Sag zum Abschied leise »Servus«

Aus der Kategorie »just work«

Im letzten März erfuhren wir hier in Menden, dass eine unserer beiden Lokalzeitungen eingestellt wurde; der Sieger im immer enger werdenden Kampf um Leser war hier in der Stadt die Westfalenpost, der Web-kundigen Leserin auch als @derwesten bekannt.

Ich muss gestehen, dass quasi zeitgleich mit der eher traurigen Nachricht die Idee, jetzt mit den freigewordenen journalistischen Kräften ein vernünftiges Online-Magazin zu starten in meinen Kopf schoß. Und als dann ein paar Tage später eine dieser journalistischen Fachkräfte bei mir anrief, um mich zu fragen ob und wie man denn wohl im Internet weitermachen könne, da fühlte sich das schon sehr wie ein Omen an. Ein gutes.

Wir starteten im April voll Freude und Enthusiasmus, wir bekamen schnell erfreute Willkommensgrüße und die Zahl unserer Feed- & Newsletter-Abonennten stieg schnell, die Zahl unserer facebook-Freunde und die unserer Besucher ebenso.

Auch die Presemeldungen, die jeden Tag hereingeflattert kamen zeigten, dass man uns wohl las und auch gerne die eigenen Ankündigungen und Berichte bei uns sah.

Aber: Die Besucherzahlen stiegen nicht ins Unermessliche, sie stiegen nicht einmal so weit wie sie in einer kleinen Stadt hätten steigen können. Bis Ende November hat Karin über 700 Artikel geschrieben, aber es hat immer nur eine kleine Zahl von Lesern interessiert.

Wo auch immer wir auftauchten freuten sich die Menschen über unsere Arbeit, gaben aber auf Nachfrage zu oft zu, dass sie »natürlich« lieber ein Stück Papier in der Hand hätten und sie irgendwann in der letzten oder vorletzten Woche das letzte mal in unser Magazin geschaut hätten.
Sehr schön war auch ein eMail-Wechsel mit einer Leserin, die unseren – Feedburner-gestützten – Newsletter abonniert hatte: Während des Hin-und-Hers stellte sich heraus, dass sie sich als begeisterte Leserin des Magazins sah, aber erst ein- oder zweimal auf der Website gewesen war; sie »ging auch gar nicht so gerne ins Internet«. Und ihrer Meinung nach stand doch alles immer in der eMail. (Wer die Feedburner-Newsletter kennt, der weiß: Dort wird angeteasert und verlinkt. Aber angeklickt hatte sie in so einer eMail noch nie etwas.)

Ich will die fehlende Kompetenz dieser einen Leserin nicht als Beispiel für alle nehmen, aber es ist schon seltsam zu beobachten, dass uns auch heute immer noch Menschen anschreiben oder -sprechen, dass sie unser Magazin so toll finden und ob wir nicht auch über sie mal eben etwas bringen könnten. Denn: Ende November hat Karin sich eine Pause genommen und Mitte Februar diese Pause als Pause auf unbestimmte Zeit deklariert.

Vielleicht ist die Zahl derer, die morgens mit Laptop oder Tablet am Frühstückstisch sitzen hier in dieser Stadt noch zu klein, vielleicht hätten wir nicht versuchen sollen, eine Tageszeitung zu sein.

Es war eine spannende Zeit, es war eine anstrengende Zeit, es war eine gute Zeit. Ich habe viel gelernt und so war es auch keine vergeudete Zeit.
Another day, another online-magazin.
Anmerkung: Dieser Text lag schon ein paar Tage in den Entwürfen, und ist jetzt mal fertig geworden.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

2 Reaktionen

Am 12.03.2011 um 10:53 Uhr meinte Melody:

Die Entscheidung kann ich gut verstehen, aber trotzdem fand ich es ganz beachtlich, was ihr da aufgestellt habt.


Am 12.03.2011 um 11:37 Uhr schriebChristian:

Merci :)

Ich glaube das tragische ist, dass die meisten Web-Menschen das „ganz beachtlich“ (oder ähnlich) fanden, dass aber die Zielgruppe hier in der Stadt noch nicht so recht im Web angekommen ist.


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