Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Sehr geehrte Frau Louisan

… da bin ich doch gerade in die Videopremiere Ihres neuen Liedchens „Das alles wär nie passiert“ hineingezappt. Hübsch, das.
Aber sagen Sie mal, ist das nicht ein bisschen billig, einfach einen kompletten Teil aus dem (von mir sehr geschätzten, sonst wäre es mir vermutlich gar nicht aufgefallen) Stück Sunday Morning after von Amanda Marshall quasi einfach zu übersetzen beziehungsweise den Sinn zu nehmen und für eine Strophe Ihres Stückes in deutsch-gefällige Worte zu packen?
Aber schön, dass aus dem amerikanisch-deftigen Tequila bei Ihnen dann ein Prosecco wird.

Edit: Ich stell das hier mal nebeneinander:

sonntagmorgen 17 uhr 10, es weckt mich das telefon
ich hab nichts als die stiefel noch an, meine sinne sind nicht mehr synchron
alles, was ich von gestern noch weiß, ist wie ich in extase geriet
ich schrie: ?auf die revolution! reißt die mucke auf – das ist mein lied!?
der freund auf dem anrufbeantworter brüllt ?hey, was hast du genommen??
er sagt mein bh sei auf ebay, wie bin ich nach hause gekommen?
himmel, arsch, wieso bin ich gepierct und was soll dieses schlangen-tattoo?
wessen zeug liegt auf meinem bett und wer zum teufel bist du?

(aus: Anett Louisan – das alles wär` nie passiert)

I woke up with a killer hangover Hope it was worth all this pain
(I’d do it all over again)
By the time the party was over Tequila was my claim to fame
(I couldn’t remember my name)

I was dancing with Jake when I last saw my keys
That was my first mistake ‚Cause, what happened to me?
I look down at my arm, baby And something’s lookin‘ back at me
And I cannot believe it

Oh my God!– I woke up with a snake tattoo
Oh my God!– and I think that my tongue’s pierced, too
Oh my God!– Oh my God!
It’s the Sunday morning after
And baby, who the hell are you?

I remember yelling, „Hey, DJ!“ „Jack the volume, I love this song!“
(And then it all gets hazy)
And my clothes are selling on e-bay And I don’t know what I’m gonna put on
(Where were my friends to save me?)

(aus: Amanda Marshall: Sunday Morning After)

Naja, kann ja auch Zufall sein. Wir haben ja alle schon mal wilde Parties erlebt …

9 Antworten zu “Sehr geehrte Frau Louisan”

  1. Pia sagt:

    Ja, was wunderst Du Dich? Ich hab nach jeder Party ein neues Schlangentatoo und ein neues Piercing. ;)

  2. Christian sagt:

    Das mag an dem Unterschied zwischen der Grundhaltung „Ich will doch nur spielen“ und der Grundhaltung „Im Kern ist sie ein frivoles Miststück.“ liegen ;)

  3. Die Texte von Annett Louisan schreibt doch Frank Ramond, der u. a. auch für Roger Cicero schreibt. Und da hat er ja schon geübt, englischsprachige Klassiker ins Deutsche zu bringen – dann allerdings auch mit der identischen Melodie … Ist also so etwas wie Kunstplagiat 2.0.

  4. Christian sagt:

    Naja, man sagt ja auch, dass es schon jede melodie gegeben hat – warum nicht auch schon jede Textidee. Nachvollziehbare Lebenssituationen sind ja nun auch begrenzt, wenn man den Hörer noch irgendwie mitnehmen will :)

  5. joerg sagt:

    Sagt mir lieber, wie ich jetzt die Vorstellung von Frau L. mit „nichts als die Stiefel noch an“ wieder ausm Kopf krieg. Das wollte ich gar nicht sehen.

  6. Christian sagt:

    Vielleicht indem Du Dir – für den Anfang schon mal Frau Marshall mit „clothes selling on ebay“ vorstellst?

  7. Ben sagt:

    ich finde frau louisan extrem heiss. hab mir grad das video angesehen.

  8. smiley sagt:

    Im Booklet des Albums steht übrigens brav: „2. Strophe frei nach Amanda Marshall ‚Sunday Morning After'“. Immerhin geben sie es zu. ;)

  9. Christian sagt:

    wow.
    Sehr geehrte Frau Louisan, dann bitte ich doch um Verzeihung.
    Danken Sie dem Herrn Smiley für diesen Hinweis, ich les nämlich dummerwesie schon lange keine Booklets mehr.

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