Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Scarfinger

Nachdem ich gestern Abend Bekanntschaft mit der nicht abgeschliffenen Kante im Innern einer DI-Box machte, als ich die Batterie wechseln wollte und mir schon wieder mal den linken Zeigefinger aufschnitt beschloss ich, ihm, meinem linken Zeigefinger, mal einen Eintrag zu widmen.
Vielleicht bricht das ja den Fluch.
(Vorsicht: Bloody content)

Zur besseren Orientierung habe ich die Macken mal durchnummeriert:

2006-10-01-finger.jpg

  1. Gestern das, das war ja nur eine kleine Macke. Ist ja kaum zu sehen, auf dem Bild. Lassen wir das und kommen zu den richtigen Kratzern. Zu den Männernarben. Howhowhowhow…
     
  2. Gehen wir chronologisch vor. In der 7. Klasse hatten wir Projekttage an der Schule. Wir erinnern uns: alle haben keinen Unterricht und suchen sich ein Projekt aus das der Kumpel auch macht wo kein blöder Lehrer bei ist das man schon immer einmal ausprobieren wollte.
    Ich war in der AG „Robin Hood“ und wir gingen in den Wald, Pfeile sammeln und Bogen bauen. Hey, endlich eine Gelegenheit, das tolle schweizer Taschenmesser auszuprobieren, das es zur Erstkommunion gab. Ja, auch die Säge, so ein Bogen will ja eine ordentliche Kerbe am Ende haben.
    Ich hielt also einen mitteldicken Zweig in der Hand und sägte von oben diese Kerbe rein.
    Interessanterweise habe ich einen Moment vor dem Abrutschen noch gedacht „Wenn Du jetzt abrutscht, kannst Du Dir den halben Finger abschneiden
    Der halbe Finger wars nicht, aber es war tief. Dem begleitenden Lehrer wurde sichtlich schlecht, wir hatten natürlich nichts zum Verbinden mit im Wald und heute weiß ich, dass er in dem Moment begriff, dass ich natürlich nicht mit einem eigenen Messer im Wald und so …
    Ich hielt die Wunde halt mit der anderen Hand zu, fühlte das Pochen und mittags war dann auch alles wieder einigermassen zu. Verheilte so langsam und wurde vergessen. Bis auf die Narbe. Die blieb.
     
  3. Leider weiß ich nicht mehr, bei welcher Gelegenheit genau Narbe Nummer zwei entstand. Ich weiß noch, es war der alte Fuchsschwanz aus der Werkstatt meines Vaters und ich weiß auch noch, dass ich interessanterweise einen Moment vor dem Abrutschen noch „Wenn Du jetzt abrutscht, kannst Du Dir den halben Finger abschneiden“ gedacht habe.
    Die Wunde war tief, an der Stelle ist ja auch weniger Fleisch und so sah ich das erste und bis jetzt auch letzte Mal in meinem Leben einen menschlichen Knochen. Dass es nur ein winziges Stückchen war wurde dadurch, dass es ja meiner war mehr als wett gemacht.
    Erwähnte ich eigentlich mal, dass ich nur sehr ungern zum Arzt gehe? Die Wunde ist also weder besonders schön noch besonders gut verheilt.
     
  4. Man muss sich ja steigern. Sowohl in der Wahl der Werkzeuge als auch in der Dosis des verbrauchten Glücks. Deswegen findet sich vorne an der Fingerspitze nur eine sehr kleine Narbe. Dabei hätte mit der auslaufenden Stichsäge die mir wegrutschte auch viel mehr passieren können.
    Bitte alle nachsprechen: „Versuche nie, eine Säge aufzufangen.
    Versuche nie, eine Säge aufzufangen.
    Versuche nie, eine Säge aufzufangen.
    Versuche nie, eine Säge aufzufangen.
    Versuche nie, eine Säge aufzufangen.

    Begriffen? Gut.
    Aber danach wusste ich, was der vielgeschriebene Begriff „halbmondförmige Narbe“ bedeutet.
     
  5. Ein Stückchen nach links aus dem Bild raus finden sich noch einmal 2cm wieder zusammengewachsenes Fleisch. Aber das war nur ein Küchenmesser, das zählt nicht in dieser Reihe.
     

Interessanterweise habe ich sonst am ganzen Körper keine Erinnerungen an irgendwelche Verletzungen.
Ich hoffe, nach dieser kleinen Dokumentation ist jetzt auch da Schluss. Das geht ja so nicht weiter.

4 Antworten zu “Scarfinger”

  1. Zweierpack sagt:

    naja, besser als jedesmal einen anderen finger aufzuschneiden.

  2. serotonic sagt:

    Um den Fluchbruch zu bestärken, verbrannte ich soeben ein paar Kräuter auf der Dachterasse und beschwörte rhythmisch klatschend die Tastaturkürzelgötter. Das Internetz brauch dich mit allen 10 Fingern!

    (sehr gelacht, dankeschön ;))

  3. Christian sagt:

    @zweierpack: so hatte ichs noch gar nicht gesehen…

    @serotonic: merci. die götter des copy’n’paste werden es würdigen. hoffe ich.

  4. CountZero sagt:

    copy-n-paste kann man auch ohne linken zeigefinger – dann muss halt der mittelfinger diesen job übernehmen ;)
    tragisch wäre nur, wenn der kleene an der linken hand dabei flöten ginge, denn DEN braucht man fürts betätigen der STRG-taste ;)

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