKit. Das sieht alles sehr viel besser aus.


Am 16.02.2014 um 19:46 Uhr kommentierte Christian:

Hmpf. mein AppStore nimmt mir übel, dass ich Numbers und Keynote nicht updaten möchte und lässt mich derzeit nicht an andere Updates. ReadKit wird zwar angezeigt, lässt sich aber nicht anklicken.


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