Rockinger. Rockt.

Aus der Kategorie »just music«

Ich hatte ja gelegentlich mal erwähnt, dass ich meine Kindheit in einem doofen Dorf verbringen musste. Nicht? Muss ich unbedingt mal erzählen … nee, nur Spaß.

So mit 15 beschlossen A. – der einzige Freund, den ich dort hatte – und ich, Musiker zu werden. Er hatte schon eine Akustikgitarre und einen VHS-Kurs mit ihr hinter sich, mir waren das zu viele Saiten ich fand, dass außer Heavy Metal-Bands niemand zwei Gitarristen brauche und wählte den Bass. Da man auf diesem Dorf nicht mal Zeitungen austragen konnte, litten wir an absoluter Geldnot und unsere Aktivitäten reduzierten sich erst mal aufs Träumen und das Lesen der monatlich erscheinenden Musiker-Magazine.

Und dann entdeckten wir Rockinger. Rockinger war eine Firma, die Gitarren- (und Bass-) -Bausätze, Einzelteile, Ersatzteile und sowieso alles, was eines E-Saitenkünstlers Herz höher schlagen lässt, verkauften. Außerdem hatten sie einen sehr lockeren Tonfall in ihrem liebevoll fotokopierten Katalog drauf und waren uns sofort äußerst sympathisch.
Wir verbrachten viel Zeit damit, mit Block und Stift unsere Traum-Instrumente zusammen zu stellen und über die Vor- und Nachteile verschiedener Holzsorten in Kombination mit verschiedenen Tonabnehmern zu diskutieren. Alles auf einer rein theoretischen Basis natürlich, wir hatten zu dem Zeitpunkt noch nie eine richtige E-Gitarre in der Hand gehabt.

Oft – wir hatten wirklich viel Zeit und wenig zu tun – zeichneten wir die entworfenen Instrumente dann noch im Maßstab 1:1, versahen sie mit liebevollen Wasserfarben-Lackierungen und hängten sie uns an die Wände unserer Jugendzimmer.

Jugendzimmer 1987

Rückblickend stelle ich fest: Grafische Muster waren wohl damals in bei uns.
Etwas später bekamen wir unsere ersten richtigen Instrumente – aus irgendeinem Grund habe ich leider nur Bilder von A.s Gitarren gefunden (die grafischen Muster waren sehr angenehm zurückhaltenden Farben gewichen) und wir begannen Musik zu machen, statt nur über sie zu sprechen.

gitarren--02

Lange Vorrede, hm?
Vor ein paar Wochen hatte ich wieder mit der Firma Rockinger zu tun. Die Liebste hatte mir ja einen Bass-Bausatz (nicht von Rockinger) geschenkt und ich hatte üble Erfahrungen mit dem Einzelhandel in der Umgebung machen müssen, als ich diesen Bass mit ein paar Sonderwünschen veredeln wollte.

Nur die Firma Rockinger, die gibts immer noch. Sie haben einen wohlsortierten Web-Shop und ich begann, dort zu bestellen. Rockinger liefert schnell, der Katalog ist inzwischen gedruckt und hat sogar einen farbigen Umschlag, die Sachen sind von bester Qualität und die Beipackzettel haben immer noch den leicht anarchischen Tonfall, der den Laden so angenehm machte.

Und bei der letzten Bestellung hab ich gepennt – ich wollte Abschirmlack haben und habe lustig alles mögliche in den virtuellen Einkaufswagen gepackt, um den Mindestbestellwert voll zu kriegen. Nur den Abschirmlack, den hab ich vergessen. Rockinger lieferte gewohnt prompt und ich ärgerte mich. Also über mich.
Zwei Tage bin ich um die Kiste herumgeschlichen und habe überlegt: Der Lack kostete 13,- und ich hatte kein Lust, noch einmal mit hübsch-aber-unnötigs den Bestellwert zu füllen. Also alles zurückschicken – Fernabsatzgesetz FTW! oder fair sein und einen Anruf wagen? Nach den anderen schlechten Erfahrungen neigte ich irgendwie zum Zurückschicken und neu bestellen, aber: Hey, es war doch Rockinger!

Ich rief an. Erklärte dem freundlich grüßenden Mann, dass ich etwas doof sei und bei der letzten Bestellung exakt das einzig wichtige vergessen habe.
Sach ma Deine Kundennummer!
1234567
Ah hier, ja. Stimmt, höhö, da ist kein Abschirmlack bei.
Genau.
Pass auf: Überweis uns 13,- und wir schicken das Zeug raus.
Ui. Einfach so?
Ich schreib das hier auf.
Super.

Zwei Tage später war der Lack hier.

Ich möchte an dieser Stelle der Firma Rockinger lobhudeln. Schön, dass Ihr das Vertrauen, das ich vor 25 Jahren schon hatte auch heute nicht enttäuscht.


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4 Reaktionen

Am 17.06.2013 um 12:29 Uhr sagte Kiki:

*schneuz*


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