Sagense mal, Du, äh … sag mal, Sie …

Aus der Kategorie »just people«

Stoße ich doch gerade auf diese kleine Gewissensfrage in der SZ: Wenn aus den Kindern Erwachsene werden – muss aus dem »Du« ein »Sie« werden? Und wenn ja, wann – und warum? und erinnere mich an eine lustige Geschichte, die mir so mit knapp 20 passiert ist.

Damals – das war ja vor dem Internet – fuhr ich Botenfahrten für die Werbeagentur unserer Nachbarn. Ich hatte einen Kombi und recht flexibel Zeit und zahlte weder Steuern noch Versicherung – sie zahlten den üblichen Kilometersatz. Oder, in anderen Worten: das war eine ziemliche Win-Situation für mich. Meist fuhr ich Druckvorlagen, manchmal auch frisch gedruckte Prospekte – immer frühmorgens am zweiten Messetag von der Druckerei zur Messe. Aber das ist eine andere Geschichte.

Da ich die beiden schon ewig kannte, duzten sie mich und ich siezte sie. War halt so.
Da ich mal ein Praktikum in der Agentur gemacht hatte, duzte ich mich mit den Mitarbeitern.

Nur einer, der, der auch auf einem eigenen Büro bestanden hatte, den kannte ich nicht von früher, mit dem hatte ich auch bisher nie mehr Kontakt gehabt, als ein freundliches „Guten Tag!“, wenn ich an der angelehnten Bürotür vorbeikam. Und dann rief der mich an, um eine weitere Tour zu irgendeiner Messe mit mir zu besprechen. Nennen wir ihn mal Max Muster.

Er: Hallo Christian, wir hätten mal wieder eine Fahrt für Dich. Könntest Du morgen was von Werl nach Köln fahren?

Ich: (gedanklich, ach guck, wir duzen uns, wie nett): Hallo Max! Ja, das ginge, wann solls de…

Er, mich ruppig unterbrechend: Entschuldigung, aber ich denke, es wäre angemessen, wenn wir beim Sie blieben.

Ich: (gedanklich: ??): Ups, sorry. Also, hallo Herr Muster, ja, das ginge, wann solls denn sein?

Er: Ziemlich früh, kannst Du um sechs bei der Druckerei sein und dann direkt nach Köln fahren?

Ich (gedanklich das Du sehr wohl registrierend): Ja klar, kein Ding. Sagst Du mir die Adresse der Druckerei und krieg ich dann von Dir einen Aussteller…

Er, mich ruppig unterbrechend: Entschuldigung, aber ich denke, es wäre angemessen, wenn wir beim Sie blieben.

Ich (gedanklich: ach guck, ein Arschloch): Aber gerne. Sagen Sie mir dann die Adresse der Druckerei und krieg ich von Ihnen einen Ausstellerausweis, damit ich aufs Messegelände komme?

Er: Ja sicher, den kannst Du Dir gleich noch abholen.

Ich (gedanklich mit viel Freude an dem Spiel): Das ist ja prima von Dir, dann komm…

Er, mich brüllend unterbrechend: Ich denke, es wäre angemessen, wenn wir beim Sie blieben.

Ich: Gerne, wenn dann auch wirklich wir beim Sie bleib …

Er, mich wieder unterbrechend: Das ist ja wohl was anderes!

Ich: Ach so, Herr Muster.

Er hat den süffisanten Tonfall, den ich jahrelang an meiner katholischen Privatschule perfektioniert hatte nicht gehört. Und wie steht es so schön bei der SZ: Wie sollte man sich dazu verhalten, wenn Erwachsene damit weitermachen? Am besten so, wie man sich allgemein verhält, wenn sich jemand unhöflich benimmt: Man denkt sich seinen Teil.

Das hab ich dann auch getan. Wenn ich nicht vollkommen falsch liege war das dann auch der Typ, der ein paar Jahre später versucht hat, mit allen Kunden abzuhauen. Hat mich nicht so überrascht.

Ich duze übrigens gerne. Menschen, die im Status über mir stehen, merken auch so, dass ich das weiß.


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