Soundtrack meines Lebens: Shock the monkey

Aus der Kategorie »just music«

Beim Lesen beim Bosch etwas entdeckt und für gut und nachahmenswert befunden. In loser Folge stelle ich hier Stücke vor, an die ich mich erinnere und/oder mit denen ich besondere Situationen verbinde. Folge 5 von …

Ich war also nun zur Freude meiner Mitmenschen ein stolzer, wenn auch kurzhaariger und unbekutteter Metalhead. Mitten in diese Phase – die ich natürlich nie als Phase bezeichnet hätte – kam der Herr TheMM in unsere Klasse. Der machte zwar zu dem Zeitpunkt auch die ein oder andere Geschmacksverwirrung durch, brachte mir aber auch (auch wenn ich das natürlich nicht gerne zugebe) ’ne Menge Zeugs bei. Blaumachen zum Beispiel habe ich in seiner ganzen Vollkommenheit und Eleganz von ihm gelernt, aber das ist eine andere Geschichte.
Als wir zum Ende der 10 auf Klassenfahrt fuhren, drückte er beim ersten Einsteigen eine Cassette in das Busradio und die lief dann eine Woche lang durch.

Eine Woche ist eine Menge Zeit und bietet viele Gelegenheiten, mir jedes mal, wenn Herr Gabriel »Shock« sang, in die Rippen zu kieksen. Sehr lustig.
Und das wo doch Peter Gabriel eh Popmusik und somit ablehnenswert war.
Dummerweise gefiel mir, was ich hörte. Das war anders als die Popmusik, die ich kannte. Das war sogar anders als alles andere, was ich so bis dahin gehört hatte.
Sehr verwirrend, das alles. Trotzdem habe ich mir nach der Klassenfahrt von ihm diese Cassette auch mal aufnehmen lassen. Sie verließ dann – die treue Leserin gähnt gelangweilt, denn sie bekommt diese Geschichte zum zigsten mal erzählt – circa ein Jahr meinen Cassettenrecorder zu Hause nicht mehr.
Und als ich mir irgendwann mal die CD kaufte konnte ich sie nicht hören. Denn Herr TheMM hatte – um auch alles auf die 90er Cassette zu bekommen die Reihenfolge der Seiten vertauscht. Die CD war also für mich falsch. Gelöst habe ich dieses Problem dann erst mit iTunes.

Und auch die Leserinnen, die nach dem letzten Teil darauf hoffen, dass doch wieder geknutscht wird bekommen jetzt noch, was sie wollen:
Irgendwann während der Reise machten wir auch eine Rundfahrt mit so einem dummen Dampfer. Während dieser Fahrt wollte D. mit der mich irgendeine undefinierte Form von was-weiß-ich verband von mir wissen, warum ich denn so krampfhaft alle moderne Musik ablehnen müsse und nur auf diesen schrecklichen Krach stände. Ich antwortete wahrheitsgemäß irgendetwas darüber, dass dieser schreckliche Krach wenigstens aus dem Herz des Schreibers direkt gespielt und dann auf die Platte gepresst wäre, während die aktuelle Popmusik ja hauptsächlich Samples anderer Leute nutze und somit quasi aus Emotionsfetzen bestände. Sie guckte überrascht, murmelte was mit »tiefgründig« und »nicht gedacht« und 10 Minuten später standen wir auf dem Vordeck und küssten uns das erste mal. (»Vordeck« klingt großartig für so einen dämlichen Fluss-Dampfer, nicht wahr?)

Meine Meinung zu Samples hab ich übrigens später irgendwann geändert.

Alle Beiträge dieser Reihe kannst Du hier finden.


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