Schlechte Stimmung im Dorf

Aus der Kategorie »just people«

Der Johannes schrieb da etwas sehr interessantes zum Thema „Dorf und Internet”. Jetzt kenne ich mich ja im Dorf sehr gut aus, im Internet auch ein wenig und so kann ich sagen: Das klingt schon alles sehr plausibel, was er da sagt.

Dann las ich vor wenigen Stunden bei facebook bei serotonic:

Mittelschwere Social-Web-Krise: Die letzten Monate haben mir die Freude an der Onlinekommunikation geraubt. Egal wo ich hingucke, scheint es hauptsächlich darum zu gehen, sich persönlich besser zu stellen; wirklich freundliches Miteinander erlebe ich nur noch selten.

Das ist doppelt schade, denn zum einen geht es mir ähnlich, und zweitens kenne ich exakt das aus dem Dorf.

Natürlich gibt es sowohl im Inhalt als auch in den Themen gewisse Unterschiede. Während man dort zum Beispiel alles Neue und Fremde allgemein, Frauen, Ausländer und Schwule natürlich, oder Individualismus und Fortschritt herunterputzte, ist es in unserer Filterblase thematisch eher das Gegenteil.
Und während man dort gerne einfach die Faust sprechen ließ, sind es hier sprachlich gewandte Tweets und sarkastische facebook-Postings.

Was aber gleich ist: Die vermeintliche Stärke beruht einzig und alleine darauf, dass man sich sicher ist, zur richtigen Gruppe zu gehören. Und so können Leute ihren gesamten Twitter-Fame auf „Leute, die …”-Tweets aufbauen und sich sicher sein, dass ihre Posse eifrig gelb besternt. Weil wir uns ja alle so einig sind.
Und kaum jemand merkt, dass zwischen all den toleranten BlogPostings und den gelikten Petitionen der blanke Hass gegen – greifen wir mal willkürlich was raus: Ugg-Boot-Trägerinnen, Zeitungsmacher, Homöopathienutzer oder die Gema – oder einfach nur Menschen, die nicht die schnell genug die (woher auch immer stammende) Gruppenmeinung vertreten – irgendwie sehr kontraproduktiv wirkt. Und so gar nicht tolerant, liberal, nett, weltoffen wirkt.

Ich hab es im Dorf nie gemocht. Nicht weil die Landschaft so hässlich, sondern weil der Horizont so klein war.
Deswegen war ich so froh, als ich das weltweite Dorf kennen lernte. Aber wenn sich dieses Dorf jetzt hier nicht mehr über einen open mind, sondern auch wieder nur über eine Gruppenmeinung und das gehässige Abgrenzen gegen die anderen auszeichnete, dann fände ich das sehr schade.

Kleiner Tipp: Wer jetzt gegen UggBoots oder Homöopathie los-argumentiert, hat etwas wichtiges nicht verstanden: Es geht um den Umgang, nicht ums Thema.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

4 Reaktionen

Am 12.01.2014 um 0:08 Uhr kommentierte Rebekka:

So wahr. Und so scheiße. :(


Am 12.01.2014 um 10:42 Uhr antwortete giardino:

Hm. Ja und nein. Ja, überall grenzen sich die Leute ab, indem sie auf welche mit anderen Lebensentwürfen und Haltungen herabsehen, sich über sie lustig machen bis hin zur Verachtung, manchmal. Erst recht, wenn eine größere Gruppe ähnlich Gesinnter zusammenkommt, wahrscheinlich so eine elementare Form der Selbstvergewisserung. (Ich würde mich gerne davon ausnehmen, aber weiß, dass ich auch nicht frei davon bin.)

Nein, ich glaube nicht, dass das jemals anders war oder sein wird, sondern dass die sozialen Medien mit ihren fast unbegrenzten Möglichkeiten, unterschiedliche Gruppen zu formen und Leute zusammenzubringen, das nur jeden Tag und zu allen Themen sichtbar machen.

Und die, die zu ihrem Lebensmotto gemacht haben, möglichst niemanden zu verurteilen, immer alle Seiten verstehen zu wollen und für Ausgleich zu sorgen, können das eben manchmal nur schwer ertragen.


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[…] Her Fischer hat den Dorfkoller. […]
[…] beschreibt Dörfer und Städte, zieht dabei Parallelen zum Internet. Jawl nimmt das Thema auf und geht auf eine aktuell(?) herrschende schlechte Stimmung mit einem Verweis auf serotonic ein. […]