Soundtrack meines Lebens: Got a match?

Aus der Kategorie »just music«

Beim Lesen beim Bosch etwas entdeckt und für gut und nachahmenswert befunden. In loser Folge stelle ich hier Stücke vor, an die ich mich erinnere und/oder mit denen ich besondere Situationen verbinde. Folge 7 von …

Disclaimer: Wir befinden uns in einer Zeit meines Lebens, in der ich dummerweise fast alle musikalischen Einflüsse vom Herrn TheMM serviert bekam. ‘Dummerweise’ weil er auch in dieser Folge wieder vorkommen wird. Gar nicht dummerweise weil er – so ganz unter uns – gar keinen so schlechten Geschmack und einen recht weiten musikalischen Horizont besitzt. Sagt’s ihm aber nicht, da holt der sich dann nämlich wieder jahrelang einen drauf runter. Disclaimer Ende.

Über Jimi Hendrix und Stevie Ray Vaughan war ich ja lustigerweise wieder bei Gitarrenmusik angekommen. Da ich ja aber andererseits meine generelle Ablehnung gegen »Popmusik« ein wenig abgelegt hatte fand auch eine Cassette mit den ersten beiden Bryan Adams-Alben seinen Weg in meinen Besitz. (Zu unserer Verteidigung: Das war vor »I would do anything…!«)

Anekdote am Rande: Herr TheMM hatte beim Aufnehmen wohl festgestellt, dass der Plattenspieler zu langsam lief und mitten im »Summer of 69« nachgeregelt. Für mich ist das Stück bis heute nur mit diesem leiernden Tonhöhensprung vor dem letzten Refrain »richtig«. Als ich dann S. kennen lernte, stellten wir fest, dass auch sie eine Kopie genau dieser Cassette besaß und deswegen den gleichen Fehler im Song ‘brauchte’, um nicht irritiert zu gucken.

Für die Angehörigen der Generation CD: Wenn man so eine LP auf Cassette aufnahm, dann blieb am Ende einer 90er-Cassette immer noch etwas Luft. Herr TheMM hatte sich nun angewöhnt, diese Lücken mit irgendwelcher anderer Musik zu füllen.

»Got a match« passt stilistisch absolut überhaupt nicht hinter Bryan Adams.
»Got a match« entspricht in vieler Hinsicht zu hundert Prozent den allerschlimmsten Rumgedudel-Klischees, die man so von Jazz haben kann.
»Got a match« ist recht lang und war ziemlich in der Mitte abgeschnitten, weil die Cassette dann halt zu Ende war.
Die Voraussetzungen waren also schlecht; aber ich habe es geliebt.

Etwas später fragte unsere Musiklehrererin uns, ob wir denn selber irgendwelche Vorschläge für das nächste zu analysierende Musikstück hätten, wenn uns die ewigen Klassiksachen ja doch so offensichtlich anöden würden.
Da ja – wie schon einmal erwähnt – der generelle Geschmack in unserer Klasse bei Modern Talking anfing und bei Bros schon wieder so langsam aufhörte hatte natürlich niemand etwas, was einem Musikunterricht in der Klasse zehn gerecht wurde. Niemand? Doch, die zwei unbeugsamen Metalheads und der langhaarige schlugen »Got a match« vor.

Sie war begeistert, dass ihre Schüler schon so anspruchsvolle Musik hörten, die anderen hassten uns noch mehr und wir hatten unsere Musiknoten für dieses Halbjahr gerettet. (Ein Halbjahr später retteten wir sie dann damit, dass wir »Dirty Dancing« nicht gut fanden. Gab aber auch wieder Minuspunkte beim Rest der Klasse.)

Ich erinnere mich noch, wie sie die Noten auf den großen Schulflügel legte und nach einer Viertelstunde Fingerverknoten begeistert feststellte, dass das Stück ja nur nach musikalischen Überlegungen und überhaupt nicht nach bequemen Fingersätzen beim Spielen komponiert war. Womit ich ihr Niveau dann auch begriffen hatte.

»Got a match« also. Die Tür zum Jazz stand offen. Sicher nicht mit dem schlechtesten Einstieg.

(Sorry. Keine Knutschgeschichten diesmal.)


Ähnliche Artikel lesen?

Außerdem schrieb ich zum gleichen oder ähnlichen Themen auch noch …

Ich finde den Artikel super!

Das freut mich natürlich sehr.

Du kannst den Artikel weiter verbreiten
Du meinst, der Artikel könnte auch anderen gefallen? Dann findest Du etwas weiter oben auf dieser Seite, direkt rechts unten am Artikel ein paar Buttons. Damit kannst Du den Artikel per eMail, Twitter, facebook oder google+ weiter verteilen. Ich würde mich darüber freuen.

Mir ein Geschenk machen? Uiuiuiui.
Gefallen Dir meine Artikel immer wieder, schöder Mammon ist Dir aber zu doof? Dann mach mir doch eine Überraschung: Hier findet Du meine amazon-Wishlist mit ausgesuchten und garantiert Freude spendenden Präsenten zwischen fünf und zweitausenfünfhundert Euro – da ist bestimmt was passendes dabei.

Geld? Wow.
Ist Dir mein Artikel darüber hinaus sogar noch etwas wert, dann findest Du bei den Icons zum Verbreiten des Artikels einen flattr-Button. Jeder Euro, der darüber reinkommt geht direkt weiter an netzpolitik.org.

Wer? Was? Warum?

Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

Dein Kommentar:

Du möchtest auch so ein hübsches Bild am Kommentar haben? Die Bilder gibts bei gravatar.com
Die Bedingungen für das Buchen eines kommerziellen Kommentars findest Du hier.