Schokobrauner weißer Sonntag

Aus der Kategorie »just people«

Heute ist weißer Sonntag. Der Tag, an dem üblicherweise die kleinen Katholiken zur Erstkommunion gehen.

Ich persönlich verbinde mit dem weißen Sonntag schon lange nicht mehr den Tag, als ich im ersten schwarzendunkelblauen Anzug meines Lebens am Altar stand sondern eher einen anderen. Einen, von dem ich damals sagte, dass ich später bestimmt darüber lachen würde. Mal sehen, obs heute klappt.

Ich jobbte damals – wie gelegentlich erwähnt – für eine Werbeagentur. Normalerweise fuhr ich Druckvorlagen zu Druckereien oder lieferte die druckfrischen Kataloge aus, die aufgrund der in der Branche üblichen Abläufe („Hallo? Hallo Agentur? Übermorgen ist Messe und wir brauchen doch neue Kataloge!“) erst zum zweiten Messetag aus der Druckerei gekommen waren.

Kurz vor Ostern jedoch kam eine andere Anfrage. Die Agentur arbeitete für eine örtliche Grossbäckerei die beschlossen hatte jedem Kommunionkind zur Feier des Tages einen Kuchen zu schenken.
Also jedem im Ort.

Das waren aber immer noch genug Kinder & Kuchen um ein paar Freunde und mich den gesamten Tag zu beschäftigen. Wir hatten zusammen die Namen und Straßen aufgeteilt, hatten uns Routen überlegt und uns Konstruktionen gebaut, mit denen wir jeweils so ca 50 Teighalbkugeln mit Schokoguß und einem Marzipanherz drauf im Auto transportieren konnten.

So jedenfalls die Theorie.

Die Praxis ergänzte diesen schönen Plan mit folgenden Details:
Es war warm. Zu warm für die Jahreszeit und erst recht zu warm, um Schokoguß ungeschützt im Auto zu transportieren. Die Kuchen bekamen einen feuchten Glanz und mein Auto roch wie das Schokoladenmuseum.

Um die Mendener Familien nicht zu überlasten hatten sich die Kirchengemeinden darauf geeinigt, die Feierlichkeiten auf den weißen Sonntag selbst und den darauffolgenden Sonntag zu verteilen – die Hälfte der Gemeinden am einen, die andere am anderen Sonntag. Unsere Listen waren leider nicht nach Gemeinden sortiert und so klingelten wir an jeder Tür und fragten erst einmal, ob den heute hier überhaupt gefeiert werden würde, denn wenn ja, dann hätten wir da eine kleine Aufmerksamkeit …
Sehr peinlich.

Überhaupt reagieren Familien an so einem Familienfeiertag manchmal gar nicht so erfreut auf so eine kleine Aufmerksamkeit. Jedenfalls nicht, wenn man während des Essens, während der Geschenkeübergabe, während des Eintreffens der bayrischen Verwandtschaft die man ja nur einmal im Jahr sieht, während des gemeinsamen Schnapses nach dem Essen, während der Vorbereitung zur Andacht oder während des Kaffeetrinkens nach der Andacht stört. Dazwischen gehts.

Dass meine damalige Freundin zwar begeistert bei der Sache dabei war, aber leider beim zweiten Haushalt für sich entschied, dass sie nicht mehr klingeln würde (zu peinlich), war eigentlich nur noch das I-Tüpfelchen.
So ähnlich wie die Tatsache, dass sie meinen Passat nicht fahren konnte (zu groß) und sie sich so den Rest des Tages auf dem Beifahrersitz langweilte auch.
Oder dass ihr von Schokolade und deren Geruch leicht übel wurde.

Den letzten der übriggebliebenen und eingefrorenen Kuchen haben wir im Freundeskreis übrigens zu Nikolaus gegessen.


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Auch anderswo wird darüber gesprochen …

[...] Druckvorlagen, Kataloge und Kuchen fahren für eine Werbeagentur (Super Job. Das doofe Internet hat ihn gekillt) [...]