Rock, paper, scissors – which one is it? It’s your decision. Katzenjammer live in Köln.

Aus der Kategorie »just music«

Katzenjammer habe ich letztes Jahr auf die bestmöglichste Art und Weise kennen gelernt: Sehr zufällig. Wir waren bei Zaz und als Vorprogramm standen auf einmal Katzenjammer auf der Bühne und das war überraschend großartig. So soll das ja eigentlich immer sein, mit der Musik.

Ich hole mal aus: Katzenjammer sind Anne Marit Bergheim, Solveig Heilo, Turid Jørgensen und Marianne Sveen. Sie kommen aus Norwegen und ihr seltsamer Bandname stammt von den Katzenjammer Kids, einem der ältesten noch laufenden Comics. Es geht um zwei Kids, die sich gegen alle Autoritäten stellen. Passt gut zur Band.
Tipp des Tages für alle Interviewer, die die Band treffen: »Did you know, that ‚Katzenjammer‘ is a German word?« ist keine originelle Frage mehr.

Aber zurück zur Band: Die vier sind seit 2008 in Norwegen bekannt, spielten aber auch da schon quer durch ganz Europa in jedem denkbaren Club, jedem Festival und jeder Fernsehsendung, die nicht schnell genug auf dem Baum war. Es entstanden zwei Alben und die Clubs und die Festivals wurden immer größer – und gestern Morgen hörte ich im Radio eine kleine Geschichte, nach der die vier jetzt kürzlich die erste Pause nach einer langen, langen Zeit hatten und da erst bemerkt haben, dass sie irgendwo über das ganze Touren ziemlich erfolgreich geworden sind.

Gestern Abend im Auto überlegten wir, wie man die Musik beschreiben kann. S.s Kollegin hatte wohl gefragt – sie konnte mit dem Bandnamen nichts anfangen und S. war die Antwort wohl etwas schwer gefallen. Dabei finde ich es total einfach – es ist betrunkener PolkaCountryZirkusFolkGypsyPop. Mit ein bisschen Waltzer und ein bisschen Rock’n’Roll manchmal. Und wunderschönsten, schwermütigen Balladen zwischendurch.
Oder anders: Es ist vermutlich alles, was die vier gut finden und irgendwie verwursten können – which one is it? It’s your decision. Und ich gehe davon aus, dass sie alles verwursten können, was sie wollen; meiner bescheidenen Einschätzung nach sind alle vier sehr gute Musikerinnen.

Katzenjammer am 22.6.2012 im Tanzbrunnen Köln

Wer schon mal über Katzenjammer gelesen hat, der ist wahrscheinlich müde, es zu lesen; aber man muss wirklich darauf hinweisen: Die vier stehen mit geschätzt um die dreißig Instrumenten auf der Bühne – abgesehen von Klavier und Gitarre die wenigsten davon das, was man von anderen Bands so kennt. Da sind Blecheimer, Kazoo und Mandoline, Waschbrett, Trompete und Glockenspiel. Und da ist die riesige Bass-Balalaika mit dem Katzengesicht, die in einem Osloer Club zu ihnen fand und wohl so ein bisschen das fünfte Band-Mitglied ist. Alle vier spielen dabei dann alles aus diesem Sammelsurium und tauschen eigentlich nach jedem Song an irgendein anderes Instrument. Dass alle vier auch singen war jetzt klar, oder?

Das alles klingt jetzt irgendwie seltsam und könnte auch noch ein sehr ambitioniert langweiliges Kunstprojekt der Musikschule Castop-Rauxel sein.
Aber – um endlich beim wichtigsten anzukommen: Die vier haben einen unfuckinfassbaren Spaß an dem, was sie da tun. Ich habe selten eine Band auf der Bühne gesehen, die so eine Energie und Freude hatte. Die wilden Instrumentwechsel sind kein verkopftes Konzept, sondern man merkt, dass sie aus der Lust entstanden sind, neues auszuprobieren. Und die vielen seltsamen Instrumente stammen garantiert aus vielen Momenten von »Hey, es macht Töne, wollen wir es mitnehmen?«
Da ist einfach eine unbändige Energie, und die muss irgendwo hin. (Wer Spaß hat sucht sich durch YouTube, es gibt zum Beispiel ein wunderbares Video, wo Solveig eine zufällig vor ihrem Auto herlaufende Marching-Band aus dem Takt spielt – wozu hat man denn sonst eine Trompete im Wagen?)

Die ein oder andere mag es mitbekommen haben: Gestern Abend war ja auch noch dieses EM-Spiel und so freuten die vier sich umso mehr, vor einem ziemlich vollen Tanzbrunnen zu stehen. Oder, wie Solveig es sagte: »Wir wissen, dass heute Deutschland spielt. Und Ihr seid alle hier und das ist das größte reine Katzenjammer-Konzert ever – und das ist affentittelgeil! You’re gonna enjoy every minute and so will we«
Und so war es. Das Programm kann man sich zwar auch auf der gerade erschienen Live-DVD angucken, aber wer noch Gelegenheit hat, den Spaß live mitzunehmen, der sollte das dringend tun. Aus Gründen, die inzwischen klar sein dürften.
Wir standen – wie meist – aus Gründen ziemlich hinten und da kann man ja immer schön sehen, wie weit nach hinten die hochgereckten Hände oder das Mitklatschen so durchkommen – und das war schon beeindruckend gestern. Selbst hinten direkt am Brunnen waren noch genug Menschen die richtig feierten und nicht nur die gelangweilte Familie Oberstudienrat neben uns.
Die finden uns jetzt übrigens doof, weil wir auch gefeiert und gesungen und ge-rock-paper-scissored haben, aber man muss sich ja auch mal zum Horst machen dürfen. Hach.
Und Turid ist endgültig auf der laminated list verewigt.

Um zum Schluss zu kommen: Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich noch ein Video hier mit in meinen kleinen Bericht rein nehme – aber das hier ist ziemlich repräsentativ, das nehm ich:

Ps.: Nein, ich schreibe nichts über den etwas slutty Kleidungsstil. Ja, es sind garantiert die kürzesten Röcke, die ich je auf einer (Musik-)Bühne sah. Nein, es spielt absolut keine Rolle.

Edit: Die ersten Videos von gestern Abend sind bei YouTube aufgetaucht:


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

3 Reaktionen

Am 24.06.2012 um 11:48 Uhr antwortete von artus:

Nix mehr hin zu zufügen. Die genialste live band, die ich wirklich je gesehen habe……


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Auch anderswo wird darüber gesprochen …

[…] Wie ich die vier kennen gelernt habe, schrieb ich hier schon ausführlich. Und auch wenn sie dieses Jahr auf den Bühnen nicht so omnipräsent […]
[…] habe die vier danach sehr aufmerksam und voller Liebe beobachtet und wann immer möglich live gesehen, denn nahezu nichts geht so sehr ab, wie ein Katzenjammer-Konzert.Und die nebenbei solo fleißige […]