Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Sie (II)

(Teil I)
Wenn man sich als „normaler“ Mensch so umschaut, dann könnte man davon ausgehen, dass es keine „Ökos“ mehr gibt. Punks und Hippies sind auch weg von der Bildfläche und wenn man mal einen sieht, dann wirkt er im normalen Stadtbild seltsam verloren. Und seit dem Euro sind auch die „Hasse ma ne Mark“-Schnorrer irgendwie seltener geworden.

Sie war ein Öko. Sie und alle ihre Freunde.
Denn wie sich in Amerika die Deutschen in seltsam anachronistisch wirkenden Brauchtumsvereinen sammeln, wie sich im Ruhrgebiet damals schnell türkische, griechische oder italienische Vereine gründeten, sammeln sich auch da die Minderheiten.
Man trifft sich in der Mensa, wenn man gerade empört aus der Vorlesung „Einführung in die Montessori-Pädagogik“ gegangen ist, weil der Dozent nicht konsequent von „PädagogInnen“ mit großem „I“ in der Mitte gesprochen hat. Man wirft sich erste Blicke zu, wenn man im Headshop neue Räucherstäbchen kauft. Man erkennt sich am gebatikten T-Shirt und am Patchouli-Duft. Und man kommt schon bald ins Gespräch übers Brotbacken und darüber, wo es die schönsten indischen Tücher gibt, mit denen man den WG-Flur schmücken könnte.

Dummerweise haben ja auch – oder gerade – die Ökos das tiefsitzende Gefühl, besser zu sein als der Rest der Welt. Sie machen sich ja Gedanken über die Welt und schonen sie wo immer sie es können.
Versteht mich nicht falsch, sie tun das ja an vielen Stellen wirklich.
Was es so schwer im allgemeinen macht, das ist ihr Anspruch, dass sie die einzigen sind. Dass es nur ein ganz oder gar nicht gibt. Dabei sein oder Feind sein. Gut oder böse. Nichts dazwischen, kein grau zwischen schwarz und weiß. Dass das ihrem hehren Ideal der Toleranz diametral entgegensteht wird meist interessanterweise ausgeblendet.

Schwer im besonderen wurde es mit ihr, dass sie sich ja jetzt in ihrem Weltbild schon doppelt unangreifbar gemacht hatte: Erstens hatten wir ihr ja gesagt, sie solle mal mehr an sich denken und zweitens war sie ja eine von den guten. So aus Prinzip. Das machte den Umgang mit ihr nicht einfacher.

Eine Antwort zu “Sie (II)”

  1. […] (Teil I, Teil II, Teil III) Um das Bild von Ihr abzurunden bleibt eigentlich nur noch eins zu erzählen: Sie hätte es harmoniebedürftig genannt, ich sage: konfliktscheu. Sie hätte gesagt, sie wollte wohl niemand verletzen, ich sage: feige. […]

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