Sie (II)

Aus der Kategorie »just links«

(Teil I)
Wenn man sich als „normaler“ Mensch so umschaut, dann könnte man davon ausgehen, dass es keine „Ökos“ mehr gibt. Punks und Hippies sind auch weg von der Bildfläche und wenn man mal einen sieht, dann wirkt er im normalen Stadtbild seltsam verloren. Und seit dem Euro sind auch die „Hasse ma ne Mark“-Schnorrer irgendwie seltener geworden.

Sie war ein Öko. Sie und alle ihre Freunde.
Denn wie sich in Amerika die Deutschen in seltsam anachronistisch wirkenden Brauchtumsvereinen sammeln, wie sich im Ruhrgebiet damals schnell türkische, griechische oder italienische Vereine gründeten, sammeln sich auch da die Minderheiten.
Man trifft sich in der Mensa, wenn man gerade empört aus der Vorlesung „Einführung in die Montessori-Pädagogik“ gegangen ist, weil der Dozent nicht konsequent von „PädagogInnen“ mit großem „I“ in der Mitte gesprochen hat. Man wirft sich erste Blicke zu, wenn man im Headshop neue Räucherstäbchen kauft. Man erkennt sich am gebatikten T-Shirt und am Patchouli-Duft. Und man kommt schon bald ins Gespräch übers Brotbacken und darüber, wo es die schönsten indischen Tücher gibt, mit denen man den WG-Flur schmücken könnte.

Dummerweise haben ja auch – oder gerade – die Ökos das tiefsitzende Gefühl, besser zu sein als der Rest der Welt. Sie machen sich ja Gedanken über die Welt und schonen sie wo immer sie es können.
Versteht mich nicht falsch, sie tun das ja an vielen Stellen wirklich.
Was es so schwer im allgemeinen macht, das ist ihr Anspruch, dass sie die einzigen sind. Dass es nur ein ganz oder gar nicht gibt. Dabei sein oder Feind sein. Gut oder böse. Nichts dazwischen, kein grau zwischen schwarz und weiß. Dass das ihrem hehren Ideal der Toleranz diametral entgegensteht wird meist interessanterweise ausgeblendet.

Schwer im besonderen wurde es mit ihr, dass sie sich ja jetzt in ihrem Weltbild schon doppelt unangreifbar gemacht hatte: Erstens hatten wir ihr ja gesagt, sie solle mal mehr an sich denken und zweitens war sie ja eine von den guten. So aus Prinzip. Das machte den Umgang mit ihr nicht einfacher.


Ähnliche Artikel lesen?

Außerdem schrieb ich zum gleichen oder ähnlichen Themen auch noch …

Ich finde den Artikel super!

Das freut mich natürlich sehr.

Du kannst den Artikel weiter verbreiten
Du meinst, der Artikel könnte auch anderen gefallen? Dann findest Du etwas weiter oben auf dieser Seite, direkt rechts unten am Artikel ein paar Buttons. Damit kannst Du den Artikel per eMail, Twitter, facebook oder google+ weiter verteilen. Ich würde mich darüber freuen.

Mir ein Geschenk machen? Uiuiuiui.
Gefallen Dir meine Artikel immer wieder, schöder Mammon ist Dir aber zu doof? Dann mach mir doch eine Überraschung: Hier findet Du meine amazon-Wishlist mit ausgesuchten und garantiert Freude spendenden Präsenten zwischen fünf und zweitausenfünfhundert Euro – da ist bestimmt was passendes dabei.

Geld? Wow.
Ist Dir mein Artikel darüber hinaus sogar noch etwas wert, dann findest Du bei den Icons zum Verbreiten des Artikels einen flattr-Button. Jeder Euro, der darüber reinkommt geht direkt weiter an netzpolitik.org.

Wer? Was? Warum?

Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

1 Reaktion

Dein Kommentar:

Du möchtest auch so ein hübsches Bild am Kommentar haben? Die Bilder gibts bei gravatar.com
Die Bedingungen für das Buchen eines kommerziellen Kommentars findest Du hier.


Auch anderswo wird darüber gesprochen …

[...] (Teil I, Teil II, Teil III) Um das Bild von Ihr abzurunden bleibt eigentlich nur noch eins zu erzählen: Sie hätte es harmoniebedürftig genannt, ich sage: konfliktscheu. Sie hätte gesagt, sie wollte wohl niemand verletzen, ich sage: feige. [...]