Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Richtet Ihr denen drinnen mal was aus?!

Die social-Web-verwöhnte Leserin weiß es natürlich: Wir waren gestern Abend Snooker spielen. Das ist an sich nichts besonderes, aber so muss ich nicht mehr mühsam beschreiben, wo wir waren – stellt Euch einfach so eine ganz normale, leicht ranzige Billardhalle mit ein paar Dartautomaten, ein paar Pool-, einem Snookertisch und schlechter Musik vor.

Snookerkugeln

Als wir unsere zwölf zwei Frames nach drei Stunden durch hatten gingen wir Richtung Theke um zu bezahlen.
Und schon beim Näherkommen hatte ich bemerkt, dass dort Ärger in der Luft lag. Kennt Ihr das? Ich merke so etwas vorher. Während meiner Zeit in den örtlichen Punk- und Rock-Diskos hat mich diese Fähigkeit ein paar mal dazu gebracht, kurz vor der Massenschlägerei den Laden zu verlassen. Was natürlich praktisch war.

Gestern dachte ich erst, es ginge um eine Frau – denn die pendelte zwischen zwei Typen hin und her und hielt beide immer wieder davon ab, aufzustehen, Brille und Jacke schon mal wem anderes in die Hand zu drücken und dann »rauszugehen«, während alle anderen angespannt im Kreis drumherum saßen und standen.
Eine halbwegs nachvollziehbare Situation also und die Frau hinter der Theke bedachte uns auch nur mit einem genervten »haha, guckt Euch doch mal um, aber trotzdem Danke«-Blick, als wir Ihr »Ja auch einen schönen Abend noch wünschten«

Der geschätzte Snookerpartner grinste und meinte, er hätte ja durchaus Lust, vor der Tür noch ein Zigarettchen zu rauchen und zu gucken ob die beiden doch noch rauskämen.
Ich hingegen stellte fest, dass ich durch und durch froh war, dass ich nicht mehr im Jugendtreff arbeitete, denn dort wäre ich dann ja derjenige gewesen, der zusammen mit der Frau in der Mitte gestanden hätte. (Und egal, wie sehr sich zwei gerade hassten – wenn der schwule Sozialfuzzi (das war ich) sie dann daran hindern wollte, sich gegenseitig das Gesicht blutig zu schlagen, hatten sie immer blitzschnell wieder einen gemeinsamen Feind. Ihr dürft raten, wen.)

Wir standen also noch draussen, es kam aber niemand raus.
Stattdessen bog ein Bulli auf den Parkplatz, die Seitentür ging auf und ein paar Jugendliche kamen raus, waren sich aber offensichtlich noch nicht so ganz einig, ob sie die Billardhalle jetzt stürmen wollten oder nicht. Dann sahen sie uns und hatten eine Lösung:
»Ey Jungs?«, riefen sie zu uns rüber, »Ey Jungs, sagt ihr denen da drin, sie sind alles schwule Schwanzlutscher und sie werden alle gefickt. Wir ficken sie alle. Sagt ihnen das!«
Und fuhren wieder.

Und wisst Ihr was? Zu meinem tiefen Glück, mich jetzt nicht verantwortlich zeigen zu müssen mischte sich ganz vorsichtig noch etwas anderes: Ich war irgendwie froh, dass ich trotz der bösen fast-vierzig und allem Couch- und Internet-Leben so etwas noch erlebe.

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